Oda Albers: Herr Klug, sind Sie noch glücklich unter Palmöl?

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Liebe Frau Albers.
Mit dieser Frage tre­f­fen Sie mich ins eigentliche Mark. Was denken Sie von mir? Dass ich meinen Sko­da im DIY-Stil umgerüstet habe auf reines Bio-Palmöl? Dass ich meinen lecker-legendären Kalten Hund seit den 90ern mit ein­er sat­ten Por­tion Palmöl am besten hinkriege? Dass ich jede Woche für 50 Teu­ro Fer­tig­pro­duk­te kaufe, um die Nord­wand meines Bunkers, den ich wegen der dro­hen­den Apoc­a­lypse aus­baue, zuzukacheln?

Da ist überall Palmöl drin?

Dreimal nein. Sooo rück­ständig lebe ich ja nun auch nicht auf der erd­abge­wandten Seite meines Mon­des. Ich gebe gern zu, dass ich über die ver­heeren­den Fol­gen unseres Palmölver­brauch­es erst sehr spät Check­ung bekam. Wo es über­all drin ist, ich wusste es nicht: Im Essen, in der Kos­metik, in Putzmit­teln, im Tank, in Pro­duk­ten noch und nöch­er, über­all und nir­gends. Wie grotesk der ver­mehrte Anbau sich auf die Her­stel­lungslän­der auswirkt: Vertrei­bun­gen, Regen­wal­dro­dun­gen und Arten­ster­ben. Wie viel Platz die Plan­ta­gen kosten: Eine Fläche so groß wie Neusee­land ist inzwis­chen für Men­sch und Tier ver­loren. Wie bizarr die kap­i­tal­is­tis­che Wertschöp­fungs­kette beim Palmöl inzwis­chen ist: Das Zeug wird unserem Biosprit beigemis­cht, in der EU fließt tat­säch­lich die Hälfte des importierten Palmöls in unsere Autos. Und wie bil­lig es offen­bar immer noch im Ver­gle­ich zu Kokos-, Oliven- oder anderen Ölen ist.

A hidden mess

Nein, ich hat­te ewig keine Ahnung davon – und als es mit däm­merte, kon­nte ich es noch erstaunlich lange ignori­eren. Weil man es kaum sieht, nicht schmeckt, es solo keine Rolle spielt. Palmöl ist der ver­steck­te Teufel. A hid­den mess. All­ge­gen­wär­tig, aber fast unsicht­bar. Und dass man es selb­st zu eine gesehn­ten Speise addiert, kommt nicht vor.
Aber seit­dem in der 5. Klasse gelehrt wird, wie ver­heerend Palmöl ist, weiß ich es auch. Ich hab ja das Ohr an der Jugend, das ist immer gut für die Zukun­ft. Palmöl ist kein Fall für eine „Eigentlich“- und oder „Lei­der geil“-Haltung. Palmöl ist so anerkan­nt daneben wie son­st kaum eine unser­er Sün­den. Kann man schlicht lesen, kann man es ver­mei­den. Und ich kann zum Glück noch fast über­all die Inhaltsstoffe entz­if­fern. Easy Mobisi!

Noch schlimmer als Palmöl?

Moment, was ste­ht eigentlich auf der unge­hörig teuren Vollnuss-Schoki? Was ist in der Bio-Zahnpasta drin? Oder im Abflußfrei, im Dinkel-Keks, in der Kerze? Über­all muss ich lesen, lesen, lesen. Ist es, ist es nicht? Hat es, hat es nicht?

Wegen Palmöl wer­den meine Augen schlechter. Und im Rah­men der neu zu kaufend­en Brille steckt es sich­er auch. Man kön­nte durch­drehen! Kön­nte man. Kann ich aber auch Ihnen über­lassen, Sie haben da sich­er Zeit für. Zum Beispiel, wenn Sie die Schlange der Damen-Toiletten im veg­a­nen Restau­rant länger als Sie wollen auf dem Sitz hält. Wenn Sie sich dann mal bitte mit der der fol­gen­den Frage beschäfti­gen: Essen Sie noch Tofu? Ich hab da was gehört, das ist schlim­mer als Palmöl!

Ich danke für eine zeit­na­he Beant­wor­tung. Mit verölt-agressiven Gruß.
Ihr Gere­on Klug

Das süße Leben: So gelingt die perfekte Waffel

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Eine gute Waffel ist Gefühlssache und das bei mir gleich in mehrfacher Hinsicht. Der Geruch zieht mich magisch an – wo immer es frische Waffeln zu kaufen gibt, stelle ich mich an. Egal, wie lange die Schlange ist. Denn eine gute Waffel – knusprig an den Enden, weich in der Mitte, süß und heiß – entschädigt für jede leidige Warterei. Gleichzeitig weckt der Geruch auch Kindheiterinnerungen: Ich denke an die Nachmittage in Omas Küche, an denen wir gemeinsam den Teig anrührten, das Waffeleisen einfetteten und die fertig-dampfenden Waffeln noch mit heißen Kirschen und Sahne dekorierten. Auch bei meinen Kindern ziehen…

Gereon Klug ist und war viel: Plattenhändler, Herausgeber, Tourmanager, Songschreiber, Autor und andere selbstausbeuterische Berufe. Er nimmts mit Humor - oder genau. Sein Name ist kein Künstlername, auch wenn das...

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