Mein Weg zu nachhaltiger Kleidung

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… und wie man den Überblick behält.

Der Auslöser war damals dieses Video über Textilproduktion, welches Marie mir empfohlen hatte. Kurz vorher hatten wir beim Mittag über re:BLOG und nachhaltige Mode gesprochen. Irgendwo in meinem Hinterstübchen klingelte da schon länger etwas. Erst nur leise, aber es wurde immer lauter. Wie diese Wecker, die irgendwann so laut sind, dass einem nichts anderes übrig bleibt, als endlich aufzustehen. Dieser Wecker wollte mir deutlich machen: Ich sollte meinen Klamotten-Konsum mal überdenken. Weil ich einfach zu vieles kaufe, das ich eigentlich nicht brauche. Sachen, bei denen ich in der Umkleidekabine schon nicht sicher bin, ob ich sie wirklich will. „Aber was soll’s? Kostet ja nicht so viel, also nehme ich das mal mit.“

Wenn ich mit Freunden spreche oder mich auf Blogs rumtreibe, wird klar, dass es vielen so geht. Da steht ein voller Kleiderschrank, aus dem man tatsächlich nur etwa zehn Prozent der Sachen auch regelmäßig anzieht. Der Rest ist Überfluss. Ein bisschen wie beim Bäcker, der abends um kurz vor sechs noch die Auslage voll hat. Einfach nur, damit auch niemand das Gefühl bekommt, er hätte keine Auswahl mehr.

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Stellt euch die Frage: Wie viel Kleidung baucht ihr wirklich?

Aber motzen hilft ja nichts. Also ran an die Buletten und etwas ändern.

Schritt für Schritt zur fairen Mode

Ich startete mit Schritt eins aus Franziskas Tipps für einen nachhaltigen Kleiderschrank: Ausmisten. Basics gab ich in die Kleiderspende, kaum getragene Sachen, die noch ziemlich fancy aussahen, an die Kleiderei (coole Sache!). Puh, damit war zumindest ein bisschen Platz gewonnen.

Das nächste Problemchen: Was, wenn ich meinen Schrank dann doch mal wieder mit ein paar neuen Sachen aufrüsten möchte? Um für solch einen Anflug von Shoppinglust gewappnet zu sein, fing ich an, auf Ecosia (eine nachhaltige Suchmaschine – ja, sowas gibt es!) nach nachhaltigen Modelabels zu googl… äh … zu suchen. Dabei fiel mir dann schnell auf, dass nachhaltig nicht gleich nachhaltig ist. Bei einem Label werden die Klamotten umweltfreundlich hergestellt, beim anderen wird die Kleidung sozial und fair, also unter menschenwürdigen Bedingungen und zu angemessenen Löhnen produziert, bei einem weiteren sind die Sachen vegan.

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Die Transportwege für Kleidung sind oftmals unglaublich lang.

Hinzu kommt, dass die Produktionsketten so lang sind, dass die Nachhaltigkeitsfaktoren nie für den kompletten Weg, sondern nur für einzelne Stationen gelten: Ist es die Herstellung der Stoffe, die nachhaltig ist? Ist es die Weiterverarbeitung zum fertigen Kleidungsstück? Sind es die Lieferwege bis in den Store oder zum Endkunden?

Orientiert euch an Siegeln

Ihr merkt schon: Fragen über Fragen. Und bevor euch, wie mir damals, der Kopf  explodiert, hier mein ganz einfacher Tipp: Überlegt euch, was euch am Herzen liegt und legt eure Priorität fest.

Geht es euch um die Menschen? Darum, dass Bauern, Färber und Näherinnen angemessen bezahlt werden, Kinder- und Zwangsarbeit ausgeschlossen sind, keine für die Arbeiter gesundheitsschädigenden Chemikalien und Pestizide zum Einsatz kommen? Siegel, die hierbei Orientierung bieten: Fairtrade, Fair Wear Foundation, Cotton Made in Africa.

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Wie sind die Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken?

Legt ihr Wert auf eure eigene Gesundheit? Oder auf die eurer Kinder? Darauf also, dass die Kleidung gesundheitlich unbedenklich ist? Siegel zur Orientierung: ÖKO-TEX Standard 100.

Liegt euch eher das Wohl der Tiere am Herzen, sodass ihr auf vegane Mode setzen wollt? Siegel zur Orientierung: die Veganblume.

Oder wollt ihr in erster Linie der Natur was Gutes tun? Das heißt, sichergehen, dass die Rohstoffe biologisch, also ohne den Einsatz von Chemikalien bzw. Pestiziden angebaut wurden? Dass Stoffe ressourcenschonend, also durch einen geringeren Wasserverbrauch hergestellt werden und biologisch abbaubar sind? Dass Lieferwege CO₂-neutral sind? Siegel zur Orientierung: bluesign Standard, Best-Qualitätszeichen, GOTS.

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Setzt euch eure eigenen Prioritäten

Natürlich geht vieles Hand in Hand. Schaden wir beispielsweise der Umwelt, wirkt sich das langfristig auch auf uns und die Tiere aus. Nichtsdestotrotz habe ich mich zum Beispiel dafür entschieden, beim Klamottenkauf darauf zu achten, dass die Sachen fair produziert wurden. Denn dass ein Top vielleicht CO₂-neutral verschickt wird, wiegt für mich nicht auf, dass es in einer Fabrik ohne ausreichende Sicherheitsbedingungen von Näherinnen für einen winzigen Lohn genäht wurde.

Ihr merkt also schon: Es gibt so viele verschiedene Faktoren, sodass ein Kleidungsstück (in naher Zukunft zumindest) wohl erstmal nicht zu hundert Prozent nachhaltig sein kann, aber zumindest nachhaltiger. Wir gehen kleine Schritte, aber wir gehen sie. Und das ist ja schon mal ein Anfang.

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Moin, ich bin Sophie, Rosinenaussortiererin, Sport-Unfan, Handy auf lautlos-Stellerin, Teilzeit-Dickkopf und deshalb Vollzeit-Freiberuflerin für Redaktion und Social Media. Als ich Marie von der Re:BLOG-Crew kennenlernte, wurde ich mit dem Interesse...

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