Wie emotionale Erinnerungen den Körper manipulieren

9. Oktober 2019 | von

Oft ste­hen wir uns selb­st im Weg – nicht mit Vor­satz, son­dern häu­fig unbe­wusst. Der eigentlich leis­tungs­fähige Kör­p­er wird durch Erin­nerun­gen manip­uliert und wir erre­ichen Gren­zen, die haupt­säch­lich mit dem emo­tionalen Gedächt­nis des Organ­is­mus’ zu tun haben. Unsere Gast­blog­gerin Jules vom Plus Size Blog Schön­Wild möchte in diesem Post ihre per­sön­lichen Erfahrun­gen mit dir teilen.


Das Wichtig­ste vor­weg: Ich bin kein Arzt und kein Ther­a­peut. Ich berichte nur über meine per­sön­lichen Erfahrungen.

Wir manipulieren uns oft selbst

Prägende Erfahrung: Panikattacken

Zit­tern, Herzrasen, Atem­not, Schwindel, Brustschmerzen und ein Gefühl, das einem den Boden unter den Füßen wegreißt. Es fühlt sich so an, als würde man die Kon­trolle ver­lieren oder vielle­icht sog­ar sein Leben. Alles wirkt bedrohlich und als große Lebens­ge­fahr … Eine Panikat­tacke tritt spon­tan auf und fühlt sich an wie ein Über­fall. Kom­plet­ter Kon­trol­lver­lust. Mit 14 Jahren bekam ich die erste Panikat­tacke. Allerd­ings kon­nte mir nie­mand erk­lären, was mein Kör­p­er da mehrmals täglich durch­macht. Kein Arzt kon­nte mir erk­lären, was mir fehlt, weil ich kernge­sund war. Man wird als Hypochon­der abgestem­pelt fühlt sich macht­los, unsich­er, hil­f­los und schämt sich, weil man sich selb­st nicht erk­lären kann was los ist.

Nach­dem ich eine Panikat­tacke hat­te, entwick­elte sich die soge­nan­nte „Angst vor der Angst“. Auf keinen Fall wollte ich jemals wieder den Zus­tand und die kör­per­lichen Reak­tio­nen ein­er Panikat­tacke spüren und deswe­gen mied man oft­mals viele Sit­u­a­tio­nen und entwick­elte die Angst vor der Angst.

Was macht Angst mit unserem Körper

Wenn du dich auch so fühlst, soll­test du dir auf jeden Fall Hil­fe bei einem Ther­a­peuten und/oder Arzt suchen. Wenn das Bein gebrochen ist, fährt man schließlich auch ins Kranken­haus und bei Panikat­tack­en liegen oft­mals neu­ronale oder hor­monelle Störun­gen vor, wie beispiel­sweise sehr stark­er Stress, ungelöste Kon­flik­te, Depres­sion, aber auch Vit­a­min B1 Man­gel, eine Hor­mon­um­stel­lung oder eine Schild­drüsen­fehlfunk­tion führen dazu. Und lei­der kann der Kör­p­er uns nicht wie bei ein­er Fehler­anzeige im Auto sig­nal­isieren, was los ist — wir müssen trotz­dem ler­nen, gut auf unseren Kör­p­er zu hören!

Etwa jed­er fün­fte Erwach­sene erlebt min­destens ein­mal in seinem Leben eine Panikat­tacke. Wenn man ein­mal eine Panikat­tacke hat­te, entste­ht lei­der schnell ein Teufel­skreis, da die Gefüh­le und Angstgedanken die kör­per­lichen Symp­tome befeuern. Dadurch wirkt die Panikat­tacke noch bedrohlich­er. Dieser Alar­mzu­s­tand des Kör­pers dauert meist einige Minuten bis zum Höhep­unkt und nor­mal­isiert sich dann langsam wieder. Nach ca. ein­er hal­ben Stunde ist der Kör­p­er wieder im Nor­malzu­s­tand, allerd­ings deut­lich geschwächt. (So war es jeden­falls bei mir.)

Was kannst du bei einer Panikattacke tun?

  • Im Hier und Jet­zt bleiben und nicht in deine eige­nen Gedanken abdriften. Alles ist gut!
  • Atmung ist super­wichtig. Tief einat­men und langsam ausatmen.
  • Auto­genes Train­ing oder Pro­gres­sive Muske­lentspan­nung kön­nen Wun­der wirken.
  • Sei gut zu dir und nimm wenig Nikotin, Alko­hol oder Kof­fein zu dir.
  • Mach dir bewusst, dass du damit nicht alleine bist, und hol dir Hilfe.
  • Ver­suche her­auszufind­en, was dein Kör­p­er dir sagen möchte.

Mir hat es damals sehr geholfen, den ganzen Symp­tomen endlich einen Namen geben zu kön­nen und mich in das The­ma ein­le­sen zu kön­nen, wie Panikat­tack­en im Gehirn entste­hen (Fehlverknüp­fun­gen der Synapsen). Ich wollte damals unbe­d­ingt wis­sen, ob es möglich ist, jemals wieder ein Leben ohne Panikat­tack­en zu führen. Good News: Es ist möglich!

Mit 24 Jahren habe ich eine Kon­fronta­tions-Ther­a­pie gemacht und mich meinen größten Äng­sten gestellt. In diesem Fall Auto­bahn fahren. Es war alles andere als ein­fach, aber ich wusste, dass hin­ter den ganzen Äng­sten ein neues, aufre­gen­des Leben auf mich wartet, das es Wert ist, dafür zu kämpfen. In der Kon­fronta­tion­ssi­t­u­a­tion habe ich gemerkt, wie tief die Äng­ste wirk­lich sitzen und dass man alles schaf­fen kann, wenn man sich der Gefahren­si­t­u­a­tion ein­mal stellt und erken­nt, dass nichts Schlimmes passiert!

Wie Panikattacken noch heute meinen Körper beeinflussen

Jet­zt bin ich seit mehr als 6 Jahren angst­frei, allerd­ings merke ich heute noch beim Sport, dass diese 10 Jahre Panikat­tack­en nicht spur­los an meinem Kör­p­er vor­beige­gan­gen sind. Wenn ich beispiel­sweise eine ähn­liche Herzfre­quenz durch Sport bekomme, streikt mein Kör­p­er und möchte, dass ich aufhöre. Lange Zeit habe ich nicht ver­standen, wieso Sport für mich so schreck­lich ist (neben den schlecht­en Erin­nerun­gen an den Schul­sport). Aber jet­zt weiß ich, dass der Kör­p­er ein eigenes Erin­nerungssys­tem hat und mich war­nen möchte, obwohl gar keine Gefahren­si­t­u­a­tion beste­ht! Wie gehe ich damit um? Ich bin geduldig und gut zu mir. Ich akzep­tiere es und taste mich langsam ran und finde her­aus, welche Sportart mir wirk­lich Spaß macht. Es ist wie eine zweite Kon­fronta­tion­s­ther­a­pie, die das emo­tionale Gedächt­nis des Kör­pers löscht. Das Dran­bleiben wird sich auch dieses Mal lohnen.

Kennst du solche Sit­u­a­tio­nen auch, in denen dein Kör­p­er von Erin­nerun­gen manip­uliert wird? 

Was bedeutet es sich selbst zu manipulieren

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