Wasserabenteuer und Natur: Familienurlaub auf Korsika

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Eine Mittelmeerinsel ohne Pauschalanlagen? Gibt es noch! Korsika hat sich über die Jahrzehnte seinen Geheimtippcharakter bewahrt. Das ist nicht nur ideal für abenteuerlustige Fans der Kletter- und Wildwassersportart Canyoning. Auch Genießer kommen hier voll auf ihre Kosten.

Rund um das Bavella-Massiv: Idyllische Schönheit inmitten der Flüsse

Glasklar rauscht der Solenzara-Fluss gemächlich über weißen Sand und runde Steine. Kinder spielen in dem flachen Wasser und die Eltern entspannen sich im Schatten. Es riecht nach Pinien und Lorbeer – rund um das Bavella-Massiv hat sich eine geradezu idyllische Schönheit erhalten. Wer hier ist, braucht gar nicht mehr zum 15 Minuten entfernten Meer fahren. Dafür sind die Flüsse einfach zu verlockend.

Direkt am Wasser zelten kann man etwa auf dem Campingplatz U Ponte Grossu im Bavella-Massiv im Osten der Insel. Über den schroffen Felsen, die das Tal einrahmen, sind schwarze Punkte in der Luft zu sehen. Vielleicht Steinadler? Sie kommen hier ebenso vor wie Bartgeier und Turmfalken oder die Schildkröten an Land.

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Das ist Korsika – überall ist die Natur so wild und nah- und irgendwie ist immer Wasser in der Nähe, ein dichtes Netz von Bächen überzieht die Insel. Perfekt, um einmal Canyoning auszuprobieren. Doch schon als ich in dem Neoprenanzug über die Felsen klettere, frage ich mich: was mache ich hier eigentlich?

Selbstüberwindung zwischen Bächen und Felsen: Canyoning

Gleich werde ich zwei Stunden durch den Fluss laufen, mit Wasserfällen in die Tiefe stürzen – ein wenig mulmig ist mir jetzt schon. Doch Adrian, unser Canyoning-Guide lässt uns keine Zeit zum Nachdenken – Schutzhelm auf und los geht es. Immer dem Lauf des Wassers folgen, zurück geht’s nicht. Also lege ich mich kopfüber in den sprudelnden Bachlauf, der zu einem kleinen Wasserfall wird und lasse mich nach unten tragen.

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Als die erste Anfangsangst überwunden ist, macht es sogar richtig Spaß. Ich bin völlig im Jetzt angekommen, habe keine Zeit, über Vergangenes nachzudenken oder Zukunftspläne zu schmieden. Die Strecke verlangt meine komplette Aufmerksamkeit. Doch als ich von einem fünf Meter hohen Felsen ins Wasser springen soll, muss ich dreimal Anlauf nehmen, um mich zu überwinden. Es klappt.

Eine andere aus unserer Gruppe schafft es nicht, sie bleibt in Schreckstarre und springt nicht. Da nimmt Adrian sie kurzerhand wie eine ohnmächtige Prinzessin in seine Arme und hüpft mit ihr zusammen. Nach zwei Stunden ist das Abenteuer beendet und ich bin im Adrenalinrausch. Freue mich über meine Selbstüberwindung. Ich könnte morgen gleich noch mal durchstarten. Doch Canyoning macht hungrig.

Sonne, Strand und Wildschweinsalami

Auf zu Antoine Ottavi. Der 53-jährige Landwirt ist auf der Insel geboren, wie übrigens Napoleon Bonaparte auch. Beide sagen von sich, sie würden Korsika am Duft erkennen. Tatsächlich verführt die Mittelmeerinsel mit einem ganz eigenen Aroma, wie etwa im Osten der Insel. An manchen Stellen verströmen Eukalyptusbäume ihr Aroma, der Ginster duckt sich an die steilen Felsen und Beifuß wiegt sich im sonnenleichten Wind.

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In der Küche seines Gasthauses lässt Ottavi sein Messer durch die dunkle, harte Wildschweinsalami gleiten, von der er dünne Scheiben auf ein Holzbrett für seine Gäste drapiert. „Wir haben mehr Sonne als das Festland, das macht unsere Kräuter aromatischer und letztendlich auch unser Fleisch“, zählt er die Vorzüge seiner Heimat auf.

In seinem kleinen Gasthaus Inzecca kommt nur Hausgemachtes auf den Tisch, sogar Wurst und Schinken stammen aus eigener Produktion. Auf seinem Bauernhof füttert er die Tiere und wählt sorgsam den richtigen Zeitpunkt, um sie zu schlachten und zu Wurst zu verarbeiten. Dann presst er das Fleisch in die Naturdärme und verschnürt sie wie Weihnachtsgeschenke mit leuchtend roten Baumwollfäden.

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Das Beste: Korsikas Ursprünglichkeit

Andere Mittelmeerinseln haben längst größeren Bekanntheitsgrad erlangt, wie etwa Ibiza oder Mallorca. Ferienflieger landen dort im Minutentakt – Korsika hingegen ist dünnbesiedelt und ursprünglich geblieben. Die Menschen leben zwar fast alle irgendwie vom Tourismus, aber nehmen sich doch Zeit für ihre Olivenkulturen, die Mandarinenmarmelade oder den berühmten korsischen Nougat.

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Der therapeutische Duft von Zitrusfrüchten

Alles geht hier einen Takt langsamer und bewusster zu. Und so kommt man dann auch auf gute Ideen, wie etwa die kleine Kosmetikfirma Solyvia in Ghisonaccia. Eingebettet in Zitrusbaumplantagen und Palmengärten liegt das Unternehmen idyllisch am Rand des Binnensees Étang d’Urbino. Schilf rauscht im Wind, Angler versuchen ihr Glück und warten, bis die Schnur wackelt. Ein Rotmilan kreist über den Plantagen von Solyvia. In den Laboren von Solyvia werden aus den Öko-Zitrusfrüchten duftende Parfums, Duschgels und Produkte zur Aromatherapie hergestellt.

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Etwa das korsische Gegenstück zum asiatischen Tigerbalm – Corsica Balm, mit sanftem Thymian und Lavendel anstatt mit Kampfer. „Hilft bei Kopfschmerzen und Erkältungen“, ist sich der Besitzer Christophe Fouilleron sicher. Er experimentiert gern mit den heimischen Kräutern, etwa der Wilden Möhre, die antibakteriell wirken soll oder mit der typisch korsischen Zitrusfrucht Cedrat.

„Sie ist hässlich“, sagt er und pflückt eine Frucht vom Baum, die aussieht wie eine misslungene Schmorgurke mit dicker Zitronenhaut. Er schneidet sie an: „Aber riechen Sie mal.“ Tatsächlich ist es ein unvergleichliches Aroma, nicht so süß wie Orangen, nicht so sauer wie Zitronen, sondern mild und intensiv. Sie wird für die Zitronatherstellung verwendet. „Aber wir machen daraus auch Parfums und Aromatherapieöle.“ So bleibt Korsika überall ein Fest für die Nase.

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Info Korsika

Allgemeines

Korsika ist die viertgrößte Mittelmeerinsel. Durch ihre Lage in der Nähe von Sardinien, vor der italienischen Küste, verbindet sie italienische und französische Lebensart. Die Insel ist zum großen Teil von Gebirge bedeckt, das bis zu 2500 Metern Höhe misst.

Beste Reisezeit

Mai bis Oktober ist beste Ferienzeit für Korsika. Vor allem in der Nachsaison lässt es sich gut auf die Insel reisen, dann ist das Meer noch warm genug zum Baden aber der große Ansturm wieder abgereist.

Anreise

Korsika ist wunderbar mit der Fähre zu erreichen, das ist praktisch, dann hat man das eigene Auto auch gleich auf der Insel dabei. Die Überfahrten starten ab Nizza und sind schon für 98 Euro zu erhalten (2 Erwachsene, 1 kleines Auto). Weitere Häfen, die Korsika ansteuern: Savona und Toulon. Buchbar über www.corsica-ferries.de.

Unterkunft

Korsika ist keine Insel für den Pauschalurlaub. Einen schönen Überblick gibt es auch auf der Internetseite des korsischen Fremdenverkehrsverbandes: www.visit-corsica.com/de, dort findet man auch Informationen zu Campingplätzen auf Korsika.

Weitere Informationen gibt das französische Fremdenverkehrsamt: Atout France – Französische Zentrale für Tourismus, Postfach 100128, 60001 Frankfurt am Main, http://de.france.fr oder www.visit-corsica.com/de

Ihr sucht noch mehr Inspiration für den Familienurlaub? Hier gibt es Inspiration für Reisen, die sowohl den Kids als auch den Eltern Spaß machen. Oder wie wäre es mit einer Runde Camping?

Hallo, ich bin Andrea - und ich reise gerne. Keine Reise hat mich nachhaltiger beeindruckt als mein Aufenthalt in der Mongolei, von dem ich Euch hier auch erzähle. Doch es muss nicht immer die Ferne sein, sondern oftmal überrascht mich das ganz Nahe mehr. Sei es bei der Vogelbeobachtung an der Nordsee oder beim Paddeln an der Elbe. Ich mag naturnahes Leben und bin gerne draußen, davon erzähle ich Euch nicht nur auf diesem Blog, sondern auch auf meinem eigenen Blog: unter www.indigo-blau.de findet Ihr mehr Geschichten und Tipps rund ums Reisen und Nachhaltig leben. Ich bin übrigens Journalistin, Mutter zweier Kinder und arbeite zudem als Tierheilpraktikerin.

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