Wird man als Curvy mit den Jahren selbstbewusster?

24. Februar 2021 | von

Mit dem Alter wird man selb­st­be­wusster und lernt, seinen Kör­p­er zu akzep­tieren – stimmt das? Ein Erfahrungs­bericht von Plus-Size-Blog­gerin Susanne.

Mehr Zufriedenheit mit dem eigenen Koerper im Alter

Früher unsicheres graues Mäuschen und heute – jen­seits der 50 – eine selb­st­be­wusste Plus-Size-Frau? Wer­den Curvys mit dem Alter selb­st­be­wusster und wenn ja, warum? Welche Rolle spielt die Mode und die eigene Wahrnehmung bei dieser Entwick­lung und hat man die „schlecht­en“ Tage endgültig hin­ter sich?

Plus Size Mode fuer mehr Selbstbewusstsein
Selbstbewusste Plus Size Mode

Selbstsicherheit mit dem eigenen Körper

Kür­zlich las ich, dass das Selb­st­be­wusst­sein von Frauen in einem Alter von um die 50 seinen Höhep­unkt erre­icht. Von wegen 50+ und unsicht­bar. Denkbar ist das schon, aber für mich selb­st kann ich das nicht so bestäti­gen. Ich war immer schon selb­st­be­wusst, in jedem Alter. Worin ich allerd­ings in den let­zten Jahren – ich bin 54 – tat­säch­lich selb­st­sicher­er gewor­den bin, das ist in punc­to Kör­p­er und Mode. Ich habe in dieser Zeit ein­er­seits eine große Gelassen­heit gegenüber meinen kör­per­lichen „Män­geln“ entwick­elt und ander­seits eine große Exper­i­men­tier­freude, was meinen Stil ange­ht. Bei­des zusam­men fühlt sich richtig gut an. Ich füh­le mich frei, genau das zu tra­gen, zu dem ich Lust habe – ob das anderen gefällt oder nicht, ob sie es passend, vorteil­haft, alters­gerecht oder eben nicht find­en, ist für mich ziem­lich neben­säch­lich. Es ist mir kurz gesagt egal.

Accessoires fuer moderne Plus Size Looks

Mode und Kilos – damals und heute

Das war in der Tat nicht immer so. In mein­er Jugend habe ich mich oft viel zu dick gefühlt, obwohl ich höch­stens mol­lig war. Mode war schwierig, denn die Auswahl an modis­ch­er Klei­dung in Großen Größen war vor 30 Jahren deut­lich klein­er als heute! Damals trug ich eine 40/42 – und selb­st damit kon­nte ich kaum Klei­dung find­en, die mir wirk­lich gefiel. Mit Anfang 30, damals passte ich für eine Weile sog­ar in eine Größe 38, fühlte ich mich den­noch immer noch pum­melig. Wegen mein­er ver­meintlich dick­en Beine trug ich fast auss­chließlich Röcke, die meine Knie bedeck­ten. Noch „schlim­mer“ wurde es, als ich in meinen Dreißigern drei Kinder bekam, die bei mein­er Fig­ur natür­lich ihre Spuren hin­ter­ließen. In jed­er Schwanger­schaft hat­te ich ordentlich zugelegt und nicht immer alles wieder abgenom­men. Als ich mich ger­ade einiger­maßen mit mein­er Fig­ur aus­gesöh­nt hat­te, kamen die Wech­sel­jahre und mit ihnen noch ein paar Kilos mehr. Doch, all das hat damals ganz ordentlich an meinem Selb­st­be­wusst­sein – was meinen Kör­p­er anging – geknabbert.

Weisse Longbluse fuer grosse Groessen
Lederhose fuer grosse Groessen

Dauer-Diäten und Verstecken?

Ständig auf Diät leben, wollte ich aber nicht. Mich dauer­haft in uni­far­bene Tuniken klei­den, weil sie ver­meintlich vorteil­haft sind, aber auch nicht. Und so entschloss ich mich zu einem radikalen Schritt: ein­fach das zu tra­gen, wozu ich Lust hat­te! Meis­tens sind das eher min­i­mal­is­tis­che, cleane Looks, die ich mit auf­fäl­li­gen bis extrav­a­gan­ten Acces­soires „pimpe“. Das prak­tis­che an Acces­soires ist ja, dass sie auch uns Curvys passen – was bei Klei­dung oft nicht der Fall ist. Schuhe, Taschen, Hüte wur­den schnell zu meinen lieb­sten Begleit­ern, denn da musste ich mir keine Gedanken um Größen machen.

Hier kannst du Susannes Look nachshoppen: 

Und genau so einen Look habe ich heute für Soul­ful­ly gestylt: Over­size-Hemd in Weiß zur schmalen schwarzen Stretch-Leder­hose, dazu ein paar Acces­soires, die far­blich erst mal nicht zusam­men­passen dürften – Orange, Knall­rot, Pink –, es dann aber doch tun. Diese ein wenig gewagte Far­bkom­bi­na­tion macht Spaß, zieht den Blick auf sich und lenkt gle­ichzeit­ig vom Hüft­gold ab.

Body Positivity im Alter
Entspannt mit der eigenen Figur im Alter umgehen

Body Positivity auch in der Gesellschaft

Oft habe ich mich in den let­zten Jahren gefragt, was mich heute in Sachen Fash­ion und Body so viel sicher­er macht als in früheren Jahren. Zum einen habe ich mich ein­fach selb­st „gefun­den“. Ich bin ich, und ich bin gut, wie ich bin. Ein paar mehr oder weniger Kilos ändern an dieser pos­i­tiv­en Grun­de­in­stel­lung mir selb­st gegenüber nichts. Sich­er hat auch die gesellschaftliche Entwick­lung einen Teil dazu beige­tra­gen: Men­schen wer­den heute viel mehr in ihrer ganzen Vielfalt akzep­tiert, als das früher der Fall war. Body Pos­i­tiv­i­ty ist eben nicht nur ein Hash­tag auf Insta­gram, son­dern ist mit­tler­weile im Kopf viel­er Men­schen angekom­men. Das Bewusst­sein, dass Schön­heit keine Frage von Klei­der­größe ist, find­et einen immer bre­it­eren Kon­sens. Damit ein­her geht auch, dass das Ange­bot an schön­er Plus-Size-Mode kon­tinuier­lich zunimmt.

Selbstliebe mit Fuenfzig plus

Fazit Alter und Selbstbewusstsein

Natür­lich ist nicht jed­er Tag gle­ich, an manchen Tagen füh­le ich mich hässlich, dick und alt. Genau dann ist Mode für mich wichtig: Ein Look wie der, den ich dir heute präsen­tiere, hebt an solchen Tagen meine Laune und pusht zugle­ich mein Selb­st­be­wusst­sein. Eines ist auf jeden Fall sich­er: Ich mag mich heute lieber als noch vor 20 oder 30 Jahren.

Hat sich dein Selb­st­be­wusst­sein mit dem Alter verändert?

Fotos: Simon Ack­staller 

Letzte Kommentare (1)

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Ninitza
Samstag, 21. November 2020, 10:15 Uhr

Das mit der Body­Pos­i­tiv­i­ty-Bewe­gung stimmt zwar — ist aber nicht der entschei­dende Faktor. 

“Curvy” fängt in der Gen­er­a­tion <30 bei Klei­der­größe 40 an und ist — aller Body­Pos­i­tiv­i­ty zum Trotz — immer noch ein echter “Makel”, der einen in der all­ge­meinen Wahrnahme als Frau entwertet und unter Recht­fer­ti­gungszwang bringt.
In der Gen­er­a­tion 50+ ist Curvy hinge­gen die Norm und hat dur­chaus optis­che Vorteile. Wer nicht natür­lich zier­lich ist und sich in dem Alter auf Gr. 36 run­ter­hungert, sieht halt meist auch so aus. Leicht ver­hungert und verknit­tert, Fal­ten, Knochen, Sehnen — Sil­hou­ette noch top, Details und Haut zeigen sind dann aber nach objek­tiv­en Attrak­tiv­itäts­maßstäben keine Offen­barung mehr. 

Als Frau, die seit 20 immer Größe 44/46 getra­gen hat, war ich damals die bemitlei­dete Außen­sei­t­erin. 30 Jahre später bin ich absoluter Main­stream und “erbe” sog­ar schöne Klei­dungsstücke von Ex-Gr.36-Püppis, die diese “verwach­sen” haben. Und einige nette Vin­tage-Sachen im Schrank passen immer noch. 

Die Sit­u­a­tion und all­ge­meine Wahrnahme hat sich mit dem Alter zu meinen Gun­sten verän­dert — und das trägt defin­i­tiv zu mehr Selb­st­be­wusst­sein bei.