Winterwandern auf den Brocken

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Eine Wan­derung auf den Brock­en ste­ht bei vie­len Men­schen ganz oben auf ihrem Pro­gramm im Harz. Entsprechend voll sind die Wege im Som­mer. Wir haben es anders gemacht und sind im Win­ter bei dichtem Nebel losgegangen …

Den Vor­trag von Alas­tair Humphreys noch im Kopf, dass Microad­ven­tures über­all auf einen warten, starten wir zu dritt an einem nebli­gen Win­tertag in der Dunkel­heit des frühen Mor­gens. Regen ist ange­sagt und für den Nach­mit­tag hat der Wet­ter­di­enst sog­ar eine Sturmwar­nung her­aus­gegeben. Da wollen wir aber längst zurück sein. Aben­teuer ist gut, unnötiges Risiko nicht. Denn die Tem­per­a­turen liegen oben­drein um den Gefrier­punkt. Ein Pul­li mehr und eine Regen­hose ver­schwinden im Ruck­sack. Und eine Ther­moskanne mit heißem Tee.

Durch Frost und Nebel

Nebelwald

Als wir den Start­punkt unser­er Wan­derung erre­ichen, hüllen sich Wald und Him­mel in zähen Nebel. Wir sind, wie erhofft, die Allerersten. Das erste Tages­licht ist noch kraft­los und dumpf grau. Egal, Wan­der­schuhe an, Ruck­sack geschul­tert und los geht`s. Erst­mal einen Forstweg ent­lang. Der schnurg­er­ade Schot­ter­weg erscheint auf den ersten Blick gäh­nend lang­weilig, ent­fal­tet im dicht­en Nebel aber eine fast med­i­ta­tive Wirkung. Unsere Gespräche ver­s­tum­men, jed­er versinkt in seinen Gedanken. Nur die Schritte knirschen auf dem Weg, son­st ist es unwirk­lich still. Irgend­wann ist mein Kopf ganz leer. In der Luft hält sich hart­näck­ig der Nebel. Immer­hin, noch reg­net es nicht. Wir ent­deck­en zarte Natur-Kunst am Weges­rand, skur­ril gefrorene Pfützen in den Gräben und Hei­dekraut, in das die Feuchtigkeit kleine Sternchen aus Eis geza­ubert hat.

Eisblume

Ein­fach wun­der­schön in ihrer Vergänglichkeit. Auch der Nebel­wald mit seinen lan­gen, kar­gen Stäm­men und eini­gen umge­fal­l­enen Bäu­men hat etwas Magis­ches. Mir kommt Her­mann Hess­es Gedicht in den Sinn: „Selt­sam, im Nebel zu wan­dern…“ Wie passend er diese Stim­mung mit Worten einge­fan­gen hat.

Rutschig den Brocken hinauf

Am Kolon­nen­weg, dem Weg aus Beton-Spurplatten, auf dem einst DDR-Grenzer mit Fahrzeu­gen patroul­lierten, geht es steil bergauf. Die der­ben Beton­plat­ten sind vereist, ständig rutschen wir, stapfen schließlich lieber neben den Plat­ten und sind froh um die dick­en Wan­der­schuhe. Im Som­mer trifft man hier tat­säch­lich Leute in San­dalen! Endlich oben liegen die Gleise der Harz­er Schmal­spur­bahn vor uns. Zeit für eine kurze Ver­schnauf­pause und einen Schluck Tee zwis­chen Holzhock­ern, die wie stil­isierte Schafe ausse­hen. Der Weg führt nun unter­halb des Brocken-Gipfels immer neben den Gleisen ent­lang. Die Bahn selb­st lässt sich nicht blick­en – gut so, denn die Loko­mo­tiv­en qual­men furcht­bar und das Atmen in dem Dreck ist wahrlich keine Freude. Am Weges­rand ste­hen die Markierun­gen des Harz­er Hexen-Stiegs, der das Mit­tel­ge­birge von Osterode bis Thale durchquert.

Harzer Hexenstieg

Schließlich tre­f­fen wir auf die Straße zum Brock­en, biegen scharf links ab und fol­gen ihr. Es geht noch ein­mal richtig steil hin­auf. Der Wind frischt mit jedem Höhen­meter merk­lich auf. Kommt der Sturm etwa doch schon? Außer­dem hat es ange­fan­gen leicht zu schneien, die Flock­en sind zusam­men mit dem Wind im eiskalten Gesicht richtig schmerzhaft. Aus der Ferne ist nun auch das Schnaufen der Schmal­spur­bahn zu hören, die wegen der Stei­gung eine Extrarunde um den Brock­engipfel drehen muss. Zeit­gle­ich mit dem ersten Zug des Tages kom­men wir am Bahn­hof Brock­en an.

Zug im Nebel

Im Winter nichts los

Ger­ade mal eine Hand­voll Fahrgäste steigt aus. Ist das wirk­lich der gle­iche Zug, der im Som­mer oft so voll ist, dass nicht alle Leute einen Sitz­platz bekom­men? Noch ein paar weit­ere Meter bergauf, dann taucht wie aus dem grauen Nichts das Gebäude des Brock­en­ho­tels vor uns auf. Hoch oben ver­liert sich ein Sende­mast im Nebel. Geschafft! Rein ins Selb­st­be­di­enungsrestau­rant, in dem die Zeit irgend­wann in den 1980er Jahren ste­henge­blieben zu sein scheint. Wir sind tat­säch­lich selb­st hier noch die ersten Gäste und der heiße Milchkaf­fee schmeckt nach der feucht­en Kälte dop­pelt gut. Den Rück­weg treten wir fast beschwingt an. Unten am Park­platz frischt der Wind merk­lich auf und es begin­nt stärk­er zu reg­nen. Ein unvergesslich­er Tag!

Die Inseln des Friedens werden nachhaltig: Ålands Nachhaltigkeitsagenda

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Nachhaltig, was ist das überhaupt? Und wo sollten wir ansetzen, wenn wir uns weiterentwickeln wollen zu einer nachhaltigen Gesellschaft? Als Blaupause könnten die zu Finnland gehörenden – aber autonomen – Åland-Inseln dienen: In Mariehamn, der Hauptstadt des schwedischsprachigen Archipels, schrieb man im Jahr 2014 einen Nachhaltigkeitsbeschluss fest. Seitdem arbeiten alle wichtigen gesellschaftlichen Gruppen als Kooperationspartner gemeinsam an der Vision von einer ökologisch wie sozial nachhaltigen Gesellschaft. Auch die Wirtschaft ist an Bord; alle 15 größten Unternehmen Ålands beteiligen sich am Prozess. Die Åländische Agenda 2030 enthält sieben Hauptziele. Bis zum Jahr 2051 soll Åland ganz nachhaltig sein. Das Ostsee-Archipel mit…

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet das Redaktionsteam Reisefeder unter anderem für Magazine wie Brigitte, Onlineportale wie Spiegel Online oder Reisebücher wie Merian. Anke hat Ökologie und Kommunikation studiert und...

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