Ist man ab 50+ unsichtbar?

22. Dezember 2020 | von

Gehört es zum Älter­w­er­den der Frau dazu, dass man langsam unsicht­bar wird? Ist das nor­mal? Unsicht­bar im All­ge­meinen und im Beson­deren für die Män­ner­welt? Muss man, muss ICH mich damit abfinden?

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Warum wird man plötzlich unsichtbar?

Unsicht­bar? ICH? Ich finde, dass es auf mich gar nicht zutrifft oder bin ich auf diesem Auge blind? Ist da vielle­icht doch etwas Wahres dran? Den Spruch mit dem „unsicht­bar wer­den“ hat eine Fre­undin mal gemacht und mich damit total verun­sichert. Ehrlichge­sagt hielt ich sie für etwas hys­ter­isch, als sie damit anf­ing. Nun bin ich in ihrem Alter und der Gedanke ploppt immer mal wieder auf. Ich merke, dass er mir immer mehr miss­fällt, je älter ich werde. Über­haupt: Was soll das eigentlich heißen, alt und unsicht­bar zu sein?

Ist es das Äußere, das plöt­zlich matron­ig, alt und unat­trak­tiv rüberkommt, frage ich mich? Ich glaubte immer, man ist so alt, wie man sich fühlt … Tat­säch­lich füh­le mich keinen Tag älter als 39 … Es geht mir da wie mein­er Mut­ter, die sich auch mit 80 noch wie 40 fühlte, bis auf die kleinen Wehwe­hchen oder den Wech­sel­jahren. Ich bin immer davon aus­ge­gan­gen, dass man mich nicht über­sieht und ich glaube/weiß, dass es die meiste Zeit auch so ist.

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Was macht uns sichtbar für andere?

Ich habe ein gesun­des Selb­st­be­wusst­sein entwick­elt und bin schon lange nicht mehr so schüchtern, wie ich es ein­mal war. Ich habe eine offene und fre­undliche Ausstrahlung, das weiß ich. Ich mache mich bemerk­bar, wenn nötig, und bekomme meist das, was ich möchte. Mein Humor hil­ft mir auch in schwieri­gen Sit­u­a­tio­nen immer weit­er, er ist meine Geheimwaffe. Meinem Selb­st­be­wusst­sein hat es auch geholfen, dass ich viele Kom­pli­mente für meinen Blog und für meine Posts auf Soul­ful­ly bekomme — bloggen ist gut für die Seele! Aber es war ein langer Weg dahin …

Früher, zu mein­er Kar­riere-Hochzeit als Mod­eredak­teurin, war ich sehr sicht­bar, aber auch sehr unsich­er! Ein entschei­den­der Teil mein­er Lebens­bi­lanz. Ich war es gewohnt, dass man mich erkan­nte. Schließlich war ich das dicke Mode-Mäd­chen unter lauter dün­nen Mode-Gra­zien. Mein Name war bekan­nt, ich war halt nicht irgen­deine Blon­dine, ich war Curvy-Susie! (So nenne ich mich, ich bin mir nicht sich­er, ob die anderen mich immer so char­mant umschrieben haben.) Es hat auch Vorteile, ein Curvy Girl zu sein! 🙂

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In meinen Dreißigern waren mir meine ange­sam­melten Baby-Pfunde pein­lich und ich habe mich viel zu oft entschuldigt für meine Kur­ven. Ger­ade in der uner­bit­tlich mageren Mode-Welt war es oft nicht leicht, durch Kör­per­fülle pos­i­tiv aufz­u­fall­en. Mein devotes Ver­hal­ten war aber – aus mein­er heuti­gen Sicht – total unnötig. Andere hat­ten mein Poten­zial längst erkan­nt und meine Kör­per­maße ignori­ert. Sie hat­ten mich längst nicht so streng bew­ertet, wie ich es selb­st tat. Ich muss wohl etwas richtig gemacht haben, denn trotz all mein­er Pfunde habe ich in der „Mode“ Kar­riere gemacht.

Aber waren es nur die Pfunde, die mich unver­wech­sel­bar gemacht haben? Oder auch meine platin-far­be­nen Haare und mein unver­wech­sel­bar­er Susie-Look? Keine Ahnung, wahrschein­lich war es die Mis­chung und natür­lich mein fre­undlich­es, gewin­nen­des Wesen.

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Meine Strategie gegen die Unsichtbarkeit

Mit­tler­weile habe ich die 50+ lock­er über­schrit­ten und spiele alter­stech­nisch in ein­er anderen Liga. Mit dem Alter kommt der Respekt, sagt man … Etwas Respekt kommt tat­säch­lich, aber es kom­men auch einige Nachteile, die mit dem Alter ver­bun­den sind. Einen fes­ten Job ab Mitte 50 zu find­en, ist schw­er. Da müssen wir uns nichts vor­ma­chen … Aber das gehört hier nicht her. Es geht hier um die Unsicht­barkeit der mit­te­lal­ten Frauen. Gele­gentlich fällt es mir aber schon auf, dass auch ich mal „überse­hen“ werde und es ist schon vorgekom­men, dass ich nicht wahrgenom­men wurde – sei es im Café bei der Bestel­lung oder am Flughafen in der Schlange. Was soll ich sagen? Es hat mir nicht gefall­en, es empört mich sog­ar sehr!

„Hal­lo, ich bin dran …!“, höre ich mich dann rufen, wie früher die alten Damen, die sich über­gan­gen fühlten. Warum passiert das jet­zt auch mir? Liegt es etwa an den sicht­bar wer­den­den Fältchen, an den dün­ner wer­den­den grauen Haaren? Liegt es gar daran, dass ich jet­zt tat­säch­lich älter ausse­he? Es ist doch kaum Zeit ver­gan­gen … Bin ich jet­zt alt UND dick? HORROR!!! Mag man mich so nicht mehr anschauen und über­sieht mich deshalb?

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Alles Quatsch, das weiß ich und ab sofort zwinge ich mich, solch blöde Gedanken nicht mehr zuzu­lassen. Ich habe beschlossen, diesen Unsicht­barkeits-Spruch in die Ver­ban­nung zu schick­en und beschlossen, den Kampf gegen die Unsicht­barkeit aufzunehmen. Aufgeben gehört näm­lich nicht zu meinen Stärken. Ich möchte mein neues Alter und seine unan­genehmen Seit­en annehmen. Es lässt sich eh nicht ändern, dass die Fal­ten sich ihren Weg bah­nen und die Haare grau und schüt­ter wer­den. All das zu akzep­tieren gehört eben auch zur Selb­stliebe dazu.

Aber ich mache es dem Alter nicht so leicht. Ich creme und färbe und mache alle nöti­gen Repara­turen, damit ich mich wohlfüh­le. Ich arbeite gegen das Überse­hen wer­den an – mit trendi­gen, muti­gen Klam­ot­ten, rotem Lip­pen­s­tift und mit meinem eige­nen Humor.

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Fotos: Bet­ti­na Lewin

Letzte Kommentare (8)

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Emmika
Sonntag, 8. November 2020, 12:34 Uhr

Also, mal ganz ehrlich: Auch ich habe mir den Satz “ich bin unsicht­bar gewor­den” ab und zu gedacht. Dann habe ich allerd­ings umgeschwenkt und mir meine — dem “fort­geschrit­te­nen” Alter — pos­i­tiv­en Aspek­te herange­holt. Näm­lich: Unab­hängig, Selb­st­be­wusst, Gelassen und sich selb­st nicht so ernst nehmen. Damit meine ich auf gar keinen Fall, sich gehen zu lassen. O.k., zugegeben, ich schminke mich seit mein­er Augenkrankheit nicht mehr. Meine Haare färbe ich auch nicht. Ich ste­he zu meinem Grau! Dafür greife ich zu bun­ten Out­fits, aus­ge­fal­l­enen Schuhen oder Taschen. Das macht mich glück­lich und somit strahlt man das auch aus! Warum soll man sich ab 50+ denn lang­weilig anziehen? Das ist der Vorteil vom Alter: Es ist einem egal, was andere über einen denken. Man selb­st muss sich lieben!

Ingridk
Freitag, 6. November 2020, 20:10 Uhr

Ich finde du siehst wun­der­bar und attrak­tiv aus. Man sieht Du magst dich selbst.
Ich finde nicht, das wir Frauen über 60 unsicht­bar sind. Ich ziehe immer noch die Blicke Män­ner aller Alters­grup­pen auf mich. Ich gehe ein­fach pos­i­tiv durchs Leben!
Bin ges­pan­nt auf weit­ere Blogs von dir!
LG
Ingrid

Ich-Moppelchen
Montag, 26. Oktober 2020, 14:33 Uhr

Ich finde die Mode sehr erfrischend frech und frei . Ich möchte trotz­dem eine per­sön­liche Mei­n­ung los wer­den warum muss ich eine Wasser­stoff­blonde Mähne haben wenn die Natur mir eine sehr helle Gesichts­farbe geschenkt hat ? Das sieht immer so krän­klich unnatür­lich aus . Ich möchte damit keinen ver­let­zen wenn ja tut es mir leid

Kullerpfirsich
Dienstag, 20. Oktober 2020, 17:51 Uhr

An Selb­st­be­wusst­sein man­gelt es der Autorin wahrlich nicht!
Von der Optik her wirkt sie auf mich älter, als sie tat­säch­lich ist. Ihre Ver­suche, mit knal­li­gen Far­ben und betont jugendlich­er Klei­dung auf sich aufmerk­sam zu machen, hat etwas verzweifeltes. Als ehe­ma­lige Mode-Redak­teurin sollte sie auch in der Lage sein, einen ganz eige­nen, aus­ge­fal­l­enen Stil zu kreieren, der ihre Per­sön­lichkeit wiederspiegelt!

Ninitza
Freitag, 28. August 2020, 12:52 Uhr

Die Sto­ry mit dem “unsicht­bar wer­den 50+” kenne ich son­st nur von den super­schlanken “Schön­heit­en”, die sich als Frau auss­chließlich über ihre den gesellschaftlichen Nor­men entsprechende äußere Attrak­tiv­ität definieren. 50+ wer­den sie nicht mehr dauernd ange­bag­gert und sind prompt unglücklich.

Als lebenslang dicke Frau inzwis­chen auch 50+ habe ich das noch nie nachvol­lziehen kön­nen. In jün­geren Jahren habe ich in 9 von 10 Fällen nur neg­a­tive Reak­tio­nen auf mein Äußeres bekom­men. Die gibt es heute in der Tat weniger, was ich als Erle­ichterung empfinde. Und die weni­gen Kom­mentare die es noch gibt, sind dann eher über­raschend pos­i­tiv, da ich dank Pöl­sterchen deut­lich jünger ausse­he bzw. wahrgenom­men werde als ich bin.

Autorin Susie hier ver­misst aber nicht so sehr ver­gan­gene pos­i­tive Reak­tio­nen auf ihr Äußeres als jün­gere Frau. Son­dern eher den früheren beru­flichen Sta­tus und die pos­i­tive Aufmerk­samkeit, die dieser mit sich brachte. Das sind zwei rel­a­tiv unter­schiedliche Phänomene — und nur das erstere hängt mit dem Leben­salter zusammen.

Sara
Mittwoch, 26. August 2020, 15:02 Uhr

Hal­lo Susie, habe dich ger­ade zufäl­lig entdeckt.
Ich finde Dich/Deinen Style echt super!
Kann mir kaum vorstellen, dass du unsicht­bar sein könntest.
Ich denke, manch­mal bin ich unsicht­bar­er weil es mir nicht so gut geht, viele Frauen egal welchen Alters sind unschein­bar weil sie nichts aus sich machen.
Das kann man nicht am Alter festmachen.
Ich wün­sche Dir weit­er alles Gute
Sara

Sabine
Montag, 24. August 2020, 20:54 Uhr

Ihr Frauen­bild erschüt­tert mich. Wir leben nicht mehr im Jahr 1960, son­dern heute machen Frauen Hochschu­la­b­schlüsse und Kar­riere und definieren sich nicht über ihre Konfektionsgröße!

Elke Pickel
Dienstag, 5. November 2019, 6:33 Uhr

Es gab noch keinen Tag in meinem Leben.……an dem ich mich grau geschweige denn unsicht­bar gefühlt habe
Im Gegenteil.….mein Leben hat viel Facetten
Durch mein Selb­st­be­wusst­sein und durch meine Selb­st­sich­heit …gestalte ich ich jeden Tag selbst.……zu bun­ten Erlebnissen