Coffee-Talk | Interview mit Hochzeitsbloggerin Susanne von Lieschen heiratet ??

Interviewsituation mit Bloggerin Susanne Rademacher von Lieschen heiratet
Two for Fashion Autorin Susanna
Montag, 23. April 2018, 16:12

Es ist immer wieder toll, wenn wir Menschen begegnen, die bei Erzählungen von ihrem Job so richtig aufblühen und über beide Ohren strahlen. Menschen, denen wir es anmerken, dass sie ihre Passion gefunden haben. Eine solche Frau ist die sympathische Susanne Rademacher vom Blog Lieschen heiratet. Ich habe sie diese Woche zum Interview und einer kleinen Bastelstunde getroffen. Seit der Gründung ihres Blogs im Jahr 2012 hat sich Susanne zu einer der großen Expertinnen für moderne Hochzeiten entwickelt. Viele hat sie begleitet und mit ihren Deko-Ideen und ihrem Know-how inspiriert. Ein Buch kam auch schon dabei heraus! Klar, dass wir uns im Rahmen unseres Hochzeits-Specials ein paar Tipps und Tricks bei ihr abholen wollten. Und davon gab es wirklich reichlich in unserem Gespräch im luftigen Café „Liebes Bisschen“, wo wir uns schon vormittags köstlichen Kuchen gönnten und aus dem Erzählen nicht mehr herauskamen.

Interview mit Lieschen heiratet

Portrait von Bloggerin Susanne Rademacher von Lieschen-heiratet

Erzähl doch mal: Wie kam es denn eigentlich dazu, dass du über Hochzeiten bloggst?

Das ist eine ganz lustige Geschichte. Ich habe früher in einer PR-Agentur gearbeitet. Eines Tages wollte einer unserer Kunden, ein Online-Fotobuch-Anbieter, ein Hochzeitsbuch vermarktet haben, und meine Kollegen meinten: „Ach, lass das doch mal Susanne machen.“ Ich war damals selbst Single und hatte mit Hochzeiten gar nichts am Hut. Aber dann habe ich mich in die Materie eingearbeitet, und es folgte ein Kundenprojekt dem nächsten – immer im Hochzeitsbereich. Alle wussten nun, dass ich mich mit den ganzen verrückten Hochzeitssachen auskenne. Über die Arbeit daran bin ich auf die tollen amerikanischen Wedding-Blogs gestoßen, und das Thema wurde für mich immer spannender, obwohl ich ja – wie gesagt – Single war. Bald darauf wollte mein Bruder heiraten, und da habe ich mich erst recht in das ganze Hochzeitsthema hineingestürzt.

Und dann kam der Blog Lieschen heiratet?

Ich hatte vorher schon einen Blog: einen ganz persönlichen, auf dem ich über Hamburg und Food etc. geschrieben habe. Aber das Thema Hochzeit hat mich einfach nicht mehr losgelassen. Und ich wollte mich irgendwie mit dem Thema auseinandersetzen. Als ich mich dann im Bereich Kommunikationsberatung selbstständig gemacht hatte, war auf einmal die Zeit dafür da. Ich habe mir einfach ein WordPress Theme ausgesucht, eine Freundin gebeten mir ein Logo zu designen, und es ging los mit Lieschen heiratet. Zu der Zeit habe ich auch meinen jetzigen Mann kennengelernt.

Über das Bloggen?

Nein, in freier Wildbahn quasi: im Haus 73. Der Arme musste sich auch immer alles Mögliche anhören zum Thema Heiraten, à la „Der Wink mit dem Zaunpfahl“ und so. Aber der Blog nahm schnell Fahrt auf. Irgendwann kam tatsächlich mein eigener Antrag, und ich habe mich endgültig dem Thema hingegeben. Ich habe meine Kolumne gestartet, in der ich die typische Euphorie/Hysterie der Hochzeitsplanung beschrieben habe. Anscheinend fanden es viele Menschen spannend zu lesen, und der Blog wurde immer erfolgreicher. Dann habe ich mit Fotografen und anderen Dienstleistern kooperiert.

Total spannend!

Ja, irre. Nach drei Jahren kam für mich die Frage, ob ich Lieschen heiratet in Vollzeit betreibe. Aber ich entschied mich dagegen. Ich würde einfach sagen, dass es ein Teil meines Berufs ist. Der Blog hat in meinem Leben sooo viel Positives bewirkt, das ist wirklich toll. Und ich freue mich immer noch darüber.

Wie sah denn deine eigene Hochzeit eigentlich aus? So wie die vielen Traumhochzeiten, die du auf Lieschen heiratet zeigst?

Ui, das ist schon 3,5 Jahre her. Es war eine Mischung aus entspanntem Tag und rustikaler Scheunenhochzeit. Draußen auf dem Land, südlich von Hamburg, mit einer freien Trauung. Diese sollte eigentlich draußen auf der Wiese stattfinden, aber es hat morgens geschüttet wie aus Eimern! Also haben Freunde von mir die komplette Deko innerhalb kürzester Zeit von draußen in den alten Pferdestall verfrachtet. Mein Konzept war komplett hin. Da wusste ich, dass man sich an einem solchen Tag einfach entspannen und loslassen muss. Wir hatten trotzdem eine tolle Trauung und nachmittags strahlenden Sonnenschein, sodass wir das Kaffeetrinken auf der Wiese machen konnten. Und es war super. Wir hatten eine richtig coole Party, ’nen tollen DJ, und wir haben bis morgens um fünf gefeiert. Da wir die komplette Location gemietet hatten, konnten wir von dort aus alle einfach ins Bett fallen. Am nächsten Morgen gab es noch einen ausgedehnten Brunch. Es war ein richtig tolles Wochenende.

Das klingt herrlich. Wann habt ihr denn standesamtlich geheiratet?

Das war in der Woche vorher. Nur mit unseren zwei Trauzeugen und einer Fotografin. Hinterher waren wir passenderweise im Haus 73 ein Bierchen trinken. Und nachmittags sind wir mit unseren Trauzeugen noch ins Kino gegangen.

Was habt ihr geguckt?

Hmm, das war der Film, in dem Johnny Depp diesen durchgeknallten Cowboy-Indianer spielt. Ich vergesse leider regelmäßig den Titel ? (Anmerkung der Redaktion:The Lone Ranger). Ach ja, vorher waren wir noch im Alten Mädchen essen. Und so waren wir an unserem Trauungs-Tag schon um 19:00 Uhr wieder zu Hause. Es war ein großartiger Tag. Die Ironie war, dass ich mich trotz meines Blogger-Daseins nicht rechtzeitig genug um einen Termin im Standesamt gekümmert hatte und wir den Termin nehmen mussten, der noch frei war. Aber es gab dann auch wiederum lustige Geschichten, die ich auf dem Blog erzählen konnte, womit ich versuchen wollte, den Usern den Druck zu nehmen. Generell sage ich den Mädels sehr gern: „Entspannt euch. Es wird alles gut und eh ein toller Tag!“

Machen sich Bräute da sehr viel Druck?

Ja, es ist schon ein Trend der letzten zwei Jahre, dass alles immer perfekt sein muss. Die Bräute verspüren fast eine Art Leistungsdruck. Ich würde immer empfehlen, dass ihr guckt, was euch wirklich wichtig ist an dem Tag. Ihr braucht nicht die komplette Checkliste mit Pompons, Wimpelketten, Wabenbällen und, und, und … Es geht auch anders.

Gibt es eigentlich etwas, was du bei deiner eigenen Hochzeit im Nachhinein anders machen würdest?

Ja, ich würde mir Profi-Dekorateure holen. Ich hatte ganz liebe Freunde, die das wirklich toll gemacht haben. Aber es war für sie schon recht stressig. Vor allem, wenn man nicht bereits am Vorabend in die Location kann, sollte lieber der Profi ran. Dann kann nämlich die Braut mit ihren Mädels morgens noch schön ein Sektchen trinken und sich in Ruhe stylen lassen.

Gibt es eigentlich große Trends bei den derzeitigen Hochzeiten?

Ja, generell kann ich sagen, dass es meist die großen Wohntrends sind, die so rüberschwappen. Derzeit ist es der Bereich Greenery und Urban Jungle. Also ganz viel Grün. Farne, Sukkulenten und Co. Es wird auch gern in Botanischen Gärten gefeiert oder in wilder Landschaft. Zum Beispiel vor Bergpanorama am See, mit wehenden Haaren. Generell ist Natur grad sehr angesagt. Was ich auch total gern mag, ist – ich nenne es so – Urban Greenery. Wenn Paare in einem urbanen Loft feiern und sich viel Grün reinholen. Ich glaube, so heiraten viele Stadtmenschen derzeit – ich finde es superschön. Und klar, so ganz romantische Hochzeiten gibt es natürlich nach wie vor. Oder wiederum die Scheunenhochzeiten irgendwo auf dem Land auf ’ner Wiese.

Wie finden wir eine Scheune für eine Hochzeit?

Es gibt mittlerweile tolle Portale für Hochzeits-Locations. Aber ich glaube, am besten läuft es über persönliche Erfahrungen. Wenn ihr selbst mal auf einer solchen Hochzeit wart oder Freunde habt, die so gefeiert haben und zufrieden waren, ist das die beste Wahl. Ich würde auch immer empfehlen, dass ihr euch zwei bis drei Sachen anschaut und vor Ort nach dem Gefühl entscheidet, ob es zu euch passt.

Gibt es etwas, das du Brautpaaren mit auf den Weg geben möchtest?

In Großstädten wie Hamburg sollte man rechtzeitig mit der Planung beginnen. Mindestens zwölf Monate im Voraus solltet ihr euch um die Location kümmern. Bei sehr, sehr beliebten Locations könnt ihr sogar eine Wartezeit von zwei Jahren haben.

Welche Locations sind das so?

Die Strandperle zum Beispiel: Da kann man standesamtlich heiraten. Über dem Café gibt es einen kleinen Raum mit Blick auf die Elbe. Das ist natürlich ein Traum! Wenn der Fotograf auch die großen Pötte ⛴ fotografiert, die vorbeituckern, und das Paar mit Astra-Knolle am Strand steht … herrlich. Generell ist alles, was in Hamburg in der Nähe des Wassers liegt, superbeliebt. Auch Fotografen sind oft schon früh ausgebucht.

Wie findet man einen guten Hochzeits-Fotografen?

Schaut in Magazine und Blogs. Und guckt, welcher Stil euch am besten gefällt. Eher hell oder dunkel? Ich empfehle wirklich, den ganzen Tag begleiten zu lassen. Auch wenn dies eine hohe Investition ist – aber dieser Tag ist so schnell vorbei, und man kann sich in der Regel nicht mehr an all die schönen Details erinnern. Ich würde empfehlen, dass ihr euch zwei bis drei Hochzeits-Fotografen in die Endauswahl nehmt, euch Angebote schicken lasst und denjenigen, der es wird, vorher kennenlernt. Er oder sie ist bei ganz intimen Momenten eures Lebens dabei. Da hilft es, wenn man sich sympathisch ist. Also, ich würde sagen, ihr braucht: gutes Essen, ’nen coolen DJ und ’nen tollen Fotografen – und ihr habt schon mal die halbe Miete.

Hast du besondere Tipps für die Hochzeit?

Ich bin großer Fan davon, inklusive Trauung alles an einem Ort zu machen. Das entspannt schon mal ungemein. Das Brautpaar sollte den wichtigsten Menschen den Ablauf mitteilen und Wünsche äußern, die man als modernes Brautpaar auch wirklich durchsetzen darf. Die Bitte um Spiele-Verbote o. Ä. dürft ihr mit netten Formulierungen schon mit in die Einladung setzen. Da gibt es zum Beispiel Sätze wie „Gastbeiträge müssen durch den Trauzeugen-TÜV.“ etc. Die Trauzeugen haben dann die Bürde, das durchzusetzen. Gerade Verwandte kommen manchmal auf sehr lustige Ideen. ?

Wann würdest du Programmpunkte einplanen?

Ich würde empfehlen, alles auf den Nachmittag zu legen oder zwischen die Essens-Gänge zu packen. Wenn einmal getanzt wird, darf die Musik auf keinen Fall unterbrochen werden. Das ist der größte Fehler, den man machen kann – der absolute Party-Killer. In dem Zusammenhang empfehle ich gern die Bücher von Thomas Sünder, der selbst Hochzeits-DJ ist und sehr lustig schreibt. Das erste von ihm heißt: „Wer JA sagt, darf auch Tante Inge ausladen.“ Das ist wirklich toll und recht bekannt. Er hat schon so viel erlebt, und nach dem Lesen weiß man, was man nicht machen sollte.

Sind Dresscodes bei Hochzeiten wichtig? Dürfen wir beispielsweise Schwarz auf Hochzeiten tragen?

Oh, das ist ein sehr wichtiges Thema. Ich vertrete die Meinung, joa. Schwarz geht, wenn ihr es cool aufpeppt. Es darf natürlich auf gar keinen Fall aussehen, als würdet ihr auf eine Beerdigung gehen. Wenn es nur das kleine Schwarze ist, das gerade passt, oder ihr nicht das Budget für ein neues Kleid habt, ist das okay. Dann solltet ihr aber gucken, dass ihr ’ne fancy Handtasche, coole bunte Schuhe, ein Headpiece oder ’nen Schal habt. Wenn ihr euch als Brautpaar eine farblich aufeinander abgestimmte Hochzeitsgesellschaft wünscht, dürft ihr das vorher sagen. Es ist auch grad Trend, dass sich die engsten Freundinnen passend zum Farbkonzept kleiden. Ich habe gemerkt, dass Gäste immer aufmerksamer werden. Wenn die Einladung in einem mintfarbenen Umschlag kommt, wissen die Aufmerksamen schon, wohin die Reise geht. Schwierig finde ich Farben wie Knallrot oder Orange. Ich habe auch schon erlebt, dass die Schwiegermutter in Weiß oder die beste Freundin mit weißem Rock und schwarzem Top kam. Das ist ein No-Go.

Eine letzte Frage habe ich noch. Gibt es Richtlinien für die Höhe von Geld-Geschenken bei Hochzeiten?

Grundsätzlich würde ich sagen: Je näher man sich steht, desto mehr gibt man. Das ist so meine Erfahrung. Ein guter Richtwert ist 50 Euro pro Person: Darüber freut sich das Paar. Und gerade, wenn das Brautpaar explizit darum bittet, reicht es wirklich eine schöne Karte zu kaufen und das Geld hineinzulegen. Da müsst ihr wirklich nichts extra kaufen. Ich empfehle Paaren auch immer, das ganz offen zu kommunizieren. Hierfür gibt es wirklich schöne Formulierungen.

Was würdest du abschließend unseren Usern noch mit auf den Weg geben?

Ich würde sagen, dass ihr euch nicht verrückt machen solltet. Im Netz gibt es viele tolle Inspirationen: Ich selbst war Abende lang auf Pinterest unterwegs und habe nur immer noch mehr Tolles entdeckt. Macht euch irgendwann frei davon. Und vergleicht euch nicht mit euren Freunden, die andere Prioritäten hatten und eventuell auch ein ganz anderes Budget. Ich finde aber, dass eine Hochzeit auf jeden Fall ein Trauelement braucht. Sonst ist es nur eine Party – was auch total okay ist, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn man zur Hochzeit einlädt und keine Zeremonie kommt, die Gäste immer in einer Erwartungshaltung sind.

Und das lösen wir über eine freie Trauung?

Ganz genau. Wenn das Paar nicht religiös oder multikulturell ist, ist das wirklich eine tolle Alternative zur kirchlichen Trauung. Wir hatten uns für eine freie Trauung entschieden, bei der wir eine großartige freie Rednerin hatten, mit der wir uns vorher super abgesprochen haben. Wir konnten Freunde einbinden, und die Musik war komplett unsere. Nichts Klassisches. Coole Songs halt. Der Vorteil einer freien Trauung ist, dass ihr es quasi überall machen und sie ganz individuell gestalten könnt. Mittlerweile gibt es wirklich viele tolle Redner. Ich bin großer Fan davon.

Liebe Susanne, ich danke dir sehr für deine Zeit und den tollen Input.

Cupcake mit Herz-Deko
Frauen Basteln Dekoration mit Pappherzen für Hochzeit
Frau klbt Holzspieß auf Papier-Herz: Hochzeitsdeko
Cupcake mit Herz-Deko
Frauen Basteln Dekoration mit Pappherzen für Hochzeit
Frau klbt Holzspieß auf Papier-Herz: Hochzeitsdeko

Susanne und ich haben neben unserem Gespräch noch süße Deko-Elemente gebastelt. Ein tolle Idee von ihr, die vielfältig einsetzbar ist: Ihr stanzt mit einer großen Motivstanze so viele Herzen aus, wie ihr könnt, und klebt diese auf Schaschlikspieße. Am besten immer doppelseitig zwei aneinander, sodass kein Kleber sichtbar ist. Damit könnt ihr Kuchen, Cupcakes, Getränke, den Rasen und noch viel mehr dekorieren. Ganz wie es euch, beziehungsweise dem Brautpaar, gefällt.

In unserer Reihe Coffee-Talk sprechen wir immer wieder mit Bloggerinnen wie Susanne von Lieschen heiratet oder Laura von Designdschungel. Wir interviewen Modeschaffende wie die Girls von Lies in Layers oder andere Menschen, die wir spannend und inspirierend finden. Schaut doch mal rein und lasst euch inspirieren.

XX, Susanna

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