Jessie ist bunterwegs: Schritt für Schritt nach Kathmandu

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„Und was meinst du, wie lange du unter­wegs sein wirst?“ frage ich Jessie. „Hm“, antwortet sie, „ich schätze so cir­ca zwei Jahre.“ Jessie macht sich Anfang Okto­ber auf den Weg. Von Ham­burg. Nach Kath­man­du. Allein. Zu Fuß. Als Frau. Aus­ges­tat­tet mit einem Ruck­sack, der nur mit dem Nötig­sten gefüllt ist und nicht mehr als zehn bis elf Kilo­gramm wiegt. Wie weit es ist, von Ham­burg nach Nepal? Mit dem Flugzeug unge­fähr zwölf Stunden. Und auf dem Landweg? Bei grober Rech­nung etwa 10.000 Kilo­me­ter. Zwei Jahre wan­dern.

Zwölf Flugstunden vs. zwei Wanderjahre

Warum wan­dert Jessie? Warum set­zt sie sich nicht, wie fast jed­er andere Men­sch, in ein Flugzeug? „Fliegen kann jed­er“, sagt Jessie. Sie hat sich ganz bewusst fürs Wan­dern entsch­ieden. „Wan­dern ist die min­i­mal­is­tis­chste und natür­lich­ste Fort­be­we­gungsweise des Men­schen. Außer­dem erlebt man kul­turelle und land­schaftliche Unter­schiede ganz ganz langsam, von Region zu Region.“ Der klas­sis­che Kul­turschock, wenn man auf einem anderen Kon­ti­nent aus dem Flugzeug steigt, bleibt also aus. Die Reise nach Kath­man­du ist keine fixe Idee, son­dern hat sich nach und nach entwick­elt, immer mehr Form angenom­men und sich schließlich in Jessies Kopf man­i­festiert. Ent­deck­ungslust, Neugi­er, Offen­heit gepaart mit ein­er kleinen Por­tion Fer­n­weh – das ist wohl die Mis­chung, die Men­schen wie Jessie dazu bringt, solche Pro­jek­te in Gang zu set­zen.

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Noch mal ganz von vorne: Was macht Jessie im täglichen Leben?

Stop. Wer ist Jessie über­haupt? Was macht sie, wenn sie nicht ger­ade plant, nach Nepal zu wan­dern? Im Prinzip gibt es für sie nicht die eine Berufs­beze­ich­nung. Um zu beschreiben, wer sie ist und was sie macht, braucht man mehr als zwei bis drei Wörter: Illus­tra­torin, Screen- und Grafikde­signer­in, Fer­n­wan­derin, kreative Nomadin. Und: Grün­derin von BUN­TER­wegs, dem Outdoor-Blog für Frauen mit Liebe zum Wan­dern und zur Street Art. BUN­TER­wegs kommt far­ben­froh daher, fröh­lich und verträumt. Klickt man sich durch Jessies Artikel, kom­plet­tiert sich immer mehr das Bild ein­er Frau, die mutig ist. Und entspan­nt. Ganz offen darü­ber spricht, dass sie auch Äng­ste hat, wenn sie an ihre bevorste­hende Reise denkt.

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Reise­berichte über Thai­land, Indi­en, Bul­gar­ien, Frankre­ich, Istan­bul und Prag lassen ahnen, wie weit Jessie schon in der Welt herumgekom­men ist. Es bleibt aber nicht bei Reise­bericht­en, in denen von der Schön­heit der Welt berichtet wird. Jessie gibt ihre Backpacking-Erfahrungen weit­er. Wer selb­st schon ein­mal mit dem Ruck­sack unter­wegs war, weiß, dass man auf ein paar Dinge auf keinen Fall verzicht­en sollte. Auf BUN­TER­wegs find­et man also Tipps zum Reisen und Back­pack­en, die auf den ersten Blick gar nicht spek­takulär scheinen, doch beim zweit­en Hin­se­hen ele­men­tar wer­den. Ein Beispiel: Plane deine Reise, aber plane nicht alles kom­plett durch – lasse Raum für Unvorherse­hbares.

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Das Ziel der Reise: Die Welt ein Stück bunter machen

Das Ziel von Jessies Reise ist nicht nur, in Nepal anzukom­men, son­dern unter­wegs die Welt ein Stück bunter zu machen. Sie will Murals und Paste-Ups hin­ter­lassen und unter­schiedliche Hil­f­sor­gan­i­sa­tio­nen und gemein­nützige Pro­jek­te, die sich vor allem mit Kindern und Jugendlichen beschäfti­gen, ans­teuern. Einige schon vorher kon­tak­tieren, andere spon­tan. Je nach­dem, wo sie ist, wen sie ken­nen­lernt und was sie gut find­et. Wand­mal­pro­jek­te und Kreativ­work­shops – es gibt viele Möglichkeit­en. Auf BUN­TER­wegs kann man mitver­fol­gen, mit welchen Organ­i­sa­tio­nen Jessie zusam­me­nar­beit­et und, wenn man möchte, gezielt für die einzel­nen Pro­jek­te spenden.

A pro­pos spenden – eine der ersten Fra­gen, die mir in den Sinn kam war: Wie finanziert man das Ganze? „Ein biss­chen was habe ich ges­part“, sagt Jessie, „anson­sten arbeite ich von unter­wegs. Ich bin als Free­lancerin flex­i­bel und kann Aufträge annehmen. Der Plan ist außer­dem, unter­wegs zum Beispiel in Hos­tels zu arbeit­en. Entwed­er gegen Bares oder Kost und Logis.“ Für Sicher­heits­fa­natik­er ist das sicher­lich nichts. Aber was stand noch in Jessies Back­pack­er­tipps? Lasse Raum für Unvorherse­hbares.

Die Fakten der Reise

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Am 13. Okto­ber wird es dann soweit sein: Jessie wan­dert in Ham­burg los. Der erste Teil ihrer Route führt sie erst­mal in Rich­tung Tschechis­che Gren­ze, dann weit­er durch die Slowakei, Ungarn, Rumänien … „Vom Gefühl her finde ich es schön­er, in den Win­ter hinein zu wan­dern. Denn in Tschechien gibt es aus­re­ichend vernün­ftige Unterkün­fte. Das Zelt hebe ich mir dann für wärmere Monate auf“, schmun­zelt Jessie. Damit sie im Win­ter keine Sommer- und im Som­mer keine Win­terk­lam­ot­ten mitschlep­pen muss, packt sie vor ihrer Abreise alles vor und lässt sich dann ein entsprechen­des Paket von ihrer Fam­i­lie schick­en. Auch ihr Fre­und unter­stützt sie, soweit er kann: „Natür­lich wird die Tren­nung hart. Aber es war ein­fach mein Traum, dieses Pro­jekt durchzuziehen und er wird mich auch unter­wegs besuchen kom­men.“

Ist alles vorgeplant?

Die Route ist nur grob geplant. Recher­chiert hat Jessie für die ersten Län­der aber schon die Orte, an denen sie diese betreten, bzw. wieder ver­lassen will. Je nach (poli­tis­ch­er) Sit­u­a­tion passt sie die Route an. Noch ein Vorteil des Wan­derns: Man kann eigentlich sowieso nichts über­stürzen. Bus und Bahn will Jessie so gut es eben geht ver­mei­den – im Not­fall aber darauf zurück­greifen: „Da bin ich nicht so, dass es auf Biegen und Brechen ohne gehen muss. Not­fall ist Not­fall.“

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Ihre Pack­liste hat Jessie detail­liert aus­gear­beit­et, um das Gewicht des Ruck­sacks natür­lich so ger­ing wie möglich zu hal­ten. Pro Tag wird sie unge­fähr 20 Kilo­me­ter wan­dern. Mit­ten­drin in der Wild­nis camp­en, ganz alleine. Auf ihrer Face­book­seite sah ich ger­ade den Ein­trag: „Ich lese mich derzeit durch einen Haufen Tipps, u. a. Wan­dern in Gegen­den mit Bären.“ Ich ver­suche, mir vorzustellen, wie es sich anfühlt, allein in einem Zelt, nachts, irgend­wo mit­ten in Rumänien. Spätestens da denke ich noch mal: Hut ab vor dieser Frau. Wir haben es hier nicht mit ein­er roman­tis­chen Aben­teuer­reise zu tun, son­dern mit einem Leben­spro­jekt, welch­es mehr als nur eine gehörige Por­tion Mut erfordert.

Als einen kleinen „Glücks­bringer“ spon­sert OTTO Jessie ein ultra­le­icht­es Zelt, welch­es zwar nicht vor Bären schützt, aber ihr hof­fentlich erhol­same Nächte beschert. Von unter­wegs wird Jessie uns immer mal wieder von ihrer Reise bericht­en und wir drück­en ihr die Dau­men, dass alles wird, wie sie es sich vorstellt. Auf ihrem Weg – Schritt für Schritt nach Kath­man­du.

Wie Reisen wirklich glücklich macht

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