Interview mit jeder Menge Girlpower 💪🏽 | Coffee-Talk mit den „femtastics“

Susanna von Two For Fashion mit den Mädels von Femtastics
Donnerstag, 17. August 2017, 11:06

Was hinter „femtastics“ steckt, ist für mich seit dem Interview noch klarer als zuvor: geballte Girlpower! Die drei Hamburgerinnen Lisa van Houtem, Katharina Charpian und Anna Weilberg sind die Gesichter hinter dem Online-Magazin, das sie als Plattform für starke Frauen gegründet haben. Eines ist aber sicher: Sie sind mindestens genauso inspirierend wie die Frauen, die sie auf ihrem Online-Magazin porträtieren. Neben den „Home Stories“, in denen sie die anregenden Frauen – sowohl aus Hamburg als auch aus ganz Europa – vorstellen, schreiben sie in ihrer Rubrik „Journal“ über Themen wie Mode, Beauty sowie Lifestyle – wie Reisen, Gesellschaft, Kultur und Politik – und schaffen es so, den Zeitgeist der Frauenwelt in einem Medium zu vereinen.

Ich habe die drei sympathischen Mädels sowie das vierte Teammitglied – ihre süße Hundin Helle – in ihrem hübschen Office mitten in Hamburg bei einem Stückchen Kuchen treffen dürfen und ihnen ein paar Fragen gestellt.

Die Mädels vom Online Magazin Femtastics mit Hund Helle

Ihr habt ja alle schon lange für große Magazine gearbeitet – wie kam es zu dem Entschluss, ein eigenes Online-Magazin zu gründen?

Lisa: Wir haben nicht nur für Magazine gearbeitet, aber unter anderem – und vor allem viel im Online-Bereich. Speziell Online zu machen war für uns daher quasi eine natürliche Lebensform.

Ihr hattet alle vorher schon eure eigenen Blogs, oder?

Lisa: Ja, also meinen gab es bei der Gründung des Magazins schon gar nicht mehr – aber wir kommen da alle her. Es stand jedoch nie zur Diskussion, etwas anderes außer im Online-Bereich zu machen.

Katharina: Bei der Gründung von „femtastics“ stand für uns nie zur Debatte, ob wir Print oder Online machen. Für alle war sofort klar, dass„femtastics“ ein Onlinemagazin wird.

Laptop mit Femtastics-Homepage im Hintergrund

Lisa: Der Gedanke, generell etwas Eigenes zu machen, entstand während unserer regelmäßigen Lunch-Dates bei Gruner + Jahr, als wir dort noch gemeinsam gearbeitet hatten. Wir waren alle vorher schon befreundet und kamen auf die Idee, dass wir total gerne ein Projekt gemeinsam – und vor allem etwas Eigenes – starten würden. Die Idee ist irgendwie über laufende Lunch-Dates immer weiter gewachsen, und danach haben wir uns auch mal am Wochenende zu einem Brainstorming getroffen. Es fiel also ziemlich schnell die Entscheidung, dass wir etwas zusammen machen wollen – bis die genaue Idee stand, hat es aber ein bisschen gedauert.

Katharina: Wir haben schon überlegt: Was wollen wir, und was kann man anders machen als die anderen – wie können wir unsere Nische finden? Uns war klar, dass wir kein klassisches Online-Magazin oder keinen klassischen Blog machen wollen.

Lisa: … und dann natĂĽrlich auch unter dem Aspekt, dass wir unsere Kompetenzen gut bĂĽndeln können. Wir haben geschaut, was wir alle mitbringen: das Journalistische – aber auch die Leidenschaft zur Produktion zum Beispiel, das Optische … Wir alle lieben Interviews und natĂĽrlich das Thema: Girlpower!

Apropos Girlpower: Was bedeutet Girlpower für euch? Könnt ihr das irgendwie eingrenzen?

Katharina: Für mich bedeutet Girlpower, dass man sich gegenseitig unterstützt und pusht – und vor allem kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander. Das ist für mich Girlpower!

Tassen mit der Aufschrift Girlpower

Anna: Vor allem auch, die eigene Idee zu verfolgen – relativ unabhängig davon, was die gesellschaftlichen Konventionen sind oder ob einem das zugetraut wird oder nicht, ob es vielleicht ungewöhnlich ist … Beispielsweise wenn eine kleine zierliche Frau Boxerin werden will: Also zu machen, was man machen möchte und was man kann – unabhängig davon, was andere denken.

Katharina: Und das gar nicht nur unbedingt beruflich!

Lisa, du hast sogar deine unbefristete Festanstellung gekündigt, bei euch anderen beiden war es ähnlich. Wann war für euch klar, dass ihr eure Anstellung für euer Magazin aufgebt?

Lisa: Also bei mir war es gepaart mit einem Leidensdruck, der irgendwann so groß wurde, dass ich tatsächlich einfach gekündigt habe. Ich wusste natürlich schon, dass wir drei was machen wollen, aber es war zu dem Zeitpunkt noch nicht hundertprozentig in trockenen Tüchern – und dann eher so: Okay, ich kündige jetzt und dann MUSS ich es wirklich machen, weil ich keine Alternative habe. Aber natürlich war es schon die Perspektive, auf die ich gehofft habe …

Anna und Lisa vom Femtastics und Susanna von Two For Fashion im Interview

Katharina: Ich hatte bei meinem Job einen unbefristeten Vertrag angeboten bekommen – der derzeitige Vertrag lief aus … Ich hatte aber total Lust, etwas Eigenes zu machen, mein eigener Chef zu sein, einfach alles umzusetzen, worauf ich Lust habe, ohne durch eine Hierarchie zu gehen. Es war toll, dass wir gerade in diesem Moment alle drei etwas Eigenes gründen wollten. Diese Gelegenheit bietet sich sicherlich selten. 

Anna: Ja, genau … das kam so zusammen in dem Moment. Sonst hätte ich das wahrscheinlich auch nicht gewagt und weiter in der Verlagsbranche gearbeitet. Wir wollten uns alle umorientieren, aber bei den damaligen Jobs gab es keine Perspektive. Dann war da der Traum, die eigene Idee umzusetzen. Als sich diese Konstellation wirklich irgendwann so ergab, hat es gut gepasst.

Ihr meintet ja schon, dass es relativ lange gedauert hat, bis es soweit war. Wie lange dauerte denn der Prozess?

Lisa: Der war eigentlich total kurz. *lacht* Ein halbes Jahr bis zum Launch, oder?

Katharina: Ein bisschen länger, glaube ich … Im Herbst 2014 wussten wir, dass wir was machen wollen, und im Mai 2015 haben wir dann gelauncht.

Lisa: Ja, aber so richtig Hands-on war im Dezember.

Anna: Genau, da stand die Idee, und dann haben wir im Januar angefangen.

Hund Helle vom Femtastics-Team

Lisa: Aber wir haben alle noch gearbeitet. Ich glaube, ich war die Erste, die raus ist, das war im Januar. Es lief also alles parallel zusammen.

Katharina: Genau, anschlieĂźend ist Anna raus und ich dann drei Tage vor dem Launch.

Ihr habt eure Entscheidung also nie bereut?

Lisa: Nein, niemals – keine einzige Sekunde!

Anna: Also, es klingt immer – und das war es anfangs auch für mich – nach einer riesengroßen Sache: Ich wage den Schritt in die Selbstständigkeit, und ich gebe die Sicherheit auf. Letztlich hat es sich gar nicht so angefühlt. Am Anfang war es schon komisch, als ich gegangen bin, so: „Whoa, Neuanfang“. Aber direkt danach hat es sich ganz normal und natürlich angefühlt – bei mir persönlich zumindest.

Lisa: NatĂĽrlich auch, weil wir zu dritt sind …

Anna: … und weil wir unseren Ablauf hatten. Es war nie so, dass wir nichts zu tun hatten oder nicht wussten, was wir tun wollten.

Katharina: Natürlich auch, weil wir im Kopf hatten, dass, wenn es nicht klappt, wir nicht ganz tief fallen. Wir können uns alle wieder als freie Journalistinnen bewerben. Es ist nicht so, dass der Job komplett weg ist.

Die Mädels von Femtastics und Two For Fashion im Interview

Anna: Ja, oder dass man finanziell ruiniert wäre. Der Aufwand, so etwas zu starten, ist ja verhältnismäßig gering – also im Vergleich zu: Wir eröffnen einen Laden, investieren in eine Einrichtung und haben 200.000 Euro Kosten. Es ist jetzt nichts, wofür man einen riesigen Kredit aufnimmt.

Lisa: Könnte man natürlich. *lacht* Aber nichtsdestotrotz gab es auch Zeiten, in denen man schlucken musste – wenn am Anfang mal gar nichts übrig bleibt: Das ist schon hart!

Katharina: Anfangs haben wir auf unser Geschäftskonto überwiesen und nicht umgekehrt.

Anna: Es ist schon ein finanzielles Risiko, aber es ist jetzt nicht so, dass man sich dafĂĽr verschuldet.

Lisa: Hach, wir können da Stunden drüber reden. *lacht*

Anna: Aber es ist einfach anders, als wenn man ein Restaurant eröffnet, einen Kredit aufnehmen muss und alles investiert, was man angespart hat – und wenn es nicht klappt, hat man alles verloren.

Lisa: Online-Projekte kann man relativ einfach umsetzen – und auch relativ schnell.

Habt ihr denn jemanden fĂĽr die Technik oder macht ihr alles selbst?

Lisa: Wir haben einen Programmierer, machen jedoch vieles selbst. Er setzt wirklich nur um – und seit Kurzem haben wir auch eine Grafikerin, die unsere Seite gestaltet. Aber anfangs haben wir alles selbst „gefrickelt“.

Wie ist der Name „femtastics“ entstanden?

Lisa: Mit einem 300-Kommentar-langen Thread. *lacht*

Anna: Da haben wir einfach alles reingeschrieben und gesammelt, was uns eingefallen ist – der Name war irgendwie der einzige, der übrig blieb. 

Fensteraufschrift vom Femtastics-Office

Echt? Was gab es denn sonst so?

Anna: Wir hatten ganz viele Ideen!

Lisa: Aber der Name stand relativ früh fest. Wir haben uns immer überlegt: Was würde einen coolen Bandnamen abgeben? Wir haben dann gedacht: „DIE femtastics“ wäre cool! *lacht*

Katharina: Ja, und welcher Name macht gute Laune! Wir haben uns natürlich auch Namen mit „Woman“, „Her“ etc. überlegt – vieles gab es schon oder es ging in eine falsche Richtung.

Lisa: Das Problem ist tatsächlich auch, dass die ganzen URLs schon vergeben sind und man markenrechtlich abklopfen muss, ob der Name noch frei ist.

Anna: Ja, und gerade im Online-Bereich muss man natĂĽrlich auch gucken, was funktioniert, was sieht schön aus und was klingt gut …

Lisa: … was bleibt hängen und was ist vielleicht auch skalierbar – fĂĽr die Zukunft –, ohne zu viel zu verraten … *lacht*

Ich habe schon rausgehört: Irgendwas kommt also noch?

Lisa: Ja, auf jeden Fall … Aber so etwas muss man natürlich alles mitbedenken – also dass der Name auch zukunftsträchtig ist.

Katharina: Wir sind auf jeden Fall nach wie vor superhappy mit dem Namen!

Poster mit Femtastics-Aufdruck

Könnt ihr euer Magazin in drei Worten beschreiben? Jeder darf auch eins sagen.

Katharina: Auf jeden Fall Girlpower …

Anna: … und Home Stories.

Langes Überlegen …

Lisa: Können wir uns kurz zur Beratung zurückziehen? *lacht*  Für mich sind es eigentlich Girlpower, Fempower und Empowerment, aber das ist natürlich alles sehr nah beieinander.

Katharina: Ja, das ist auch das große Dachthema!

Lisa: Ja, und du weißt ja selber: Dreh- und Angelpunkt sind bei uns einfach die tollen Frauen, die wir auf der Seite haben – um die dreht sich alles.

Leuchtbanner: Girl Gang

Wie werdet ihr auf die tollen Frauen aufmerksam? Die kommen ja mittlerweile aus ganz Deutschland.

Anna: Als die Idee stand, haben wir eine Liste gemacht, in der wir einfach erst einmal gesammelt haben, wen wir gerne – jetzt, direkt, sofort – auf der Seite hätten. Wen würden wir gerne besuchen und interviewen? Da kam schon echt eine lange Liste zustande, die wir erst einmal abgearbeitet haben. Diese Frauen haben uns wieder andere Frauen empfohlen. Es ist dann ja so, dass jeder sagt: Oh, kennt ihr meine Freundin XY, die macht so was Tolles, die müsst ihr auch unbedingt besuchen. Und mittlerweile melden sich relativ viele Frauen auch bei uns …

Ach, echt?

Anna: Ja, und schlagen ihre eigenen Sachen vor. Klar passt es nicht immer, aber es sind auch ganz häufig Gründerinnen oder mal Kindergärtnerinnen – ganz unterschiedlich also …

Katharina: Und sie schlagen dann wieder ihre Freundinnen vor, und unsere Freunde schlagen uns auf einer Party jemanden vor.

Lisa: Es ist mittlerweile ein Selbstläufer.

Anna: Manchmal ist es aber auch so, dass ein Thema aktuell ist und wir wissen, dass wir dieses gerne behandeln und auf der Seite vorstellen wollen – dann recherchieren wir, wer dafür in Frage kommt: Das kann zum Beispiel so etwas sein wie der Imker- oder der Schrebergarten-Trend … oder die Tampon-Steuer, je nachdem.

Katharina von Femtastics im Interview

Katharina: … oder man sieht eine tolle Wohnung auf Instagram – das gibt es auch mal. Dann schauen wir, wer da eigentlich wohnt. Oder es macht eine Eisdiele auf, und wir denken: Oh, das sieht alles so cool aus, machen das denn Frauen? *lacht* Also wirklich ganz unterschiedlich …

Anna: Instagram ist auf jeden Fall immer gut …

Ist das mehr als frĂĽher?

Katharina: Ja, darüber finden wir auf jeden Fall ein paar Frauen für unsere Stories. Gerade, weil dort auch immer mehr Wohninteressierte ihre Kanäle haben.

Habt ihr die Themengebiete untereinander aufgeteilt?

Lisa: Es hat sich eher ein bisschen natĂĽrlich ergeben, dass jeder seine Interessen ausleben kann.

Kuchen und Laptop beim Interview mit Femtastics

Katharina: Obwohl es manchmal auch ganz unterschiedlich ist. Wir haben uns aber zum Beispiel aufgeteilt, als wir den Hamburg-Guide gemacht haben: Da hat Anna den Food-Teil übernommen – sie ist auf jeden Fall unsere Food- und Beauty-Expertin – ich Interior und Fashion, Lisa Kultur, Kunst und Musik …

Anna: Und die Bars … *lacht*

Katharina: Wir sind da aber ĂĽberhaupt nicht strikt, es ist wirklich unterschiedlich.

Lisa: Es überschneidet sich auch sehr viel. Natürlich hat jeder so seine Interessengebiete oder Schwerpunkte, aber wir machen uns auch gegenseitig Lust auf Themen. Zum Beispiel treffe ich bald eine Food-Bloggerin – ich hatte da wirklich Lust drauf, weil ich Annas Food-Storys immer so toll finde. Ich finde das Thema jetzt viel spannender – vor zwei Jahren hat mich das noch nicht interessiert. Es ist natürlich nicht schlecht, wenn wir thematisch mal intern rotieren …

Apropos, ihr habt ja auch den Guide „Hamburg for Women only“ rausgebracht. Habt ihr Tipps für neue Shops und Läden, die es damals noch gar nicht gab?

Lisa: Jaaa, bald setzen wir uns auch an eine Aktualisierung.

Der "Hamburg for Women only"-Guide von Femtastics

Ach, er wird aktualisiert?

Lisa: Ja, auf jeden Fall, er kommt auch super an. Es wurden schon ĂĽber 10.000 Exemplare verkauft.

Katharina: Der Concept Store „Bon Voyage“, den Janina Krinke – die COUCH-Ressortleiterin für Fashion & Living – eröffnet hat, ist zum Beispiel noch nicht drin und ein super Tipp.

Anna: Das „Lebeleicht“ find ich auch super – sie haben jetzt einen zweiten Laden und vor allem Bio-Produkte. Viele, die auf „healthy“ machen, haben häufig gar keine Bio-Produkte – das finde ich nicht gut! Es gibt dann häufig Chia-Samen, die importiert werden – das ist ja auch nicht gesund. Es sollte schon lokal und Bio sein.

Katharina: „Winkel van Sinkel“ – der Pflanzenstore – ist auch noch nicht im Guide und ein toller Tipp. Und das gemütliche Restaurant „HYGGE“ in Groß Flottbek kann ich auch sehr empfehlen.

Anna: Was auch noch nicht im Guide ist, wir aber auch schon für„femtastics“ interviewt haben, sind die „Eisprinzessinnen“ in Othmarschen.

Katharina: Und die „Mexiko Strasse“ – ein ganz toller Mexikaner auf St. Pauli, superlecker mit toller Atmosphäre.

Frau mit dunklen Haaren am Handy

Ihr habt ja jetzt auch schon Kooperationen gemacht, zum Beispiel mit Black Velvet Circus. Wie hat sich das ergeben?

Lisa: Wir waren schon immer freundschaftlich mit Tanja Glissmann verbunden und groĂźe Fans ihrer Arbeit. Als wir uns getroffen haben, haben wir einfach mal gesagt: Hey, lass uns doch was zusammen machen.

Anna: Wir wollten gerne ein T-Shirt herausbringen. Die Idee, dass es ein „Girl Gang“-T-Shirt wird, kam ziemlich schnell, weil wir ein T-Shirt haben wollten, das die Frauen verbindet, das man offline – als „femtastics“-Symbol – weitertragen kann.

Katharina: Das Design haben wir zusammen mit ihr entwickelt.

Anna: Ja, und die Schmuckkollektion – die „Girl Gang“-Broschen oder der Sneaker-Schmuck – die wir entworfen haben, ist der gleichen Idee entsprungen: Etwas, das verbindet … Wie Buttons, nur ein bisschen hübscher. *lacht*

Das T-Shirt gibt es aber nicht mehr, oder?

Katharina: Nein, leider nicht, weil Tanja sich jetzt erst mal auf ihre eigenen Kollektionen konzentrieren möchte. Aber wir fanden das T-Shirt so perfekt, dass wir es nicht einfach mit irgendwem machen wollten – es wurde ja auch in Europa produziert und hatte so einen tollen Schnitt. Es kommt sicherlich in naher Zukunft noch mal was …

Aha, es kommt also noch mal was?

Lisa: Jaaa, ganz viel … *schmunzelt*

Welche Frauen haben euch in letzter Zeit inspiriert? Wen fandet ihr besonders spannend?

Katharina: Als ich gerade in der Toskana im Urlaub war, habe ich ganz zum Schluss in einem Bed and Breakfast übernachtet – „Fattoria San Martino“ hieß es. Es wird von einer Holländerin und ihrem Mann geleitet. Karin ist vor über 20 Jahren in die Toskana ausgewandert, hat dort ein „Agritourismo“ bzw. ein Bed and Breakfast eröffnet. Sie hat alles selbst renoviert und stellt auch noch selbst Olivenöl her. Sie macht das alles mit so viel Liebe zum Detail – es ist richtig schön! Ich habe mich viel mit ihr unterhalten, weil sie mich so gecatcht hat. Sie hätte ich direkt für „femtastics“ interviewen können, aber ich habe mir ein Arbeitsverbot auferlegt. *lacht* Ich muss dann einfach nochmal beruflich hinreisen …

Anna vom Online Magazin Femtastics im Interview

Anna: Wo du von Renovieren sprichst: Mareike Reimers vom LIV Store hier in Hamburg finde ich auch unglaublich. Wir haben sie persönlich besucht – sie hat ja zwei Läden, die sie sich selber aufgebaut hat. Sie hatte einfach die Idee dazu, und es läuft. Gerade hat sie ihren zweiten Laden aufgemacht und mittlerweile auch ein großes Team.

Nebenbei hat sie noch aus einer Scheune ein wunderschönes Familien-Wohnhaus mit tollem Garten gebaut – alleine mit ihrem Mann, obwohl sie ein kleines Kind hat. Sie hat sich einfach ihren Traum erfüllt, das fand ich auch ganz schön beeindruckend – vor allem davon, wie viel Power man haben kann und dass dann alles so klappt! Sie hat nebenbei noch ihr Papeterie-Label „Papier Ahoi“ daneben und trotzdem immer wieder Lust, was Neues zu kreieren. Ich finde es unglaublich, wenn man Frauen trifft, die nur so vor Ideen sprudeln und ganz viel einfach machen.

Frau mit dunklen Haaren im Interview

Lisa: Bei mir ist es langfristig Mirna Funk, die Autorin, die wir auch schon besucht haben. Ich weiß nicht mehr ganz genau ihren Lebenslauf, aber sie hat sich relativ spät im Alter dazu entschlossen, nochmal Philosophie zu studieren. Sie schreibt Bücher, lebt in Tel Aviv und Berlin, hat eine kleine Tochter und macht nebenbei noch Lifestyle-PR. Sie ist auch so eine Stimme, die man mittlerweile immer öfter in der Öffentlichkeit hört – gerade bei Themen, die ihr am Herzen liegen. Das meiste finde ich wirklich bereichernd und regt mich zum Denken an – sie macht vieles gerade richtig!

Anna: Gerade ist auch unsere Home Story mit Ricarda Messner online gegangen. Sie hat mit 23 ihr eigenes Print-Magazin mit dem Namen „Flaneur“ gegründet und später noch ein zweites namens „Sofa“. Ihre Geschichte ist auch so ein Fall: Sie hatte eine Idee, und weil sie sich nicht so viele Gedanken gemacht hat, was schiefgehen könnte – also beispielsweise welche Kosten anfallen oder welche Risiken bestehen –, hat sie es einfach getan, und deshalb wurde es super. So was finde ich inspirierend, weil es ein schönes Beispiel dafür ist, dass man sich manchmal einfach trauen muss und dass es dann einfach gelingen kann. Vor allem, wenn man sich nicht so viele Gedanken macht – und irgendwie war es bei uns ja auch so! Wir haben gar nicht so viel darüber nachdenken wollen, haben es einfach ausprobiert, und jetzt sind wir superhappy damit!

Lisa: Das zieht sich tatsächlich durch fast alles hindurch. Also nach dem Motto: Einfach mal machen!

Femtastics Leuchtschrift

Anna: Genau, ehe man es nachher bereut. Bei Ricarda war es noch nicht mal so, dass es ein großer Traum war – bei ihr war es eher spontan, weil sie so jung war. Aber wir treffen auch andere Frauen, die sich noch mal komplett umorientiert haben. Wie bei den „Eisprinzessinnen“, bei denen vorher beide Architektinnen waren, beide unglücklich in ihrem Beruf, obwohl es erst mal nach einem tollen Job klang. Dann haben beide gesagt: Wir möchten lieber eine Eisdiele aufmachen! Das ist natürlich erst mal ein Risiko – aber sie haben es getan und sind jetzt total glücklich in ihrer kleinen Welt, die sie sich erschaffen haben. Es ist einfach inspirierend, wenn Frauen sich trauen und den Mut haben, etwas umzusetzen.

Ist es generell ein Muster, dass viele Veränderungen aus einer Unzufriedenheit entstehen?

Anna: Ich glaube schon – bei vielen ist es dann eine Motivation, etwas auf die Beine zu stellen.

Katharina: Oder sie hatten immer schon eine Leidenschaft, haben aber viel auf andere gehört – auf die Eltern, auf das Umfeld, auf: Was soll man machen und was eben nicht. Man hat einfach so viele Stimmen im Kopf. Ich glaube, dass viele irgendwann an dem Punkt sind, an dem sie denken: Ich mach das jetzt einfach! Das wird uns auch ganz viel in Gesprächen erzählt. Man muss auf sich selbst hören und nicht auf die anderen.

Lisa, wir haben ja schon darüber gesprochen, dass es deinen Blog nicht mehr gibt. Anna und Katharina – macht ihr eure eigenen Blogs noch?

Anna: Bei mir ist es mehr so ein Hobby-Projekt geworden. Ich schreibe mal einen kleinen Reisebericht oder eine Produkt-Label-Empfehlung oder poste auch mal ein Outfit-Foto, aber wirklich nur noch als Hobby.

Katharina: Meinen Blog „I LOVE PONYS Magazine“ mache ich mittlerweile seit sieben Jahren und konnte mich auch nach der Gründung von „femtastics“ nicht davon trennen. Es begann als Mode-Blog, ist mittlerweile aber mehr ein Interior-, Travel- und Lifestyle-Bloagazine. Gerade berichte ich viel über die Renovierung unseres Schrebergartens aka Sommerhäuschens.

Ihr habt ja schon von Frauen erzählt, die euch inspirieren, gibt es auch Blogs oder Online-Magazine, die ihr regelmäßig lest?

Anna: Also ich hab schon einige, die ich total gerne mag und bereits wahnsinnig lange lese – oft sind es tatsächlich Reise-Blogs. Ich liebe Reise-Blogs und Reise-Magazine: Oft entdecke ich dann ein Hotel, das ich dann so toll finde, dass daraus eine ganze Rundreise entsteht, und dann entdecke ich plötzlich das ganze Land.

Katharina von Femtastics am Handy

Katharina: Ich habe nicht DEN Lieblingsblogs, schaue aber natürlich trotzdem viel, was die Kollegen und Kolleginnen machen. Aber tatsächlich bin ich mittlerweile mehr auf Instagram unterwegs. Da gucke ich gerne und entdecke viele neue Sachen. Ich stöbere gerne unter Hashtags, die mich interessieren, und schaue natürlich auch viel die Storys jener an, die ich schon kenne.

Lisa: Und wir gucken auch mal bei „This is Jane Wayne“ oder den „Amazed“-Girls vorbei – also bei den Kollegen –, was die so machen.

Gibt es da so eine Vernetzung bei euch?

Katharina: Ja, total. Wir kennen uns schon lange, werden auch immer super supported, wenn wir etwas Neues rausbringen – wie bei unseren „Home Stories“.

Laptop mit Femtastics-Aufkleber und HandyhĂĽlle

Also nichts in Richtung Stutenbissigkeit, dass man es sich nicht gönnt?

Anna: Nein, die anderen machen ja auch alle so wunderbare Sachen. Jeder macht seine Arbeit toll, sodass man es nur gut finden kann. Wir haben alle unseren eigenen Stil oder unseren eigenen Weg …

Lisa: Das ergibt ja auch total Sinn, sich da zu unterstützen. Also, ich würde sagen: Gerade mit den anderen wie „Amazed“, „This is Jane Wayne“ oder „Journelles“ wissen wir schon, dass wir auf einem Level sind, was die Inhalte angeht. Wir verlinken einfach gerne auf deren Inhalte, weil es super zu unserem Kosmos passt – und sie im Gegenzug auf unsere. Jeder hat sich im Blick – was natürlich nicht heißt, dass man nicht auch was Neues macht. Es ist jedoch ein freundliches Miteinander und Arbeiten sowie ein reger Austausch von guten Inhalten.

Das heiĂźt, in Sachen Girlpower gehts voran?

Lisa: Ja, absolut!

Katharina: Aber es könnte auch noch mehr passieren im Netz.

Anna: Es macht echt einen Unterschied, ob man in Food-, Reise-, Mode- oder Technik-Bereichen unterwegs ist. Je nach Bereich arbeiten die Leute mit- oder gegeneinander. Das ist zumindest mein Eindruck.

Lisa: Ja stimmt, da ist noch Platz nach oben. Aber generell ist es ein ganz schwesterliches und brüderliches Verhältnis untereinander.

Erlebt ihr es denn häufig, dass Girlpower noch fehlt?

Anna: Also, ich sehe generell eher zu viel Konkurrenzdenken anstatt Zusammenhalt und den Gedanken „Gemeinsam machen wir es besser“. Wir sind alle unterschiedlich und wenn wir es bündeln, wird es halt besser.

Anna von Femtastics im Gespräch

Lisa: Das auf jeden Fall! Aber manchmal muss man auch aufpassen, dass es nicht „abkippt“ in so eine Art „Umsonst-Kultur“ – das ist das, was ich teilweise beobachte. Manchmal ist es so, dass es unter dem Deckmantel „Sisterhood“ gesteckt wird – klar, muss man sich gegenseitig helfen, aber es ist auch nicht falsch, seiner Arbeit und seiner Leistung einen Preis zu geben. Wir kommen halt alle nicht weiter, wenn wir es – schwesternmäßig – umsonst machen, man muss natürlich auch das wirtschaftliche Over-all im Blick haben. Es gibt schon Momente, in denen eine Beratungsleistung „for free“ erwartet wird. Das hat nichts damit zu tun, dass ich die Frauen nicht mag, aber leider kommen wir alle nicht weiter, wenn wir unsere Leistung umsonst anbieten.

Wir finden es natürlich toll, wenn Frauen fragen. Es ist natürlich keine Schwäche um Hilfe zu bitten – im Gegenteil, es ist ein sehr wichtiger Punkt –, aber es darf halt auch nicht in die andere Richtung führen. Wir müssen alle dafür kämpfen, dass wir – GERADE im Online-Bereich – fair bezahlt werden. Das ist nach wie vor noch der größte Kampf derzeit …

Wie finanziert ihr das Magazin? Hauptsächlich durch Kooperationen?

Lisa: Ja, das ist der Großteil. Dazu kommen noch Syndication, also Zweitverwertung, Beratung oder auch mal Auftragsarbeiten. Wir haben im Hintergrund quasi eine Agentur mitgegründet, über die wir auch Consulting-Tätigkeiten anbieten oder Produktionen umsetzen können.

Two For Fashion trifft die Mädels von Femtastics

Drei Kakteen im Fenstersims

Katharina: Und auch über den Guide und die „femtastics“-Produkte. Aber wir haben alles eigenfinanziert und hatten keinen Investor.

Anna: Es wächst Schritt für Schritt – es ist kein Raketenstart, wie wenn man am Anfang ein großes Budget zur Verfügung hat. Man baut sich das eher Stück für Stück auf, und das ist auch gut so! Es fühlt sich toll an, wenn man weiß, dass man es geschafft hat – und das alleine.

Was sind die nächsten Pläne? Vielleicht gibt es noch was, was ihr unbedingt erzählen möchtet?

Katharina: Wir haben auf jeden Fall noch ein großes Projekt, das dieses Jahr online geht.

Anna: Und wir wollen noch mehr in anderen Städten unterwegs sein – gerade waren wir in München, Köln, Frankfurt und Berlin … Es kommen weitere – bald geht es zum Beispiel nach Kiel. Wir gucken uns vermehrt in anderen Städten um, um noch mehr interessante und spannende Frauen zu treffen.

Lisa: Persönlich ist für uns der nächste Meilenstein, dass wir uns ein Team aufbauen: Da sind wir schon dabei. Wir haben Aushilfen als Grafiker und gerade die ersten Jung-Redakteure losgeschickt, um Interviews zu führen.

Katharina von Femtastics im Interview

Katharina: Genau, und wir wollen Praktikanten die Möglichkeit geben bei uns reinzuschnuppern. .

Anna: Es gibt ja auch immer mehr zu tun …

Lisa: Es klingt so leicht, aber das Wachsen ist jetzt echt die größte Herausforderung – Sachen abzugeben, die richtigen Leute zu finden … 

Anna: Wenn du es selber machst, weiĂźt du, dass es so wird, wie du es haben willst.

Lisa: Aber es kommt wirklich was Großes – und nicht nur ein T-Shirt. Eine andere Zielgruppe, aber mehr dürfen wir wirklich nicht verraten. *pssst*

Gibt es noch irgendetwas, was ich euch hätte fragen sollen?

Anna: Nein! Aber wir freuen uns immer, wenn wir von unseren Lesern angesprochen werden – auch aus Bereichen, die wir noch nicht abgedeckt haben. Oder schreibt uns, wenn ihr mal generell Themen habt, über die wir sprechen sollten.

Susanna von Two For Fashion trifft auf die Mädels von Femtastics

Vielen lieben Dank fĂĽr das tolle Interview, ihr Lieben!

XX, Susanna

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