Coffee-Talk | Interview mit Mama-Bloggerin Claudia von WAS FÜR MICH

Susanna von Two for Fashion mit Claudia von was für mich: Interview
Donnerstag, 17. August 2017, 11:06

Auf ihrem Blog „Was für mich“ nimmt uns Claudia Schaumann mit in ihr ganz persönliches kleines Paradies und ist damit eine der erfolgreichsten deutschen Mama-Bloggerinnen. Sie gibt uns die schönsten Tipps fürs Basteln mit Kindern, aber auch für die effektivsten Fleckenentferner bei diversen Alltags-Malheuren. Sie schreibt wunderbar humorvolle Anekdoten aus ihrem Familienleben und gibt uns mit ihren Dienstags-Diskussionen immer wieder Denkanstöße zum Thema Kinder und Familie. Ich liebe ihren leichten, lockeren Schreibstil und ihre Bilder, die oft ihre drei Jungs zeigen und immer ein wenig nach Bullerbü und dem perfekten Landleben aussehen. Nun kommt bald das vierte Kind zur Welt, und ich habe sie vorher noch schnell auf ein Interview in ihrem wunderbaren Heim direkt hinterm Elbdeich besucht.

Susanna von Two for Fashion und Claudia von was für mich im Gespräch auf der Terrasse

Wann kam für dich der Gedanke, einen eigenen Blog zu veröffentlichen?

Ich habe immer schon total viel geschrieben und damit bereits mein Studium finanziert. Texten war immer meine Leidenschaft, aber ich dachte irgendwie, dass ich auch noch etwas Anständiges tun müsste, und so habe ich Lehramt studiert. Es hat mir tatsächlich sehr viel Spaß gebracht, mit Kindern zu arbeiten. So habe ich beides erst einmal parallel gemacht. Nachdem ich in Hamburg einige Praktika bei Magazinen absolviert habe, wollte ich aber aus Vernunftgründen doch noch mein Referendariat beenden. Von dort aus bin ich auch gleich in eine Anstellung gerutscht. So, wie man es sich wünscht – ich hatte eine 1. Klasse auf dem Dorf.

Oh, wirklich? Das klingt ja schön.

Ja, aber ich dachte irgendwie: Nee, ich muss jetzt doch noch die Schreiberei ausprobieren. Ich wusste: Ich würde sonst nicht glücklich werden. Und so habe ich meine Beamtenstelle tatsächlich geschmissen! Meine Eltern sind fast vom Stuhl gefallen.

Hui, nicht schlecht! Wie ging es dann weiter?

Daraufhin habe ich bei einem großen Hamburger Verlag ein Volontariat gemacht und dort im Anschluss auch drei Jahre gearbeitet. Es war ein total spannender Job. Zwischenzeitlich habe ich meinen Mann kennengelernt, und als das Thema Kinder aufkam und ich mir überlegt habe, wie ich mir das Leben mit Kindern vorstelle, passte dies nicht mit der Arbeit als Redakteurin zusammen.

zwei Frauen mit Kaffeetassen auf Terasse

Warum?

Zumindest damals war es noch so, dass es quasi keine Teilzeitstellen für Redakteurinnen gab. Ich glaube, heute gestaltet sich das Modell etwas offener, aber für mich war es damals nicht möglich, die Stundenzahl zu reduzieren. Und so dachte ich: Dann geh ich halt zurück in den Schuldienst.

Und die haben dich mit offenen Armen empfangen?

Ja, sie wollten mich tatsächlich zurück. Ich habe erst einmal auf einer „Feuerwehrstelle“ gearbeitet, also Vertretungsdienste gemacht. Nach einem Jahr bekam ich eine feste Stelle.

Wie ging es dann weiter?

Ich war in meinem Beruf und mit der Entscheidung Mama zu werden ganz glücklich, aber die Schreiberei hat mir irgendwie immer gefehlt. Zeitgleich fing ich an andere Blogs zu lesen, und als ich 2012/2013 in Elternzeit war, kam mir der Gedanke, dass ich nun auch mal WAS FÜR MICH machen müsste.

Ahhh, so ist der Name entstanden.

Ja, genau. Und so fing ich an, mit der (damals angesagten) App Hipstergram Fotos meiner Bastelprojekte zu machen und diese ins Netz zu stellen. Das hat natürlich monate- … ach, was sag ich … jahrelang niemand gelesen, außer ein paar Freundinnen. Aber irgendwann war ich total angefixt und habe angefangen, weitere Fotos zu machen. Meine Mädels meinten, dass es ja ganz schön wäre, was ich da mache, dass sie aber auf den Bildern gar nichts erkennen könnten …

Ja, und dann habe ich durch Zufall gemerkt, dass die Leser eigentlich viel mehr Lust auf unsere Familiengeschichten als auf unsere Bastelanleitungen haben. Deshalb habe ich das Themenfeld mit meinem Magazin-Background erweitert und mir überlegt, was ich selbst gern so lesen würde. So hat sich der Blog entwickelt.

Susanna von Two for Fashion mit Claudia von was für mich im gespräch

Wo du gerade von Fotos sprichst. Du machst fast alle selbst, oder?

Ja, genau. Ich lerne immer noch ganz, ganz viel in dem Bereich. Es entwickelt sich auch immer weiter. Nach meiner dunklen Anfangsphase habe ich meine Bilder sehr hell gemacht. Das war so eine Phase. Aber nun werde ich seit einem Jahr schon viel natürlicher. Ich glaube, so langsam finde ich da meine Bildsprache.

Es gibt viele Fotos von euch zusammen – wer macht die? Das ist ja auch nicht so einfach.

Ja, das machen wir tatsächlich sehr oft, da ich es schön finde. Das ist auch eines unserer Markenzeichen, dass die User immer mal die ganze Familie sehen. Vor allem auf Instagram. Instagram wollte ich am Anfang gar nicht machen, da es mir viel zu viel war noch einen Kanal zu bedienen. Allerdings haben einige Bloggerkollegen gesagt, ich MÜSSTE es unbedingt machen.

Und nachdem ich mich erst mal eingefuchst hatte, merkte ich, dass es ja quasi ein „Bildertagebuch“ ist. In dem Moment hat es angefangen, mir ganz viel Spaß zu machen. Mittlerweile scrolle ich selbst oft runter und freue mich an den Momenten, die wir festgehalten haben.

Aber zurück zum Thema: Wir fragen meist irgendwelche Leute, ob sie uns fotografieren können. Unsere Nachbarn haben uns beispielsweise schon diverse Male festgehalten. Und im Urlaub sind es oft drei bis vier Personen …

Oh, wirklich?

Ja, die wenigsten können fotografieren. Oft sind die Bilder schief oder die Füße sind abgeschnitten oder einer von uns guckt doof … ja, aber so funktioniert das bei uns – und es ist immer sehr lustig.

Als wir letztens in Amsterdam waren, habe ich ein Mädel gebeten, ein Foto von uns zu machen, und sie meinte: „Ja, klar. Ich lese doch immer deinen Blog.“

Wie toll. Ist sie denn selbst Mutter gewesen? Ich würde ja denken, dass die meisten deiner Follower Eltern sind, da sich bei dir ja so viel ums Familienleben dreht.

Also, ich habe selbst, schon bevor ich Mutter war, des Öfteren die Zeitschrift „Eltern“ gekauft. Weil ich wusste, dass ich Kinder will, und mich schon so auf die Phase gefreut habe. Ich glaube, so ist es bei vielen anderen auch.

Woher nimmst du die Ideen für deine süßen und nie kitschigen DIY-Projekte?

Ganz viele Ideen entstehen durch meine Kinder. Sie bringen oft so Dinge mit wie Federn oder sammeln Steine … und das inspiriert mich. Oft sind die Ideen abends im Bett einfach da, und ich muss sie gleich am nächsten Morgen umsetzen.

Portrait von Claudia vom Blog wasfürmich

Auf euren Bildern wirkt ihr wie die perfekte Familie. Ist es tatsächlich immer so friedlich?

Es ist natürlich nicht immer so. Aber ich glaube, dass wir enormes Glück haben. Unsere Jungs können schon sehr gut miteinander spielen. Aber klar, hin und wieder streiten sie sich auch – da halte ich dann allerdings nicht die Kamera drauf. Wenn wir etwas gemeinsam machen, klappt es immer sehr gut.

Ist es vielleicht gerade von Vorteil, dass es drei sind?

Also, gerade beim Mittleren denke ich, dass er sich doch mal mit anderen Kindern verabreden muss. Aber das möchte er fast nie, da er ja seine Gang zu Hause hat. Der Große kennt es noch anders, und der Kleine ist noch nicht so weit. Es ist wirklich schön, dass sie so gut miteinander spielen.

Was ich mich schon länger frage: Wie schaffst du es, das alles zu vereinbaren? Du bist Lehrerin, hast drei Kinder und zusätzlich noch deinen eigenen Blog und Buchprojekte …

Ich schlafe total wenig. Es ist wirklich so, und ich mache ganz viel abends. Mein Mann und ich sitzen ganz oft bis Mitternacht oder länger auf unserem Sofa und arbeiten. Das Basteln und Fotografieren kann ich supergut auch nachmittags machen, während die Kinder hier rumtollen. Das ist ja das Schöne am Landleben. Wir können einfach die Tür aufmachen, und die Kinder beschäftigen sich selbst. Das Texten findet ganz oft abends statt – oder am Wochenende, wenn die Jungs mal mit Papa unterwegs sind.

Hast du Unterstützung von der Familie?

Meine Schwiegereltern wohnen direkt nebenan und springen auch mal spontan eine Stunde ein. Das ist wahnsinnig toll. Und – ganz ehrlich – es sieht hier natürlich nicht immer so aus wie auf den Fotos. Es ist oft sehr unordentlich, und der Haushalt bleibt bei den vielen Projekten häufig auf der Strecke. Das ist einfach so. Aber wenn ich brenne, muss ich das umsetzen und eben nicht Fenster putzen. Dann lebe ich mit den Fenstern wie sie sind – und meist sind sie ja eh schnell wieder dreckig. 😄

Seit wann wohnt ihr in eurem wunderschönen Haus?

Ich war mit Tjelle schwanger, als wir eingezogen sind  – also ungefähr drei Jahre. Wir haben ewig an unserem Haus gebaut. Vorher haben wir aber schon in der Ferienwohnung bei meinen Schwiegereltern gewohnt, da ich das Landleben vorher gern testen wollte – auch das Leben mit den Eltern meines Mannes.

Wir haben ungefähr drei Jahre lang gebaut. Haben dabei auch ganz viel selbst gemacht – und es nimmt kein Ende. Am Garten sind wir immer noch dran … Aber es fühlt sich gerade dadurch sehr besonders an. Ich weiß noch, wie wir gemeinsam irgendwo im Nirgendwo die dänischen Fenster ausgesucht und wie wir uns für die Deckenbalken entschieden haben. Es steckt so viel Liebe drin und es ist ein ganz persönliches Haus.

Es ist auch lustig: Der Wintergarten war eigentlich nur als Übergang gedacht und als Ort für meine Staffelei – mit einem Sessel zum Leben. Er hat sich aber schnell zum meistgenutzten Raum entwickelt, der auch toll zum Fotografieren ist.

Susanna von Two for Fashion und Claudia von was für mich im Gespräch auf der Terrasse

Wie ist es denn, Tür an Tür mit den Schwiegereltern zu wohnen?

Gut! Viel besser, als ich es mir vorgestellt habe. Sie sind eine riesige Hilfe. Mein Mann ist ja auch viel hier, da er freiberuflich arbeitet, was ein sehr großer Vorteil ist – so einen Blog muss ja die ganze Familie tragen. Ich kann es gar nicht allein bewerkstelligen. Da müssen alle ein bisschen mithelfen.

Wie steht denn deine Familie zum Bloggen? Die ganze Familie ist ja recht präsent?

Für mich fühlt es sich gar nicht so an. Ich zeige nur die Momente, bei denen ich denke, dass es vollkommen okay wäre, wenn gerade jemand vorbeikäme und uns so sehen würde. Mein Mann steht von Anfang an hinter mir und unterstützt mich wahnsinnig, weil er weiß, dass ich das am besten kann. Er findet es total spannend und hat noch viel mehr Ideen als ich selbst. So viele, dass ich sie gar nicht alle so schnell umsetzen kann. Und die Kinder wachsen da so rein. Wenn wir mal in den Urlaub fahren, spreche ich vorher ganz offen mit ihnen darüber, dass wir ein paar Fotos machen müssen, dafür aber diese Reise machen dürfen. Ich glaube, dass sie dadurch ein gesundes Verhältnis zum Internet und Online-Leben bekommen. Übrigens ist mir auf Schulfesten und ähnlichen Veranstaltungen in der Gegend schon ganz oft Erstaunen begegnet – nach dem Motto: „WAS? Du bist das? Und DAS sind diese Stylo-Kinder?“ Weil sie halt gerade in ollen Klamotten im Matsch liegen. Also, es ist natürlich nur ein Teil von uns sichtbar, ein Ausschnitt unseres Lebens. Und wenn wir hier durch den Supermarkt schlurfen, sind wir eine komplett andere Familie.

Notizheft bei einem Interview

Du wurdest letztens sehr kritisiert – wegen einer angeblichen Kooperation. Wie gehst du mit Kritik um?

Bislang hatte ich Riesenglück: Es gab keine Kritik. In diesem Fall ging es – wie gesagt – um die Kritik an einer Kooperation. Was mich daran am meisten geärgert hat, war, dass es sich um gar keine Kooperation gehandelt hat: Nur weil ich mich mit einer Freundin getroffen habe, die ein eigenes Kinder-Label hat, bekam ich das Gefühl, ich könnte meinen Alltag nicht zeigen. Das war das Blödeste an der Sache. Ich bin natürlich auch schon Kooperationen eingegangen, die ich im Nachhinein bereut habe, da sie letztendlich nicht zu uns passten. Aber jeder macht mal Fehler. Der Blog ist mittlerweile wie ein Magazin und er ist auch so aufwendig wie eins. Und ich mache alles alleine …

Aber beim Magazin gibt es ja diverse Redakteure und Grafiker.

Ja, genau. Dadurch, dass ich es allein mache, muss ein gewisser Monatslohn reinkommen, denn sonst müsste ich die Stunden, die ich darauf verwende, in der Schule arbeiten. Ich denke, es hilft darüber zu reden und die Dinge zu erklären. Ich habe auch gemerkt, dass die User es total spannend fanden, einen Einblick in meine Arbeit zu bekommen. Klar hat der Job auch ganz viele schöne Seiten, aber er hat auch blöde Seiten. Genau wie jeder andere Job. Ich glaube, ich werde jetzt öfter erzählen, wie das alles abläuft.

Petersilie auf Gartentisch

Was sind deine nächsten Projekte?

Jetzt kommt erst einmal das vierte Kind. Ich habe mir ganz, ganz fest vorgenommen, diese letzte Elternzeit richtig zu genießen und zu zelebrieren. Ich werde auf dem Blog ein paar Wochen Pause machen. Aber ich habe schon jetzt viele Ideen für neue Posts. Im August erscheint mein zweites DIY-Buch. Es ist quasi der zweite Teil des Vorgängers. Da geht es ums Basteln mit Kindern im Winter und zu Weihnachten. Als das Angebot vom Verlag kam, hatte ich erst gar keine Lust, da Weihnachten gerade vorbei war und ich alle anderen Themen interessanter fand. Aber bei genauerer Betrachtung fand ich es sehr spannend. Bücher zum Thema „Mit Kindern wirklich schöne Sachen zu Weihnachten basteln“ gibt es noch nicht. Vieles ist kitschig oder so „weihnachtsmanntrottelig“. Ich fand es schön, mir mal ganz andere Sachen auszudenken.

Da bin ich gespannt und wünsche dir ganz viel Erfolg. Und natürlich erst einmal alles Gute für den Nachwuchs, liebe Claudia. 👶🏼 🌷

Laufende Pferde auf der Koppel im Hamburger Umland
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