„Toms“: Der Schuh, der die Welt verändern soll

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Wie heißt es in ein­er alten Klei­der­regel: Schuhe sagen viel über den Charak­ter eines Men­schen aus. Und wer im Som­mer die bun­ten und leicht­en Toms-Slipper an den Füßen von pflicht­be­wussten Großstädtern gese­hen hat, ahnte auf den ersten Blick wahrschein­lich noch nicht, dass sich hin­ter den Espadrilles mit der him­mel­blauen Argentinien-Flagge auf der Ferse ein­er der kom­merziell größten Erfolge der aktuellen Nach­haltigkeit­skul­tur ver­birgt.

Ein von @toms gepostetes Foto am


Die Schuhe kom­men eigentlich gar nicht aus Argen­tinien. Blake Mycoskie, der amerikanis­che Fir­men­grün­der von Toms, reiste vor über zehn Jahren durch Südameri­ka und ent­deck­te dort die spar­tanis­chen Canvas-Schlappen, die viele Bewohn­er an den Füßen tru­gen und im Anden­staat eigentlich „Alpar­gatas“ heißen.

Mycoskie hat ziem­liche Ähn­lichkeit mit dem Schaus­piel­er Val Kilmer im Biopic „The Doors“. Als er in Argen­tinien auf eine Frau trifft, die Schuhe für arme Kinder sam­melt, macht es Klick in seinem Kopf. Kurze Zeit später in Kali­fornien, paart er seinen Busi­ness­plan mit reich­lich Größen­wahn und beschließt for­t­an „eines der ein­flussre­ich­sten Unternehmen der Welt zu schaf­fen.“

Die Idee: Für jedes verkaufte Paar „Toms“ bekommt ein armes Kind auf der Welt ein paar Schuhe gespendet. „One for One“ und „Giving-Schuhe“ nen­nt Mycoskie sein Charity-Modell. Mit­tler­weile wer­den Kinder in den USA, Hon­duras, Indi­en und Chi­na damit beschenkt.

Schuhe, Kaffee und Sonnenbrillen für den guten Zweck

Kaufen und gle­ichzeit­ig schenken: Zehn Jahre später ist par­al­lel zur Pro­duk­t­palette auch das soziale Engage­ment gewach­sen. Mit­tler­weile verkauft „Toms“ eben­so Son­nen­brillen und finanziert mit dem Verkauf Auge­nun­ter­suchun­gen für bedürftige Men­schen. Laut Fir­me­nangaben hat das Unternehmen geholfen, das Augen­licht von etwa 400.000 sehbe­hin­derten Per­so­n­en wieder herzustellen.

Wer Kaf­feep­ro­duk­te aus der „Toms Roast­ing Com­pa­ny“ kauft, unter­stützt die Errich­tung von Trinkwasser­sys­te­men in sieben Län­dern, etwa in Ruan­da. Und noch mehr: Wer eine „Toms“-Tasche kauft, unter­stützt die Aus­bil­dung von Geburtshelfern und finanziert medi­zinis­che Ausstat­tung für eine sichere Geburt. „Das Geschenk der Geburt“, „Das Geschenk des Augen­lichts“ oder „Das Geschenk des Wassers“ – die Pro­jek­t­na­men klin­gen wie die Titel eines Paulo-Coelho-Buchs.

Mit­tler­weile kooperiert „Toms“ in rund 70 Län­dern auf fünf Kon­ti­nen­ten mit soge­nan­nen „Giv­ing Part­ners“ und Hil­f­sor­gan­i­sa­tio­nen wie „Save the Chil­dren“ und Bil­dung­sein­rich­tun­gen. Auch im jüngst vom Sturm ver­wüsteten Krisen­land Haiti unter­stützt das Unternehmen soziale Pro­jek­te.

Der mit­tler­weile 39-jährige Blake Mycoskie hat damit wohl wie kaum ein ander­er Unternehmer das Zeitgeist-Gefühl getrof­fen und gle­ichzeit­ig eine atem­ber­aubende finanzielle Erfol­gs­geschichte hin­gelegt. Er nen­nt das „con­scious cap­i­tal­ism“. Viel Geld ver­di­enen, aber niemals die gute Sache vergessen. Alleine im Geschäft­s­jahr 2014/2015 hat Mycoskie weltweit 392 Mil­lio­nen Dol­lar umge­set­zt und über 60 Mil­lio­nen Schuhe verkauft. Ein Ver­gle­ich: Vom „Con­verse Chuck Tay­lor All Star“, einem der pop­ulärsten Sneak­er aller Zeit­en, wur­den über 600 Mil­lio­nen Paare verkauft – seit einem Jahrhun­dert.

Der selb­ster­nan­nte Mes­sias auf Gum­misohlen zählt Bill Gates und Ex-US-Präsident Bill Clin­ton zu seinen größten Fans. „Vor fünf Jahren noch war es eine Sünde, soziale The­men kom­merziell anzu­pack­en“, sagt Christoph Hienerth, Pro­fes­sor für Entre­pre­neur­ship an der pri­vat­en WHU – Otto Beisheim School of Man­age­ment in Rheinland-Pfalz. „Jet­zt sehen wir einen Trend hin zu: Wer Sozialthe­men nicht kom­merziell ange­ht, ist Old School“, sagt er in der „Wirtschaftswoche“. „Mycoskie sagt ganz klar, dass er die Welt verbessern will – und dabei gle­ichzeit­ig alle kom­merziellen Instru­mente der Mark­wirtschaft nutzt.“

Für die diesjährige Wei­h­nacht­szeit hat TOMS ein neues Pro­jekt in Koop­er­a­tion mit SOS-Kinderdorf e.V. ges­tartet: Vom 01. bis zum 24. Dezem­ber 2016 gehen für jedes Paar verkaufte Schuhe aus der FW16 Kollek­tion 5 Euro an das Pro­jekt „Deutschunter­richt für unbe­gleit­ete min­der­jährige Flüchtlinge“.

Foto © picture-alliance

„Refill it“: Hamburger Kaffeebecher-Staffel stoppt Einweg-Irrsinn

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320.000 Einweg-Kaffeebecher werden in Deutschland laut „Deutscher Umwelthilfe“ (DUH) pro Stunde verbraucht. Das sind fast drei Milliarden Stück pro Jahr. Für die Herstellung werden zehntausende Tonnen Holz und Kunststoff sowie Milliarden Liter an Wasser benötigt. Für die Produktion ist jährlich eine Energiemenge nötig, mit der man eine Kleinstadt versorgen könnte. Echte Horrorzahlen für ganzheitlich denkende Verbraucher. Zu denen gehört auch Roman Witt. Der 42-Jährige arbeitet im Management des Hamburger Kaffeehändlers „El Rojito“ und hat mit seinem Team die Aktion „Refill it“ aus der Taufe gehoben. Becherhelden an der Elbe Auch die Bio-Konditorei "Eichel" in der Osterstraße…

Moin, ich bin Marie. Waschechte Hamburgerin und nordisch by nature. Hier bei OTTO halte ich für re:BLOG Ausschau nach spannenden Ideen und Menschen, coolen Eco-Outfits und berichte für euch von...

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