Solidarität unter Frauen: warum die Gleichberechtigung sie braucht!

Girls Squad: Foto von Joel Muniz zum Thema Frauensolidarität
Two for Fashion Autorin Susanna
Freitag, 21. Juni 2019, 11:44

Vor gut 70 Jahren wurde das deutsche Grundgesetz erlassen – am 23. Mai 1949, um genau zu sein. In Artikel 3 heißt es seitdem: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Dass das jedoch selbst nach dieser langen Zeit noch immer nicht in allen Lebensbereichen der Fall ist, müssen wir Frauen immer wieder schmerzlich feststellen. Aber warum ist das eigentlich so? Und können wir vielleicht aktiv dagegen angehen? Ich glaube, dass wir eine neue Solidarität unter Frauen brauchen. Was ich damit meine, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Der Unterschied zwischen Männer- und Frauenfreundschaften

Männer haben über Jahrtausende hinweg gelernt, sich zu verbünden. Sie mussten gemeinsam gegen Mammuts kämpfen und zogen als geschlossene Truppen in den Kampf gegen andere Männergruppen. Dabei setzten sie schon immer auf die Stärke der Truppe statt auf das einzelne Individuum. Sie wissen: Nur wenn sie zusammenhalten, können sie zum Beispiel das gegnerische Fußball- oder Hockeyteam besiegen. Gibt es dennoch Streit in den eigenen Reihen, wird dieser kurzerhand geklärt – die Rangordung wird festgelegt, und schon geht es weiter. Selbstverständlich, ohne nachtragend zu sein. Im Zweifelsfall gehen sie einfach einen trinken, und schon sind sie Brüder im Geiste. Nicht ohne Grund gibt es Brüderschaften und Vereine. Männer stehen auch im Beruf zu ihrer Vetternwirtschaft, in der sie sich gegenseitig fördern. Eine Frau wird es schwer haben, dort hineinzukommen.

Wir Frauen hingegen haben die Tendenz, uns gegenseitig kleinzumachen. Es fängt schon in der Schulzeit an: Hat die Freundin das schönere Fahrrad, freuen wir uns nicht für sie, sondern sind neidisch. Hat ein Mädchen später in der Schule einen individuellen Style, kann es leicht passieren, dass andere Girls hinter ihrem Rücken über sie tuscheln, weil sie nicht so ist wie die anderen. Zickenkriege sind an der Tagesordnung. Im späteren Berufsleben geht es weiter: Wer vom Chef bevorzugt wird, muss sich bei den anderen nicht mehr blicken lassen.

Ganz schlimm wird es aber, wenn wir Kinder bekommen. Als Mutter kann man es im Grunde genommen nur falsch machen. Gehen wir nach kurzer Zeit wieder arbeiten, sind wir Rabenmütter, die ihre Kinder im Stich lassen. Widmen wir uns für ein paar Jahre ganz und gar unseren Kindern, sind wir angeblich zu faul zum Arbeiten oder eine Helikoptermutter, was nicht als Kompliment gemeint ist. Es herrscht ein ewiger Konkurrenzkampf unter Müttern, welches Kind das klügere, schönere, kreativere ist. Aber warum gönnen wir anderen Frauen nicht den Erfolg, sei es im Beruf oder im Privatleben? Warum gibt es so wenig Solidarität unter Frauen? Vielleicht, weil Frauen in der Regel ein geringeres Selbstwertgefühl haben als Männer und sich durch das Diskreditieren anderer besser fühlen. Die junge Feministin Sophie Passmann hat in ihrem Buch „Alte weiße Männer“ einen treffenden Satz formuliert: „Frag die Raketenwissenschaftlerin, ob sie zum Mond fliegen will, und sie wird zwei Wochen lang überlegen müssen. Frag den Metzgermacher das Gleiche, und er packt in derselben Minute seine Koffer.“

Frauensolidarität früher und heute

Die Geschichte hat gezeigt, dass Frauen eine ganze Menge erreichen können. Dafür müssen wir allerdings zusammenhalten. Ohne eine geschlossene Gemeinschaft – meist gegen Männer – ist der Kampf so gut wie verloren. Wir müssen gemeinsam laut werden, denn einzeln werden wir nicht gehört. Auch wenn wir Frauen dazu neigen, als Einzelkämpferinnen durch die Welt zu gehen, müssen wir Allianzen bilden wie die Männer. Ohne die Suffragetten, die sich am Anfang des 20. Jahrhunderts in England und den USA zusammentaten, um auf den Straßen lautstark für das Frauenwahlrecht zu demonstrieren, hätten wir vielleicht noch immer kein politisches Mitbestimmungsrecht. In den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts standen Frauen auf einem Cover des Magazins stern dazu, abgetrieben zu haben.

Aktuell greift Gesundheitsminister Jens Spahn das Thema erneut auf und will 5 Millionen Euro in eine Studie zu den „seelischen Folgen“ von Schwangerschaftsabbrüchen stecken. Eine absurde Idee, denn das Geld könnte viel besser in aktive Hilfe für die Frauen investiert werden als in das Ziel, ihnen ihre Selbstbestimmung und Mündigkeit abzuerkennen. Frauen wie Nike van Dinther gehen nun gemeinsam unter dem Hashtag #WasFürnSpahn dagegen an. Nike hat auf change.org eine Petition ins Leben gerufen, die – neben mir – schon 88 000 Menschen unterzeichnet haben. Das Ziel sind 150 000!

Daneben gibt es eine Menge Frauen, die wissen, dass wir nur gemeinsam stark sind im Kampf für die Gleichberechtigung. Aktuell ziehen Tausende von Schweizerinnen auf die Straßen. Unser kleines Nachbarland, die Schweiz, ist in Sachen Gleichberechtigung ein europäisches Schlusslicht. Das Frauenwahlrecht wurde dort erst 1971 eingeführt. Bis ins Jahr 2004 war Vergewaltigung in der Ehe dort sogar ein straffreies Delikt! Wie gut, dass wir in Deutschland da schon weiter sind, aber es ist noch viel zu tun.

Das haben Frauen wie Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert erkannt und gemeinsam die Online-Plattform EDITION F gegründet. EDITION F hat es sich zum Ziel gesetzt, eine Community von ambitionierten, starken und karriere- und lifestyleinteressierten Frauen aufzubauen, um sie zu vernetzen, zu inspirieren und auf ihrem Weg – im Job und Privatleben – zu begleiten. Neben Online-Coachings fand im letzten Jahr erstmals der FEMALE FUTURE FORCE DAY statt, bei dem das Netzwerken, Vorträge und Interviews mit spannenden Persönlichkeiten im Fokus standen. Ebenso möchte das Magazin emotion Frauen animieren, ihren Weg gemeinsam gestärkt zu gehen und plädiert für Solidarität unter Frauen. Eine tolle Entwicklung für uns alle.

Was wir im Kleinen tun können

Manchmal sind es kleine Dinge, die wir im Alltag tun können, um uns gegenseitig zu unterstützen und der Solidarität unter Frauen neues Leben einzuhauchen:

  • Macht anderen Frauen Komplimente. Bestimmt hört ihr sie selbst auch gern. Wenn ihr Komplimente bekommt, fühlt ihr euch gestärkt. Und auch umgekehrt bleibt für euch ein gutes Gefühl.
  • Redet nicht schlecht über andere Frauen. Lästern schwächt den Zusammenhalt. Lasst uns lieber anfangen, das Positive in anderen zu sehen.
  • Fragt andere Frauen, ob ihr ihnen helfen könnt. Egal, ob im Job oder im Privatleben. Wir Frauen tendieren dazu, alles selbst schaffen zu wollen. Wird uns jedoch Hilfe angeboten, ist es einfacher, diese anzunehmen.
  • Respektiert Frauen in ihren Lebenslinien, auch wenn sie so ganz anders sind als eure. Solange es keine echte Gleichberechtigung gibt, sitzen wir alle im selben Boot.
  • Wehrt euch gegen sexistische Sprüche. Oft verschlägt es einem genau dann die Sprache, was nur allzu menschlich ist. Die amerikanische Sprachwissenschaftlerin Deborah Tannen hat da einen ganz einfachen Satz formuliert, den wir verinnerlichen sollten: „So … reden … wir … nicht … mit … Frauen. Ist … das … klar?“ Der Mann wird in die Schranken gewiesen und aufhören.

Ihr lieben Frauen da draußen, lasst uns zusammenhalten. Lasst uns unsere Stärken erkennen und uns gegenseitig fördern, statt uns kleinzumachen. Nur Solidarität unter Frauen kann uns weiterbringen. Es muss ja nicht gleich die große Revolution sein, aber ein wenig Achtsamkeit und Rücksichtnahme im Alltag können nie schaden.

XX, Susanna

Broschiertes Buch »Alte weiße Männer«
Gebundenes Buch »Good Night Stories for Rebel Girls / Good...«
Broschiertes Buch »Unorthodox«
Broschiertes Buch »The Silence of the Girls«
Wohndecke »The Future Is Female«, Juniqe, sehr weich und kuschelig
Gebundenes Buch »Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus«
Gebundenes Buch »1919 - Das Jahr der Frauen«
Gebundenes Buch »Frauen, die ihre Stimme erheben. Roar.«
Gebundenes Buch »Kick-Ass Women«
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