Hochsensibilität – was ist das überhaupt?

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„Mir kommt es vor, als wäre mein Herz aus Sei­den­pa­pi­er. Ich wün­schte, die Welt würde vor­sichtiger mit ihm umge­hen. ”
Richelle E. Goodrich

Immer wieder liest man in den Medi­en etwas über „hochsen­si­ble Men­schen“. Aber: Was ist das über­haupt? Eine Mod­eer­schei­n­ung oder eine ern­stzunehmende Ein­schränkung?

Sensible Menschen

Einen Kater von zu viel Alko­hol ken­nt man ja. Aber Ner­venkater? Wohl jed­er, der hochsen­si­bel ist, weiß um dieses Phänomen. Pochende Kopf­schmerzen, Übelkeit oder ein­fach nur Schw­er­mut sind typ­is­che Anze­ichen dafür, dass ein­fach alles mal wieder zu viel war. Der Kör­p­er, Geist und Seele brauchen eine Auszeit. Und zwar jet­zt. Genau jet­zt, wenn es mal wieder über­haupt nicht passt. Mit­ten in der schön­sten Par­ty, während ein­er dien­stlichen Besprechung oder auf einem Flug.

Fehlender Filter

Während die anderen noch fröh­lich in die Bar gehen, wollen Hochsen­si­ble nur noch ins Bett flücht­en. Der Grund ist eine Über­forderung. Die Sinne kön­nen nichts mehr aufnehmen und das Gehirn ist über­fordert mit der Ver­ar­beitung der vie­len Ein­drücke.

Ueberforderung
„Hochsen­si­blen fehlt ein Fil­ter, der die aufgenommene Daten­flut einord­net und nach Wichtigkeit sortiert.”

Anders als andere Men­schen kön­nen sie das Gese­hene, Gehörte oder Geroch­ene nicht ein­fach aus­blenden. Inter­essiert und begeis­terungs­fähig wie sie sind, saugen sie alles Neue auf. Während sich die meis­ten auf das Gespräch am eige­nen Tisch konzen­tri­eren kön­nen, wis­sen Hochsen­si­ble auch, worüber an den drei Nach­bar­tis­chen gesprochen wird. Andere Hochsen­si­ble kön­nen sog­ar fühlen, wenn jemand lügt. Die Liste der Empfind­samkeit­en ist schi­er unendlich.

Wurzeln in den USA

Was lange von der Gesellschaft als schüchtern oder intro­vertiert abgestem­pelt wurde, wird nun unter dem Aspekt der Hochsen­si­bil­ität neu betra­chtet. Als erstes hat die amerikanis­che Psy­cholo­gin Elaine N. Aron dieses Phänomen benan­nt. Sie war in ihren Stu­di­en in den 1990er Jahren darauf gestoßen. Seit­dem wird Hochsen­si­bil­ität nicht mehr als Macke oder „diven­haftes“ Getue ange­se­hen, son­dern wird erforscht und gesellschaftlich ernst genom­men.

Anzeichen von Hochsensibilität

Typ­is­che Kennze­ichen sind, dass Hochsen­si­ble Stör­fak­toren nicht aus­blenden kön­nen. Ob es der brum­mende Lap­top ist, das blink­ende Licht in der Disko, der tick­ende Zeiger der Uhr, Wurst­geruch im Bahn­abteil, Gespräche am Neben­tisch oder Ungerechtigkeit­en in der Straßen­bahn.

Hochsensibilitaet

Hochsen­si­ble sind von vie­len Sachen sehr tief berührt. Aber: Wenn jemand nicht-hochsensibel ist (und das sind nach Forschun­gen ca. bis zu 85% der Men­schen) bedeutet es nicht, dass er oder sie nicht sen­si­bel oder ein­fühlsam sein kann. Hochsen­si­bil­ität ist eine biol­o­gis­che Ver­an­la­gung, Betrof­fene sind über­durch­schnit­tlich feinsin­nig. Sie nehmen Reize mit ihren Sin­nen viel stärk­er wahr.

Auf Hochsensibilität testen

Inzwis­chen ist das The­ma HSP, wie Hochsen­si­bil­ität auch abgekürzt wird, auch bei uns angekom­men und im Inter­net kur­sieren viele Tests und Texte, mit denen man über­prüfen kann, ob man selb­st hochsen­si­bel ist oder nicht.

Dabei muss man fol­gende Fra­gen beant­worten:

  • Erschrickst du leicht?
  • Bist du schmerzempfind­lich?
  • Machen laute Geräusche dir beson­ders zu schaf­fen?
  • Hast du ein reich­es, kom­plex­es Innen­leben?
  • Bee­in­flussen dich Stim­mungen ander­er Men­schen?
  • Brauchst du mehr Zeit für dich allein, als andere Men­schen?
Indizien Hochsensibilitaet

Diese Fra­gen geben Anhalt­spunk­te, die Hochsen­si­ble erah­nen lassen, dass es möglicher­weise einen Grund gibt, warum sie schon immer Außen­seit­er waren. Zu erken­nen, dass man vielle­icht zu den 15–20 Prozent der Bevölkerung gehört, die von dieser Überempfind­lichkeit betrof­fen sind, kann für viele Men­schen ein großer Segen sein. Denn sie kön­nen damit anfan­gen sich so zu akzep­tieren, wie sie sind, ohne zu glauben, es stimme etwas mit ihnen nicht.

Ausdruck einer überforderten Gesellschaft?

Bis heute steck­en die Forschun­gen zum The­ma Hochsen­si­bil­ität in den Kinder­schuhen. Es gibt auch viele Skep­tik­er, die daran zweifeln, dass es sie über­haupt gibt oder sie sich wis­senschaftlich beweisen lässt. Schließlich sei auch unsere Umwelt kom­plex­er gewor­den. Es werde wesentlich mehr Druck aufge­baut als früher. Die ver­meintlichen Anze­ichen von Hochsen­si­bil­ität kön­nten auch auf diese Umstände zurück­zuführen sein.

Gesellschaft Schnelllebig

Möglicher­weise ist Hochsen­si­bil­ität tat­säch­lich der Aus­druck ein­er über­forderten Gesellschaft, in der Burn-outs und Neu­rosen an der Tage­sor­d­nung zu ste­hen scheinen. Let­z­tendlich ist es aber auch egal, wie man es nen­nt. Es gibt nun mal viele Men­schen, die Erle­ichterung ver­spüren, weil sie endlich eine Erk­lärung für ihre Gefüh­le haben. Ob man nun hochsen­si­bel ist oder nicht, ist dabei gar nicht so entschei­dend. Viel wichtiger ist es, in sich hineinzuhorchen und dann ganz für sich selb­st eigene Kon­se­quen­zen zu ziehen. Und eben auch zu ler­nen, dass es sowas wie einen Ner­venkater gibt und wie man ihm vor­beu­gen kann – näm­lich mit Ruhe, Auszeit­en in der Natur und Entschle­u­ni­gung.

Ruhe Entspannung Natur

Tipps für Hochsensible

  • Pausen sind wichtig, vor allem nach Über­stim­u­la­tion. Such dir eine reizarme Umge­bung und nimm dir Zeit, die Ein­drücke zu ver­ar­beit­en.
  • Sport hil­ft Stress abzubauen, Med­i­ta­tion auch – bei­des ist vor allem für empfind­same Per­so­n­en rat­sam.
  • Struk­tur gibt Sicher­heit: Hochsen­si­ble Men­schen benöti­gen einen All­t­ag, der sehr genau geplant ist, in dem es keine “Über­raschun­gen” gibt.
Meditieren Gegen Stress
  • Hochsen­si­ble kön­nen von einem Moment auf den anderen Hunger bekom­men, weil das Ver­ar­beit­en der vie­len Ein­drücke so anstren­gend ist. Deswe­gen immer etwas zu Essen in der Tasche haben.
  • Mit­tagspausen müssen nicht immer in Restau­rants mit Kol­le­gen ver­bracht wer­den, wenn du über­fordert bist. Suche dir eine ruhige Ecke, in der du für dich sein kannst.
  • Bah­n­reisen wer­den erträglich­er mit Kopfhör­ern und Med­i­ta­tion­s­musik.
Entspannung Bahnreise Musikhoeren
  • Nimm dir aus­re­ichend Zeit, wenn du dich auf etwas Neues ein­stellen möcht­est, entwed­er auf Reisen, beim Umzug oder mache Lis­ten für das Unüber­schaubare, was noch zu erledi­gen ist.
  • Lerne, dich bewusst abzu­gren­zen und Nein zu sagen, wenn es zu viel für dich ist.

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