5 britische Stilikonen, die ihr kennen müsst

britische Stilikonen, die ihr kennen müsst
Two for Fashion Autorin Susanna
Samstag, 14. September 2019, 17:00

Die Briten stehen nicht unbedingt für exquisiten Geschmack. Zumindest nicht, wenn es um Kulinarisches geht. Ein wenig anders sieht es da schon in der Welt der Mode und des Stils aus. Immer wieder zeigen Engländerinnen wie Kate Middleton oder Stella McCartney Looks, die die ganze Welt begeistern. Zudem ist der klassische BURBERRY-Trench und das damit verbundene Karomuster etwas, das rund um den Globus verehrt wird. In diesem Artikel stelle ich euch fünf britische Stilikonen vor, die ihr kennen müsst. Sie haben die Mode und ihre Ästhetik auf ganz unterschiedliche Weise beeinflusst, und das mit ihrer ganz eigenen Interpretation des Brit Chics.

1. Kate Moss: kleines Supermodel

Eigentlich dürfte Kate Moss gar kein erfolgreiches Model sein. Sie ist mit knapp 1,70 Metern nämlich viel zu klein für den Job. Dennoch katapultierte sie sich in kürzester Zeit in den Modeolymp. Mit gerade einmal 14 Jahren wurde die Engländerin am New Yorker JFK-Flughafen von einer Modelagentin entdeckt und ergatterte schon bald einen mega Modeljob in der Kampagne für die Unterwäsche von CALVIN KLEIN. Ein Bild daraus – aufgenommen von ihrem damaligen Freund Mario Sorrenti –, das sie komplett nackt auf einem Sofa zeigt, verursachte einen Skandal. Und schon konnte sie sich vor Jobs kaum noch retten. Sie wurde zum Liebling zahlreicher Fotografen – darunter auch der gerade verstorbene Peter Lindbergh, der sie im Laufe seines Lebens immer wieder porträtierte. Ebenso begeisterte sie Künstler wie Lucian Freud, der ein großes Aktbild von ihr malte, als sie mit ihrer Tochter Lila Grace (heute 17 Jahre alt) schwanger war.

Auch abseits der Fotosets sorgte Kate Moss immer wieder für Skandale. Zum größten Teil durch Drogenexzesse und ihre Partnerschaft mit dem ebenfalls skandalträchtigen Musiker Pete Doherty. Ebenso sorgte ihre Beziehung zu Johnny Depp für Aufsehen. Allein ihre Liebe zu Jamie Hince, der der Vater ihrer Tochter ist, verlief friedlich. Ganz nebenbei sorgte das Topmodel immer wieder für Trends: Beim Glastonbury Festival trug sie als Erste hohe Gummistiefel von HUNTER zu kurzen Jeansshorts und rief damit den Begriff Festival Style ins Leben. Ebenso dürfte ihr die Skinny Jeans ihre Beliebtheit verdanken. Für TOPSHOP designte sie zahlreiche Kleider, die reißenden Absatz fanden. Heute modelt sie immer noch sehr erfolgreich und betreibt zusätzlich ihre eigene Agentur für Talente wie die Sängerin Rita Ora oder ihre eigene Tochter.

2. Twiggy: die britische Stilikone des „Swinging London“ der 60s

Der englische Begriff twiggy bedeutet auf Deutsch Zweig. Genauer gesagt ist es die Verniedlichung des Wortes Zweig, also Zweiglein, und der Name des ersten weltberühmten englischen Fotomodels: Twiggy. Mit ihrer dünnen Statur verkörperte sie Anfang der Sechzigerjahre ein komplett neues Schönheitsideal. Sie wurde durch ihre langen dünnen Beinchen und die großen Kulleraugen zu einem der Symbole der Swinging Sixties. Dazu trug sie kurze Haare und einen auffälligen Lidstrich, der bis heute nachgeahmt wird. Twiggy wurde 1949 als Lesley Hornby in einem Randbezirk von London geboren. Als Sechzehnjährige wurde sie entdeckt, und bereits eines ihrer ersten Shootings war für die VOGUE. Von da an folgten zahlreiche Fotoshootings mit berühmten Fotografen wie Richard Avedon oder Helmut Newton.

Später arbeitete Twiggy erfolgreich als Sängerin und Schauspielerin. Sie trat am Broadway auf und brachte ein paar Alben heraus. Auf ihrem Album „Romantically Yours“ gibt es einen Gastauftritt ihrer Tochter und ein Gitarrensolo von Brian Adams. Als Letztes war sie in fünf Staffeln von „America’s Next Top Model“ Teil der Jury.

3. Jane Birkin: Patin der berühmtesten Handtasche

Wenn ein großes Luxusmodehaus eine Tasche für jemanden entwirft und diese Tasche Weltruhm erlangt und nur über lange Wartelisten zu bekommen ist, darf man sich wohl getrost als Modeikone bezeichnen. So geschehen bei Jane Birkin. Die britische Sängerin und Schauspielerin traf Anfang der Achtzigerjahre auf einem Flug von New York nach Paris Jean-Louis Dumas, den Chef von HERMÈS. Nachdem sie ihm ihr Leid über viel zu kleine Taschen geklagt hatte, fingen die beiden kurzerhand an, Skizzen für eine geräumige Handtasche zu entwerfen. Vom HERMÈS-Designteam wurde daraufhin die Birkin Bag entwickelt. Bis heute wurde sie in zahlreichen Ausführungen verkauft und hat regelrechten Kultstatus erlangt.

Die Britin Jane Birkin, die seit Jahrzehnten in der Bretagne lebt, ist aber nicht nur für eine der berühmtesten Taschen der Welt verantwortlich. Auch den Skandalsong Je t’aime … moi non plus“ verdanken wir ihr. Und ihrem damaligen Lebensgefährten Serge Gainsbourg, mit dem sie nicht nur lange gemeinsam Musik machte, sondern auch die Tochter Charlotte Gainsbourg bekam. Neben ihrer musikalischen Karriere war die Schauspielerei ihr zweites Standbein. Sie spielte im Kultfilm „Blow Up“ von Michelangelo Antonioni, der bei den Filmfestspielen in Cannes 1976 die Goldene Palme gewann, und bis heute wirkte sie in zahlreichen französischen und internationalen Produktionen mit. In Frankreich ist sie immer wieder in gemeinsamen Modestrecken mit ihren Töchtern Charlotte Gainsbourg und Lou Doillon zu sehen, die mittlerweile selbst zu französischen Stilikonen geworden sind.

4. Alexa Chung: DAS It-Girl

Im Januar war ich in Berlin auf der Konferenz UNLOCK Style vom ZEIT MAGAZIN, auf der Alexa Chung ein Live-Interview gab. Seitdem weiß ich, dass die Britin, deren Vater ein bezaubernder Chinese ist, der hin und wieder in ihren Insta-Storys auftaucht, zu Recht als It-Girl bezeichnet wird. Ihre dunkle rauchige Stimme passt so gar nicht zu dem irre zierlichen Körper, hat aber die Kraft, einen umzuhauen. Dazu kommen ein toller Humor und das Talent, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Herrlich erfrischend in einer (Mode-)Welt, in der sich auch die „kleinsten“ Influencer wahnsinnig wichtig fühlen. Aber mal von vorn:  Alexa wurde 1983 in England geboren und im Alter von 16 Jahren von einer Modelagentur entdeckt. Sie modelte für viele große Marken, stellte allerdings nach vier Jahren fest, dass das Modeln nicht gut für ihr Selbstbewusstsein ist. Daraufhin beendete sie ihre Modelkarriere erst einmal, um zu studieren.

Obwohl sie eingeschrieben war, wurde aus dem Studium nichts: Ihr kam ein Job als Moderatorin dazwischen. Sie moderierte für MTV UK, ging später nach New York, drehte die Reihe „The Future of Fashion with Alexa Chung“ für die britische VOGUE und vieles mehr. Während sie anfangs andere berühmte Menschen interviewte, wurde sie durch ihren außergewöhnlichen mädchenhaften Stil irgendwann selbst zur Modeikone. Ganz nebenbei schrieb sie Modelkolumnen und ihr Buch „it“ mit vielen persönlichen Skizzen, Fotos und vor allem Fashion-Tipps. Ihr größter Coup neben der nach ihr benannten Tasche des Traditionshauses Mulberry: Seit 2015 bringt Alexa Chung jährlich zwei neue Kollektionen ihres eigenen, nach ihr benannten Labels heraus. Hinzu kommen immer wieder Kooperationen wie derzeit mit SUPERGA oder Barbour. So können wir alle Original-Alexa-Styles tragen.

5. Vivienne Westwood: von der Punk- zur Glamour Queen

Ihr erinnert euch bestimmt noch an das wahnsinnig opulente, glamouröse Hochzeitskleid, das Carrie Bradshaw in „Sex and the City“ trug. Dies war eine Kreation der britischen Designerin Vivienne Westwood, die mittlerweile den Titel „Dame“ trägt. Anders, als man vermuten würde, fing Vivienne Westwoods Karriere als Designerin alles andere als glamourös an. Sie wuchs in einem kleinen Kaff in der Nähe der Arbeiterstadt Manchester auf und wurde Grundschullehrerin, nachdem sie eine Kunstschule besucht hatte. Mit 24 Jahren lernte sie den damals 18-jährigen Malcolm McLaren kennen und entdeckte ihr rebellisches Ich. McLaren war der Manager der Band „Sex Pistols“. Gemeinsam mit McLaren begann Vivienne Kleidung auseinanderzunehmen, neu zusammenzusetzen und mit provokanten Statements zu beschriften. Eines der Markenzeichen war die Verwendung von unzähligen Sicherheitsnadeln, Latex und Reißverschlüssen. Der Punk war geboren. 

Nachdem sie lange Zeit eine eigene Boutique in London betrieb, entwickelte sich ihr Geschmack weiter, und sie zeigte 1981 erstmals eine professionelle Kollektion, die sie „Pirate“ nannte. Seitdem sind ihre Kreationen immer tragbarer geworden. Oft erinnern sie an die Kleidung adliger Damen auf alten Gemälden, und auch die Stoffe sind zu einem großen Teil sehr traditionell. Vivienne Westwood verwendet viel Tweed und daneben sehr häufig Tartanmuster, die ihre Mode sehr markant machen. Auch wenn ihre Mode mittlerweile im High-Fashion-Bereich angesiedelt ist, ist Vivienne Westwood im Herzen immer noch ein Punk. Als ihr die Queen 1992 den „Order of the British Empire“ verlieh, trug sie keinen Slip unter ihrem Kleid – und zeigte dies.

Heute ist die 78-Jährige immer noch extrem umtriebig. Sie entwirft weiterhin Mode, engagiert sich aber vor allem für den Klimaschutz und lässt es sich nicht nehmen, bei Klimastreiks vor Tausenden von Menschen zu sprechen. Hierbei steht sie als eine der wenigen großen ModeunternehmerInnen für den Claim #buyless. Unterstützt wird sie bei ihren Aktivitäten von ihrem Mann Andreas Kronthaler, den sie in Wien kennenlernte, als sie dort an der Universität für angewandte Kunst unterrichtete. Dass ihr Mann 25 Jahre jünger ist als sie, zeigt erneut, dass Vivienne Westwood sich nicht um gesellschaftliche Normen schert. Und das finde ich großartig!

Ihr Lieben – von welcher der britischen Stilikonen fühlt ihr euch angesprochen? Ich finde, dass uns alle auf ganz unterschiedliche Weise inspirieren können, und kann mich nicht entscheiden. Aber das ist ja auch das Schöne am Stil. Wir müssen uns gar nicht festlegen.

XX, Susanna

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