Alpenpflege: Als Volunteer auf einer Alm in Tirol

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„Ach, bis runter nach Mayrhofen im Ziller­tal geht’s bei Ihnen noch!“, sagt der über­aus fre­undliche Zug­be­gleit­er, kurz nach­dem ich in Wup­per­tal eingestiegen bin. „Da unten ist es schön, kom­plett grün. Das sag‘ ich Ihnen. Ich war erst im let­zten Som­mer wieder da, lebte auf einem Bauern­hof“, sagt er grin­send und fügt noch ein „wie Hei­di“ hinzu, bevor er sich mit sein­er blassen Hand in die wuschig-blonden Haare fährt. Ich erzäh­le ihm vom Pro­jekt des Hochgebirg-Naturparks Ziller­taler Alpen und mein­er Absicht, eine Woche auf ein­er Alm als Vol­un­teer zu leben und dort bei der Almpflege zu helfen. Einige Minuten plaud­ern wir, ehe er kehrt­macht und wir uns nie wieder­se­hen wer­den.

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Der Gebirgs­bach Zemm

„Wie Hei­di“ hat­te der Schaffn­er gesagt. Die Worte gin­gen mir noch die ganze Reise durch den Kopf. Und ja, ich hat­te die gle­ichen Vorstel­lun­gen von der fol­gen­den Woche. An die Tat­sache, dass Hei­di in der Schweiz lebte, dachte ich während mein­er Über­legun­gen jedoch nicht. Es ging nach Öster­re­ich, ins schöne Ziller­tal, welch­es mein Kumpel Oli gerne seine zweite Heimat nen­nt.

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Als Vol­un­teer auf der Alm

Auf fast 1.900 Metern auf null Stress

Nach ein­er tur­bu­len­ten Zeit freute ich mich auf die Alm­woche. Ich hoffte, dass sie mich etwas run­ter­holen würde und ich Zeit hätte, in der schön­sten Natur Öster­re­ichs zu entspan­nen. Doch beson­ders freute ich mich darü­ber, dass ich nichts organ­isieren musste. Die Anreise nach Öster­re­ich ist schnell geplant. Und vor Ort gab es keine Museen, die besichtigt, keine Restau­rants, die aus­pro­biert und keine Aktiv­itäten, die aus­getestet wer­den woll­ten. Es gab nur die 3.000er der Umge­bung und die pure Natur. Nach eini­gen Woch­enen­dreisen mit hohem Organ­i­sa­tion­saufwand, erkan­nte ich wieder, wie viel Spaß das Abschal­ten in der Natur machen kann und wie schön es ist, eine Zeit lang auf einem Fleck zu bleiben.

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Pures Naturidyll

Almpflege im 360°-Panorama der Alpen

In der Waxegg-Alm, 30 Minuten vor der Wiege des Alpin­is­mus, der Berlin­er Hütte, war unser Frei­willi­gen­team aus vier Län­dern sta­tion­iert. Unser Ziel war es, eine Woche lang die Alm­flächen zu schwen­den und so einen Beitrag für die Almpflege zu leis­ten.

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Alfred und Ottilie – die bei­den Almbe­sitzer

Seit drei Jahren wird die 258 Hek­tar große Waxegg-Alm von Alfred und Ottilie bewirtschaftet. Alfred, Fliesen­leger und Ofen­bauer, erfüllte sich mit sein­er eige­nen Alm einen Leben­straum. Nun set­zt er alles daran, die Alm­flächen wieder auf Vor­der­mann zu brin­gen. Bei dieser enorm großen Fläche kann man sich sich­er vorstellen, wie arbeitsin­ten­siv das ist. Der Hochgebirgs-Naturpark Ziller­taler Alpen ist ihm für sein Engage­ment sehr dankbar und hil­ft, wo er kann. So ent­stand in ein­er Koop­er­a­tion mit dem Alpen­vere­in Öster­re­ich das Umwelt-Volunteering auf der Alm, bei dem die Alm­flächen gepflegt wur­den.

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Die per­fek­te Kom­bi aus Arbeit, Spaß und Natur


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Aus vier unter­schiedlichen Län­dern kamen die Vol­un­teers

Denn wenn das alte Land­schafts­bild bewahrt wer­den soll, muss auf den Alm­flächen geschwen­det wer­den. „Schwen­den“ meint im All­ge­meinen das Befreien des Wei­de­landes von Sträuch­ern und Bäu­men. Auf der Waxegg-Alm blieben jedoch alle Bäume erhal­ten. Als Ergeb­nis des Schwen­dens trauen sich die Kühe wieder auf die Flächen und liefern durch Fußtritt und Pflanzen­verzehr einige Störun­gen, die dafür sor­gen, dass die Alm „offen“ bleibt. Damit ver­bun­den steigert sich die Arten­vielfalt auf den Flächen. Eine entsprechend umfassende Bewei­dung würde also nicht nur die Ver­buschung ver­hin­dern, son­dern auch die Bio­di­ver­sität steigen lassen! Und um die Förderung dieser Bio­di­ver­sität ging es uns bei unser­er Arbeit, wenn wir Sträuch­er ver­schnit­ten und Ast­werk zum Fuße des Hangs getra­gen haben.

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So sieht eine geschwen­dete Fläche aus

Einen kleinen Ein­druck vom Ziller­tal, unser­er Woche und der Arbeit auf der Alm bekommt man in diesem Video von der Alm. Spaß bei der Arbeit stand bei uns defin­i­tiv an erster Stelle. Aber seht selb­st.

Natür­lich ist die kör­per­liche Arbeit auf der Alm kein Zuck­er­schleck­en. Aber für einen Schreibtis­chtypen wie mich war die Woche in den Alpen Erhol­ung pur und Bal­sam für die Seele. Es ist eine unfass­bar schöne Erfahrung, wenn man alle alltäglichen Auf­gaben um sich herum ver­gisst, dem Gehirn eine Pause gön­nt und nur die Hände und Beine arbeit­en lässt. Oben auf der Waxegg-Alm gab es nur die Natur und uns selb­st. Wir hat­ten eine ganze Woche lang keinen Handyemp­fang und ver­bracht­en die Woche in der Gemein­schaft unser­er Gruppe – und damit meine ich keine Whatsapp-Gruppe.

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Die Wax­egg Alm


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Zu Fuß zur Arbeit

Abschalten in der Natur, körperliche Fitness und günstiges Reisen

Wie sieht es aus, hätte von euch jemand Lust, als Vol­un­teer auf ein­er Alm zu arbeit­en? Und um das Almvol­un­teer­ing noch schmack­hafter zu machen, sei erwäh­nt, dass ich für die Tage auf der Alm keinen einzi­gen Cent aus­gegeben habe. Unsere kör­per­liche Arbeit wurde mit der Unterkun­ft, gutem Essen und regionalem Bier belohnt.

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Früh­stück mit dem inter­na­tionalen Team der Vol­un­teers


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Kost und Logis gab es im Gegen­zug für die kör­per­liche Arbeit

Alle, die Lust haben, selb­st in der Natur der öster­re­ichis­chen Alpen anzu­pack­en, denen empfehle ich die fol­gen­den Pro­jek­t­seit­en. Die Plätze für die Vol­un­teer­ings sind meis­tens sehr begehrt, also wartet nicht zu lange mit der Anmel­dung.

Berg­wald­pro­jek­te des Alpen­vere­ins Öster­re­ich

Umwelt­pro­jek­te des Alpen­vere­ins Öster­re­ich

Pro­jek­te des Hochgebirgs-Naturpark Ziller­taler Alpen

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Bess­er draußen lassen – unsere Arbeitss­chuhe

Und was war jetzt eigentlich mit Heidi?

Meine Vorstel­lun­gen von friedlich­er Bergidylle traf das Almvol­un­teer­ing auf jeden Fall. Grüne Wiesen, bunte Berg­blu­men und jede Menge frische Luft. So gut wie in dieser Woche ging es mir sel­ten. Nur hat­te ich mir in meinen Heidi-Fantasien vorgestellt, dass wir auch mal die Kühe melken oder den Stall aus­mis­ten. Doch klas­sis­che Bauern­ho­far­beit haben wir auf der Alm nicht erledigt. Und, ehrlich gesagt, bin ich darü­ber auch nicht trau­rig. So kon­nten wir jeden Mor­gen in Ruhe wach wer­den, bis neun Uhr früh­stück­en und sind dann auf die Alm­flächen zum Schwen­den gegan­gen.

Doch auch ohne den Luxus, auss­chlafen zu kön­nen, wäre ich beim näch­sten Mal wieder dabei, wenn es in lustiger Gesellschaft darum geht die Alm­flächen zu pfle­gen.

Hamburg von oben: unsere liebsten Eco-Hotspots

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Neun Monate mussten wir bis zum perfekten Moment warten. Nein, keine Schwangerschaft. Aber irgendwie war es schon ein bisschen unser Baby: das größte Foto von Hamburg. Mit der modernsten Kameratechnik hat OTTO in diesem Sommer ein riesiges Panoramabild von Hamburg erstellt, um allen Hanseaten und Hamburg-Fans zu zeigen, wie vielseitig und aufregend unsere Stadt ist. Ausgangspunkt war der Turm der St. Nicolai Kirche, der einen top Rundumblick über die Hansestadt ermöglicht. Gespickt ist das sogenannte Gigapixel mit Insidertipps aus den Bereichen Sightseeing, Gastronomie, Geheimtipps und Aktivitäten. Wer von euch hat zum Beispiel schon einmal von den Schiffwracks gehört, die am Falkensteiner Ufer liegen?…

Ich bin Steven und ich liebe die Natur, verrückte Ideen, Lissabon und den Fahrtwind auf meinem Rennrad. Und ich liebe es, immer wieder meine Grenzen auszutesten. Dafür laufe ich zum...

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