Cool im Business

1. Dezember 2020 | von

 

Sind Turn­schuhe bei einem Vorstel­lungs­ge­spräch ein No-Go? Oder 14 Zen­time­ter-Absätze im Meet­ing mit dem Vor­stand erlaubt? Melanie Schlegel, Abteilungslei­t­erin SEA/PSM bei OTTO, ken­nt sich aus mit Busi­ness-Out­fits. Im Inter­view ver­rät sie, wie man mit einem muti­gen Out­fit überzeu­gen kann, wie fem­i­nin ein Look im Büro sein darf und welche Fash­ion-Blogs und Sti­liko­nen sie inspirieren.


Melanie, ob auf ein­er Geschäft­sreise im Flieger oder bei einem Meet­ing mit dem Vor­stand ­– gibt es ein Out­fit, in dem Du Dich immer gut ange­zo­gen fühlst
?
Melanie: Wenn ich mich in Sekun­den­schnelle für ein Out­fit entschei­den muss, etwa weil der Flieger nicht wartet, greife ich gerne zu meinem schwarzen Lieblingskleid. Es sitzt immer gut und man kann es als „Basic“ unter­schiedlich kom­binieren. Wenn es um einen wichti­gen Busi­ness-Ter­min geht, würde ich es klas­sisch pur mit Blaz­er, Schal, Hand­tasche, schick­en Schuhen und aus­gewähltem Schmuck anziehen. Bei einem entspan­nten Anlass funk­tion­iert so ein Out­fit natür­lich auch mit Led­er­jacke – eben ein biss­chen rockiger.

neu_Rolltreppe_

Wenn es eilt, greift Melanie Schlegel gerne zu ihrem Lieblingskleid. @ Andrea Hufnagel

Gibt dir deine Klei­dung im Beruf­sleben mehr Souveränität?
Melanie: Den ersten Ein­druck macht man kein zweites Mal. Das passende Out­fit kann über ein Gespräch, über eine Ver­hand­lung oder den Tagesver­lauf entschei­den. Es sig­nal­isiert dem Gesprächspart­ner, dass man ihn wertschätzt. Verklei­den sollte man sich allerd­ings nicht..

Wie meinst du das?
Melanie: Heutzu­tage muss man sich nicht mehr für jede Sit­u­a­tion „auf­brezeln“. Es ist viel wichtiger, dass man sich selb­st treu bleibt. Dann kommt man viel authen­tis­ch­er und überzeu­gen­der rüber. Ich will ja den Men­schen hin­ter der Vis­itenkarte kennenlernen.

Ein wenig läs­sigere Klam­ot­ten sind also kein No-Go bei einem Bewerbungsgespräch?
Melanie: Ganz ehrlich: Bevor mir ein Bewer­ber in seinem Kon­fir­ma­tion­sanzug nervös gegenüber­sitzt, soll er doch lieber eine läs­sige Jeans und ein paar coole Sneak­er, ein Hemd und ein Jack­ett tra­gen. Turn­schuhe sind mit­tler­weile ja auch in den Fir­men angekom­men. Unser Vor­stand trägt übri­gens auch sehr gerne Nikes. 

Hast du als Busi­ness-Frau Turn­schuhe fürs Büro?
Melanie: Vor kurzem habe ich mir die weißen Stans von Adi­das gekauft – mit dem sig­nifikan­ten Grün für die Heeltabs. Die finde ich sehr läs­sig und gut kom­binier­bar. Eben­falls in meinem Schuh­schrank: schwarze Nikes und witzige Skater­schuhe mit ein­er Korkan­mu­tung, die ich tat­säch­lich auch zu einem Busi­ness-Out­fit trage. Wenn ich sehr wichtige Ter­mine habe, wech­sle ich per­sön­lich aber gern auf High Heels. Ich bin zum einem noch mal ein kleines Stück größer und die Hal­tung ändert sich auch. Aber ganz ehrlich: das ist auch sehr abhängig von der Tagesform.

Outfit2_Melanie

Bei wichti­gen Ter­mi­nen wech­selt Melanie gerne auf High Heels. @ Andrea Hufnagel

Wie high dür­fen High Heels denn im Büro sein?
Melanie: So hoch, dass man darauf noch vernün­ftig laufen kann. Ich habe High Heels mit elf Zen­time­ter-Absätzen, auf denen ich noch ganz wun­der­bar gehen kann. Para­dox ist, dass auch niedrige Absätze manch­mal so ungün­stig geschnit­ten sind, dass ich wie ein Storch im Salat laufe. Die Höhe ist aber nicht das einzige Stilkri­teri­um: Eine Lack-San­dalette in Pink mit drei dün­nen Riem­chen und Stilet­to-Absatz hat eine andere Sig­nal­wirkung als ein klas­sis­ch­er, schwarz­er Plateau-Pump, der unge­fähr gle­ich hoch ist. Der Ein­druck des Schuhs als Ganzes ist entscheidend.

Hast Du mit einem Out­fit – zum Beispiel in einem Meet­ing — schon mal bewusst ein State­ment set­zen wollen?
Melanie: Mit Sig­nal­far­ben kann man bei Ter­mi­nen gut ein State­ment set­zen. Eine Frau, die in ein­er knall­roten Bluse, einem schick­en schwarzen Stift-Rock und einem coolen Lip­pen­s­tift den Raum betritt, zieht eine ganz andere Aufmerk­samkeit auf sich, als eine im grauen Busi­ness-Kostüm oder mit ein­er klas­sisch blauen Bluse.

Welche Far­ben sind ein No-Go?
Melanie: Ich habe kein auf­fäl­liges Neon im Schrank, das über­lasse ich lieber den ganz jun­gen Mädels. Es ist wichtig, das man Far­ben find­et, die zum Typ passen; in denen man sich wohl fühlt. Bei mir sind das vor allem knal­lige Blau- und Rot­töne. Manchen Frauen ste­ht auch ein schönes Magen­ta oder ein tolles Grün.

„Frau“ darf also im Büro ruhig auf­fäl­lig gek­lei­det sein…
Melanie: Ja, aber man sollte sich darüber im Klaren sein, dass man mit modisch muti­gen State­ments im Büro wie Sig­nal­far­ben oder aufre­gen­den High-Heels in den Mit­telpunkt rückt. Das darf dir nicht unan­genehm sein.

Outfit_Melanie_Hut

“Es ist wichtig, das man Far­ben find­et, die zum Typ passen”, sagt Melanie. @ Andrea Hufnagel

Wie fem­i­nin darf ein Busi­ness-Out­fit sein und wann kippt es? Oder sollte „Frau“ sich von solchen Über­legun­gen gar nicht irri­tieren lassen?
Melanie: Das kommt darauf an. Es gibt zum Beispiel einige psy­chol­o­gis­che Stu­di­en, die besagen: Wenn man als Frau in ein­er Män­ner­domäne, etwa bei ein­er Bank oder einem Auto­mo­bil­her­steller, etwas durch­set­zen möchte, sollte man am besten mit zurück genomme­nen Haaren, wenig Make-up, einem Her­ren-Par­füm und im Anzug auftreten. Sich „boyisch“ geben.

Hast du die Wirkung ein­mal selb­st getestet?
Melanie: Nein, so ein strenges Out­fit entspricht auch nicht meinem Typ. Zudem gibt das meine Fig­ur gar nicht her. Dazu müsste ich ja über die Maßen Shapewear tra­gen, um die Kur­ven zu ver­steck­en. Aber ich habe ein­mal ein Her­ren­par­füm aus­pro­biert. Span­nend war, dass ich damit Irri­ta­tio­nen aus­gelöst habe – das finde ich ja ganz gut. Übri­gens: Shapewear ist super, sollte aber gut sitzen und nicht ein­schnüren. Dann bringt sie Kur­ven super in Form!

Gibt es einen Mit­tel­weg? Boyisch und fem­i­nin zugleich?
Melanie: Du ziehst ein­fach ein weites Over­size-Hemd an und steckst es in einen schmalen Rock. Oder du kom­biniert es mit ein­er Hose, einem schick­en Lip­pen­s­tift und High Heels. Damit set­zt man bewusst Akzente und sorgt für einen kalkulierten Stilbruch.

Gibt es ein paar zu fem­i­nine No-Go‘s im Büro?
Melanie: Einen zu tiefen Auss­chnitt ver­mei­de ich mit­tler­weile. Es lenkt die Aufmerk­samkeit weg von den The­men, die man platzieren möchte. Es spricht allerd­ings nichts dage­gen, seine fem­i­ni­nen Vorzüge ins rechte Licht rück­en. Eine ele­gante Sil­hou­ette mit einem schö­nen Rock ist immer nett anzuschauen.

Outfit_Mel_Wasser

“Eine ele­gante Sil­hou­ette mit einem Rock ist immer nett anzuschauen”, sagt Melanie. @ Andrea Hufnagel

Trägst du gerne Anzüge? Gibt es für Frauen ein Äquiv­a­lent zum dunkel­blauen Zweirei­her der Männer?
Melanie: Anzüge sind ein­fach nicht mein Look, weil ich finde, dass ich darin zu mas­siv ausse­he. Ich mag meine Taille und zeige sie auch gerne. In einem sackar­ti­gen Sakko ver­schwindet sie. Meine Lösung: Ein Busi­ness-Kostüm mit Rock – weg vom Anzug. Oder eine schicke, dun­kle Jeans mit ein­er schö­nen Waschung, kom­biniert mit einem schick­en Jack­ett oder ein­er Bluse. Das ist für mich die kleine läs­sige Schwest­er zum Anzug.

Liest Du Fash­ion-Blogs? Wenn ja welche?
Melanie: Vor zwei Jahren etwa habe ich das Blog „Girl with Curves“ ent­deckt. Heute gehört es zu meinen täglichen Anlauf­s­ta­tio­nen im Netz. Tane­sha Awasthi ist hochgr­a­dig inspiri­erend: Sie ist wun­der­schön, toll kurvig und extrem selb­st­be­wusst beim Stylen ihrer Out­fits. Ich mag auch das Blog „Shop Le Monde“, es zeigt zwar extrem hoch­preisige Lux­u­ry Fash­ion, aber ist gle­ichzeit­ig sehr schön und inspi­ra­tiv. Und meine Fre­undin There­sa Hin­tereck­er von Curvy & Con­fi­dent sollte sich jed­er ein­mal anschauen: wun­der­schön und sehr jugendlich!

Hast Du eine Out­fit-Ikone, die Dein­er Mei­n­ung nach alles richtig macht?

Melanie: Adele finde ich per­sön­lich großar­tig, ihr Make-up genau­so wie ihre Haare. Sie tritt sehr fem­i­nin auf – trägt viel Kleid, zeigt viel Taille. Die Serie „Mad Men“ hat allen Kur­ven­mädls gut gefall­en, vor allem Christi­na Hen­dricks in ihrer Rolle als Joan. Mit ihren Out­fits hat sie noch ein­mal eine ganz andere Selb­st­sicher­heit in die Plus-Size-Mod­eszene gebracht.

Gibt es ein Out­fit-Vor­bild, das du selb­st getrof­fen hast?
Melanie: Can­dice Huffine, das zweite Plus-Size-Mod­el, das im Pirelli-Kalen­der abge­bildet war, das erste Plus-Size-Mod­el für H&M. Sie ist ein tolles Beispiel dafür, wie man gekon­nt seine Vorteile in Szene set­zen kann. Wenn man tolle Beine hat, soll man kurze Röcke oder Hosen anziehen, wenn man ein schönes Dekol­leté hat, soll man Auss­chnitt tra­gen, wenn man eine Taille hat, soll man sie mit Gürteln beto­nen. Kür­zlich hat Huffine übri­gens ihre erste Kollek­tion für das ital­ienis­che Plus-Size-Label Ele­na Mirò gezeichnet.

Casu­al Fri­day – gibt es so etwas für Dich?
Melanie: Ich habe eher „Casu­al Days“. Abhängig davon, was bei mir auf der Agen­da ste­ht. Heute zum Beispiel, zufäl­lig ein Fre­itag, habe ich keinen Ter­min und trage eine Sei­den-Tuni­ka, eine Jog­ging­hose aus Led­er und dazu einen Schlap­phut – also eher boho als elegant.

Outfit_Melanie

Bei ihren Casu­al Days stylt sich Melanie gerne mal boho: Mit Schlap­phut und weißer Bluse. @ Andrea Hufnagel

Wenn es spon­tan einen wichti­gen Ter­min gibt – hast du immer High Heels in der Schublade?
Melanie: Warte, ich schau mal.… Ich habe ein Paar dunkel­braune Ankle-Boots, die mal wieder geputzt wer­den kön­nten, ein Paar Bel­mon­do Pumps, ganz klas­sisch, mit unge­fähr acht Zen­time­tern Absatz und rot­er Sohle, schwarze Col­lege Slip­per, auch mit Absatz und nude­far­be­nen Peep-Toe-Pumps – ich kön­nte also jeden Moment auf High Heels wechseln.

Jet­zt sind wir neugierig gewor­den – welch­es Last-Minute-Set befind­et sich noch in dein­er Schublade?
Melanie: Ein Beau­ty­set, eine Haar­bürste, eine Fussel­bürste und ein Fleck­en­roller. Let­zteres ist prak­tisch, wenn man in der Kan­tine mal einen Fleck in die Bluse zaubert. Wer das nicht griff­bere­it hat, kann den Fleck­en auch mit einem Schal kaschieren. Und auch wenn man keinen Schal griff­bere­it hat: Nichts ist sym­pa­this­ch­er als ein klein­er Fehler – das passiert doch jedem von uns einmal!

Outfit_Mel_Trench

Melanie im Trench­coat: Ein ide­ales Out­fit für den Herb­st @ Andrea Hufnagel

Auf­macher­bild: @ Andrea Hufnagel

Zwei Büro-Out­fits zum Nachstylen:

Die kleine, läs­sige Schwest­er zum Anzug:
Jeans im Büro sind schon lange kein No-Go mehr! Eine schicke, dun­kle Jeans mit ein­er schö­nen Waschung lässt sich per­fekt mit einem schick­en Jack­ett und ein­er Bluse kom­binieren. Eine ele­gante schwarze Led­er­tasche, ein Wollpon­cho und ein Hut run­den das Out­fit ab. Für den richti­gen Überblick sor­gen robuste Pumps für den Herbst.

 

Outfit_1_Soulfully

Der Alleskön­ner: Das schwarze Business-Kleid
Wenn es eilt, greift man am besten zum schwarzen Kleid. Bei wichti­gen Busi­ness-Ter­mi­nen kann man es klas­sisch pur mit Blaz­er, Schal, Hand­tasche und schick­en Schuhen kom­binieren. Bei einem entspan­nteren Anlass auch ein wenig boho mit Glock­en­hut und Poncho.

Outfit_2_Soulfully

Letzte Kommentare (1)

Kommentar schreiben: Werde aktiv und rede mit!

Martina
Samstag, 26. September 2015, 12:37 Uhr

Hal­lo,
das richtige Out­fit im Busi­ness ist auch ein bis­chen Typbe­d­ingt. was der einen Frau ste­ht kann bei der Anderen unvorteil­haft ausse­hen. Ich finde Pon­chos gehen immer, habe seit Jahren immer einen im Schrank, obwohl sie einige Zeit out waren, aber er ste­ht mit und ich liebe das Gefühl eingekuschelt zu sein 🙂

Viele Grüße Martina