Beleuchtung

Experten-Interview: Lichtplaner Marc Nelson, Teil 2

Am Montag konntet Ihr bereits den ersten Teil des Interviews mit dem Lichtexperten Marc Nelson lesen. Weiter geht es heute mit dem zweiten Teil, in welchem Marc Nelson verrät, worauf es bei der Raumbeleuchtung bei Euch zu Hause ankommt.

Wie kann ich mit welchem Licht eine bestimmte Stimmung erzeugen?

Eine ausführliche Antwort auf diese Frage wäre sehr komplex und würde den Rahmen dieses Interviews sprengen. Grundsätzlich lassen sich durch richtig eingesetztes Licht Wohnungen komplett umgestalten. Niedrige Räume können höher, enge Räume weiter erscheinen. Lichtakzente können Raumelemente betonen oder auch in den Hintergrund treten lassen.

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Ein sehr einfaches Mittel, um mit der gleichen Leuchte eine veränderte Stimmung im Raum zu erzeugen, ist der Einsatz von Dimmern. Allerdings ist hier unbedingt zu beachten, dass nicht jeder Dimmer auch jede Art der Lampe dimmen kann. Insbesondere bei der LED gibt es hier immer wieder Schwierigkeiten, denn nur wenige LED-Lampen sind dimmbar und von den wenig dimmbaren LED ist nicht jede mit jedem Dimmer kompatibel. Die Hersteller der LED-Lampen geben auf Nachfrage Listen heraus, denen man entnehmen kann, welcher Dimmer zu welcher LED passt. Doch Obacht: Trotz der Herstellerhinweise gibt es auch hier immer wieder Überraschungen, wenn z. B. die LED anfängt zu flackern oder sich nur bis auf 50 Prozent dimmen lässt. Zudem verändert derzeit die LED bei einem Betrieb am Dimmer noch nicht ihre Lichtfarbe, sondern nur die Helligkeit. Deshalb ist mein Favorit zur Beleuchtung von Wohn- und Schlafzimmern immer noch die Glühlampe: Sie lässt sich flackerfrei dimmen, ihre Lichtfarbe wird bei abnehmender Helligkeit wärmer und das Licht somit behaglicher.

Wie sieht aus Ihrer Sicht eine optimale Raumbeleuchtung im Privatbereich aus?

Meine eigene Wohnung ist sehr klassisch, fast altmodisch eingerichtet. Es gibt einige wunderschöne Leuchten aus den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Solche Leuchten dürfen nach meinem Empfinden nur mit klassischen Glühbirnen bestückt werden. Und da alle Leuchten in meinen Wohnräumen dimmbar sind, hat die Glüh- und Halogenlampe einen bereits erwähnten großen Vorteil gegenüber der LED: bei der Glühlampe wird das Licht immer wärmer, je weiter sie gedimmt wird.

Allerdings habe ich auch sehr darauf geachtet, dass es möglich ist, die Räume in der dunklen Jahreszeit sehr hell zu beleuchten, um dem sogenannten Winterblues (im Fachjargon amüsanterweise als SAD – Seasonal Affected Disorder – bezeichnet), zu entgehen.

In den Nebenräumen und in meiner Küche finden durchaus LED Verwendung. Die LED wird im privaten Bereich sicherlich in naher Zukunft alle anderen Leuchtmittel ablösen. Hierdurch ergeben sich einige wichtige Änderungen: die Helligkeit einer Lampe wird jetzt in LUMEN, abgekürzt lm, angegeben. Durch den im Vergleich zur Glühlampe viel geringeren Verbrauch der LED wird so eine bessere Beurteilung der Helligkeit von unterschiedlichen Lampenarten möglich.

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Viele Verbraucher können mit diesem Wert noch nichts anfangen, deshalb als Faustregel: um die Helligkeit einer LED zu beurteilen, können Sie derzeit noch die angegebenen Lumen durch zehn teilen. Das Ergebnis entspricht dann in etwa der Helligkeit einer bekannten Glühlampe in Watt. Beispiel: eine LED mit 495lm ist also in etwa so hell wie eine 50W-Glühlampe. Weiterhin sind LED, anders als Glühlampen, in unterschiedlichen Lichtfarben erhältlich. Für eine optimale Raumbeleuchtung sollten Sie immer auf die richtigen Lichtfarben achten, auf den Verpackungen angegeben in KELVIN, abgekürzt mit dem Buchstaben K. Hierbei gilt: je kleiner die Zahl vor dem K, desto wärmer das Licht:

  • 2700K entsprechen in etwa dem Licht der Glühlampe
  • 3000K werden bei der LED als Warmton bezeichnet, wirken aber etwas kühler als Glühlampen
  • 4000K bedeuten Neutralweiß und erzeugen schon recht kühles Licht
  • 5000K und mehr werden als Tageslicht bezeichnet

Zusammenfassend würde ich sagen:

Eine optimale Raumbeleuchtung gewährleistet, dass sich die Bewohner in ihren Räumen wohlfühlen. Da sich das Empfinden von Licht, Helligkeit und Lichtfarbe von Mensch zu Mensch unterscheidet, gilt es also, die Vorstellungen und Bedürfnisse zu erkennen, oder sich hierbei von einem Fachmann unterstützen zu lassen, und mit gut gewählter Beleuchtung umzusetzen.

Übrigens: In Wohnräumen lässt sich der meiste Strom immer noch mit den Worten meiner Großmutter sparen: „Wenn Du einen Raum verlässt, dann mach hinter Dir das Licht aus!“

Vielen herzlichen Dank für das spannende und sehr informative Interview, Herr Nelson!

otto.de feiert seinen zwanzigsten Geburtstag und deswegen läuft seit der letzten Woche unsere Aktion Guter Grund, Farbe zu bekennen, bei der Ihr herausfindet, in welcher Farbe Eure Räume gestrichen werden sollten. Jede Woche stellen wir Euch die jeweiligen Ergebnisse zu einem Raum vor. Wir starten heute mit dem Schlafzimmer!

Am höchsten im Kurs (42 Prozent) steht für Euch im Schlafzimmer das Entspannen und Erholen. Welche Farbe eignet sich dafür am besten? Genau: schlichtes Weiß.

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Abschalten und Träumen ist auf dem zweiten Platz (41 Prozent) gelandet – das funktioniert am besten in einem blauen Schlafzimmer. Dafür müsst Ihr nicht einmal Eure kompletten Wände umstreichen. Kristina weiß, wie Ihr ganz gezielt Farbakzente setzen könnt.

Nicht zu kurz kommen dürfen natürlich romantische Stunden. Das ist aber nur neun Prozent von Euch wichtig. Romantische Stunden fühlen sich in einem rosafarbenen Umfeld am intensivsten an. Hat von Euch jemand ein Schlafzimmer ganz in Rosa?