Mehr lesen: Warum du das tun solltest und wie du es schaffst

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Leidenschaft Lesen: Bitte mehr davon!

Ich bin ein leidenschaftlicher Leser. Wenn mich jemand als Bücherwurm oder Leseratte bezeichnet, macht er mir ein Kompliment. Sowohl daheim als auch unterwegs habe ich fast immer ein Buch griffbereit. Ich brauche es wie die Luft zum Atmen. Manche Bücher verschlinge ich an einem Tag, an anderen knabbere ich mehrere Wochen.

Im Schnitt lese ich eine Stunde pro Tag und ein Buch pro Woche. Das klingt viel, wenn man bedenkt, dass jeder vierte Deutsche nie zum Buch oder E-Book greift. Am liebsten würde ich sogar noch mehr lesen. So stelle ich mir zuweilen die Frage, die der österreichische Schriftsteller Karl Kraus einst formuliert hat:

„Wo nehm‘ ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen?“

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Älterer Herr in New York liest Zeitung. © Christof Herrmann, 1994

Regelmäßig zu lesen ist kein Hexenwerk! Ob Buch oder E-Book, dieser Beitrag wird dich motivieren, mehr zu lesen. Du brauchst nur ein bisschen Willen und grundsätzliche Freude am Lesen mitzubringen.

10 Gründe, mehr zu lesen

No. 1: Lesen ist beste Unterhaltung.

Auf einer einsamen Insel verschollen sein („Robinson Crusoe“), im postapokalyptischen Amerika ums Überleben kämpfen („Die Straße“), einen Mord aufklären, ohne Geld durch ein Wohlstandsland wandern („Deutschland umsonst“) – von diesen und unzähligen anderen Abenteuern trennt dich nur ein Buchdeckel.

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© SplitShire, Daniel Nanescu

No. 2: Lesen macht belesen.

Voltaire formulierte das bereits im 18. Jahrhundert mit spitzer Zunge: „Lest, bildet euch! Allein die Lektüre entwickelt unseren Geist, das Gespräch verwirrt und das Spiel verengt ihn.“

No. 3: Lesen ist Gehirnjogging.

Beim Lesen simuliert das Gehirn das fiktive Geschehen, etwa die Handlungen der Romanfiguren. Dabei regt sich der prämotorische Kortex, der wichtig für eine höhere geistige Leistung ist. Studien haben gezeigt, dass Menschen, die viel lesen, länger mental fit bleiben und seltener an Demenz oder Alzheimer erkranken.

No. 4: Lesen ist minimalistisch und nachhaltig.

Ein Buch, eine ruhige Ecke, etwas Zeit – mehr braucht es nicht, um sich in eine fremde Welt zu begeben.

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© Doug Robichaud

No 5: Lesen kann sich jeder leisten.

Für die meisten Bücher zahle ich überhaupt nichts. Anstatt sie zu kaufen, nutze ich nachhaltige Alternativen wie Bibliotheken, öffentliche Bücherschränke und Tauschmöglichkeiten.

No. 6: Lesen hat keine Werbepausen.

Wer Fernsehen schaut, Radio hört oder im Internet surft, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit von Werbung abgelenkt. Bis zu 10.000 Werbebotschaften prasseln pro Tag auf uns ein. Literatur verschont uns weitgehend davon.

No. 7: Lesen reduziert Stress.

Genug von der ständigen Erreichbarkeit und Beschallung? Stress in der Beziehung? Ärger auf der Arbeit? Dann schnapp dir einen Roman oder ein Sachbuch, verliere dich darin und erhole dich von der Unruhe des Alltags.

No. 8: Lesen fördert die soziale Kompetenz.

Psychologen der University of Toronto fanden heraus, dass Probanden, die gerne in Romanen lasen, beim Empathietest besser abschnitten als Probanden, die wenig schmökerten.

No. 9: Lesen verbessert die Schreibe.

Wer selbst schreibt, sollte auch regelmäßig lesen. Diesen Rat geben Autoren, die es wissen müssen: Stephen King, Hanns-Josef Ortheil, Wolf Schneider und andere.

No. 10: Lesen kann zu Liebe führen.

„Das Buch hab ich auch schon gelesen.“, „Können Sie mir diesen Roman empfehlen? Ich kenne bisher nur das Debüt von …“ oder „Du und ich haben schon mal eines gemeinsam.“ sind unverbindliche und Erfolg versprechende Sätze für einen gelungenen Gesprächseinstieg. Zu Herzen nehmen sollte man sich dabei vielleicht auch dieses Zitat:

„Why can’t guys buy girls in bookshops books, like they buy girls drinks in bars?“

Schreibmaschine

© Florian Klauer

Wie du es schaffst, regelmäßig zu lesen: Meine Motivations-Tipps

Du kennst nun einige gute Gründe, mit dem Lesen durchzustarten. Trotzdem kann es sein, dass es mit der Umsetzung hapert. Der innere Schweinehund, die Macht der Gewohnheit, Zeitmangel, Büchermangel – es gibt immer auch „gute“ Gründe, bequemere Wege der Freizeitgestaltung zu gehen. Zum Glück habe ich da ein paar Tipps und Tricks auf Lager, mit denen es mit dem regelmäßigen Lesen klappt.

  • Mache das Lesen zu deiner Gewohnheit. Dafür solltest du mehrere Wochen lang täglich 15 Minuten (oder auch länger) lesen – möglichst immer zur gleichen Tageszeit und am gleichen Ort. Das kann nach dem Aufstehen am Küchentisch sein, mittags in einem Park oder vor dem Schlafen im Bett. Nach und nach wird dir das Lesen in Fleisch und Blut übergehen. Ist es dir zur Gewohnheit geworden, möchtest du es – wie etwa den Kaffee am Morgen – nicht mehr missen.
  • Lies nur Bücher, die dich wirklich interessieren und begeistern. Lesen soll kein Zwang, sondern Vergnügen sein.
  • Entkoppel dich vom Fernseher, vom Internet, vom Handynetz, von der Telefonleitung, vom Knopf im Ohr. Was bleibt dir dann anderes übrig, als zu lesen?
Mehr lesen laptop

© Jeshu John

  • Wenn du mit einem Buch partout nichts anfangen kannst, lies es nicht weiter.
  • Auch Comics, Graphic Novels, Trivialliteratur und Kinderbücher sind Bücher. Gerade am Anfang verschafft solch leichte Kost einem den Zugang zur Welt der Literatur.
  • Besorge dir einen Ausweis in der Bücherei. Das kostet nichts oder nur einen Jahresbeitrag und du wirst erstaunt über die Auswahl sein. Bücher, die nicht vorrätig sind, kann man meist gegen eine geringe Gebühr über die Fernleihe bestellen.
  • Sei allzeit zum Lesen bereit. Habe also immer ein Buch in Reichweite, zu Hause sowieso, aber auch im Zug, auf der Arbeit, im Café oder beim Arzt.
  • Gründe mit ein paar Freunden deinen privaten Buchclub. Die Inhalte und Regeln legt ihr selbst fest. Denkbar ist zum Beispiel, gemeinsam zu lesen, sich gegenseitig vorzulesen oder wie in der Sendung „Das Literarische Quartett“ Bücher zu besprechen.
mehr lesen Bücher Tassen Tisch

© André Freitag

  • Führe Buch über die Bücher, die du liest. Ich mache dies auf meinem Blog in Form von monatlichen Kurz-Rezensionen. Solche Listen motivieren, an dem neuen Hobby dranzubleiben.
  • Besuche Lesungen und Buchmessen. Dort kannst du Autoren und andere Leser persönlich kennenlernen.

Bist du auch schon von der Leidenschaft Lesen gepackt? Oder hat dich dieser Artikel motiviert, (wieder) mehr zu lesen? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Titelbild: © Jeff Sheldon

Hallo, ich heiße Christof und schreibe auf meinem Blog über Minimalismus und Nachhaltigkeit. Ohne materiellen Überfluss, negative Beziehungen und unnötige Verpflichtungen zu leben, führt zu persönlichem Glück und gesellschaftlichem Gewinn. Ich konnte das in den vergangenen Jahren selbst erfahren. Nach und nach habe ich mein Leben umgekrempelt und mich dabei immer pudelwohler gefühlt. Heute besitze ich nur noch wenige, aber hochwertige Dinge; habe mein Auto gegen Fahrrad und Bahncard eingetauscht; ernähre mich vegan; wandere wochenlang mit einem 35-Liter-Rucksack über die Alpen oder durch deutsche Mittelgebirge … Ich freue mich, meine Inspirationen hier mit euch zu teilen.

Letzte Kommentare (1)

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ti_ric
Mittwoch, 16. November 2016, 15:35 Uhr

Hallo Christof.

Vielen Dank für den tollen Beitrag. Ich bin gerade auf Reisen in Südamerika und versuche auch mehr zu lernen und zu lesen. Dabei kommt mir der Amazon Kindle Reader zugute. Aber die Idee mit der Bücherei verwende ich gerne daheim und empfehle die auch den anderen Lesern gerne weiter. Lesen ist und bleibt minimalistisch, das ist großartig.

Alles Gute!