Coffee-Talk | Interview mit Anna Wolfers

Schauspielerin, Model, Modeikone, Boutiquebesitzerin Anna Anngelina Wolfers im Interview mit Two for Fashion
Two for Fashion Autorin Susanna
Mittwoch, 1. August 2018, 10:30

Anna Wolfers ist ein echtes Multitalent: Die ausgebildete Schauspielerin tritt nicht nur immer wieder im Fernsehen auf, sie modelt, gibt anderen Frauen Styling-Tipps, nimmt uns auf ihrem Blog Anna Wolfers mit in ihre persönliche Welt und betreibt als Geschäftsfrau eigene Fashion Stores mit dem Namen „Goldig“ in Hamburg und Köln. Ganz nebenbei ist sie auch noch Mama eines Fünfjährigen und die große Liebe von Revolverheld-Frontmann Johannes Strate. Dass sie dabei von morgens bis abends – wie wir aus ihren Insta-Storys wissen – auch noch blendend aussieht, verblüfft uns immer wieder. Wir MUSSTEN einfach mit ihr sprechen und ihrem Geheimnis, alles unter einen Hut zu bringen, auf den Grund gehen.

Coffeetalk: Frau lacht in die Kamera, Hand in Hosentaschen, an Geländer gelehnt

Schauspielerin, Model, Modeikone, Boutiquebesitzerin Anna Anngelina Wolfers im Interview mit Susanna von Two for Fashion

Mein Interview mit Anna Wolfers

Du bist eigentlich Schauspielerin. Wie kam es dazu, dass du deine eigenen Shops eröffnet hast?

Ich habe schon während der Schauspielschule im Einzelhandel gearbeitet. Unter anderem bei „Cyroline“, einem Fashion-Unternehmen aus Lübeck, das selbst Mode produziert und eigene Stores betreibt. 2004 hat deren erster Laden in Köln aufgemacht, in dem ich die umsatzstärkste Verkäuferin war, einfach, weil ich total Spaß daran habe, Leute an die Hand zu nehmen und zu beraten. Nach der Schauspielschule bin ich für ein Jahr nach München gegangen um eine Telenovela zu drehen. Als ich dort abgedreht hatte, fragten mich meine alten Chefs von „Cyroline“, ob ich nicht den Laden in Köln übernehmen wollte, und das hab ich dann drei Jahre gemacht. Ich habe mich da reingefuchst und es war alles Learning by Doing, aber es hat gut geklappt.

Irgendwann habe ich mit Erdogan Atalay, dem Hauptdarsteller von „Alarm für Cobra 11″ in Spanien gedreht. Er erzählte mir, dass er ein paar Immobilien in Berlin hätte. Ein Jahr später wurde sein Laden in Berlin frei, und ich hab ihn übernommen, obwohl ich nicht einmal in Berlin wohnte. Dann wurde auch noch ein Laden genau gegenüber meiner Wohnung in Köln frei, und ich musste ihn einfach mieten. Im Juni 2010 habe ich also meinen ersten Shop in Berlin eröffnet und nur drei Monate später schon den zweiten in Köln.

Und wie kam Hamburg dazu?

Steffi von „Gretchens Villa“ rief mich an und meinte, dass neben ihr ein Shop freiwerden würde – da habe ich zugeschlagen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht einmal, dass ich schwanger war, aber es war klar, dass ich schweren Herzens nach Hamburg ziehen würde. Ich denke, es sollte so sein!

Hin und wieder stehst du auch noch vor der Kamera, oder?

Es ist ja so, dass du als Schauspieler nicht das ganze Jahr arbeitest, aber ich bin einfach nicht der Typ, der zu Hause sitzt und darauf wartet, dass etwas passiert. Theater hätte ich gern gemacht, aber meine Stimme ist nicht für die große Bühne geeignet. Und so kamen die Läden, in denen ich den anderen Job machen kann, den ich beherrsche. So ist der Druck raus, unbedingt drehen zu wollen und müssen. Natürlich ist die Schauspielerei nach wie vor meine große Leidenschaft, und ich freue mich immer, wenn ich wieder drehen kann – demnächst zum Beispiel für Sat. 1.

Schauspielerin, Model, Modeikone, Boutiquebesitzerin Anna Anngelina Wolfers im Interview mit Two for Fashion

Seit wann bloggst du eigentlich?

Seit 2015. Ich dachte lange, dass bestimmt niemand auf meinen Blog warten würde. Mich haben oft Leute angesprochen und gefragt, warum ich das eigentlich nicht mache, da ich ja doch etwas zu erzählen habe … Irgendwie wollte ich aber, dass die Läden ganz für sich stehen. 2015 war ich dann doch bereit dafür: Das Schöne am Bloggen ist ja, dass man sich die Themen selbst suchen kann. Ich ecke damit auch gern mal an oder möchte zu Diskussionen anregen. Auf meinem Blog geht es relativ wenig um Mode, da ich mich beruflich schon so viel damit beschäftige, dass ich andere Themen spannender finde. Hormonfreie Verhütung zum Beispiel oder Selbstliebe. Bei uns ist auch nicht alles perfekt, und ich finde, dass man das ruhig erzählen darf.

Das heißt, persönliche Themen sind die, über die du am liebsten schreibst?!

Ja, total. Ich brauche oft Zeit, um mir Gedanken zu machen und nicht einfach nur ein paar Bilder und drei Zeilen rauszuhauen. Ich schreibe auch sehr gerne über unsere Reisen, vor allem jetzt mit Kind ist es schon eine Herausforderung. Ich merke, dass meine Leser es sehr spannend finden, wenn ich erzähle, wo man mit Kindern total gut Urlaub machen kann. Allein als Paar kannst du ja überall eine gute Zeit haben, aber erzähl mal nem Fünfjährigen, dass er erst mal zwanzig Minuten in die einsame Bucht laufen muss …

Was ist euer derzeitiges Lieblingsziel?

Ich bin ein großer Mallorca-Fan, wobei ich die Insel erst vor ein paar Jahren für mich entdeckt habe. Den genauen Ort, in den wir immer fahren, kann ich nicht preisgeben, da wir sehr regelmäßig dort sind, aber über die Umgebung habe ich schon geschrieben. Es gibt zwei schöne Buchten und Restaurants, in denen wir Eltern abends gemütlich sitzen, während die Kinder neben uns im S(tr)and spielen.

Klar steh ich auch auf fancy Hotels mit großartigem Service, aber wir mögen es auf der anderen Seite auch ganz low und back to basic. Daher fahren wir oft nach Spiekeroog in ein 30-Quadratmeter-Appartment mit rosa Raufasertapete. Meistens regnet es, wenn wir da sind. Aber in diesem Haus wohnen dann Johannes‘ Vater und der Cousin mit seinen zwei Kindern. Unser Sohn liebt dieses Familiending! Und für uns ist das Runterkommen und sich aufs Wesentliche-Konzentrieren ohne WLAN und Autos auf der Insel ein Traum.

Generell finde ich zudem sämtliche Ziele rund um die Ostsee spannend. Da passiert grad ne ganze Menge. Letztens waren wir in Heiligenhafen – das war auch superschön.

Wenn man dir folgt, hat man das Gefühl, dass du gaaanz viele Dinge auf einmal machst. Wie schaffst du das eigentlich?

Das fragen mich total viele Leute, und ich hab immer das Gefühl, dass es gar nicht so schlimm ist. Ich habe ja keinen Nine-to-five-Job und kann mir alles selbst einteilen – das ist meine größte Freiheit. Immer wieder komme ich an den Punkt, an dem ich mich neu erfinden muss, um mich nicht mit mir selbst zu langweilen. Ich ertrage Stillstand ganz schlecht und habe immer wieder Ideen, die ich umsetze – daraus entsteht oft Neues.

Was war deine letzte Idee, durch die Neues entstanden ist?

Als Johannes für „Sing meinen Song“ in Südafrika war, haben wir ihn besucht, und weil ich ein bisschen in Shape kommen wollte, habe ich angefangen mich ketogen zu ernähren. Also ohne Zucker und Kohlenhydrate. Vorher habe ich 39 Jahre lang jeden Tag Nudeln gegessen, und das ist jetzt vorbei. Ich ernähre mich nun schon seit Februar so. Und das zieht natürlich Kreise: Ich habe mich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, und da ich mich wirklich fitter fühle, meine Haut besser ist und ich weniger Schlaf brauche, habe ich überlegt, was ich mit dem Thema noch machen kann. Also habe ich angefangen, auf meinem Blog ketogene Rezepte zu teilen. Mittlerweile bekomme ich täglich Nachrichten von Followern, die sich nun auch ketogen ernähren. Das spornt mich total an, mich noch mehr mit dem Thema zu befassen. Neueste Studien zeigen, dass Diabetes Typ 2 dadurch geheilt werden kann, Autoimmunkrankheiten lassen sich in den Griff bekommen und auch MS. Mir geht es hier nicht um einen Lifestyle, sondern um die Gesundheit.

Hast du eine Vorstellung davon, wen du inspirierst?

Durch die vielen persönlichen Nachrichten und Kommentare habe ich eine ungefähre Vorstellung davon: Viele Mütter sind dabei. Und ich würde sagen, dass die Zielgruppe so Mitte zwanzig bis Mitte vierzig ist. Ich glaube, die Leute mögen es, dass ich authentisch bin und mich nicht verstelle, wenn ich von meinem Leben erzähle. Manchmal erreichen mich sogar Geschichten, die mich zu Tränen rühren – da musste ich erst einmal lernen, das zu filtern. Es ehrt mich sehr, dass sich meine Follower so mit mir verbunden fühlen.

Du siehst immer blendend aus. Hast du Tipps für uns?

Ich gehe immer ungeschminkt ins Bett. Okay, letztens bin ich komplett angezogen im Etagenbett unter meinem Sohn aufgewacht und wusste nicht, wo ich bin, aber normalerweise schmink ich mich ab. Ansonsten habe ich wohl Glück gehabt. Ich werde ja dieses Jahr schon vierzig.

Mein Happy Place in Hamburg ist das Kosmetikstudio REVIDERM. Dort schlafe ich meist während der Behandlung, bei der ich eine Maske mit schockgefrorenem Hyaluron bekomme, die mit einer Gipsmaske versiegelt wird. Nach dem zwanzigminütigen Treatment fühle ich mich wie neugeboren. Um zur Ruhe zu kommen, habe ich mir selbst verordnet, dort alle zwei bis drei Wochen hinzugehen. Oft merke ich nämlich nicht, wenn ich zu viel mache.

Mal zum Thema Fashion: Hast du Lieblingsdesigner? 

Ich habe ein Faible für Schuhe und trage am liebsten die von MIU MIU und PRADA. Gerade war ich in Florenz und muss sagen, dass mich der Street Style der Italiener sehr inspiriert. Ich plädiere dafür, dass Frauen viel, viel mehr Röcke und Kleider tragen und auch gern mal einen Absatz. Das sieht einfach immer schön aus. Vielleicht fühle ich mich dem Style so verbunden, weil ich halbe Italienerin bin.

Ansonsten mag ich die Designs von ISABEL MARANT und YVES SAINT LAURENT sehr gern. Im Übrigen kaufe ich mir gar nicht so viele Designersachen, außer mal bei Schuhen oder Taschen. Als ich 28 war, habe ich mir von dem ersten Geld, das ich bei „Sturm der Liebe“ verdient habe, eine Tasche von MARC JACOBS gekauft, was für mich das Allergrößte war. Dadurch, dass ich mich mittlerweile so viel mit Mode beschäftige, habe ich gar nicht mehr das Bedürfnis alles haben zu müssen. Dinge, die wirklich etwas bedeuten, sind mir viel wichtiger.

Die Vintage-CHANEL-Tasche, die mir mein Mann geschenkt hat, als unser Kind drei Jahre alt war, ist eins dieser Dinge. Die Geschichte dazu war aber auch ein Running Gag. Ich habe mir die letzten zehn Jahre zu jedem Geburtstag eine Tasche von CHANEL gewünscht, woraufhin meine Freunde mir welche aus Pappe gebastelt haben und ähnlich lustige Dinge. Einmal haben mir meine besten Freundinnen ein Portemonnaie von CHANEL geschenkt, das ich seitdem jeden Tag bei mir habe, weil es so einen hohen persönlichen Wert hat.

Was trägst du denn privat?

Ich bin ein großer Fan der Sachen, die wir in unseren Goldig-Läden haben. Manchmal kann ich mir Teile aus dem Showroom mitnehmen und zeige sie dann auch auf dem Blog. Privat trage ich oft Jeans – am liebsten die von CLOSED, da sie den besten Schnitt haben – und T-Shirts. Ich finde, damit sieht man immer cool aus, egal ob mit Boots, Sneakers und High Heels.

Hast du Styling-Tipps für unsere Leser?

Ich denke, man sollte sich nie verkleidet fühlen, dann strahlt man das auch aus. Und ich bin ein großer Freund von Brüchen: Zu meinem Blümchenkleid trage ich heute Turnschuhe, Boots sehen aber auch toll dazu aus. Ein solcher Stilbruch funktioniert mit den meisten Kleidern. Eine schöne Seidenbluse zur derben Jeans ist auch immer toll. Aber ich denke, das A und O ist, dass man sich wohlfühlt und dabei dennoch etwas anderes ausprobiert.

Liebe Anna, ich danke dir sehr für deine Zeit.

XX, Susanna

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