No need for meat: Das vegane Kochbuch von Andreas Bär Läsker

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„Wat de Buer nicht ken­nt, dat frett he nich“ (Was der Bauer nicht ken­nt, das isst er nicht). So ging es mir, als ich zum ersten Mal den Begriff „veg­an“ hörte. Aufgewach­sen bin ich sehr ländlich – Bauern­höfe an jed­er Ecke und es musste immer ordentlich Essen auf den Tisch, am besten mit viel Fleisch. Men­schen, die sich veg­an ernährten, aßen nach meinem Ver­ständ­nis nur das, was von den Bäu­men fiel.

Heute, wenige Jahre, aber viele Begeg­nun­gen mit unter­schiedlich­sten Lebensweisen später, lebe ich veg­e­tarisch und esse auch gern veg­an. Zu meinem Geburt­stag habe ich meinen ersten veg­a­nen Kuchen geback­en und der war sauleck­er! Trotz­dem: Für einen kom­plet­ten Ernährungsstil ohne tierische Pro­duk­te kon­nte ich mich noch nicht entschei­den. Meine Ausre­den sind, glaube ich, ziem­lich typ­isch und reichen von „Ich habe dafür keine Zeit“ bis hin zu „Ich liebe ein­fach Frischkäse!“.

No need for meat Buch bär läsker

Links: © Thieme Ver­lag

Alles zu sein­er Zeit, denke ich dann, und stre­iche meinen heiß geliebten Frischkäse aufs Brot. Trotz­dem, veg­an zu leben, fände ich span­nend und ich würde es gern aus­pro­bieren. Bei Andreas Bär Läsker, genan­nt „der Bär“, hat es vor zwei Jahren Klick gemacht und seit­dem ist er Veg­an­er. Ihr ken­nt ihn: Er ist seit 1989 Man­ag­er der Fan­tastis­chen Vier und ehe­ma­liger Juror bei DSDS. „Wie, der lebt veg­an?“ Ich musste zweimal hin­schauen, aber es stimmte, und er hat vor Kurzem sog­ar ein Buch im Trias Ver­lag her­aus­ge­bracht: „No need for Meat – oder: Veg­an ist, wenn man trotz­dem lacht“.

Vegan gleich langweilig?

Bekämpfen möchte er mit dem Buch die Vorurteile, die Veg­an­is­mus mit sich bringt: „Veg­an essen hat den Nim­bus von Langeweile, Extrem­is­mus, Anstren­gung, Spaßfrei­heit und sozialer Aus­gren­zung. Nichts davon ist wahr. Das ist alles ein Wahnsinns-Mega-Irrtum!“ sagt er. Grund genug für mich, in dieses Buch ein­mal hinein zu schauen.

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Unkon­ven­tionell aufge­baut: Rezept- & Geschicht­en­buch in einem.

„No need for Meat“ ist kein klas­sis­ches Kochbuch. So wie der Bär spricht, schreibt er auch und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Es gibt einen Pro­log und eine Her­leitung, wie es über­haupt zum veg­a­nen Lebensstil kam – inklu­sive Fotos aus der (gewichti­gen) Ver­gan­gen­heit. Meine klas­sis­che Ausrede, ich hätte keine Zeit, hebelt der Bär im Kapi­tel „Das Kaum-Zeit-Kontinuum“ direkt aus. Das Schlüs­sel­wort auf dem Weg zu eine bewussteren Ernährung: Selek­tion.

Heutzu­tage pras­seln unglaublich viele Infor­ma­tio­nen auf uns ein, unzäh­lige Möglichkeit­en. Alle Türen ste­hen uns offen, es gibt nichts, was es nicht gibt. Umso schwieriger wird es also, sich auf Dinge, die uns wichtig sind, zu fokussieren. Will man eine bewusstere Ernährung – egal, ob veg­an oder anders – muss man sich also bewusst dafür entschei­den und sich einige Fra­gen stellen. Was ist wichtiger? Den Facebook-Account zu check­en oder etwas mehr Zeit in selb­st gemacht­es Essen zu steck­en? Die Antwort ken­nen wir alle.

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Buch­weizen­wraps aus Bärs Kochbuch „No need for Meat“

Die Grundausstattung

Hat man sich für eine veg­ane Ernährung entsch­ieden, ist der Weg dor­thin mit dem Buch des Bären gar nicht mehr weit. Im Kapi­tel „Grun­daus­bil­dung“ find­et man eine Liste mit ver­schiede­nen Din­gen, die in ein­er veg­a­nen Küche nicht fehlen dür­fen. Ganz vorneweg: Weck­gläs­er. Denn, wenn man veg­an lebt, wim­melt es nur so von kleinen Töpfchen, Schalen und Gläsern mit getrock­neten Kräutern, Getrei­de, Nüssen und Gewürzen. Laut Bär kommt wieder Leben in die Küche und das Feel­ing ein­er polierten Möbe­lausstel­lung ver­schwindet.

Worauf man sich als Veg­an­er ein­stellen sollte: Man ist jeden Tag dabei, irgen­det­was kleinzuschnip­peln. Aber auch dafür gibt es ein Glück prak­tis­che Küchen­helfer, zum Beispiel den von Bär heiß geliebten „Nicer Dicer“ oder ein­fach herkömm­liche Kaf­feemühlen aus Omas Zeit­en. Damit lassen sich ganz easy Lein­samen mahlen.

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Links: Die richti­gen Küchengeräte erle­ichtern die Schnippel-Arbeit. Rechts: © Thieme Ver­lag

Die Speisekammer

Nicht nur die Basics an Küchengeräten, auch die Must-Haves in Sachen Lebens­mit­teln (Zauber­wort: Gewürze!) teilt der Bär mit seinen Lesern. Und ganz ehrlich? Die Liste ist über­haupt nicht abge­fahren – es gibt fast alles im herkömm­lichen Super­markt oder Bio-Markt um die Ecke. Ganz nach dem Mot­to: So exo­tisch ist veg­an leben gar nicht. Ein weit­er­er Vorteil, der mir bish­er noch gar nicht so bewusst war, ist die Halt­barkeit der Lebens­mit­tel. Käse und Co müssen immer fix ver­braucht wer­den, wohinge­gen Trock­en­früchte, Kichererb­sen und Getrei­de eine fast unbe­gren­zte Halt­barkeit haben. Auch Soja- und Hafer­milch hal­ten sich ungeöffnet richtig lange und müssen nicht ein­mal gekühlt wer­den.

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„Der Bär“ hat lange dran getüftelt und endlich die per­fek­te Zusam­menset­zung für eine kräftige, dun­kle Soße gefun­den.

Die Rezepte

„Ein paar schnelle Quick­ies sind oft viel unter­halt­samer als ein großes, opu­lentes Mahl.“ So ste­ht es auf Seite 77 in Bärs Buch. Tapas-Freunden kommt dies sehr gele­gen. Weg vom klas­sis­chen Drei-Gänge-Menü, hin zu mehreren kleinen Speisen, die man kreuz und quer durcheinan­der essen kann, das ist sowieso viel gesel­liger. Und wer denkt, dass veg­ane Gerichte immer exo­tisch und kom­pliziert sind, den belehrt Bär direkt eines Besseren. Zwar find­et man auch einen nach Sterne-Küche klin­gen­den Fenchel-Lametta-Salat mit Zucchini-Knoblauchvinaigrette, ein paar Seit­en weit­er allerd­ings ste­hen Wirsing-Rouladen und ganz boden­ständi­ger Kartof­fel­salat auf dem Pro­gramm. Auch für einge­fleis­chte Griller hat der Bär Alter­na­tiv­en auf Lager: Spinatküch­le. Oder aber die Ver­sion mit Rote Beete und Möhren. Mein Favorit allerd­ings sind die Bratlinge aus Süßkartof­feln.

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Bärs Bratlinge aus Süßkartof­feln.

Fazit

So, und jet­zt? Ausre­den zählen nun nicht mehr. Andreas Bär Läsker ver­tritt seinen Lebensstil zwar äußerst radikal, hat aber mit seinem Buch mit eini­gen Vorurteilen gegenüber Veg­an­is­mus aufgeräumt. Es ist unter­halt­sam und bringt Sachen auf den Punkt: Seit er veg­an lebt, fühlt er sich tausend­mal bess­er. Warum sollte man also mit etwas aufhören, was einem gut tut? „No need for Meat“ kann nicht nur für Men­schen, die veg­an wer­den wollen, ein Denkanstoß sein, son­dern für alle, die ein­fach wieder mehr selb­st machen möcht­en. Ob ich jet­zt auf einen Schlag veg­an leben werde? Wahrschein­lich nicht – aber ein paar veg­ane Rezepte aus­pro­bieren und ler­nen, wie man richtig mit Gewürzen umge­ht, das werde ich auf jeden Fall.

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Bärs selb­st gemachte Süßkartoffel-Chips für einen gemütlichen Fernse­habend.

Hier geht es direkt zum Buch und weit­eren veg­a­nen Pro­duk­ten bei otto.de

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Auf­mach­er © Foto­lia – Kit­ty

Kulinarische Harmonie: Gnocchi, Bohnen und Wunderlauch

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Svenda von Brausezimt hat in ihrem letzten Beitrag darüber berichtet, wie nahrhaft Bohnen sind. Auch wir finden, dass die Hülsenfrüchte mehr Aufmerksamkeit verdienen und haben deswegen mit weißen Bohnen als cremige, vegane Soße experimentiert. Durch den Eigengeschmack der Bohnen entsteht ein deftiger Begleiter zu Nudeln und Co. Passend zum Frühling haben wir uns dazu ein Gericht mit Bärlauch überlegt. Dieser kommt in Norddeutschland sehr selten vor und steht in Berlin und Umgebung sogar auf der Liste der gefährdeten Arten und darf somit nicht gepflückt werden.

Als Berliner braucht man darüber aber nicht so traurig…

Hallöchen, ich bin Christina. Ich wollte schon von klein auf die Welt retten. Und zwar die ganze. Zugegeben, das grenzt an Größenwahnsinn. Als ich älter wurde, beschloss ich, erstmal bei...

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