Coffee-Talk | Interview mit Riccardo Simonetti

Interview mit Riccardo Simonetti zum Thema Selbstliebe
Dienstag, 8. Mai 2018, 15:52

Wir sind schon seit längerem Fans des langhaarigen Jungen, der eine Vorliebe für Glitzer und Britney-Spears-Songs hat und gern in den Flughäfen-Toiletten dieser Welt tanzt: Blogger & TV Moderator Riccardo Simonetti. Er begeistert uns mit seiner Leidenschaft für Mode und seinem Wissen über die große Glamourwelt – vor allem aber, weil er authentisch ist und auch mal zugibt, wenn bei ihm nicht alles glattläuft.

Heute ist Riccardo einer der deutschen Social-Media-Stars: Er hat eine eigene Sendung auf E! Entertainment, die nun schon in die zweite Staffel geht, moderiert glamouröse Events, ziert Titelseiten von Magazinen und wird für seinen Style verehrt. Doch das war nicht immer so: Wie er es geschafft hat, der Kleinstadt zu entkommen, und was er allen Menschen, die das Gefühl haben anders zu sein, zum Thema Selbstliebe mit auf den Weg geben möchte, erfahrt ihr im Interview.

Portrait Riccardo Simonetti

Du machst so viele verschiedene Dinge:  Was ist – deiner Meinung nach – deine Berufsbezeichnung?

Ich glaube, die meisten Menschen würden mich ganz klassisch als Social-Media-Star bezeichnen, aber ich selbst sehe mich eher als Entertainer. Egal, ob ich im Fernsehen bin, ein Event moderiere oder ein Outfit style: Ich möchte stets, dass sich die Menschen von mir unterhalten und inspiriert fühlen. Das war schon immer mein Traum.

Welche deiner unterschiedlichen Aufgaben von Moderieren bis Bloggen und Modeln machst du am liebsten?

Am liebsten mache ich Dinge, bei denen ich aus meiner Komfortzone herauskomme, aber weiß, dass die Leute daran Spaß haben werden. Normalerweise habe ich ja mein virtuelles Publikum, stehe ich jedoch live vor „echten “ Menschen, ist dies für mich eine ganz andere Art von Herausforderung – verbunden mit jeder Menge Adrenalin. Wenn ich dann den Applaus höre und sehe, wie sich die Leute unterhalten fühlen, ist dies für mich am aufregendsten. Aber es ist in meinem Job vor allem die Abwechslung und dass jeder Tag anders ist als der vorherige so toll – und natürlich immer wieder aufs Neue spannend.

Am schönsten ist für mich, dass ich so viele Menschen mit auf meine Reise nehmen kann. Als Junge habe ich fasziniert auf die Welt geschaut, in der ich mich heute bewege, und mir immer gewünscht ein Teil davon zu sein. Nun andere Leute mit in die Welt entführen zu dürfen ist ein wahnsinniges Privileg.

Du sagst, dass du als Junge schon davon geträumt hast – gab es jemals andere Berufswünsche bei dir?

Ich wollte schon immer Schauspieler, Fernsehmoderator oder Model sein, wollte stets vor der Kamera stehen. Bereits als Vierjähriger hatte ich das Gefühl, dass die Entertainment-Welt die einzige ist, die an einem Jungen wie mir die Eigenschaften schätzt, für die ich früher auf der Straße kritisiert wurde. Auf jedem Wunschzettel und in jedem Freundschaftsbuch stand Entertainer als Berufswunsch. Ich habe auch wirklich schon früh daran gearbeitet: Mit vier Jahren stand ich das erste Mal auf der Bühne und habe dann fünfzehn Jahre lang Theater gespielt.

Ich hätte nie gedacht, dass Bloggen mal mein Beruf werden könnte, da ich eigentlich Schauspieler und Moderator sein wollte, aber ich bin dankbar, dass es sich so entwickelt hat. Da wir jedoch nicht wissen, wie sich Social Media entwickelt, sind diese Kanäle für mich eher Instrumente. Ich denke, wenn ich zwanzig Jahre früher geboren worden wäre, hätte ich dieselben Dinge getan wie heute, nur eben auf einer anderen Plattform – dann wäre ich vermutlich mehr im Fernsehen präsent gewesen. In erste Linie hätte ich damals wie heute versucht, Menschen zu inspirieren und zu unterhalten.

Ich wollte schon immer ein Star sein, denn:

Sterne sind leuchtende Fixpunkte: Durch ihr bloßes Leuchten führen sie Menschen durch dunkle Phasen und geben Orientierung. Genau das, was Sterne am Himmel sind, sind Stars für die Menschen.

Ich bin in einem kleinen Ort aufgewachsen, in dem es für einen Jungen wie mich, der irgendwie anders war und sich für Mode interessiert hat, superschwierig war. Ich hatte ganz oft das Gefühl, dass die Menschen in Magazinen mehr mit mir gemeinsam hatten als die, von denen ich umgeben war. Schon früh habe ich Bilder von mir in Zeitschriften geklebt, um es meinen Idolen gleichzutun. Auf der Bühne oder vor einem Mikrofon habe ich mich stets wesentlich wohler gefühlt als im echten Leben.

Du hast schon angedeutet, dass deine Schulzeit nicht leicht für dich war. Wie hast du sie überstanden?

Ich hatte das Glück, dass ich immer eine sehr selbstbewusste Person war und mich mehr geliebt habe als die Meinung der anderen. Aber es war natürlich schwierig, erst einmal zu verstehen, dass anders zu sein nichts Schlimmes ist, sondern ganz toll sein kann. Dieses Bewusstsein habe ich mir hart erarbeitet: Ich bin nie ohne Musik aus dem Haus gegangen – hatte immer Kopfhörer auf, um die bösen Kommentare der Leute nicht zu hören. So konnte ich mir vorstellen, dass die Menschen mir nur nette Sachen hinterherrufen … das mache ich bis heute so.

Ich habe das Glück, dass ich in meinem Leben nun der sein darf, der ich bin, aber ich weiß natürlich, dass es Jungs wie mich da draußen noch tausendfach gibt – und denen möchte ich helfen. Daher ist es mir wichtig, viel zum Thema Mobbing und Anderssein zu erzählen. Das bin ich mir und den anderen Menschen, die sich so allein fühlen wie ich damals, schuldig.

Erlebst du Berlin anders als deine frühere Heimat? Die Stadt ist doch bestimmt aufgeschlossener.

Wenn ich jetzt zu Hause bin, werde ich gefeiert wie ein Nationalheld, was für mich ein sehr, sehr großer Support ist. Ich schätze meine Fan Base dort sehr, aber ich weiß auch, dass es hätte anders laufen können: Wäre ich dort geblieben und beispielsweise Englischlehrer geworden, wären die Eltern meiner Schüler bestimmt nicht so begeistert über einen Pailletten tragenden Lehrer. Natürlich hast du in Berlin viel mehr Freiheiten, und ich werde auf der Straße mittlerweile täglich nach Autogrammen und Selfies gefragt, dennoch gehören auch hier Beleidigungen und böse Kommentare dazu. Berlin ist eine Stadt, die sehr ehrlich ist und einem ihre Meinung direkt ins Gesicht sagt.

Riccardo Simonetti schützt sich vor Paparazzi

Du wirkst wahnsinnig offen, was Dinge angeht, die man erleben kann. Was bedeutet für dichPrivatsphäre? Gibt es für dich Tabus?

Ich bin ja quasi ohne Privatsphäre aufgewachsen: Von klein auf wusste jeder im Ort meinen Namen und hatte sein Urteil über mich gefällt, bevor er mich kannte. Das lässt einen Privatsphäre neu definieren. Meinen Blog hatte ich schon früh, und wer mir von Anfang an gefolgt ist, hat mich aufwachsen sehen – hat miterlebt, wie ich mein Abitur gemacht habe, wie ich Abschlussball-König geworden bin und, und, und … Ich finde das auch gar nicht schlimm! Aber natürlich gibt es Dinge, die ich privat halte.

Zwischen meinen Snaps und Insta-Storys passiert so viel, was nicht für die Öffentlichkeit gedacht ist – würden meine Follower wissen, welche Organisation hinter allem steckt, würde das den Zauber zerstören. Ich möchte, dass die Leute von ihren eigenen Problemen abgelenkt und nicht mit meinen noch zusätzlich belastet werden. Daher versuche ich generell, alles Negative außen vor zu lassen. Es sei denn, es ist ein Problem, bei dem ich denke, dass ich andere inspirieren und ihnen helfen kann, wenn ich es öffentlich mache.

Was mein Liebesleben angeht, würde ich Rücksicht auf die andere Person nehmen. Nur weil ich in der Öffentlichkeit stehe, heißt das ja nicht, dass der Partner dies auch möchte.

Hast du eine Strategie entwickelt, mit Mobbing und negativen Kommentaren umzugehen?

Generell versuche ich mich an Menschen zu halten, die mir positiv gegenüberstehen und mich nicht an denen zu orientieren, die negativ über mich denken. Am Ende finde ich, dass es wichtig ist, dem Menschen gerecht zu werden, der einem abends aus dem Spiegel entgegenguckt.

Wenn man es schafft, sich selbst von sich zu überzeugen, hat man es geschafft, die einzige Person zu überzeugen, die es zu überzeugen gilt!

 

Du hast in der Kindheit schon gern Pailletten getragen. Wie hat sich dein Modestil im Laufe der Zeit verändert?

Erschreckenderweise kaum! Ich habe bereits als Teenager Sachen getragen, die ich heute genauso anziehen würde, allerdings mit einem ganz anderen Budget, wie eben alle anderen Teens auch. Ich habe immer gern in Secondhand-Läden geshoppt und Vintage-Klamotten getragen. Ich hatte eine ausgeprägte Achtziger-Phase, die sich in dicken Schulterpolstern und schrägem Schuhwerk widergespiegelt hat – da bin ich ganz froh, dass ich diese Looks hinter mir gelassen habe. Nach wie vor bin ich sehr experimentierfreudig, und ich würde meinen Stil als unkonventionell bezeichnen. Er war früher femininer, heute habe ich Spaß daran, mich eher maskulin zu kleiden. Dennoch kombiniere ich wild drauflos, und es spielt keine Rolle, ob ich in der Herren- oder in der Damenabteilung fündig geworden bin. Meine Überzeugung ist:

Wenn etwas an mir gut aussieht, egal, ob für Männer oder Frauen entworfen, ist es auch für mich gemacht.

Ich finde es schön, mich jeden Tag neu erfinden zu können, und daher sieht mein Kleiderschrank aus wie die Requisite eines Theaters.

Hast du Modetipps für unsere User?

Ich bin der Meinung, dass sich das Mädchen von nebenan mehr trauen sollte. Viele denken, dass sie bestimmte Sachen erst tragen können, wenn sie mit der Schule fertig sind oder ihr Idealgewicht erreicht haben … Gerade wenn man jung ist, traut man sich vieles nicht und denkt, dass es an anderen besser aussieht. Aber Dinge zu riskieren kann viele Komplimente einbringen. Natürlich wird es Leute geben, die es doof finden, aber gerade dann wird es auch immer Menschen geben, die das gut finden. Und wenn es einem selbst gefällt, wird es einem auch stehen. Ich finde es ganz wichtig, dass man alles tragen kann, was man möchte, wenn man sich wohl darin fühlt.

Ich habe ein Bild von dir als Fünfjähriger gesehen, auf dem du noch kurze Haare trägst …

… und aussah wie Miranda von Sex and the City. (lacht)

Ja, genau. Seit wann hast du lange Haare?

Mit 15 Jahren habe ich mir den Kopf rasiert, weil Britney Spears sich im selben Jahr – übrigens an meinem Geburtstag, dem 16. Februar –  die Haare abrasiert hat. Zufall? Ich glaube nicht. 😉 Leider musste ich feststellen, dass wir beide nicht die ideale Kopfform dafür haben – von da an habe ich sie mir wachsen lassen. Seit vier Jahren trage ich mein Haar so lang wie jetzt.

Wie pflegst du sie? 

Was meine Haare angeht, bin ich unglaublich diszipliniert. Ich wasche sie ungefähr dreimal in der Woche. Einfach, weil ich total viele Haare habe und es ein wahnsinniger Aufwand ist sie zu waschen. Deshalb nehme ich mir auch gerne Hilfe und lasse meine Haare zweimal die Woche professionell beim Friseur stylen – das kann ich den Usern nur empfehlen. Die Haare werden dort krass behandelt und in Form gebracht, aber ich denke: Wenn man dem Haar danach ein paar Tage Ruhe gönnt, erholt es sich viel besser, als wenn man es zu Hause jeden Tag mit dem Glätteisen bearbeitet. Lieber einmal richtig machen und die nächsten Tage mit Trockenshampoo überbrücken.

Ich habe grad die „natürlich nude!“-Produkte von Schwarzkopf entdeckt. Das sind Produkte, die sich jeder leisten kann – und es gibt sie in (fast) jedem Drogeriemarkt, sodass ich sie mir jederzeit und egal, in welcher Stadt ich bin, nachkaufen kann. Mir nützt ein superkrasses Luxus-Shampoo nichts, wenn ich es unterwegs nicht bekomme. Das A und O ist gesundes, glänzendes Haar mit einem natürlichen Shine. Und: Lieber ein, zwei Zentimeter opfern, aber dafür kräftiges Haar haben.

Wie sieht es sonst mit deiner Beautyroutine aus?

Ich gestehe, dass ich ein wenig faul geworden bin, da ich so oft professionelle Make-up-Artists um mich habe. Aber ansonsten bin ich ein Fan von Einfachheit. Ich wasche mein Gesicht und creme es mit einer Feuchtigkeitscreme ein. Was Frauen mit ihren Augenbrauen machen, mache ich mit meinem Bart. Da er von Natur aus nicht sehr dicht ist, schminke ich ihn nach. Das hilft oft auch, die eine oder andere Rasierpanne zu kaschieren.

Wie hältst du dich bei deinem Lifestyle fit?

Ich bin eigentlich kein Sportfan, und der Moment, wo ich das Gym mag, ist der, in dem ich es verlasse. Dennoch versuche ich darauf zu achten, was ich esse, und mache natürlich ein wenig Sport. Gerade habe ich mit EMS angefangen. Generell denke ich, dass man sich da nicht allzu sehr unter Druck setzen sollte. Was für den einen richtig und wichtig ist, mag für den anderen völlig unpassend sein.

Ich bin der Meinung, jeder sollte auf sein Innerstes hören und versuchen, sich nicht von den Schönheitsidealen der Gesellschaft verrückt machen zu lassen.

Du begegnest immer wieder großen Celebrities. Was war die spannendste Begegnung der letzten Zeit?

Das war definitiv Lana Del Rey. Sie ist eins meiner absoluten Idole, und ich habe sie ganz privat bei einem Konzert getroffen. Ich war umgeben von Kardashian-Schwestern und hatte nur Augen für sie. Sie ist für mich der tollste Mensch der Welt, der die schönste Musik macht. Wir hatten ein sooo wunderbares Gespräch … Bei allen wichtigen Ereignissen in meinem Leben lief im Hintergrund Lana Del Rey – und ihr das zu erzählen war grandios. Es muss auch irgendetwas in ihr ausgelöst haben, denn seitdem folgt sie mir auf Instagram und hat sogar ein Bild mit mir gepostet. Das ist für einen Hardcore-Fan wie mich natürlich ein Ritterschlag und die größte Ehre!

Richtig toll war aber auch meine Begegnung mit Kylie Minogue: Wir hatten einen sehr privaten Talk, und ich habe sie eine Woche später auf dem Echo wiedergetroffen. Obwohl ich sehr anders aussah – wie Wolfgang Petri –, ist sie auf dem roten Teppich zu mir gekommen, wusste noch meinen Namen und hat mich gefragt, wie es mir geht. Das habe ich bei einem Popstar dieser Größenordnung noch nie erlebt. Wow, Kylie, ich mochte dich vorher schon, aber nun hast du einen Fan auf Lebzeit.

Was steht bei dir in nächster Zeit an?

Ich freue mich grad am allermeisten auf mein Buch, das im Herbst rauskommt.

Oh ja, wann schreibst du das eigentlich?

Das ist wirklich sehr, sehr zeitaufwendig, und ich nutze quasi jede freie Sekunde während Taxifahrten und Flügen, um Energie in das Buch zu stecken. Mir ist es wichtig alles selbst zu schreiben, daher habe ich keinen Ghostwriter. Anders, als ihr es von einem Influencer erwarten würdet, ist es ein sehr textlastiges Buch, auf das ich mich total freue. Auf die Fortsetzung meiner TV-Show „Riccardo’s Dream Date“ freue ich mich natürlich auch extrem.

Lieber Riccardo, ich wünsche dir viel Erfolg damit und danke dir für deine Zeit.

XX, Susanna

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