Achtung, Meinung! | Ist es ok, Pelz zu tragen?

Eine junge Frau die echten Pelz traegt
Donnerstag, 20. April 2017, 15:46

Der Winter ist schon fast da und mit ihm dicke Jacken, feste Boots, gestrickte Mützen und Schals. Aus rein modischer Perspektive ist die kälteste aller Jahreszeiten allerdings nicht unbedingt die eleganteste oder coolste, sprich die Möglichkeiten persönlichen Stil zum Ausdruck zu bringen, sind vielleicht nicht ganz so gegeben, wie an wärmeren Tagen. Klar: Es ist halt einfacher ein stylisches Outfit zu tragen, wenn ihr nicht gerade versucht, euch eisige Temperaturen, Hagelstürme oder aggressiv umherfliegende Schneeflocken vom Leib zu halten.

Pelzbesatz als gesellschaftlich akzeptierter Trend?

In den letzten Jahren scheint ein winterlicher Trend aufgekommen zu sein, den wir in der Redaktion absolut nicht nachvollziehen können. Er kam schleichend und hat sich gerade in den letzten zwei Jahren weiter verbreitet: Echtfell-Besatz an Kapuzen von dick-gefütterten Jacken, als „süße“ Bommel an Mützen, „hübsche“ Schlüsselanhänger und „kuschelige“ Verzierungen an Handschuhen. Moment mal kurz: Haben wir da was verpasst? War Pelz in jeglicher Form nicht eben noch total falsch und verpönt? Wieso ist ein bisschen Kaninchen hier, ein wenig Fuchs da und etwas Chinchilla dort auf einmal wieder salonfähig? Soll das irgendwie der verzweifelte Versuch sein, dem tristen und eher praktisch veranlagten Winteroutfit einen „individuellen Touch“ zu verleihen? Wir sind schockiert!

„Ach, das ist doch nur ein Abfallprodukt…“

Es soll Frauen geben, die oben genannte „Pelz-Verzierungen“ tragen und argumentieren, dass Echtfell-Besatz ja gar kein „wirklicher“ und „ganzer“ Pelz sei. Es sei vielmehr ein Abfallprodukt von Tieren, dessen Fleisch für die Lebensmittelindustrie oder die Tierfuttermittel-Herstellung verwendet wird. Wenn wir so etwas hören, könnten wir einen spontanen Schreikrampf bekommen. Achso. Ein kleiner Fell-Bommel auf eurer Kaschmir-Mütze vom Weihnachtsmarkt ist also kein ganzes Kaninchen?! Und aha, dieses Tier wurde für sein Fleisch gezüchtet und getötet, nicht aber für einen Ganzkörper-Pelz?! Na dann ist’s ja moralisch voll ok.

Nein, ist es eben nicht!

Und außerdem liegt ihr falsch: Pelztiere werden nämlich extra für Mode – egal ob Besatz oder ganzer Mantel – gezüchtet, gehalten und getötet. Alles unter den schrecklichsten Umständen. Die Tiere, die in solchen Massenzuchten gehalten werden, können zu keiner Zeit ihren natürlichen und instinktiven Bedürfnissen nachgehen. Sie leben auf beengtem Raum und erleben nichts anderes als qualvollen Stress, heftige Schmerzen und endloses Leid. Schließlich – am Ende ihres schrecklichen Lebens – werden sie auf unfassbar grausame Art und Weise geschlachtet. Glaubt uns, wer einmal in solch eine Tierfarm schaut, wird ganz sicher nie wieder ein einziges Stück Pelz auch nur anfassen, geschweige denn, es als vermeintlich harmlosen „Schmuckbesatz“ spazieren tragen zu wollen. Nein, es macht keinen Unterschied, ob ihr nur einen Fellbesatz an eurer Kapuze habt oder euch in einen ganzen Mantel aus Nerz einwickelt! Es ist also total unverständlich und sinnlos, dass ein ganzer Pelzmantel in der Öffentlichkeit sofort negativ Aufsehen erregt, „das bisschen Fell“ an euren Handschuhen hingegen als total „kuschelig, hübsch und weich“ klassifiziert wird.

Kunstfell? Eine echt gute Alternative

Wir finden: Wer Lust auf flauschig, warm und kuschelig hat, kann zu Kunstfell greifen. Ohne Umwege, Ausreden oder blöde Argumentationen. Die unechte Alternative ist qualitativ mittlerweile extrem hochwertig, sieht überhaupt nicht billig aus und ist wirklich wärmend. Aber Achtung: Manchmal gelangen als Kunstfell deklarierte Echtfelle in den Handel. Leider könnt ihr euch oft nichtmal auf das Etikett verlassen. Um den Unterschied zu erkennen, gibt es drei Tricks:

  1. Pusten: Bei Echtfell wird das Deckhaar durch Pusten zur Seite gedrückt, darunter befindet sich feine Unterwolle. Kunstfell ist steifer, meistens gleichmäßig lang und fühlt sich leicht „klebrig“ an.
  2. Auseinanderziehen: Wo sich bei Kunstfell ein gewebtes Textil befindet, wird bei Echtfell Leder sichtbar.
  3. Anzünden: Bei bereits gekauften Kleidungsstücken lassen sich einige Haare ausreißen und anzünden. Kunsthaar schmilzt zu kleinen Klumpen und riecht nach Plastik. Echtfell riecht beim Verbrennen nach Horn.

Wie gut, dass mittlerweile viele Warenhäuser auf eine pelzfreie Politik setzen und echtes Fell komplett aus dem Sortiment genommen haben. Auch OTTO schließt echten Pelz aus sämtlichen Sortimenten aus und ist daher Mitglied beim internationalen Fur Free Retailer Programm. Die Initiative informiert über Modeunternehmen, die sich verpflichtet haben, keinen Echtpelz mehr zu verwenden.

Wir hoffen, wir konnten diejenigen von euch, die bisher noch eine eher unschlüssige Meinung zu Echtpelz-Besatz hatten ein wenig zum Nachdenken anregen und wünschen euch allen eine schöne Winterzeit.

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Kommentare zu diesem Beitrag
2 Kommentare
Katharina
Sonntag, 23. Oktober 2016, 21:12 Uhr

Toller Beitrag!

Ich kann euch voll und ganz zustimmen!
Ich finde es sehr traurig, dass es immer noch Leute gibt, die zu Echtpelz greifen.

Liebe Grüße aus Wien,
Kathi

    Cathrin
    Montag, 24. Oktober 2016, 10:13 Uhr

    Hallo Katharina,

    danke dir für dein liebes Feedback. Wir finden es auch sehr traurig und und hoffen, dass unser Artikel etwas bewirken kann.

    Liebe Grüße,
    Cathrin

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