Macht Liebe glücklich und dick?

11. März 2021 | von

Gibt es sie wirk­lich, die berühmten Beziehungski­los und was machen sie mit uns? Sind Plus Size-Frauen wom­öglich anfäl­liger dafür? Ein Erfahrungsbericht.

Zunehmen in der Beziehung

Vor Kurzem hat die Uni­ver­sität Mannheim eine Studie veröf­fentlicht, in der es um die Gewicht­szu­nahme in part­ner­schaftlichen Beziehun­gen ging. Das Ergeb­nis: Paare, die zusam­men­leben, nehmen zu. Der Haupt­grund für die Extrak­i­los wäre die gemein­sam ver­brachte Zeit, aber auch der soge­nan­nte fehlende Konkur­ren­z­druck. Alle­in­ste­hende wür­den es ver­mei­den, dick zu wer­den, um auf dem Sin­gle-Markt attrak­tiv­er zu wirken. Nun, für mich gibt es dabei mehrere Prob­leme: Es sind nicht alle Sin­gles schlank. Wie sieht es mit den dick­en Sin­gles aus? Und was passiert, wenn sie eine Beziehung einge­hen? Ich möchte hier über meine eige­nen Erfahrun­gen sprechen. Darüber gibt es zwar keine Stu­di­en, aber vielle­icht find­est du dich darin ja wieder.

Gewichtszunahme in der Beziehung
Gewicht und Beziehung

Dates, Essen und Gewicht – meine Erfahrungen als Curvy 

Von einem dick­en Kind bin ich zu einem dick­en Tee­nie und schließlich zu ein­er dick­en Frau herangewach­sen. Alles, was ich im Bere­ich Part­ner­suche und Beziehung erlebt habe, habe ich dementsprechend nur aus der Plus Size-Per­spek­tive erlebt. Als junger Curvy mit Anfang 20 habe ich mir kaum Gedanken darüber gemacht, ob ich „konkur­ren­zfähig auf dem Sin­gle-Markt“ bin. Denn ich war schon immer der Mei­n­ung, dass Geschmäck­er ver­schieden sind und es immer jeman­den geben wird, der mich attrak­tiv find­et, um es ein­mal allein auf mein Äußeres run­terzubrechen. Natür­lich gehört zur Liebe und zu ein­er Beziehung wesentlich mehr dazu als gutes Aussehen.

Mein Selb­st­be­wusst­sein war in dieser Hin­sicht schon immer sehr stark aus­geprägt. Schlanker wer­den, um mehr Beach­tung zu bekom­men, das musste und wollte ich nie. Denn ich wollte wegen mein­er selb­st geliebt wer­den und nicht, weil ich dem Kör­peride­al unser­er Gesellschaft entspreche. Meine erste ern­ste Bindung habe ich tat­säch­lich mit meinem jet­zi­gen Ehe­mann gehabt. Er umwarb mich wie kein ander­er. Fast jedes Woch­enende wurde ich zum Essen ein­ge­laden. Wir waren auch viel Spazieren oder Tanzen und haben nicht merk­lich an Kör­pergewicht zugelegt.

Nach­dem wir zusam­menge­zo­gen sind, haben sich die Date-Nights zunehmend in gemütliche Couch­abende ver­wan­delt und anstatt sich schick zu machen, nach draußen zu gehen und etwas zu erleben, haben wir mit Chips und Soft­drinks auf dem Sofa gelüm­melt, gemütlich einen Film geschaut und die Zweisamkeit genossen. Das war auch der Punkt, an dem ich anf­ing, bes­timmte Gewohn­heit­en meines Mannes anzunehmen. Chips standen vorher eigentlich nie auf mein­er Einkauf­s­liste und ich mochte sie gar nicht so gern. Aber da mein Mann sie schon auf dem Teller hat­te, habe ich auch irgend­wann zuge­grif­f­en und wir haben den „kleinen Snack“ geteilt. Dazu kam, dass ich gerne für uns gekocht habe, natür­lich auch leckere Desserts mit vie­len Kalorien.

Dick wegen Beziehung
Rosarote Herzbrille bei Verliebten

Nehmen Dicke in einer Beziehung mehr zu als und Dünne?

Stellt sich natür­lich die Frage, ob es mir als dicke Frau leichter gefall­en ist, die Zügel in Sachen Essen etwas zu lock­ern. Ich kann hier nur für mich sprechen: Da ich eh keinen Druck ver­spürte, auf mein Gewicht zu acht­en oder dün­ner sein wollte, war ein strenger Ernährungs­plan eh nie ein The­ma für mich. Also wahrschein­lich ja, es fiel mir leichter. Ich hat­te kein­er­lei Druck oder ver­schwen­dete einen Gedanken daran, dass etwas „falsch“ sein kön­nte. Ich war ein­fach glück­lich. Warum etwas ändern?

Wer­fen wir einen Blick auf unsere Studie: Laut Uni­ver­sität Mannheim nehmen knapp 70 Prozent der Män­ner in ein­er Beziehung bis zu 8 Kilo zu. Bei Frauen sind es 45 Prozent. Wenn ich mich damals gewogen hätte, dann wüsste ich jet­zt vielle­icht, ob ich unter diesen Prozentsatz falle. Aber auf die Zahl auf mein­er Waage lege ich schon lange keinen Wert mehr. Stattdessen gab es meine Liebling­shose. Wenn die kniff, dann wusste ich, dass ich zugenom­men hat­te. Da sie damals schon etwas am Bauch geknif­f­en hat­te, schien ich wirk­lich zugenom­men zu haben. Aber so richtig zugelegt haben wir als Paar erst nach der Geburt unser­er Tochter.

Gewichtszunahme durch Kinder

Machen Kinder dick? 

Kinder verän­dern eine Beziehung noch mal deut­lich, nicht nur, was Ver­ant­wor­tung ange­ht. Seit der Geburt haben unsere Date-Nights fast auss­chließlich auf der eige­nen Couch stattge­fun­den. Entwed­er zu zweit oder mit Fre­un­den und der Fam­i­lie. Defin­i­tiv dabei waren auch immer die Knab­ber­schalen und gutes Essen. Ab da haben wir dann tat­säch­lich die „Liebe­sp­funde“ ange­set­zt. Der oben zitierten Studie muss ich dann wohl recht geben. Denn die Liebling­shose ging irgend­wann nicht mal mehr über die Ober­schenkel. Wenn ich grob schätzen müsste, sind es um die 8–10 Kilo, die ich seit­dem zugenom­men habe. Schlimm find­en wir das bei­de nicht.

Dick und gluecklich

Fazit: Liebe kann dick machen – na und?

Offen­sichtlich nehmen wir zu, weil wir gerne Zeit mit dem Part­ner ver­brin­gen. Zumin­d­est scheinen sich da die wis­senschaftlichen Unter­suchun­gen und meine eige­nen Erfahrun­gen zu deck­en. Ob wir Dick­en dafür aber anfäl­liger sind als Dünne, kann man nicht sagen. Ich schätze, das ist von Per­son zu Per­son unter­schiedlich. Und mal ehrlich: Es gibt Schlim­meres oder? Meine Zunahme oder auch die Zunahme meines Mannes war in unser­er Beziehung nie The­ma. Es ist, wie schon gesagt, ein­fach so neben­her passiert. Kein­er ist für das Gewicht des anderen ver­ant­wortlich. Jed­er muss sich seines Kör­pers bewusst wer­den und für sich entschei­den, ob er sich wohlfühlt.

Alles, was mit Genuss zu tun hat, hat auch das Poten­zial, dick zu machen. Und wenn es eine glück­liche Beziehung ist, die durch Gemein­samkeit­en wie der Liebe zu gutem Essen wächst, dann sehe ich nichts Neg­a­tives daran. Liebe macht nicht nur dick, son­dern auch glück­lich. Wenn dann doch Zweifel aufkom­men, kann man sich immer mit seinem Part­ner zusam­menset­zen und das Pro­jekt Ernährung gemein­sam ange­hen. Genau das haben wir im let­zten Jahr getan. Nicht wegen der Pfunde, son­dern weil wir uns ein­fach gesün­der ernähren wollten.

Hast du in ein­er Beziehung zugenom­men oder andere Erfahrun­gen gemacht?

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