Regional, ökologisch, gemeinschaftlich: Gemüse vom SpeiseGut

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Seit 2013 betreibt Chris­t­ian Hey­mann, 35 Jahre, den Landwirtschafts- und Gemüse­baube­trieb SpeiseGut in Berlin-Spandau. Er ver­sorgt inter­essierte Berlin­er Großs­tadt­men­schen mit regionalem, ökol­o­gis­chem und ver­ant­wor­tungsvoll ange­bautem Gemüse. Wer dabei sein will, zahlt monatlich einen Beitrag und kann sich dann jede Woche an einem der Depots in der Stadt eine Ladung Gemüse abholen. Das Ange­bot ist saison­ab­hängig, stammt aber immer von den SpeiseGut-Äckern. So ist man immer mit gutem Gemüse ver­sorgt – und der Bauer trägt nicht alleine das Risiko ein­er aus­ge­fal­l­enen Ernte, son­dern kann klar pla­nen und investieren.

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Seit 2013 betreibt Chris­t­ian Hey­mann den Landwirtschafts- und Gemüse­baube­trieb SpeiseGut in Berlin-Spandau.

Zu der SpeiseGut-Mitgliedschaft gehört es auch, dass man min­destens dreimal im Jahr mith­il­ft. Auf dem Ack­er beim Säen, beim Ern­ten, beim Pack­en oder was son­st so anliegt. So kommt man den Pro­duk­ten wirk­lich nahe und ver­ste­ht, das einzelne und manch­mal auch krumme Gemüse wertzuschätzen. Wir haben Chris­t­ian ein paar Fra­gen zu sein­er sol­i­darischen Land­wirtschaft, seinen Plä­nen und Beweg­grün­den gestellt.


Wie bist du auf die Idee gekom­men, SpeiseGut zu gründen?

Ich mache seit 19 Jahren Land­wirtschaft. Ich habe bei einem Öko­be­trieb gel­ernt und auch nie auf kon­ven­tionellen Höfen gear­beit­et. Irgend­wann war ich an dem Punkt, wo ich ein paar Dinge selb­st entschei­den wollte und nicht nur machen wollte, was mir mein Chef aufge­tra­gen hat. So habe ich mich auf die Suche nach geeigneten Flächen gemacht und bin in Berlin-Spandau fündig gewor­den. Mit­tler­weile habe ich hier etwa neun Hek­tar Land, auf denen ich richtig gutes Gemüse und Getrei­de anbaue.

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Min­destens dreimal im Jahr helfen SpeiseGut-Mitglieder auf den Äck­ern mit.

Aber du machst auch noch mehr, als Gemüse anzubauen…

… richtig. Let­ztes Jahr im Juli habe ich noch mit mein­er Geschäftspart­ner­in Antje, 38 Jahre, das HavelGut eröffnet. Das ist ein Aus­flugslokal, eben­falls in Span­dau. Hier kocht an den Woch­enen­den unser Koch Johannes unser eigenes Gemüse. Fleisch beziehen wir vom Bioland-Hof Quer­ham­mer. Wir haben hier mehr oder weniger eine „Null-Kilometer-Küche“ und kaufen nur zu, was wir selb­st nicht pro­duzieren können.

Weit­erge­hend haben wir im März eine Ölmüh­le eröffnet, in der wir gutes Öl aus regionalen Saat­en kalt­pressen. Auf dieses Pro­dukt bin ich beson­ders stolz.

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Oben links: Öl aus regionalen Saat­en. Unten links: Der Hofladen in der alten Feuerwache. Rechts: Für Bienenbe­sitzer bietet Chris­t­ian Hey­mann ein Patenschaft-Modell an.

Kann man deine Pro­duk­te denn auch als Nicht-SpeiseGut-Mitglied irgend­wo bekommen?

Ja. Wir haben noch einen kleinen Hofladen in der Alten Feuerwache in Span­dau eröffnet, hier gibt es unser Gemüse, unseren Honig, unseren Saft und vieles mehr. Ein paar Bio-Supermärkte in Berlin haben Pro­duk­te von uns und das Öl bekommt man auch online.

Wie würdest du die Leute beschreiben, die SpeiseGut-Mitglieder sind?

Ganz unter­schiedlich. Was eigentlich alle eint, ist ein Inter­esse für gutes Essen und das Bewusst­sein, wie schwierig das in der Stadt oft zu bekom­men ist. Auch inter­essieren sie sich für das große Ganze und sind eben bere­it, auch einen Ern­teaus­fall mit zu kom­pen­sieren. Das ist natür­lich toll und gibt mir eine bessere Plan­barkeit. Glück­licher­weise hat­ten wir bis­lang nicht viel mit Aus­fällen zu kämpfen.

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Hier wer­den eifrig Zwiebeln gesetzt.

Und sag, du hast auch Bienen, oder?

Ich hat­te. Und ich hätte gerne wieder welche. Lei­der war der let­zte Win­ter nicht kalt genug. Bienen sind sehr empfind­liche Geschöpfe. Durch den war­men Win­ter sind sie nicht so richtig tief in ihren Win­ter­schlaf gefall­en und waren zu früh wieder munter. Dann kam doch noch mal richtig Frost und das haben sie nicht über­lebt. Damit haben ger­ade viele Bienenbe­sitzer zu kämpfen. Momen­tan fehlen mir die Mit­tel, aber ich biete ein Patenschaft-Modell an – also dass einzelne Per­so­n­en als Pat­en für die Bienen auf unseren Äck­ern fungieren. Dazu gibt es auf mein­er Web­site und auf Face­book Updates.

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Zer­ti­fiziert­er ökol­o­gis­ch­er Landbau.

Was wün­schst du dir für dieses Jahr? Hast du beson­dere Ziele?

Ich habe im Moment 125 Mit­glieder, am Ende des Jahres wäre ich gerne bei 200. Außer­dem möchte ich, dass immer mehr Men­schen von der sol­i­darischen Land­wirtschaft erfahren, mit­machen und uns mit ihren Ideen bere­ich­ern. Es gibt viele Pläne und Ideen – am Ende des Jahres wer­den wir sehen, welche sich durch­set­zen kon­nten. Wir wür­den zum Beispiel gerne mit land­wirtschaftlichen Pro­jek­ten im Aus­land kooperieren, ihnen also Pro­duk­te (wie Kaf­fee oder Kakao, die wir hier nicht selb­st anbauen kön­nen) zu fairen Preisen abnehmen und ihnen darü­ber hin­aus aktiv helfen, die dor­tige Infra­struk­tur zu verbessern. Think glob­al, act local.

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Anna von Green Fri­day im Gespräch mit SpeiseGut-Betreiber Chris­t­ian Heymann.

Danke, Chris­t­ian! Wir wün­schen dir alles Gute dabei!

Nachhaltig in Laos: die Seidenweberei Ock Pop Tok

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Laos ist das Land der Gelassenheit, das Land der Mönche und Tempel und es ist das Land der Seiden- und Baumwollwebereien. Deshalb überrascht es uns nicht, dass wir in Luang Prabang auf Schals und Taschen, Stoffe und Kissen stoßen. Die kleine Stadt ist ein lebendes Weltkulturerbe und verbindet den Charme vergangener Zeit mit der modernen Welt aus Backpacker Hostels, kleinen Cafés und „Freeeeee Waiiifiiiie“. Laos – das Land der Mönche ... Kaum angekommen, schnappen wir uns zwei Fahrräder, denn in Luang Prabang fährt man entweder mit dem Tuk Tuk oder mit dem Fahrrad. Das Tuk Tuk…

Seit 2011 blogge ich auf Green Friday über alle Facetten des nachhaltigen Großstadtlebens. Mein Herz schlägt für Ideen, die die Welt ein bisschen besser machen. Deshalb interviewe ich junge Macher...

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Nils
Donnerstag, 3. September 2015, 14:45 Uhr

Super Sache. Viel Arbeit, viel Engage­ment. Chapeau.