Küche

Eleganz und Minimalismus: Individuelle Küchen von Holzrausch

Interview mit Tobias Petri von Holzrausch 

Alles aus einer Hand. Das war schon immer das Konzept der Münchner Schreinerei Holzrausch. Mittlerweile ist Holzrausch auch ein Planungsbüro, das sich über die deutschen Grenzen hinaus kaum vor Aufträgen retten kann. Individuelle, hochwertige, minimalistische Küchen sind ihre Königsdisziplin – häufig eine Kombi aus Holz, Stein und Beton. Aber viele Kunden beauftragen Holzrausch auch für ihren gesamten Innenausbau. Nebenbei bündeln Tobias Petri und Sven Petzold das Knowhow, das sie in den letzten achtzehn Jahren gesammelt haben, in dem Entwurf einer Systemküche.

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Du arbeitest schon seit achtzehn Jahren mit Deinem Geschäftspartner Sven Petzold zusammen. Wie gut ist Eure Beziehung heute? 

Wir verstehen uns besser denn je. Es macht so viel Spaß, mit ihm zusammenzuarbeiten.

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Tobias Petri und Sven Petzold

Macht Ihr beide alles, oder wie ist Eure Arbeitsteilung?

Wir arbeiten beide zusammen mit Kunden die Konzepte aus. Es ist interessant zu beobachten, dass die Kunden von selbst zu demjenigen finden, der besser zu ihnen passt.

Schreiner, Designer, Manager – was steht auf Eurer Visitenkarte? 

Geschäftsführer. Aber wir sind und fühlen uns als Schreinermeister. Wir haben ja von Anfang an eigene Entwürfe umgesetzt. Und bis heute ist „alles aus einer Hand“ unser Konzept. Die Leute kommen ja zu uns, weil sie unsere Planung wollen und die Umsetzung. Daher haben wir seit ein paar Jahren auch ein Planungsbüro, ein großes System hinter uns, das mitarbeitet: Architekten, Innenarchitekten und Holztechniker. Wir gestalten mit, aber Sven und ich sind nicht die großen Designer. Wir entwickeln die Konzepte mit Bauherren und Architekten zusammen. Hier geht es um sehr feine detaillierte Entwürfe.

Du bist kein Fan von irgendeinem Star-Architekten? 

Nein. Mir ist immer der menschliche Umgang am wichtigsten. Dass gute Leute gute Ideen zusammen finden. Und dass der Prozess auf einer Welle abläuft.

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Ist High-End-Minimalismus heute überhaupt noch in? 

Minimalismus und Reduktion wird immer unser Ding bleiben. Wir interessieren uns nicht für Mode-Erscheinungen im Interior Design, wie Eklektizismus – ich kann das Wort nicht mehr hören – das passt nicht zu uns. Wir werden immer auf handwerkliche, super detaillierte Ausführungen aus hochwertigem Material spezialisiert sein.

Früher habt Ihr Küchen für Freunde gebaut, jetzt arbeitet Ihr für viele berühmte Leute. Wer sind Eure Kunden? 

Darüber sprechen wir grundsätzliche nicht. Es sind viele Leute aus dem Bereich Wirtschaft, Kunst und Musik. Aber auch Leute, die am Wochenende durch die Küchenstudios spazieren und merken, dass sie dort nicht das bekommen, was sie suchen. Als Schreiner können wir auf den Raum reagieren und auf die individuellen Wünschen eingehen.

Und diese Leute stehen dann alle auf den gleichen, minimalen Stil? 

Die wollen alle den gleichen Komfort. Aber die Hölzer sind schon unterschiedlich, je nach Projekt. Wir sind ja auf heimische Hölzer eingeschossen, wir arbeiten viel mit Echtholz-Furnieren und Tischlerplatten. Wir bauen gerade drei Häuser in Zürich, eins auf Ibiza, und ein großes Haus am Tegernsee. Das sind schon so richtige Traumhäuser.

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Was macht Ihr, wenn jemand seltsame Wünsche hat? 

Wenn die Kunden Ideen haben, von denen wir nicht überzeugt sind, versuchen wir, charmant von unseren Ideen zu überzeugen. Wir suchen uns die Projekte, die zu uns passen, sehr genau aus. Wir sagen auch viel ab. Wir versuchen, in eine Richtung zu steuern, die beiden Seiten gefällt. Bei uns gibt es kein oben und unten.

Bedeutet Luxus heute etwas anderes als beispielsweise in den 80er-Jahren? 

Leute, die Marmorböden und goldene Armaturen lieben, gibt es nach wie vor in München, aber die landen nicht bei uns. Bei uns ist Handwerklichkeit der versteckte Luxus. Wobei ich Luxus als Wort nicht mag. Wenn eine Küche in einen offenen Wohnraum integriert wird, wünschen sich unsere Kunden oft, dass sie versteckt daher kommt. Und sich im unbenutzten Zustand wie Architektur in den Raum einfügt. Die Leute wollen die neuesten Geräte, aber sichtbar sollen sie häufig nur im Gebrauch sein.

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Man drückt auf einen Knopf und die Geräte springen aus einem Kubus, oder wie funktioniert diese Unsichtbarkeit? 

Ja, nur, dass es keinen elektrischen Knopf gibt. Alles ist mechanisch: Zack, Türe auf. Rausschieben. Fertig.

Wann kann ich eine Systemküche bei Euch bestellen? Was ist das Konzept? 

Wir lassen uns Zeit bei diesem Projekt, es gibt keinen festen Zeitplan. Wir haben festgestellt, dass viele Systemküchen-Anbieter gleich vorgehen und Kästen aus Spanplatten mit Fronten und Arbeitsplatten zusammenschrauben. Das sieht dann irgendwie alles gleich aus. Unser Küchensystem samt Innenleben soll hochwertiger sein. Das soll am Ende natürlich günstiger sein, als eine individuelle Küchenanfertigung von Holzrausch, die ab 40.000 Euro zu haben ist.

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Wie wohnst Du selbst in München?

Ich habe meine Wohnung, in der ich mit meiner Familie, selbst saniert. Das hat total Spaß gemacht. Mein Lieblingsraum ist komplett aus Holz, aus Douglasie. Im Moment baue ich eine moderne Holzhütte in Tirol auf 1260 Metern Höhe. Es wird ein Haus nur aus echten Materialien: massives Weißtannen-Holz, massives Lärchenholz, purer, sehr rauer Beton, Natur-Steinboden aus dem Gestein, das wir beim Aushub aus dem Berg ausgegraben haben.

Manche Architekten trauen sich nicht, in ihren eigenen Häusern zu wohnen, weil sie sich selbst gegenüber zu kritisch sind.

Ich könnte das niemand anderes machen lassen.

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Werden die Hölzer, die Ihr verwendet, nicht immer knapper?

Nein. Einheimische Hölzer, wie Eiche und Nussbaum, kriegst Du immer. Was natürlich knapper wird, sind die Exoten, wie Tropenhölzer. Aber das versuchen wir sowieso zu vermeiden.

Welches Holz ist Dein Lieblingsholz?

Das kommt immer auf den Boden drauf an, der im Raum ist, also auf die Kombination. Eiche gefällt mir schon sehr gut.

Vielen Dank für das Interview!

Alle Bilder © http://www.holzrausch.de