Tourentipps: 3.000 Kilometer Jakobsweg erfolgreich meistern

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Ich gehe ab Ende Juni von mein­er Haustüre in Nürn­berg aus auf dem Jakob­sweg bis nach San­ti­a­go de Com­postela. Meine Route führt mich zunächst über Ulm an den Bodensee, dann durch die Schweiz bis nach Genf, weit­er auf der Via Geben­nen­sis und der Via Podi­en­sis durch Frankre­ich und schließlich auf dem berühmten Camino Frances oder dem ruhigeren Küsten­weg bis ans Ziel in Spanien. Wenn ich täglich durch­schnit­tlich 25 Kilo­me­ter gehe, müsste ich nach vier Monat­en, also Ende Okto­ber in San­ti­a­go de Com­postela ein­tr­e­f­fen. 3.000 Kilo­me­ter, unzäh­lige An- und Abstiege, die unter­schiedlich­sten Unter­gründe, Sonne, Wind und Wet­ter sowie vier bis fünf Mil­lio­nen Schritte wer­den ich und meine Aus­rüs­tung dann aus­ge­hal­ten haben.

Klingt nach ein­er Mam­mu­tauf­gabe? Ich bin zuver­sichtlich, dass ich es schaf­fen werde, denn ich bin bere­its mehrmals wochen­lang am Stück unter­wegs gewe­sen, zum Beispiel auf dem Fränkischen Gebirgsweg oder auf der Alpenüber­querung Salzburg – Tri­est. Außer­dem beachte ich vor und auf Fer­n­wan­derun­gen ein paar Dinge und Regeln um gesund und munter durchzukom­men. Ich habe sie für dich in diesem Artikel zusammengestellt.

Wanderer macht Pause

Für Grundkondition sorgen

Auch wenn die Fit­ness beim Gehen auf dem Jakob­sweg kommt, ist es eine gute Idee, schon beim Start über aus­re­ichend Grund­kon­di­tion zu ver­fü­gen. Nur so steckt man die täglichen Anforderun­gen prob­lem­los weg und kann über Nacht regener­ieren. Ich mache in der Vor­bere­itung pro Woche drei Wan­derun­gen zwis­chen 15 und 25 Kilo­me­tern. Wer zeitlich weniger flex­i­bel ist, kommt auf ein­er flot­ten Feier­aben­drunde eben­falls auf 20 Kilometer.

In voller Montur trainieren

Um eine möglichst authen­tis­che Belas­tung zu erre­ichen, wan­dere ich mit genau der Aus­rüs­tung, die ich später auf dem Jakob­sweg ver­wende, also in Wan­der­schuhen, mit gepack­tem 32-Liter-Rucksack und mit Trekkingstöck­en. Dies hat gle­ich mehrere Vorteile: Erstens gewöhne ich mich frühzeit­ig an die fremde Last. Zweit­ens stärke ich neben der Bein­musku­latur auch die Hüft-, Rücken- und Arm­musku­latur. Und drit­tens merke ich, ob meine Aus­rüs­tung taugt und kann sie wenn nötig noch opti­mieren. Man sollte nicht nur bei Son­nen­schein trainieren, son­dern auch dann, wenn es mal kalt ist oder reg­net. Es ist sehr ärg­er­lich, wenn sich erst unter­wegs her­ausstellt, dass die Regen­jacke nicht wasserdicht ist.

Pilgern auf dem Jakobsweg

Sich ausgewogen ernähren

Eine gesunde Ernährung ist Grund­lage für einen leis­tungs­fähi­gen Kör­p­er. Sie ist mir vor und während langer Fer­n­wan­derun­gen noch wichtiger als son­st. Ich ernähre mich veg­an und habe her­aus­ge­fun­den, dass mein Kör­p­er dadurch schneller regener­iert. Das ist auch der Haupt­grund, warum immer mehr Leis­tungss­portler auf tierische Pro­duk­te verzicht­en. Für den Muske­lauf­bau sollte man aus­re­ichend Pro­tein essen. Pflan­zliche Pro­tein­quellen sind beispiel­sweise Sojapro­duk­te, Hülsen­früchte, Nüsse und Samen.

Ich kom­biniere diese mit viel Gemüse und Obst, Kohlen­hy­drat­en wie Vol­lko­rn­brot, Nudeln und Kartof­feln, hochw­er­ti­gen Pflanzenölen, Gewürzen und frischen Kräutern. Das schmeckt und gibt Pow­er für den Jakob­sweg. Natür­lich kann man auch als Veg­e­tari­er oder Fleis­chess­er San­ti­a­go de Com­postela erre­ichen. Den Kon­sum von fet­tre­ichem Fleisch, Eier­speisen und Milch­pro­duk­ten zu reduzieren, bringt jedoch zahlre­iche Vorteile mit sich – für die eigene Gesund­heit, unsere Mit­men­schen, die Tiere sowie die Natur.

Jakobsweg

Alkohol reduzieren

Bier, Wein & Co. haben reich­lich Kalo­rien und reduzieren nach­weis­lich die Leis­tungs­fähigkeit. In den Wochen der Vor­bere­itung verzichte ich fast kom­plett auf Alko­hol und auch auf dem Jakob­sweg wird man mich kaum bei Saufge­la­gen antr­e­f­fen. Ein Kostverächter bin ich freilich nicht. In gesel­liger Runde mit anderen Pil­gern wird sich­er manch Glas Rotwein geleert.

Schuhe einlaufen

Gibt es etwas Unan­genehmeres, als mit Blasen an den Füßen wan­dern zu müssen? Auch Blasenpflaster helfen dann oft nicht mehr. Man sollte also nur mit gründlich ein­ge­laufe­nen Wan­der­schuhen gen San­ti­a­go de Com­postela auf­brechen. Am Besten kauft man sie im Fachgeschäft, im Zweifel eine halbe oder ganze Schuh­größe größer. Auf mehrwöchi­gen Touren schwillt der Fuß näm­lich stärk­er an als auf Tagestouren.

Wandern auf dem Jakobsweg

Nur das Nötigste mitnehmen

Weniger ist mehr auch oder ger­ade auf ein­er Fer­n­wan­derung oder Pil­ger­tour. Jedes Gramm muss jeden Meter und jeden Höhen­meter fort­be­wegt wer­den. Ich werde auf mein­er 3.000 Kilo­me­ter lan­gen Wan­derung auf dem Jakob­sweg weniger als zehn Kilo­gramm auf dem Rück­en tra­gen – inklu­sive Schlaf­sack, Wass­er, Pro­viant, Foto, Handy und Tablet (die let­zten drei Gegen­stände benötige ich, um meine täglichen Berichte und Fotos zu erstellen und online hochzuladen).

Alles was ich in den vier Monat­en benötige, passt in einen 32-Liter-Rucksack. Falls mir unter­wegs etwas fehlt oder kaputt geht, kaufe ich es ein­fach nach. Auf dem Jakob­sweg liegen immer wieder größere Städte wie Kon­stanz oder Genf, wo es Geschäfte aller Art gibt. Zu zweit oder in der Gruppe zu wan­dern, hat den Vorteil, dass man sich Aus­rüs­tung teilen und so Gewicht sparen kann.

Mit Trekkingstöcken gehen

Hätte mir vor ein paar Jahren jemand gesagt, dass ich vor Ein­tritt ins Rentenal­ter mit Gehhil­fen wan­dern würde, hätte ich ihn aus­gelacht. Zum Glück habe ich auf den Ratschlag erfol­gre­ich­er Fer­n­wan­der­er gehört, Trekkingstöcke mitzunehmen. Ohne wäre ich vielle­icht nie über die Alpen gekom­men. Trekkingstöcke sor­gen für Halt in schwierigem Gelände und für eine aus­ge­wo­genere Belas­tung des Kör­pers, da die Arme und der Oberkör­p­er einen Teil der Arbeit übernehmen. Längst sind diese mod­er­nen Wan­der­stöcke leicht und ineinan­der schieb­bar. Man kann sie also prob­lem­los am Ruck­sack ver­stauen, wenn man sie mal nicht benötigt.

Feldweg

Zeitdruck zuhause lassen

Regen, Blasen an den Füßen, Schmerzen am Bewe­gungsap­pa­rat, eine Erkäl­tung – während ein­er lan­gen Fer­n­wan­derung kann viel passieren. Glück­lich schätzt sich, wer nicht die ganze Tour durchge­plant hat, son­dern ein paar Tage Puffer hat. Ger­ade auf den ersten Etap­pen ver­suche ich auf meinen Kör­p­er zu hören, um Ver­let­zun­gen und Über­mü­dung zu ver­mei­den. Im Zweifel ein­fach etwas langsamer machen oder einen Ruhetag einlegen.

Ausreichend schlafen

Möchte ich die Strecke von mein­er Haustüre in Nürn­berg aus bis nach San­ti­a­go de Com­postela in vier Monat­en schaf­fen, muss ich täglich 25 Kilo­me­ter zurück­le­gen. Um dies zu erre­ichen, ist Regen­er­a­tion sehr wichtig. Dazu zählt neben der Ver­sorgung mit Nährstof­fen vor allem aus­re­ichend Schlaf. Diesen fand ich auch bei meinen bish­eri­gen Touren meist aus­re­ichend, selb­st wenn ich mit zwanzig anderen im Matratzen­lager lag. Für den Fall, dass mein Bet­tnach­bar schnar­cht, habe ich Ohropax griff­bere­it. Am besten schläft man natür­lich im eige­nen Zim­mer. Diesen Luxus werde ich mir gele­gentlich leisten.

Blick auf See

Einfach vertrauen

Eine Reise zu Fuß ist ein kleines Aben­teuer. Man wird vor­ab nicht erfahren, was einen unter­wegs alles erwartet. Wahrschein­lich wird ger­ade das Uner­wartete ein­treten. Solange man aber Grundle­gen­des – wie die Tipps in diesem Artikel – beachtet und sich nicht unnötig in Gefahr bringt, spricht nichts gegen den Auf­bruch. Ver­trauen hil­ft mir dabei den ersten Schritt und die weit­eren vier bis fünf Mil­lio­nen Schritte zu machen, Ver­trauen auf den eige­nen Kör­p­er, Ver­trauen auf die Hil­fs­bere­itschaft ander­er Pil­ger und Ver­trauen auf die Gast­fre­und­schaft in den Pilgerherbergen.

Du kannst auf mein­er 3.000-km-Wanderung live dabei sein, in dem Du meine täglichen Berichte liest und die Fotos anschaust. Das Schwitzen und die Schmerzen übernehme ich für Dich!

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Zeit zu zelten: Campen mit Kindern

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Seid ihr schon mal mit kleinen Kindern zelten gewesen? Wir haben es letztes Jahr zum ersten Mal versucht. Also ich als absoluter Campingverweigerer habe den Vorschlag gemacht, dass wir doch mal mit unseren Kindern auf einem Zeltplatz Urlaub machen sollten. Mein Mann hat mich nur ungläubig angeschaut. Man muss allerdings dazu sagen, dass es eine Vorgeschichte gibt, die ihn zu diesem Blick berechtigte. Kurz nach dem Abitur haben wir mit Freunden eine Kanutour auf der Warnow gemacht. Es war eingeplant, dass wir eine Übernachtung im Zelt dabei haben. Ich habe sogar mein Zelt aufgebaut und war total motiviert. Irgendwann abends…

Hallo, ich heiße Christof und schreibe auf meinem Blog über Minimalismus und Nachhaltigkeit. Ohne materiellen Überfluss, negative Beziehungen und unnötige Verpflichtungen zu leben, führt zu persönlichem Glück und gesellschaftlichem Gewinn....

Zum Autor

Freitag, 17. Juni 2016, 15:42 Uhr

Danke, lieber namen­los­er Kommentar-Schreiber 🙂

Mittwoch, 15. Juni 2016, 21:53 Uhr

ich bin begeis­tert, dass du diese Tour machst. Ich bin auch ein Fan von langem Wan­dern. Das muss aber nicht unbe­d­ingt der Jacob­sweg sein. Let­ztes Jahr bin ich die ganze Ost­see abgeklap­pert. Hat mir wirk­lich gut getan. War anstren­gend, gab mir aber ein großes Glücks­ge­fühl. Geschlafen habe ich im Schlaf­sack irgend­wo hin­ter den Dünen oder im Wald. Vielle­icht mache ich näch­stes Jahr wieder so eine Tour. Reizen würde es mich auf jeden Fall. Ich wün­sche dir viel Erfolg auf deinem Weg.