Roomstorys

Schweden-Liebe oder: Vom Finden und Gefunden werden

Giovanna von Lieblings ist die vierte Bloggerin, die wir im Rahmen unserer Roombeez-Geburtstagsaktion zur Raumtouristin gemacht haben. Sie hat von uns eine Olympus PEN Systemkamera bekommen und sich aufgemacht zu einem Paar, dass seine Schweden-Liebe in Wiesbaden zelebriert – schaut einfach selbst:

Es gibt Geschichten, die sind so verrückt, dass man sie von vorn bis hinten erzählen muss. Wie die von Christina und Robin Estenfelder zum Beispiel. Die beiden Wiesbadener verliebten sich im Urlaub in die skandinavische Lebensart und stellten sich prompt ein Schwedenhäuschen in den Hinterhof. Statt sommerlaue Abende verbrachte das Paar dort arbeitsreiche Stunden: Die Blockhütte mutierte zu einem Einrichtungslädchen. Ein paar Jahre später geht die Liebe zu skandinavischem Design täglich über Christinas Ladentisch. Mit ihrem kleinen Geschäft „Midsommer“ in der Wiesbadener Altstadt hat Christina ihr berufliches Glück gefunden. Und auch der zentral gelegenen Altbauwohnung spürt man in jeder Ecke die Liebe zum dänischen Design ihrer Bewohner.

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Erst waren da diese Menschen im Hof. Christina Estenfelder staunt nicht schlecht, als sie aus dem Küchenfenster in ihre kleine Hinterhof-Idylle in Bad Soden blickt. Fremde stehen dort und bestaunen ihr leuchtend rotes Schwedenhaus, das sie liebevoll dekoriert hat. Die gelernte Hotelkauffrau hat sich die Blockhütte eines Nachts ersteigert – aus einer Laune heraus. „Wir kamen gerade aus dem Schwedenurlaub und wünschten uns einen schönen Rückzugsort zum Entspannen. Zusammen mit Mann Robin räumten sie den Elektroschrott fort und verwandelten den grauen Hinterhof in der Brunnenstraße in  eine kleine skandinavische Insel. „Wir wollten es uns ein bisschen hübsch machen“, erinnert sie sich. „So wie die Schweden das immer Sommer auch tun.“

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Das Schwedenhaus zieht fremde Menschen in den Hof

Aber: Das leuchtend rote Schwedenhaus bringt nicht nur skandinavisches Flair in den Kurort, es zieht auch die Menschen an wie ein Magnet. In Scharen strömen sie in den Innenhof des Mietshauses. Erst wollen sie Christina den Stuhl abkaufen, den Tisch, die Dekoration, am liebsten alles. „Das war verrückt.“ Christina lächelt und schüttelt den Kopf. Die Dinge entwickelten eine ungeahnte Eigendynamik. Aus der privaten Schweden-Oase entwickelte sich ein florierender Nebenerwerb: „Midsommer“ nennt Christina ihr kleines Lädchen im Hinterhof. Ihre Kunden lieben ihren Blick fürs Detail, ihr Händchen für dekorative Arrangements – und werden immer mehr. Eines Tages steht sie vor der Wahl:  Behalte ich den Job in der Hotellerie oder wage ich den Schritt in die Selbständigkeit? Christina gibt ihren Job auf. Schweren Herzens verkauft sie 2010 ihr süßes Schwedenhäuschen an eine treue Stammkundin, um in Wiesbaden ihren ersten richtigen Laden zu eröffnen.

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Der Standort mit einer Großbaustelle vor der Tür ist für den kleinen Laden nicht ideal. Wieder einmal hilft der Zufall nach: Christina erzählt der Kundin, die ihr schon die rote Blockhütte abgekauft hatte, von der Suche nach einem neuen Standort. Diese hatte gerade ein Geschäftshaus in der Wiesbadener Altstadt ersteigert – und neben einem neuen Ladenstandort auch eine Bleibe für das junge Paar im Angebot. „Die Wohnung hat uns gefunden“, erinnern sich beide lächelnd. Der Altbau, ehemals ein Bürokomplex, wird saniert, Robin und Christina können eigene Ideen miteinbringen. „Als erstes habe ich mich in die hohen Decken und die vielen Fenster verliebt“, sagt Christina. „Fast die gesamte Front besteht aus Fenstern.“ Auch heute, fast drei Jahre nach dem Einzug, bereut sie den Aufbruch in die hessische Landeshauptstadt nicht. „Wir leben hier individuell und städtisch, genießen das Flair der schmalen Gassen und bekommen dennoch fast nichts von dem Trubel um uns herum mit“, schwärmt die gebürtige Schwäbin.

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Die 130 Quadratmeter große Altbauwohnung mit dem Parkettboden hat einen ungewöhnlichen Grundriss: Sie ist geschnitten wie ein U. Vom Schlafzimmer aus kann Christina ihrem Robin zuwinken, wenn dieser im Gästezimmer steht. Ebenso kurios: Die Wohnung hat zwei Eingänge. „.Aus zwei Büros wurde eine Wohnung. Das ist ungewöhnlich – und gerade das lieben wir.“

„Eine Wohnung muss nicht perfekt sein. Eine persönliche Note braucht Zeit.“

Neben Küche und Bad kann sich Christina einrichtungstechnisch in fünf weiteren Zimmern austoben. Gar nicht so einfach, wenn man ein Perfektionist ist und sich auch hauptberuflich mit schönen Dingen umgibt. Aber auch das nimmt Christina gelassen: „Ich habe gelernt, dass eine Wohnung nicht perfekt sein muss. Eine Wohnung mit persönlicher Note einzurichten braucht einfach Zeit.“ Kreativer Sparringpartner ist dabei ihr Mann Robin, der, wäre er nicht Banker geworden, am liebsten Architektur studiert hätte. „Wir entscheiden alles gemeinsam. Nur Abnicken gibt es hier nicht“, ist sich das junge Ehepaar einig.

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Christinas absoluter Lieblingsort in der luftigen Altbauwohnung: das Sofa. Es ist über und über mit hübsch gemusterten Kissen und weichen Decken belegt. Rundherum schaffen Kerzen und indirekte Beleuchtung eine Wohlfühlatmosphäre. „Es ist so gemütlich hier. Hier kuschele ich mich ein und lasse den Alltag ausklingen.“

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Menschen und ihre Geschichten

Vom Sofa aus ist auch der Blick auf die neueste Errungenschaft aus dem vergangenen Städtetrip nach Kopenhagen am besten: Drei Prints hängen an der Wand zur Küche, reduziert gestaltet, mit leichter Ironie, typisch skandinavisch eben. „Das sind nicht unbedingt die Wohnobjekte mit der spannendsten Geschichte, aber im Moment meine liebsten“, sagt Christina, der es besonders der Kaktus mit den erhobenen Armen angetan hat. Die Künstlerin kennen beide persönlich. Persönlichkeit ist überhaupt so eine Sache, auf die Christina besonderen Wert legt: „Wo ich einkaufe, kenne ich meistens die Inhaber, denn mich interessieren die Menschen, die hinter den Geschichten stehen. Anonymes Online-Shopping ist nicht so mein Ding.“

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Ganz aus dem Rahmen der üblichen Einrichtung fällt das Gästezimmer: Statt Pastell und Schwarz-Weiß dominieren hier leuchtende Türkis- und Pinktöne das Farbkonzept. Ein Kontrast, der Christina besonders gut gefällt – und der für sie auch ein Stück weit Erinnerung ist: „Die Produkte von Rice waren mit die ersten, die ich im Schwedenlädchen verkauft habe. Sie sind originell, farbenfroh und erfreuen das Herz.“
Mutig in der Farbwahl zeigte sich das Paar auch im Schlafzimmer: Ein sattes Blau ziert die Wand am Kopf des Bettes. Auch die Vorhänge sind dunkelblau. Die Inspiration dazu fand Christina in einem kleinen Boutique-Hotel in Stockholm.

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Luftiger geht es dafür im geräumigen Wohnzimmer zu. Immer wieder laden kleine Sitzgelegenheiten zum Verweilen ein. Im Korbstuhl sitzt Christina am liebsten. „Der Korbstuhl ist einer der ersten Dinge, die wir bei House Doctor bestellt haben. Er transportiert den unkomplizierten, guten Stil der Dänen, die im Sommer viele Möbel einfach mit nach draußen nehmen und sich ein weiteres Zimmer unter freiem Himmel einrichten.“  Daneben hat er auch einen emotionalen Wert für Christina: „Für mich symbolisiert er Neubeginn und die verschiedenen Stationen in unserem Leben. Er war von Anfang an mit dabei, ist flexibel und wandelbar wie das Leben selbst und stets offen für Neues – zum Beispiel für einen Platz in der Sonne.“

Schon morgen geht es weiter für Schlüssellochgucker: Raumtouristin Carolin von Sodapop Design nimmt uns mit in die lichtdurchflutete Altbauwohnung ihrer Freundin Bibi nach Koblenz – es lohnt sich, dran zu bleiben!