Crowdbutching: Bio-Fleisch aus dem Internet

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„Iss (wenn über­haupt) weniger Fleisch, aber dafür nur Gutes und Zurückverfolgbares.” 
Fir­men­philoso­phie von Crowdbutching 

Crowd­butch­ing bedeutet, gemein­sam im Inter­net ein Tier (Kuh, Schwein oder Huhn) zu kaufen, so dass das kom­plette Tier „ver­wen­det“ wird und nichts ver­loren geht. Qua­si: From Nose to Tail. Erst wenn es zur Gänze verkauft ist, wird das Tier auch geschlachtet und die Pakete mit Bio-Fleisch wer­den an die Kun­den ver­schickt. In diesem Sinne geht Crowd­butch­ing ein­er­seits gegen Lebens­mit­telver­schwen­dung vor und ander­er­seits soll wieder mehr Wertschätzung für das Lebens­mit­tel Fleisch geschaf­fen wer­den. Übri­gens, das Wort Crowd­butch­ing set­zt sich aus Crowd­fund­ing  – hier beteiligt man sich eben an einem Tier statt an einem Unternehmen – und Butch­ing – dem englis­chen Begriff für Schlach­tung – zusam­men. Alles Wis­senwerte erk­lärt uns Berend te Voortwis, Grün­der von Crowd­butch­ing, im Interview.

nachhaltig fleisch essen

„Iss weniger Fleisch, aber dafür nur Gutes und Zurück­ver­fol­gbares“ ist Teil eur­er Fir­men­philoso­phie. Wie seid ihr auf die Idee „Crowd­butch­ing“ gekom­men? Und was ist euer Konzept?

Das Konzept ist ent­standen, weil wir als Fam­i­lie auf einem Bauern­hof mit Tieren aufgewach­sen sind und jährlich eine Kuh geschlachtet haben. Davon ging die Hälfte in den Gefrier­schrank für uns und die andere Hälfte ging an Fam­i­lie und Fre­unde. Unser Met­zger por­tion­ierte das Fleisch für uns in schöne Cuts/Schnitte und zum Beispiel Burg­er. So, wie es eigentlich der Brauch war in kleineren Gemein­schaften, die sich ein Tier teilen. Die Qual­ität des Fleis­ches bei den anderen Met­zgern wurde mit der Zeit immer schlechter und nahm den Kun­den das Ver­trauen. Dadurch beka­men wir mehr und mehr Anfra­gen zu unserem Rind­fleisch und haben schließlich in nur einem Win­ter 11 Kühe geschlachtet und bei uns auf dem Hof ver­ar­beit­et. Das war der Anfang unseres Fam­i­lien­be­triebes. Und jet­zt, 25 Jahre später, arbeit­en wir immer noch auf die gle­iche Art und Weise. Das Konzept haben wir noch weit­er ver­fein­ert und schließlich online umge­set­zt. So ist Crowd­butch­ing entstanden.

Im Durch­schnitt wer­den jährlich im Pri­vathaushalt in Deutsch­land pro Kopf etwa 7 %, also über 4 kg Fleisch pro Per­son wegge­wor­fen. Eine trau­rige Sta­tis­tik finde ich. Denkt ihr, dass ihr mit Hil­fe von Crowd­butch­ing das Prob­lem lösen kön­nt? Oder ist das etwas zu opti­mistisch gedacht?

Das Wichtig­ste ist, dass wir dem Kon­sumenten wieder eine Wahl bieten. Bis hin zum Bauern­hof und der Kuh, bes­timmt bei uns der Kunde genau, was und woher er kauft. Das macht den Prozess sehr direkt. So kommt man wieder sehr nah an die Art, wie man früher seine Pro­duk­te kaufen kon­nte – direkt vom Bauern. Außer­dem bekommt der Kunde so wieder in gewis­sem Umfang Eigen­ver­ant­wor­tung gegenüber dem, was er kauft. Man wählt nicht aus einem anony­men, großen Fass, wo man manch­mal nicht weiß, kam das Tier aus Deutsch­land oder doch aus Südameri­ka? Wo man gar nicht mehr weiß, was für ein Leben das Tier hat­te, was für ein Fut­ter es bekom­men hat, bei welchem Land­wirt es aufgewach­sen ist. Man muss sich blind darauf ver­lassen, dass es schon irgend­wie in Ord­nung ist, selb­st mit Güte­siegeln auf der Verpackung.

bio steak grillen

Wie dif­feren­ziert sich Crowd­butch­ing vom Rest?

Crowd­butch­ing ist eigentlich ein sehr direk­ter Aus­tausch zwis­chen dem Kon­sumenten und dem Bauern – zwis­chen den Pro­duk­ten des Bauern (in diesem Falle Fleisch) und dem Betrag, den der Bauer dafür bekommt. Der einzig direk­tere Weg wäre der per­sön­liche Besuch auf dem Bauern­hof. Ist das die Zukun­ft? Ja, das Konzept verpflichtet näm­lich zu nach­haltigerem Han­deln. Der Kon­sument akzep­tiert es ein­fach nicht mehr, wenn das Tier nicht gut behan­delt wurde und kauft dann eben nicht! Ein irreführen­des Pro­duk­t­bild, bei dem man Tiere auf der Wei­de sieht, die aber in der Real­ität tat­säch­lich nie raus auf die Wei­de kom­men, funk­tion­iert ein­fach nicht mehr.

nachhaltige fleischproduktion

Welche Vorteile hat Crowd­butch­ing gegenüber dem klas­sis­chen Besuch beim Metzger?

Der Ver­brauch­er prof­i­tiert zunächst vor allem vom Kom­fort der Liefer­ung: Das Fleisch wird frisch vaku­umiert und gekühlt in Por­tio­nen geliefert und kann dann nach Bedarf einge­froren und aufge­taut wer­den. So hat man immer gutes und zurück­ver­fol­gbares Fleisch im Haus und kann die Beu­tel in ein­er Vier­tel­stunde ver­brauchs­fer­tig auf­tauen. Super, wenn man mal weniger Zeit hat. Ein weit­er­er Vorteil ist ganz klar die Trans­parenz. Das Kaufnekuh.de-Paket lässt sich bis zum Bauern zurück­ver­fol­gen und die Zif­fern der Kuh-Ohrmarke find­en sich sowohl auf dem Paket, als auch den einzel­nen Pro­duk­tetiket­ten wieder. Da wir nicht mit weit­eren Zwis­chen­händlern arbeit­en, kön­nen wir den Bauern einen fairen Preis für die Tiere garantieren. Außer­dem gibt es bei uns keine Ver­schwen­dung, das Tier wird erst geschlachtet, wenn es auf unser­er Web­site zu 100% verkauft wurde und wird anschließend von der Schnau­ze bis zum Schwanz ver­ar­beit­et. Wir wollen den Ver­brauch­er zum Umdenken bewe­gen. Es gibt so viele ver­schiedene leckere Rind­fleis­chstücke, eben nicht nur das feine Rinder­filet! Iss weniger Fleisch – aber dafür nur Gutes und Zurückverfolgbares.

Euer Fleisch stammt von bio-zertifizierten Bauern­höfen bis hin zur bio-zertifizierten Schlach­tung. Wie funk­tion­iert die Logis­tik bei Kaufnekuh.de von der Kuh-Akquise über die Schlach­tung bis hin zur Liefer­ung über den Express Ser­vice? Und was passiert, wenn euch die Tiere aus­ge­hen? Stoppt ihr dann tem­porär den Verkauf? Und was bedeutet eigentlich bio-zertifizierte Schlach­tung? Für mich hört sich das vielmehr wie eine mildernde Beschrei­bung vom Töten eines Tieres an.

Die Anmel­dung der Kuh für unsere Web­site erfol­gt in weni­gen Schrit­ten und ziem­lich direkt, da bei uns die Zwis­chen­händler weg­fall­en. Land­wirte kön­nen sich z.B. über ein Kon­tak­t­for­mu­lar bei uns melden. Wir sprechen mit den Bauern und wenn die Kri­te­rien, die wir stellen, passen, besuchen wir den Hof, schauen uns die Tiere und die Hal­tung an. Der Land­wirt kann nun Kühe oder Schweine (seit Neuestem auch Hüh­n­er) bei uns anmelden, die wir mit der entsprechen­den Ohrnum­mer bei uns auf die Web­site stellen. Ist eine Kuh zu 100% in Form von Rindfleisch-Paketen verkauft, wird sie beim Bauern abge­holt und zu einem unser­er bei­den kleinen Schlacht­be­triebe gefahren. Dabei acht­en wir darauf, dass die Trans­portwege ger­ing sind und dass möglichst wenig Stress für das Tier entste­ht. In Aub oder Über­lin­gen wird das Rind­fleisch noch ca. 2-3 Wochen gereift und anschließend von unseren Met­zgern für die (flex­i­blen) Pakete por­tion­iert, vaku­umiert und gut ver­packt. Unser Logis­tik­part­ner holt die Pakete ab und stellt sie gut gekühlt direkt beim Ver­brauch­er zu. In den Hän­den hält man nun ein Pro­dukt, dass sich durch eine 100%ige Trans­parenz ausze­ich­net und wirk­lich für einen nach­halti­gen Umgang mit Fleisch steht.

bio fleisch

Die Steaks, die man im Super­markt find­et, haben ihren Weg nicht nach Bedarf in die Kühltruhe gefun­den – dies waren auch Rinder, deren Hal­tung und Leben­squaltität man eben nicht zurück­ver­fol­gen kann. Geschlachtet wur­den sie, um dem Kun­den­wun­sch voraus zu sein. Mit dem Resul­tat, dass unglaublich viel Fleisch wegge­wor­fen wer­den muss. Wenn es bei uns, wie zu Anfang des Jahres, mal zu ein­er erhöht­en Anfrage kommt, kann es dur­chaus sein, dass wir kurzzeit­ig ausverkauft sind. Dafür haben Kun­den aber absolutes Ver­ständ­nis und warten gerne, bis es wieder zurück­ver­fol­gbares Fleisch bei uns zu bestellen gibt.

Gelebte Nach­haltigkeit gehört sicher­lich zu euren Kern­botschaften. Wie wollt ihr damit umge­hen, wenn die Nach­frage kon­tinuier­lich steigt?

Wir haben bere­its einen zweit­en Stan­dort für Kaufnekuh.de eröffnet und nun einen weit­eren Stan­dort für Kaufeinhuhn.de erschlossen. Wach­sen kön­nen wir nur über ein gutes Net­zw­erk mit Land­wirten, Met­zgern und Betrieben, die unsere Vision teilen.

Wie sieht die Zukun­ft von Crowd­butch­ing aus? Was sind eure Ziele, was wollt ihr verbessern, was ist eure Vision?

Dadurch, dass die Land­wirtschaft so stark indus­tri­al­isiert wurde, ist ein großer Abstand zum Kon­sumenten ent­standen, der in der Großs­tadt wohnt. Auch durch fehlende Integrität im Agrarsek­tor ist es zu großen Ver­trauen­sprob­le­men zwis­chen Kon­sumenten und Bauern gekom­men. Und in diesem Zeit­geist bewe­gen wir uns, in diesem sehr großen Vaku­um. Es gibt ein ganz klares Bedürf­nis der Kon­sumenten nach Trans­parenz: Wo kom­men meine Sachen her? Aber auch seit­ens der Bauern, die wieder stolz sind, zu zeigen, was sie machen und für ihre harte Arbeit Anerken­nung und Wertschätzung bekom­men. Ich denke, dass auch das unser­er Entwick­lung helfen wird. Crowd­butch­ing ist vielle­icht nur ein Tropfen, aber wir glauben daran, dass wir damit Wellen schla­gen kön­nen, so dass auch andere Super­märk­te oder Onli­neshops merken, wie rel­e­vant es ist, den Lebens­mit­telsek­tor gesün­der zu machen. Das ist unser Ziel: Auch den Kon­sumenten zu motivieren.

nachhaltiger bauernhof

Wäre es eigentlich nicht sin­nvoll und am Ende am kon­se­quentesten, kom­plett auf den Kon­sum von Fleisch zu verzichten?

Real­is­tisch gese­hen, wird dies in den kom­menden 100 Jahren nicht passieren. Was machen wir also aktiv, um die Ressourcen, die wir noch haben, zu scho­nen? Wirk­lich acht­sam mit dem umge­hen, was für unsere Kun­den weit mehr als nur ein Genuss­mit­tel ist! Wir ste­hen hin­ter unser­er Philoso­phie und unserem Mot­to: ‚Iss weniger Fleisch!‘ Das kommt natür­lich nicht von unge­fähr. Unser Mod­ell macht eben nur Sinn, wenn sich mehr Men­schen bewusst machen, welche Kette mit dem Fleis­chkon­sum ver­bun­den ist und dann umdenken, mit­denken und voraus denken. Mit einem Paket kann man seinen Bedarf an Fleisch zum Beispiel über viele Monate pla­nen und bleibt so hof­fentlich auch vor der Ver­suchung erhaben, bil­lig pro­duziertes Fleisch unbekan­nter Herkun­ft einzukaufen. Zur Frage gehört auch die Gegen­frage: Wie sieht unsere Welt aus, wenn wir uns auss­chließlich veg­e­tarisch ernähren? Zu viele Fak­toren spie­len eine Rolle, als dass man mit dem Verzicht auf die Kom­po­nente Fleisch eine kom­plette Agrarindus­trie gene­sen kann.

Vie­len Dank für das Gespräch!

3 sommerliche Ideen zum Einmachen

| von 

Der Sommer ist die perfekte Jahreszeit, um Früchte und Gemüse, die zu keiner anderen Zeit so gut schmecken, zu konservieren. Ob in Essig, in Öl, in Alkohol oder Salz – es gibt zahlreiche Ideen. Für mich muss es allerdings vor allem immer eines: schnell gehen. Einfach ist oft am Besten, oder? Drei meiner Lieblingsrezepte, die ich allesamt in diesem Jahr schon geschafft habe, will ich dir deshalb hier zeigen.

kräuteressig selber machen

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Hallo, mein Name ist Michael, ich komme aus dem wunderschönen Bayern und arbeite als freier Journalist, Blogger und DJ. Am liebsten schreibe ich über Reisen, Kultur, Lifestyle, Musik und Mode,...

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