Fashion Week für Plus-Size-Frauen?

26. Januar 2017 | von

Warum gibt es keine Fash­ion Week für Plus-Size-Mode bzw. warum gibt es keine glam­ouröse, wirk­lich coole Modemesse?“

Das werde ich immer wieder gefragt. In mein­er Lauf­bahn als Mod­eredak­teurin habe ich sehr viele Modemessen in fast allen Modemetropolen der Welt besucht und musste lei­der über­all fest­stellen, dass die Plus-Size-Mode nicht wirk­lich eine Rolle spielt. Mode für große Größen find­et auf den Messen, wenn über­haupt, meist in kleinen Hallen am Rande der Messen statt und wird kaum beachtet.

Die Mode für die Dick­en ist ein­fach nicht chic genug, um ihr ein großes Forum zu geben, so die gängige Meinung.

Warum das so ist?

„Fash­ion is a bitch“ – oder frei über­set­zt: Die Mode schert sich nicht um die Real­ität, sie ist ein­fach nicht demokratisch – die Mode ist ein …! Die Mode sucht immer nach der per­fek­ten Fig­ur, um sich zu insze­nieren und die ist nun mal, nach unserem heuti­gen Schön­heit­side­al, dünn, dün­ner oder mager. Ein kurviger Kör­p­er gehört für die meis­ten High-Fash­ion-Design­er nun mal nicht zu ihren per­fek­tion­is­tis­chen Idealen.

Das ist lei­der bis heute noch immer so – Aus­nah­men bestäti­gen die Regel … Jean Paul Gaulti­er ist schon immer eine löbliche Aus­nahme gewe­sen. Plus-Size-Mode wurde viele Jahre eher als Bek­lei­dung denn als Mode gese­hen, frei nach dem Mot­to, „die dick­en Mäd­chen brauchen ja auch etwas anzuziehen“ und es wurde haupt­säch­lich ver­hüllt und ver­steckt. Dementsprechend war das Resul­tat auch sel­ten wirk­lich modisch relevant.

Das Licht am Horizont

Seit ein paar Jahren aber geht endlich ein Ruck durch die Mod­ewelt und die Plus-Size-Mode bekommt langsam (sehr langsam) die Anerken­nung, die sie ver­di­ent. Das liegt sicher­lich auch an den vie­len neuen Plus-Size-Design­ern, die sich für Body Diver­si­ty ein­set­zten und nicht zulet­zt hat an der Mode­branche, die endlich begrif­f­en hat, dass sich mit Plus-Size-Mode auch richtig Geld ver­di­enen lässt.

Aber auch ein ander­er Trend trägt zum Umschwung bei. Plus-Size-Mode bekommt ein Gesicht: Haupt­grund sind die zahlre­ichen Plus-Mode­blog­ger! Sie feiern in ihren Posts ihre Kur­ven, sie zeigen wie cool, trendy und modisch kreativ sich Plus-Size-Frauen heute klei­den. Die Plus-Size-Blog­gerin­nen haben, mein­er Mei­n­ung nach mehr bewegt als all die Mode-Mag­a­zine weltweit, die die Plus–Size-Mode nach wie vor sträflich ver­nach­läs­si­gen. Die Plus-Blog­gerin­nen machen mit ihren echt­en Fig­uren Mut, sie zeigen mit Selb­st­be­wusst­sein, was sie haben und ver­steck­en ihre Run­dun­gen nicht mehr. Sie sind längst die Role­mod­els für viele Curvys geworden.

Das zeigt Wirkung – das Selb­st­be­wusst­sein viel­er Plus-Size-Frauen wächst stetig und sie fordern ihr Recht auf modis­che Klei­dung ein; sie wollen Mode, die ihnen passt, sie kreieren selb­st Trends, aber vor allem wollen sie sich nicht mehr verstecken!

Warum gibt es nun keine glamouröse Fashion Week für Plus-Size-Mode?

Natür­lich gibt es sie, die Fash­ion Weeks für Plus-Size-Mode: da ist die Curvy is Sexy in Berlin, die Plus Size Fash­ion Days in Ham­burg, die Pulp Fash­ion Week in Paris, die UK Plus Size Fash­ion Week in Lon­don und die Full Fig­ured Fash­ion Week in NYC, um nur mal die Bekan­ntesten zu nen­nen. Durch­schla­gend erfol­gre­ich und glam­ourös sind sie aber alle nicht – noch nicht würde ich sagen.

Die bekan­nteste Plus-Messe hier in Deutsch­land war die Curvy is Sexy Messe in Berlin, die immer par­al­lel zur Fash­ion Week stat­tfand. Sie begann vielver­sprechend und wurde dann doch nach nur drei Jahren wieder eingestellt, weil sich viele der vertrete­nen Fash­ion-Labels nicht auf ein­er „Extra-Messe“ präsen­tieren woll­ten, son­dern sich auf der reg­ulären Messe bess­er vertreten fühlen.

Es gab und es gibt viele Ansätze, die Plus-Size-Mode der Straight-Size-Mode gle­ich zu set­zten. Lei­der sind sehr viele gute Ansätze auch zu früh gescheit­ert. Warum ist das so? Das hat viele Gründe.

Oft sind die Fash­ion Weeks eher halb­herzig konzip­iert, es ist meist auch nicht wirk­lich Geld da und es wird an den falschen Enden gespart.

Die Fash­ion-Shows auf fast allen Messen sind lei­der meist grot­ten­schlecht – sor­ry, aber das muss mal gesagt wer­den. Es liegt nicht an den Mod­els, es sind eher die schlechte Chore­ografie, das alt­back­ene Styling, die gruselige Musik (gerne mal getanzte Mod­en­schauen, autsch!), die zum Fremd­schä­men führen.

Ich spreche hier nicht von Berlin und Ham­burg allein, ich habe auch in Lon­don und New York diese Erfahrung gemacht. Die Shows sind oft zu bieder und das ist das genaue Gegen­teil von cool.

Aber wie bekommt man es doch hin, der Plus-Size-Mode Glamour einzuhauchen?

Da in der Plus-Size-Welt zur Zeit das The­ma Body Diver­si­ty immer mehr Beach­tung find­et, ist es tat­säch­lich der logis­che und richtige Schritt, sich nicht abzu­son­dern, son­dern sich mit Selb­st­be­wusst­sein neben den Straight Size Labels auf der gle­ichen Messe zu präsen­tieren. Labels wie Tri­an­gle z.B. haben den Trend schon sehr früh erkan­nt – Tri­an­gle, die „Anschlusskollek­tion“ der Marke s.Oliver, zeigt Seite an Seite mit dem Haupt­la­bel die gle­ichen Trends, Stoffe und Far­ben nur in großen Größen, also genau das, was sich die meis­ten Plus-Frauen wünschen.

curvy is sexy messe

Curvy is Sexy mit Anna Scholz

Bitte begreift es doch endlich: Wir wollen keine Extrawürste, wir wollen die gle­iche Mode tra­gen, wie unsere dün­nen Schwest­ern, nur in Größen und Schnit­ten, die uns auch passen!

Ein bisschen Plus-Size-Glamour gibt es aber dann doch schon!

Eva Lutz, die Designer­in von Minx präsen­tiert ihre „Anschlusskollek­tion“ Sal­lie Sahne in Berlin auf der Fash­ion Week, auf dem Cat­walk, ganz demokratisch, side by side. Der abso­lut richtige Schritt, wie ich finde, denn es zeigt, dass es doch möglich ist, die Mode zu demokratisieren! Es rührt mich jedes Mal fast zu Trä­nen, wie frenetisch die Plus-Size-Mod­els bei jedem Walk gefeiert wer­den. Plöt­zlich ist er da, der Glam­our auch in großen Größen! Und es geht eben doch! Die kurvi­gen Mädels stehlen ihren mageren Kol­legin­nen regelmäßig die Show, sie strahlen und scheinen sehr viel Charis­ma zu haben. Sie sind sexy und selb­st­be­wusst – es ist wirk­lich grandios.

fashionweek minx adam brody

Links: Plus-Size-Mod­el auf dem Lauf­steg in Berlin | Rechts: Design­er Adam Brody mit zwei Models

Warum macht dieses Beispiel nicht mehr Schule?

Der Weg ist lang, aber trotz­dem glaube ich, dass wir auf dem richti­gen Weg sind und ich würde mir wün­schen, dass bald noch viel mehr Labels den Mut haben wer­den Größe zu zeigen!

Auf­macher­fo­to: Fraz­er Har­ri­son © Get­ty Images for Riani

Letzte Kommentare (1)

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Anja
Donnerstag, 19. Januar 2017, 11:32 Uhr

Schön­er Text aber als ich das so nick­end gele­sen habe und dann über den Namen “sal­lie Sahne” gestolpert bin, knallte ich mit dem Kopf auf die Tas­tatur. Solche Namen sind vielle­icht ein Grund dafür warum man Plus Size Labels in Deutsch­land nicht ganz ernst nimmt.