Stress macht dick

2. Februar 2021 | von

In meinem Post „Warum bist du eigentlich so dick?“ habe ich das The­ma Stress schon ein­mal kurz angeris­sen. Heute will ich etwas aus­führlich­er beleucht­en, warum Stress eine sehr große Rolle für mehrgewichtige Men­schen spie­len kann, denn Stress macht dick.

Stress macht krank

Die Welt­ge­sund­heit­sor­gan­i­sa­tion erk­lärte Stress zur größten Gesund­heits­ge­fahr des 21. Jahrhun­derts. Viele Krankheit­en, die hohem Gewicht zuge­ord­net wer­den, z. B. Bluthochdruck, Arte­riosklerose und Dia­betes haben einen ganz anderen Aus­lös­er als das Gewicht, näm­lich Stress! Diese Erkrankun­gen und das hohe Gewicht sind möglicher­weise also nur Symp­tome eines gemein­samen Aus­lösers. Hier bekommst du die wichtig­sten Fak­ten zum The­ma Stress.

Essen gegen Stress

Was Stress mit mir macht

Wenn ich unter großem Druck ste­he, zum Beispiel bei extrem hohem Ter­min­druck im Job, kön­nte ich die ganze Zeit essen. Am aller­lieb­sten Schoko­lade. Das Ver­lan­gen ist dann so groß, dass ich es kaum unter­drück­en kann. Wenn ich nachgebe und Süßigkeit­en esse, füh­le ich mich für kurze Zeit entspan­nter – bis der Heißhunger wieder los­ge­ht. Im Urlaub hinge­gen, wenn ich tiefe­nentspan­nt bin, nehme ich immer ab. Also genau dann, wenn andere (dünne) Leute immer zunehmen. Ich habe im Urlaub kaum Hunger und schon gar keinen Appetit auf Süßes. Es hat etwas gedauert, bis ich real­isiert habe, dass ich eine Stressesserin bin und für mich ganz ein­deutig gilt: Stress macht dick.

Was passiert, wenn wir gestresst sind?

Wenn wir uns die Evo­lu­tion anschauen, war Stress erst ein­mal gut für uns. In ein­er Gefahren­si­t­u­a­tion – etwa, wenn ein Säbelzah­ntiger um die Ecke kam – wird Cor­ti­sol aus­geschüt­tet und der ganze Kör­p­er richtet sich auf Flucht oder Angriff aus. Die Atmung wird schnell und flach, das Herz schlägt schneller, die Muskeln wer­den bess­er durch­blutet, mehr Zuck­er wird ins Blut abgegeben. Wir wer­den opti­mal mit Energie ver­sorgt, um schnell und kraftvoll han­deln zu kön­nen. Wenn die Gefahren­si­t­u­a­tion dann vorüber war, hat­te der Kör­p­er Zeit, um sich wieder zu regener­ieren und zu entspan­nen. Heute aber sind wir oft dauer­haft gestresst und haben keine Möglichkeit zur Regeneration.

Dauer­stress kann auch zu Gewicht­szu­nahme führen. Der Cor­ti­sol­spiegel ist dann ständig erhöht. Wenn das Stresshormon Cor­ti­sol aus­geschüt­tet wird, kommt unser Stof­fwech­sel durcheinan­der und er ver­langsamt sich. Der Blutzuck­er­spiegel steigt und das erzeugt Heißhunger auf Süßes. Denn das Gehirn benötigt unter Stress viel Energie. Diese zieht es aus der Nahrung. Um das Gehirn aus­re­ichend zu ver­sor­gen, haben wir unter Stress also Appetit auf hochkalorisches Essen. Von den aufgenomme­nen Kalo­rien gelangt aber nur ein Teil ins Gehirn, der Rest wird in den Kör­per­fettde­pots abge­lagert – und das bevorzugt im gefährlichen visz­eralen Bauch­fett. Etwa die Hälfte der Men­schen nimmt durch Stress nicht zu. Der schlanke Kör­per­typ fährt bei Stress ein anderes Sys­tem hoch, kann nichts essen und ver­sorgt das Gehirn aus den Kör­per­fettde­pots. Ob man ein „Stressess­er“ ist oder nicht, kann man aber nicht bee­in­flussen, das ist genetisch festgelegt.

Was genau stresst uns?

In vie­len Fällen kann also Stress die Ursache für hohes Gewicht sein. Bevor wir dieses „Symp­tom“ in Form von Diäten bekämpfen, soll­ten wir uns auf die Suche nach der Stress-Ursache machen und schauen, ob wir die Sit­u­a­tion entschär­fen und unser Stress-Lev­el senken kön­nen. Tox­is­che Beziehun­gen, prob­lema­tis­che Fam­i­lien­ver­hält­nisse, Geld­prob­leme, Schlaf­man­gel, Druck und Mob­bing im Job, Fat­sham­ing beim Arzt, Aus­gren­zung sowie Diskri­m­inierung und Stig­ma­tisierung durch die Gesellschaft kön­nen uns dauer­haft stressen. Nicht immer ist es möglich, an den Ursachen zu schrauben. Den­noch soll­ten wir darüber nach­denken, wie wir unsere Lebensver­hält­nisse ändern kön­nen. Denn schließlich geht es um unsere Gesund­heit. Kann man die Sit­u­a­tion nicht sofort ändern, sollte man zumin­d­est ver­suchen, am eige­nen Umgang mit Stress zu arbeiten.

Tipps gegen Stress

Tipps gegen Stress

1. Aus­re­ichend schlafen: Guter, gesun­der Schlaf senkt das Stresslev­el — viele Tipps fürs Schlafen find­est du in unserem Ratgeber.

2. Gehe viel an die frische Luft und treibe Sport: Sport ist eine Wun­der­waffe gegen Stress. Du kannst dich richtig aus­pow­ern und schläf­st bess­er. Auch wenn es nur ein Spazier­gang mit dem Hund ist. Denke aber daran, dich beim Sport nicht unter Stress zu set­zen! Finde eine Sportart, die dir Spaß macht.

3. Erlerne Entspan­nung­stech­niken: Yoga, Med­i­ta­tion, Acht­samkeit­strain­ing, auto­genes Train­ing, Qigong, Pro­gres­sive Muske­lentspan­nung – es gibt viele Ange­bote. Teste dich durch und finde das für dich richtige. Reflek­tiere dein Ver­hal­ten in Stress­si­t­u­a­tio­nen und entwick­le Strate­gien, wie du mit dem Stress bess­er umge­hen kannst.

4. Keine Diät: Diäten sind Stress für den Kör­p­er. Wer sich mit stren­gen Diäten quält, macht sich zusät­zlich Stress und ver­schlim­mert das Prob­lem nur noch. Weight Cycling (ständi­ges Auf- und Ab des Gewichts durch Diäten) belastet unseren Kör­p­er. Befreie dich von dem Schuldge­fühl, etwas falsch zu machen und zu ver­sagen. Bess­er ist eine dauer­hafte Ernährung­sum­stel­lung in kleinen Schrit­ten mit gesun­der, aus­ge­wo­gen­er und wertvoller Nahrung, die man ein Leben lang durch­hal­ten kann.

5. Ein dick­es Fell zule­gen: Öfter mal „Nein“ sagen und mit Diskri­m­inierung und Belei­di­gun­gen sou­verän­er umge­hen. Bew­erte die Mei­n­ung ander­er nicht zu hoch, son­dern ver­lasse dich auf deine eigene Ein­schätzung und deine Freunde.

6. Pro­fes­sionelle Hil­fe in Anspruch nehmen: Denke eventuell auch über eine Ver­hal­tens­ther­a­pie nach, um aus dein­er stressvollen Umge­bung her­auszukom­men. Sich Hil­fe zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche.

Stress und seine Folgen

Fazit: Dicke leiden unter vielen Stressfaktoren

„Glück­liche“ Dicke sind weniger oft krank als unglück­liche Dicke. Die psy­chis­che Dauer­be­las­tung durch Diskri­m­inierung, Stig­ma­tisierung, Aus­gren­zung, Scham und Schuldge­füh­le wegen des „Übergewichts“ und dem Druck, abnehmen zu müssen, erzeu­gen enor­men Stress. Das hor­monelle Gefüge gerät durch die Stress­be­las­tung durcheinan­der. Für viele Men­schen hat das zur Folge, dass sie zur Stress­ab­wehr dauernd essen müssen. Was sie benöti­gen, ist gesellschaftliche Akzep­tanz, Gebor­gen­heit und Sicher­heit, um aus dieser Stress-Ess-Spi­rale auszubrechen. Stattdessen wer­den sie aber von der Gesellschaft und von Ärzten immer weit­er unter Druck geset­zt. Aus gesund­heitlichen Grün­den ist es bess­er, mit seinem Kör­p­er Frieden zu schließen und ihn nicht mit unge­sun­den Diäten und dem damit ver­bun­de­nen Auf und Ab des Gewichts zu mal­trätieren. Stattdessen sollte man bess­er ver­suchen, den Stress zu reduzieren.

Wie gehst du mit Stress um?

Letzte Kommentare (1)

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Miranda
Montag, 15. Februar 2021, 12:08 Uhr

Hal­lo Conny, 

Danke für Deinen Beitrag. Wir müssen den Säbelzah­ntiger bändi­gen. Jed­er muss dazu sich­er seinen Weg finden. 

Ich bin bei meinem Fre­und aus­ge­zo­gen, Coro­na hat mir Home­of­fice geschenkt, mein Leben ist ruhiger. Ich achte auf mich, trinke genug, mache etwas Sport und habe ein für mich stress­freies Hob­by wieder­ent­deckt. Nähen ist meine Med­i­ta­tion. Meine Woh­nung macht mich glücklich.

Ich komme zur Ruhe und mein Kör­p­er bedankt sich. Ich hab seit Mai 2020 schon 8 kg abgenom­men, ohne gross etwas dafür zu tun. Ich bin gesund und bei mir. 

Der Säbelzah­ntiger lauert, aber wenn er dann hin­ter dem Baum vor­springt, hoffe ich mich auf meine innere Ruhe besin­nen zu kön­nen. 🙂 Lg Miranda