Überfischung: Welchen Fisch dürfen wir eigentlich noch essen?

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Fisch ist gesund – Omega 3, wenig Fett, eine gute Sache. Eigentlich. Denn die Tiere gehören mit Bedacht auf den Teller: Bis zu 90 Prozent der weltweit­en Bestände in den Meeren gel­ten als überfischt.

Fischfang
„Welchen Fisch und welche Meeres­früchte darf man, die Nach­haltigkeit im Blick, dann über­haupt noch essen?” 

Sie sind gefährdet oder sog­ar vom Ausster­ben bedro­ht. Großin­dus­trielle Schlepp­net­z­fis­ch­er (Trawler) fis­chen die Meere leer und bedro­hen so auch die Exis­tenz klein­er Fis­ch­er an Nord- und Ost­see oder an den afrikanis­chen, asi­atis­chen oder südamerikanis­chen Meeresküsten. Und woran erken­nt man nach­haltig gefan­genen Fisch? Umweltver­bände wie Green­peace oder WWF geben dazu Empfehlun­gen her­aus. Nachhaltigkeits- und Bio-Siegel wie MSC, ASC, Natur­land, Bioland und Deme­ter bieten eben­falls eine Ori­en­tierung – manche für Seefisch, andere für Fisch aus Aquakul­turen oder für bei­de. Weniger, aber dafür bewusster Fisch zu kon­sum­ieren, ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Rich­tung. Eben­falls eine gute Idee: mal Algen pro­bieren, oder Queller. Denn wer den Geschmack von Salz, Fisch und Meer mag, wird vielle­icht auch diese Meeres­gewächse leck­er find­en. Zudem sind sie eine gesunde und sog­ar veg­ane Alter­na­tive zu Seefisch, enthal­ten die Pflanzen doch eben­falls Jod und manche sog­ar Omega-3-Fettsäuren.

Greenpeace

Für alle, die genauer hin­guck­en: Der Fis­chrat­ge­ber von Green­peace bew­ertet, woher der gefan­gene Fisch stammt und welche Meth­ode ver­wen­det wurde.

Ratgeber Fischverzehr Greenpeace

Green­peace hat einen Fis­chrat­ge­ber her­aus­gegeben, der die wichtig­sten Speise­fis­charten entwed­er in grün­er Schrift („Wenn Fisch, dann dieser“) oder in rot („Fin­ger weg, nicht nach­haltig“) markiert. Die Liste umfasst sowohl Wild­fänge als auch Fisch aus Aquakul­tur. Zusät­zlich sind bei bei­den Rubriken Aus­nah­men aufgezählt. So ist „aus Wild­fang“ grün gekennze­ich­net und damit nur Her­ing empfehlenswert – mit regionalen Ein­schränkun­gen. Bei rot gekennze­ich­neten Arten, wie dem Kabel­jau, gibt es beispiel­sweise die Aus­nahme beim Atlantis­chen Kabel­jau, der darf gegessen wer­den, wenn er vor Island und mit Grund-Langleinen gefan­gen wurde. Bei Fisch aus Teichen ist der Karpfen ganz weit vorn: Er ist ohne Ein­schränkun­gen zu empfehlen.

WWF

Mit sein­er Farb-Ampel bietet der Fis­chrat­ge­ber des WWF eine schnelle Über­sicht. Oft ver­langt er aber auch, dass man genauer hin­schaut, um als Ver­brauch­er umfassend informiert zu sein.

Fisch Ratgeber Siegel WWF

Der WWF ver­wen­det ein Farb­sys­tem mit Ampel­far­ben für seinen Fis­chrat­ge­ber. Er bew­ertet den Zus­tand der Fis­chbestände sowie Umweltauswirkun­gen und Man­age­ment von Fis­chereien und Aquakul­turen. Das bedeuten die Ampel­far­ben: Grün = Gute Wahl, Gelb = Zweite Wahl, Rot = Lieber nicht. Auster und Karpfen sind auch nach dieser Liste grün und damit zu empfehlen, Dorn­hai, Rochen, Schnap­per und Papageifisch sind rot, also Hände weg! Sardelle, Schell­fisch und Scholle tra­gen alle drei Farbpunk­te: Je nach Fangge­bi­et und -meth­ode kann ihr Genuss okay sein – oder eben nicht. Also genau hin­guck­en oder nach­fra­gen, wo und wie der Fisch gefan­gen wurde.

MSC

Weg­weis­er mit Wieder­erken­nungswert im Logo-Dschungel: Das MSC-Siegel zer­ti­fiziert Fis­chereien, die Wild­fisch aus Süß- und Salzwass­er oder Meeres­früchte fan­gen und dabei auf Nach­haltigkeit acht­en. Entsprechende Pro­duk­te tra­gen das blau-weiße Siegel.

Siegel Fischfang MSC

Das Marine Stew­ard­ship Coun­cil, kurz MSC, wurde vor gut 20 Jahren gegrün­det. Die Welt­meere waren zu dem Zeit­punkt völ­lig über­fis­cht und die Poli­tik machte keine Anstal­ten, dage­gen etwas zu unternehmen. Unilever und WWF set­zten sich deshalb zusam­men und grün­de­ten den MSC als inter­na­tionale, unab­hängige und gemein­nützige Organ­i­sa­tion. Das Ziel: einen inter­na­tion­al gülti­gen Umwelt­stan­dard für nach­haltige Fis­cherei zu etablieren. Dieser fußt auf wis­senschaftlichen Erken­nt­nis­sen und dient dazu, den langfristi­gen Erhalt von Fis­chbestän­den und Leben­sräu­men im Meer zu sich­ern. Bevor eine Fis­cherei das Siegel bekommt, muss sie eine Zer­ti­fizierung durch­laufen. Der MSC-Umweltstandard betra­chtet drei Kri­te­rien: Gibt es aus­re­ichend große Fis­chbestände, sind die Ein­flüsse auf das Ökosys­tem min­i­mal oder zumin­d­est akzept­abel und gibt es ein wirkungsvolles Fischereimanagement?

Fischerboot in Norwegen
© MSC

Heute sind zwölf Prozent des weltweit­en Fangs an Fisch und Meeres­frücht­en MSC-zertifiziert. Zwei Prozent stam­men aus Fis­chereien, die sich derzeit im Zer­ti­fizierung­sprozess befind­en. Grund­sät­zlich kann jede legale Fang­meth­ode zer­ti­fiziert wer­den – was Umweltver­bände wie Green­peace und Nabu kri­tisieren. Neben dem Ein­satz schädlich­er Fang­geräte miss­fällt ihnen auch die Umge­hung von Meer­ess­chutzge­bi­eten und die Tat­sache, dass soziale Aspek­te unzure­ichend berück­sichtigt sind.

ASC

Schneller Entschei­dung­shelfer: Was das MSC-Siegel für Wild­fisch, ist das ASC-Siegel für Fisch aus Aquakul­turen. Es vere­int die Inter­essen viel­er Beteiligter, unter anderem der Lebens­mit­telin­dus­trie – und ist deshalb in manchen Bere­ichen nicht so streng, wie es Bio-Label sind.

Fischfang Siegel

Seit dem Jahr 2010 gibt es den ASC, das Aqua­cul­ture Stew­ard­ship Coun­cil. Gegrün­det haben es WWF und IDH, „The Sus­tain­able Trade Ini­tia­tive“ aus den Nieder­lan­den. ASC will als weltweit führen­des Zertifizierungs- und Kennze­ich­nungssys­tem für Fisch und Meeres­früchte aus ver­ant­wor­tungsvoller Zucht die glob­alen Stan­dards für ver­ant­wor­tungsvolle Aquakul­tur ver­wal­ten, die im Rah­men der WWF-Aqua­cul­ture Dia­logues  entwick­elt wur­den. Das ASC-Siegel find­et sich wie das MSC-Siegel auf Fis­chver­pack­un­gen und im Fis­chhan­del. Kri­tik­er bemän­geln, dass in den zer­ti­fizierten Betrieben der Ein­satz von Fis­chmehl und gen­tech­nisch verän­dertem Soja als Fut­ter erlaubt ist. Let­ztlich mussten bei der Vielzahl an Beteiligten mit zum Teil unter­schiedlichen Inter­essen Kom­pro­misse gemacht wer­den. Den­noch: Auf einen Nen­ner gebracht, ist das Ziel der Siegel, dass sich die glob­alen Märk­te für Fisch und Meeres­früchte in Rich­tung Nach­haltigkeit entwick­eln. Und das ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.

Naturland

Das Label für Ver­brauch­er, denen strenge ökol­o­gis­che Vor­gaben wichtig sind.

Siegel Fischfang Aquakultur Wildfang Naturland

Der Inter­na­tionale Ver­band für Ökol­o­gis­chen Land­bau Natur­land unter­hält ein eigenes, strenges Label für Fisch aus ökol­o­gis­ch­er Aquakul­tur und nach­haltigem Wild­fang. Es betra­chtet beim Wild­fang neben der Sta­bil­ität der Ökosys­teme auch Fang­geräte und –meth­o­d­en und soziale Aspek­te. Bei Zucht­fis­chen aus Aquakul­tur sind etwa tierg­erechte Besatzdicht­en und ökol­o­gis­che Fut­ter­mit­tel Vor­gabe. Der Ein­satz gen­tech­nisch verän­dert­er Organ­is­men ist verboten.

Fazit von Überfischung 

Wir kön­nen also fes­thal­ten, dass uns hier zwei Dinge entschei­dend weit­er­brin­gen kön­nen. Zum einen ist Wis­sen mal wieder Macht – informiert euch über beste­hende Siegel und was sie bedeuten. Und zum anderen gilt das gle­iche Cre­do wie beim Fleis­chkon­sum: Weniger ist mehr. Wenn ihr euch Fisch gön­nt, dann achtet auch die Qual­ität und seht es als etwas Beson­deres, was nicht jeden Tag auf den Tisch gehört.

Titel­bild: © MSC

Was passiert eigentlich mit unseren Altkleidern?

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Wohin eigentlich mit aussortierter Kleidung? Die einfachste Art ist der Gang zum Altkleider Container. Was die wenigsten von uns jedoch wissen: Der Westen ist die Kleiderkammer der Dritten Welt.

Altkleidercontainer

In Deutschland gibt es viele Möglichkeit Altkleider loszuwerden. Eine Möglichkeit ist Kleidungsstücke, Schuhe und andere Textilien in einen von etwa 120 000 Altkleider-Containern zu werfen oder als Spende an eine gemeinnützige Organisation wie Sozialkaufhäuser oder Kleiderkammern zu geben. Wir haben uns die Reise eines T-Shirts, das in einen Container geworfen wurde, genauer angesehen und zeigen Alternativen auf, wie du Altkleider sozial- und umweltverträglich los wirst.

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Seit mehr als zehn Jahren arbeitet das Redaktionsteam Reisefeder unter anderem für Magazine wie Brigitte, Onlineportale wie Spiegel Online oder Reisebücher wie Merian. Anke hat Ökologie und Kommunikation studiert und...

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