Vom Reisanbau- zum Naturschutzgebiet

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Palo Verde Nationalpark: Ein Nationalpark durch Tourismus

Ohne eine Miene zu verziehen, begrüßt uns ein­er der Angestell­ten nach unser­er Ankun­ft in der Ran­cho Humo Estancia in der Prov­inz Gua­nacaste mit feucht­en Tüch­ern und kaltem Leitungswass­er. Bei­des hält er auf einem sil­ber­nen Tablett für uns bere­it. Die Tüch­er duften sehr angenehm. In meinem Leitungswass­er schwimmt eine Scheibe Limette. Das riesige Gebäude der Ranch, samt Panorama-Zimmer und Pool wirkt auf uns sur­re­al. Drei Stunden fuhren wir durch grüne Land­schaften Cos­ta Ric­as, vor­bei an mächti­gen Regen­wäldern, über den Rio Tem­p­isque und auf staubi­gen Schot­ter­we­gen. Alles hat­te ich erwartet, nur nicht eine so prächtige Unterkunft.

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Kein­er der Angestell­ten spricht Englisch. Auf die Frage nach der Toi­lette bekomme ich nur nervöse Blicke zuge­spielt. Dann taucht Jime­na auf. Mit hasti­gen Schrit­ten kommt sie uns ent­ge­gen und heißt uns willkom­men. Sie ist der Typ Men­sch, der nur wenige Sekun­den braucht, um Sym­pa­thie zu erzeu­gen. Ihr Lächeln ist fre­undlich, nicht aufge­set­zt, ihre Art zu reden ver­traut, ihre Ausstrahlung angenehm.

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Bis Anfang des Jahres arbeit­ete Jime­na noch am Tamarindo Beach. Ihre Vor­lieben zu Yoga, gesun­der Ernährung und ökol­o­gisch kor­rek­tem Anbau von Lebens­mit­teln set­zt sie nun für ihren neuen Arbeit­ge­ber in der Ran­cho Humo Estancia ein. Und das hat die Ranch, die wie ein lux­u­riös­er Palast wirkt und mit Zim­mer­preisen ab 350 US-Dollar über­rascht, auch nötig.

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Vom Reisanbau- zum Naturschutzgebiet

Der etwa 16.800 Hek­tar große Palo Verde Nation­al­park wurde noch vor eini­gen Jahren als Nass­reisan­bau­fläche land­wirtschaftlich genutzt. Dafür wur­den sich Regen­zeit und das starke Gezeit­enge­fälle des Rio Tem­p­isque (der Fluss mün­det in den Golf von Nicoya) zunutze gemacht. Über ein aus­gek­lügeltes Bewässerungssys­tem kon­nten viele Hek­tar Reis­felder bewässert werden.

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Irgend­wann wurde das Gebi­et zum Naturschutzge­bi­et erk­lärt. Die Monokul­tur Reis wurde ver­drängt. Gräs­er, Wasserpflanzen, Schilf und weites Wei­de­land erobern sich die Natur zurück und der Palo Verde Nation­al­park bekam seine Arten­vielfalt zurück. Doch was sollte aus den Men­schen wer­den, die mit dem Reisan­bau ihren Leben­sun­ter­halt verdienten?

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Arbeitsplätze, Geld für die Provinz und Naturschutz

Das Schaus­piel der wiederkehren­den Arten­vielfalt bewun­derte auch einen Cos­ta Ricaner, der in San José eine pri­vate Uni­ver­sität gegrün­det und geleit­et hat­te. Kurzentschlossen kaufte er die Ranch für sich und seine Fam­i­lie. Doch da die Fam­i­lie gar nicht so viel Zeit in den Län­dereien am Rio Tem­p­isque ver­brin­gen kon­nte und das Haus größ­ten­teils leer stand, ließen sie es aus­bauen und macht­en es für Touris­ten zugänglich.

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Das Geld der Touris­ten soll langfristig das Fortbeste­hen des Naturschutzge­bi­etes ermöglichen. So kön­nen die Ein­heimis­chen, die über Gen­er­a­tio­nen im Reisan­bau beschäftigt waren, neue Jobs erlernen.

Seit April 2015 existiert die Ranch in ihrer jet­zi­gen Form. Die Angestell­ten kom­men auss­chließlich aus der Prov­inz Gua­nacaste und sprechen daher noch kein gutes Englisch. Nur Jime­na, die hier eben­falls geboren wurde, ist da eine Aus­nahme. Mit geziel­ten Bil­dungs­maß­nah­men ist der Besitzer der Ranch nun dabei, seine Mitar­beit­er zu schulen und ihnen auch die englis­che Sprache beizubrin­gen. Das Ziel ist es, die Ranch in den näch­sten Jahren zu ein­er voll­w­er­ti­gen Eco-Lodge zu entwickeln.

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Weit­ere Arbeit­splätze wur­den durch die Bewei­dung der Flächen durch Rinder erhal­ten. Auf Pfer­den reit­en Cos­ta Ricaner durch die sump­fige Land­schaft und hal­ten Auss­chau nach ihren Herden.

Auf Vogelsafari im Palo Verde Nationalpark

Es ist Regen­zeit in Cos­ta Rica und die weit­en Wiesen sind größ­ten­teils über­flutet. Noch vor eini­gen Wochen sah es hier ganz anders aus. Zeu­gen der Trocken­zeit sind noch immer die Rinder, deren Rip­pen durch das dünne Fell stoßen.

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Während Jime­na das erzählt, springt ein Krokodil weniger Meter neben unserem Wagen ins sump­fige Wass­er der Wei­den. Vor allem in der Regen­zeit ver­lassen die Krokodile den Fluss und hal­ten auf den Wei­den Auss­chau nach Nahrung.

Es ist beein­druck­end zu sehen, wie arten­re­ich der Nation­al­park inzwis­chen ist, auch wenn ich keine Ahnung davon habe, wie es hier wohl vor eini­gen Jahrzehn­ten aus­ge­se­hen haben muss.

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Wir sehen grüne Papageien, die mit aufgeregten Laut­en davon­fliegen, Störche, kleine Wasservögel, und einen beson­ders schö­nen Lach­falken. Mit mehr als 900 Voge­larten ist Cos­ta Ric­as Vogel­welt außeror­dentlich vielfältig. Voge­larten aus Nord- und Südameri­ka kann man hier je nach Jahreszeit antreffen.

Auf dem Rio Temisque sehen wir hun­derte Komorane und Schmuck­rei­her. Es ist eine tolle Vogel­sa­fari, die auf einem Jeep begin­nt und auf dem Wass­er endet.

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Auf einen Kaffee mit ... Benjamin Köhler

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Vor einiger Zeit haben wir Benjamin Köhler schon einmal getroffen und ihn mit Fragen zu seinem spannenden Beruf gelöchert. Für einen Projektmanager, der sich beruflich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzt, liegt natürlich die Frage nahe, wie er privat mit diesem Thema umgeht. Daher haben wir Ben ein zweites Mal getroffen und ihm bei einem Kaffee unseren nachhaltigen Fragebogen zugeschoben: Wie lautet deine offizielle Jobbezeichnung? Ich bin Senior Projektleiter bzw. Projektmanager Corporate Responsibility. Mehr über meinen Job, wie ich überhaupt dazu gekommen bin, im Nachhaltigkeitsmanagement zu arbeiten, welche Chancen und Risiken ich in diesem Bereich sehe und wie Bewerber in diesen…

Ich bin Steven und ich liebe die Natur, verrückte Ideen, Lissabon und den Fahrtwind auf meinem Rennrad. Und ich liebe es, immer wieder meine Grenzen auszutesten. Dafür laufe ich zum...

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