Was macht skandinavisches Design eigentlich so besonders?

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Skandinavisches Design, Nordic Style und nordische Designklassiker sind in aller Munde und man nimmt das „Made in Scandinavia“-Qualitätssiegel eigentlich auch einfach so hin, es sieht ja auch schön aus. Aber was bedeutet das eigentlich? Warum scheinen unsere nordischen Nachbarn so viel mehr Stil und Talent zu haben? Was ist da anders gelaufen?

Skandinavien oder nordische Länder?

Dazu muss natürlich erstmal gesagt sein: Skandinavien ist nicht gleich Skandinavien. Wenn man es genau nimmt, gehören eigentlich nur Schweden und Norwegen dazu. Dänemark wird aber auch noch oft dazu gerechnet. Wenn man Island und Finnland noch einbeziehen möchte (was man sollte, denn im Design-Bereich verpasst man sonst so einiges), dann heißt es eigentlich richtig: nordische Länder.

Diese Länder haben viele Gemeinsamkeiten, wie z. B. den politischen Ursprung und kulturelle Ähnlichkeiten, aber sie haben natürlich auch unterschiedliche Temperamente, wie es die Designkritikerin Anne Stenros so schön ausdrückt: „Auf der emotionalen Ebene: Die Dänen sind ein bisschen ,südlicher‘, die Finnen ein bisschen ,östlicher‘, die Norweger ein bisschen ,nördlicher‘ und die Schweden halten sich an die goldene Mitte. Die Isländer besitzen robuste eigene Wurzeln.“ (Zitat aus dem Buch Skandinavisches Design)

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Je weiter nördlich man kommt, umso kälter, karger und dunkler wird es in der kalten Jahreszeit. Und vor allem ist dort der Winter viel länger. Dafür werden die rund drei Monate Sommer noch intensiver genutzt. Außerdem sind die nordischen Länder noch viel länger mit der klassischen Handwerkstradition und ohne die in Europa wütende Industrialisierung ausgekommen. Man ist halt etwas isolierter und somit auch fixierter auf das Leben in den eigenen vier Wänden. Das Zuhause hat somit einen anderen Stellenwert. Warum ich Euch das erzähle? Nun, diese Faktoren sind unter anderem ausschlaggebend für das dort entstehende Design und die Architektur.

1. Den Sommer einfangen

Die Designs für Möbel, Accessoires und Textilien sind inspiriert von den heimischen Landschaften, die im Sommer in voller Pracht sind. Große Farbprints, wie von der finnischen Firma Marimekko, sind nur eines von vielen Beispielen dafür, wie man sich die Frische und die Farben des Sommers ins Haus holen kann. Man fängt die Sonne also ein und holt sie sich durch Design auch nach innen.

2. Demokratie als Gestaltungsmerkmal

Ein gemeinsamer Faktor der nordischen Länder? Die schon seit Jahrhunderten währende Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Der einzelne Bürger besitzt schon seit vielen Jahren einen hohen kreativen und freien (Gestaltungs-)Spielraum. Außerdem soll das Design für alle zugänglich sein. Eine schöne Einrichtung ist somit kein Statussymbol, sondern vielmehr eine Bereicherung im Alltag.

3. Heimische Materialien verwenden

Diese tiefe Verbundenheit mit dem Land und der Natur ist eine sehr skandinavisch-nordische Eigenschaft. Das ist verständlich, denn nicht selten ist man auf das Wetter und die Gegebenheiten der Natur angewiesen, um zu arbeiten und zu leben. Das führt unter anderem dazu, dass auch junge Gestalter noch viel mehr verinnerlicht haben, von welchen Materialien und Rohstoffen sie umgeben sind. Auf meinen Reisen in Island und Finnland habe ich deutlich gemerkt, dass sich dort auch Jugendliche und junge Menschen geografisch besser zurechtfinden als meine Gleichaltrigen in Deutschland – denn sie wachsen mit einer tiefen Achtung vor der Natur auf. Diese ist teils roh und wild, aber auch sanft pastellig, hell und frisch. Genauso wie eben auch unsere liebsten skandinavischen Möbel!

4. Praktisch und gemütlich

Viele von Euch kennen vielleicht das dänische Wort „Hygge“, ein schönes Wort für Gemütlichkeit. Es ist schon im Wort selbst der perfekte Ausdruck für das schöne Gefühl, in ein richtiges Zuhause zu kommen. Außerdem sind die Wohnungen auch immer durchdacht, sodass aus dem Sofa gern ein Schlafsofa wird. Das ist bei uns natürlich auch schon normal geworden, aber auch in dieser Hinsicht ist die Tradition in den nordischen Gefilden schon länger vorhanden. Tolle Beispiele für einen Skandi-Look für Wohnzimmer mit Schlafgelegenheit habe ich auf dem Stand von dem dänischen Möbelhersteller INNOVATION auf der IMM Einrichtungsmesse im Januar gesehen:

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Dieser Sofagarnitur im Retrostil sieht man seinen Ursprung direkt an: Wandelbar, schöne natürliche Stoffe mit zarten Farben und helles Holz

Außerdem habe ich noch einen kleinen finnischen Stand entdeckt, der, ganz wie wir es von den Nordlichtern kennen, ganz unprätentiös daher kam und mehrere Möbel in ihrer Produktpalette hat, die vielseitig und schön sind. Hier sind zwei Beispiele, die ich Euch gern zeigen möchte:

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Bild links: Dieses Sofa lässt sich in ein Schlafsofa für zwei Personen verwandeln. Die Kissen erinnern sehr an Drucke von Marimekko // Bilder rechts: Dieses Sofa ist auch wunderbar wandelbar// Beide aus der Tapio Anttila Collection

Skandinavisch gleich ästhetisch

Ich weiß, warum ich ein echter Fan von der skandinavisch-nordischen Einrichtung bin, denn hier stimmt nicht nur die Ästhetik, sondern auch der Blick auf die Geschichte der Entstehung und das Wissen, warum das Designprinzip der großen skandinavischen Designer noch immer so gut funktioniert. Was möchte man mehr, außer dass unsere Wohnung, also unser Zuhause und unser Rückzugsort, Natur, Demokratie, Seele und Geschichte ausstrahlt!

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