Sternstunden: wie mein Traum wahr wurde

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Ich wurde von OTTO gefragt, ob ich Lust hätte, über einen wahrge­wor­de­nen Traum aus meinem Leben zu schreiben. Ein sehr schönes The­ma. Ich musste erst ein­mal tüchtig über­legen, was ich über­haupt für Träume hat­te und habe, und wie sich die Erfül­lung oder Nicht-Erfüllung auf mein Leben aus­gewirkt hat. Und manch­mal merkt man auch erst, wenn etwas passiert, dass man es sich genau so erträumt hätte, wenn man ein­mal drüber nachgedacht hätte.

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Ich bin mit 18 Jahren von Kas­sel nach Berlin gezo­gen. Kas­sel ist zwar kein Dorf, aber im Gegen­satz zu Berlin halt doch irgend­wie. Da ste­he ich nun in dieser riesi­gen Stadt und weiß noch gar nicht so genau, wer ich eigentlich bin und wo ich hin­will. Ich habe begonnen, bei einem Musik­la­bel zu arbeit­en und dann „irgend­was mit Medi­en“ zu ler­nen. Auch son­st habe ich nicht viel anbren­nen lassen. Ich war viel in Dis­cos, auf Par­tys, Gästelis­ten und in der Schlange vorm Berghain. Heute betra­chtet muss ich sagen: ich war ein­fach ganz schön lost.

Irgend­wann war mir schlecht, ständig schlecht. Ich habe mit dem Rauchen aufge­hört, ohne das vorge­habt zu haben und irgend­wie auch keine Drinks mehr run­ter­bekom­men. Nach ein paar Wochen (ja, solange habe ich gewartet), scherzte eine Fre­undin „Ach, vielle­icht bist du schwanger.“ Bäm. Ja, vielle­icht. Also bin ich in die Drogerie gegan­gen und habe einen Schwanger­schaft­stest gekauft. Und ganz viel Sham­poo und anderes Zeug, damit er nicht so alleine auf dem Band liegt.

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Am näch­sten Mor­gen habe ich dann also auf diesen Papier­streifen gepullert und zehn Minuten gewartet. Die waren ganz schön lang. Und dann stand da: Sie sind mit ein­er 99,9prozentigen Wahrschein­lichkeit schwanger. Oha. Ich war 20, mit­ten in der Aus­bil­dung und lost. Also, ab aufs Fahrrad und zur Frauenärztin. Die hat das dann bestätigt.

In der Sekunde, in der der Herz­schlag meines Babys durch die Arzt­prax­is klang, wusste ich: Wahnsinn, ich werde Mama! Die Tage danach war ich wie im Wahn und wusste gar nicht, wohin mit mir. Was darf ich jet­zt noch, und was nicht. Was muss man als Mama alles kön­nen? Bin ich nicht sel­ber noch zu sehr ein Kind? Wann ruft das Fernse­hen an und will einen „Teenager-Mütter“-Report mit mir machen?

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So nach und nach sortierten sich all diese Gedanken und ich begann, mich sehr zu freuen. Auch das Sor­gen ging dann direkt los. Wenn das Baby mal einen Tag nicht ges­tram­pelt hat bin ich nervös gewor­den.

Nach ein­er Weile kam sie dann, die Aut­o­fahrt unter Wehen. Es war wie im Film, mein Part­ner ist gefahren und ich saß daneben und habe gebrüllt was das Zeug hält. Kaum im Kranken­haus war meine Tochter dann auch schon da. Da lag dann also dieses noch etwas rötliche Wesen in meinen Armen. So klein, so zart und doch vom ersten Moment an ein eigen­er Men­sch mit Charak­ter.

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Das ist jet­zt fast acht Jahre her und ist ein­fach das Beste, das mir hätte passieren kön­nen. Es war kein richtiger Traum, ich habe ihn vorher ja nicht geträumt. Ich wusste immer, dass ich mal Mut­ter sein möchte, aber zu diesem Zeit­punkt hätte ich es niemals geplant. Wenn ich gewusst hätte, wie unbeschreib­lich es ist, ein Kind zu haben, hätte ich es aber geträumt.

Diese net­ten Hände, die meine nehmen, wenn wir spazieren gehen. Dieses Grin­sen, wenn wir unsere Witze machen. Dieses kom­plette Ver­trauen. Ach, wenn ich das so schreibe, kriege ich direkt Lust auf noch mehr Kinder.

Sternstunden: Wenn kleine Wunder im Alltag passieren

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„Ihr Volvo steht jetzt für Sie bereit“. Anne und ich standen in einer Hotellobby in der finnischen Stadt Tampere und zwinkerten uns vergnügt zu. Die Vorfreude ließ sich kaum noch verbergen. Betont lässig nahm ich die Autoschlüssel entgegen. Vor dem Hotel wartete ein silberfarbener Volvo-Flitzer, der die nächsten Tage uns gehören sollte. Die Autotür war noch nicht ganz geschlossen, da platzte die Freude aus uns heraus. Wie Teenager kicherten wir: „Krass, wie abgefahren, oder?“ Und die Fahrt ging los. Was vorher geschah Einige Zeit vorher erzählte mir eine Freundin, sie würde nach Finnland fliegen, genauer gesagt nach Tampere, denn sie war auf…

Seit 2011 blogge ich auf Green Friday über alle Facetten des nachhaltigen Großstadtlebens. Mein Herz schlägt für Ideen, die die Welt ein bisschen besser machen. Deshalb interviewe ich junge Macher...

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