Wie Reisen wirklich glücklich macht

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Jahresurlaub festgezurrt, mindestens drei Reiseführer in den Koffer geworfen. Den Koffer einen Tag vor dem Urlaubsantritt hektisch gepackt. Viel zu viel mitgenommen. Die Liste der Must-sees ist lang. Keine Zeit fürs Schlendern oder für stundenlanges Sitzen im Café. Keine Zeit für Zufallsbegegnungen und Momente der Ruhe. Sofort los, sofort besichtigen. Es sind ja nur zwei oder drei Wochen. Und dann muss frau ja wieder arbeiten und dann geht der Stress los und deswegen muss auf Reisen soviel Neues, Freude, Spaß und Entspannung reingestopft werden wie irgend möglich.

Das war mein Urlaubsszenario. Vor der Weltreise. Jetzt ist es mein Worst-Case-Urlaubs-Szenario.

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Ich bin wieder da. Nachdem ich zusammen mit meinem Mann 180 Tage möglichst grün und ökologisch um die Welt gereist bin. Soviel steht fest: Eine Weltreise ist mehr als nur Länderhopping und ich habe es mal mehr und mal weniger geschafft, ökologisch zu reisen. Öfter Zug und Bus statt Flugzeug, gebucht via Airbnb statt Massenhotel, immer nach Ökohotels gesucht und regionale Anbieter genutzt, statt die ganz Großen. Auf manches verzichtet aus Gründen des Tier- und Umweltschutzes. Das Great Barrier Reef in Australien zum Beispiel. Es erschien uns einfach unökologisch nur für das Reef, nur für vier Tage, einen Fünf-Stunden-Flug zu unternehmen. Also waren wir nicht dort. Ich habe auch ohne Great Barrier Reef viel gesehen, viel erlebt und habe gelernt, dass weniger oft sehr viel mehr sein kann. Sanfter Tourismus also.

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Nach unserer Rückkehr haben wir uns sortiert, unser Leben und unsere Gedanken. Und Freunde und Familie getroffen. Eines ist mir dabei besonders aufgefallen. Wir wurden als Erstes immer wieder nach den spektakulärsten Erlebnissen gefragt. Die zwei häufigsten Fragen, die wir also gestellt bekamen nach unserer Rückkehr:

1. Wo war es am schönsten?

2. Wo war es am spektakulärsten?

Da haben wir sie, die Superlative. Es muss bei uns offenbar immer am „schönsten“, „tollsten“, „besten“ und „spektakulärsten“ sein.

Ich lächle dann und erzähle von den kleinen Momenten. Davon, wie entschleunigens es sein kann, einfach mal da zu sein und vom Alltag weg zu sein, innezuhalten, die Momente zu erleben und anzukommen. Ich habe auf der Weltreise eine neue Art des Reisens entdeckt und nicht nur das. Aber dazu später mehr.

Wie reisen mehr als nur reisen sein kann

Du kannst reisen oder einfach „da“ sein und das Leben geschehen lassen. Du kannst erleben oder dir eine lange To-do-Liste schreiben, du kannst Stimmung und Leben aufsaugen oder von A nach B hetzen, um möglichst viel gesehen zu haben. Jeder von uns hat die Wahl, ob er aus dem Urlaub ein Erleben macht oder im Sekundentakt ein geplantes Erlebnis nach dem anderen aneinanderreiht.

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Die schönsten Momente und Menschen kamen immer dann zu uns, wenn wir nichts geplant haben. Wenn wir spontan waren, wenn wir die Dinge auf uns zukommen ließen.

In Südaustralien zum Beispiel. Spontan sind wir zu einem Koala-Hospital gefahren, das wir zufällig im Internet entdeckt haben. Nach einem Gespräch mit unseren Airbnb-Gastgebern über die Koalas in Australien. Ich durfte dort einen Koala in den Armen halten, habe viel über diese wunderbaren Tiere gelernt und bin den restlichen Tag beseelt durch Australien gelaufen. Bis heute denke ich an diese kleine Koaladame und an den Tag im Wildlife-Hospital.

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Samoa

Oder die ruhige Gelassenheit der Menschen in Samoa, die wir nur erlebt haben, weil wir nicht von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit gehetzt sind. Sondern uns mit den Menschen unterhalten haben, uns Zeit genommen haben und spontan dorthin gefahren sind, wo man uns empfohlen hat zu übernachten. Taufua Beach Fales ist ein wunderschöner Ort, ein Hostel zum ankommen, nachdenken und die Gedanken laufen zu lassen. Ich habe dort viel über mein Leben nachgedacht, was ich will und nicht mehr will. Was sich ändern muss und was gleich bleiben darf. Das habe ich mir mitgenommen. Aber nur, weil ich nicht damit beschäftigt war, von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit zu hetzen.

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Und jetzt kommen wir zu dem, was ich auch gelernt habe auf meiner Reise. Das worum es eigentlich geht ist, im Hier und Jetzt zu sein und das Leben mit einem Lächeln zu nehmen. Die Erkenntnis, dass es nur an uns liegt, unser Leben zu gestalten und die Dankbarkeit dafür, dass ich aus einer Region komme, in der ich auch die Chance dazu habe.

Ich erkenne zum Beispiel auf der Reise, dass das Leben schöner ist, wenn man es anlächelt. Die Menschen in Afrika erzählen mir vom Glück des Lächelns. Sie haben viel weniger als wir Europäer, sind oft chancenloser und doch viel zufriedener.

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Neuseeland

Ich lerne in Neuseeland, dass wir uns zu oft von allem um uns herum beeindrucken lassen. Gerade wir im Westen lassen uns von den Erwartungen und den Meinungen der Mitmenschen sehr schnell mitreißen. Wir wollen alles und das auch noch zu schnell und wir wollen zu viel davon. Das erkenne ich in einem Campervan mitten im herbstlichen Neuseeland. Während der Heizer rattert und die Regentropfen an die Camperwand klopfen. Ich habe gerade weder Luxus noch Platz, aber ich bin zufrieden. Weil ich Zeit habe.

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Beim Reisen haken viele eine Liste ab – Hotspots sollen abgearbeitet werden, damit man mitreden kann. Irgendwie wird reisen dann zu einer Pflicht. Ist das wirklich wünschenswert? Reisen kann so viel mehr. Reisen kann eine Pausetaste sein, ein Moment, um nachzudenken. Eine Reise kann den Weg zu mehr Zufriedenheit zeigen. Eine Reise kann zum Nachdenken anregen. Über Prioritäten zum Beispiel. Über das, was wirklich wichtig ist im Leben. Und spätestens dann ist Reisen sogar Meditation und Glücksbringer. Wir müssen uns nur darauf einlassen und dann die Gedanken und Erkenntnisse ins normale Leben mit zurücknehmen.

Hi, ihr Lieben! Mein Name ist Petra und ich blogge auf „Hollightly“ über Fashion, Design und grünen Lifestyle. Ich bin bekennendes Modemädchen mit Hang zu schönen Dingen und überzeugt davon, dass sich Design-Liebe mit gutem Öko-Gewissen vereinbaren lässt. Öko muss nicht nach Jute, Sack und Asche aussehen. Deswegen suche ich für meine Leser wie ein kleines Eco-Trüffelschweinchen nach stylischen Fair Trade Labels und nachhaltigen Eco-Spots.

Letzte Kommentare (3)

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Sonntag, 6. September 2015, 12:00 Uhr

Liebe Julia, vielen Dank für deinen schönen Kommentar 🙂 Reisen kann so toll sein, aber das weißt du ja sowieso mit deiner schönen Reiseseite. Ein hoch auf die Entschleunigung und liebe Grüße, Petra

Hof Hutmacher Angelika
Samstag, 5. September 2015, 11:55 Uhr

Sehr schöner Artikel 🙂
Ich bin mit meinem Mann schon sehr viel gereist.. und immer wieder auf diese Gefühle und Ideen zurück gekommen..
Heute morgen lagen wir einfach zwei Stunden im Bett und haben uns gestreichelt… Es war wie ein Urlaub, im Urlaub… Im gemeinsamen Sein 🙂
Danke für´s Teilhaben

Donnerstag, 3. September 2015, 18:17 Uhr

Liebe Petra,

schöne Worte, die du da gefunden hast – sehr gelungener Artikel!

Auch ich lasse mich viel lieber treiben, schlendere durch Gassen und entdeckte so oft tolle Orte. Der Reiseführer wird zwar doch noch oft eingepackt, genutzt wird meist nur die praktische Stadtkarte.

Anfangs war ich ein wenig besorgt ich könnte irgendetwas verpassen, wenn ich meine Reisen nicht komplett durchplane. Diese Sorge hat sich bisher noch nie bestätigt. Ich kann jedem nur empfehlen sich selbst nicht unter Druck zu setzen, sonder – wie du schon sagst – sich auf die kleinen Dinge zu konzentrieren.

Ich freue mich auf weitere Einblicke in deine Weltreise.

Ganz liebe Grüße,

Julia