Rituale im Alltag – Ankerpunkte oder zwanghafte Routine?

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Wenn ich ehrlich bin, dann klingt das Wort “Ritual” für mich nach einer langweiligen Angewohnheit, nach etwas, das schon lange keinen Sinn mehr hat. Denke ich länger darüber nach, fallen mir diverse überladene Morgenroutinen von Youtubern und Yoga-Übungen aus Frauenzeitschriften ein. Nicht wirklich attraktiver. Die Wahrheit ist jedoch: Wir alle haben Rituale im Alltag. Weil wir Menschen sind und unser Leben ganz nebenbei, oft ohne es überhaupt zu bemerken, vereinfachen und strukturieren. Vereinfachung ist dabei natürlich relativ. Wir sparen uns durch Rituale manchmal sogar Zeit und Energie. Es sind Abläufe oder Ereignisse, die einer festen und wiederkehrenden Regel folgen. Gleichzeitig stellen wir uns damit also mitunter auch Aufgaben und Herausforderungen.

bewusst entspannen und leben
„Rituale haben große Auswirkungen auf unser Leben – negative wie auch positive. Wir sollten dafür sorgen, dass Rituale zu bereichernden Ankerpunkten statt zwanghaften oder routinierten Angewohnheiten werden.”

Folge ich bestimmten Ritualen?

Der erste Schritt sollte wohl sein, sich der eigenen Rituale einmal bewusst zu werden. Was mache ich morgens nach dem Aufstehen? Tut mir das gut? Was tue ich regelmäßig für meinen Körper? Tut es mir gut? Welche Angewohnheiten habe ich auf der Arbeit? Welche Regelmäßigkeiten gibt es in meinen Freundschaften? Finde ich das gut?

Rituale als Ankerpunkte

Rituale sind keine Instrumente, um das Leben maximal zu optimieren. Aber sie können zum Beispiel helfen, um…

  • …Ziele zu erreichen, an einer Sache dran zu bleiben und damit zur persönlichen Entwicklung oder der Karriere beitragen.
  • …sich selbst zu Dingen oder Tätigkeiten zu bewegen, die man vernachlässigen würde, weil man vergisst, wie gut sie tun (Kontakt halten, Sport, Rauskommen, …).
  • …Struktur im Tagesablauf oder Monatsverlauf zu finden – auch wenn man in Ausnahmesituationen oder Krisen steckt.
  • …kleine persönliche Glücksmomente oder Pausen zu erzeugen.
  • …soziale Kontakte zu pflegen – auch, wenn man sich sonst keine Zeit genommen hätte.
  • …Entspannung (Mittagspause, Urlaub, Wochenende, Morgenroutine) zu erzeugen.
  • …mehr Bewusstsein zu schaffen und mehrere Tätigkeiten gleichzeitig zu vermeiden (mitunter auch spirituell).
  • …durchzuhalten und sich auf ein bestimmtes Ritual zu freuen.
Einsamer Steg aus Holz

Manchmal tut es sogar gut, sich Energie oder gar Stress für unnötige Entscheidungen zu sparen. Dann, wenn zum Beispiel wenig Zeit ist oder in Zeiten, in denen man mit bestimmten Herausforderungen oder Zielen kämpft. Es hilft deshalb, zu wissen, warum man gewisse Rituale hatte, gerade lebt oder noch einführen möchte. Daraus ergibt sich auch, welche Rituale man als bereichernd erlebt.

Rituale wirken sich in verschiedenen Bereichen aus

  • Körperlich: also sowohl kurzfristig durch Entspannung, aber auch langfristig wie zum Beispiel in Fitness und einem positiven Körpergefühl
  • Seelisch/psychologisch: wie zum Beispiel durch den Selbstwert, Achtsamkeit, aber auch das Erreichen persönlicher Ziele
  • Sozial: betrifft Freundschaften ebenso wie gesunde Beziehungen zu Arbeitskollegen oder Vorgesetzten, aber auch eine ausgeglichene Kommunikation – egal ob in der Kundenhotline oder mit der eigenen Mutter
Ruhige und entspannende Landschaft

Im Grunde sollten Rituale also immer positive Auswirkungen auf einen dieser drei Bereiche haben. Frage dich einfach kontinuierlich, ob gewisse Regelmäßigkeiten in deinem Leben positive Auswirkungen haben. Falls nein, sind sie nutzlos oder können mitunter sogar belastend oder zwanghaft sein.

Frage dich also immer wieder:

  • Was tut mir wirklich gut?
  • Und was brauche ich in gewissen Momenten?
  • Geht es eher um langfristige oder kurzfristige Effekte?

Rituale können so individuell sein, wie wir alle sind

Tägliche Rituale gibt es zum Beispiel in der Morgenroutine, einem Innehalten oder Strecken im Bett, der Zubereitung eines bestimmten Frühstücks oder dem ersten Getränk noch vor der Dusche am Morgen, tägliche Meditation oder die Zeitung, Lesen im Bett oder das Bewusstmachen einer schönen Begegnung als Teil der Schlafroutine. Die Treppe anstatt des Fahrstuhls zu benutzen, eine kleine Belohnung für unangenehme Erledigungen oder ein Kompliment an sich selbst bei jedem Blick in den Spiegel können ebenfalls Rituale in gewissen Situationen sein. Wöchentlich tun zum Beispiel gewisse Rituale wie regelmäßige Telefonate, Kuchen am Sonntag, einmal die Woche Pizza mit Freunden, ein wöchentlicher Mittags-Spaziergang mit einer Kollegin, gut. Und auch mit den Jahreszeiten ergeben sich Rituale: Spargel zur Saisoneröffnung, frische Blumen vom Wochenmarkt, Blättersammeln im Herbst, Backen zu Weihnachten. Jeder hat seine eigenen Rituale, die manchmal helfen, dem Leben ein wenig mehr Struktur zu geben und manchmal einfach gute Laune machen!

„Wichtig ist: Rituale sollten immer dynamisch bleiben. Denn am Ende sollen sie keine Bürde sein, sondern uns gut tun.”
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