Sharing Economy: Die neue Art zu teilen

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Wenig Besitz kann glück­lich machen? Ja, richtig gele­sen. Während die Wer­bung uns immer noch ständig verkauft, dass wir dies oder das unbe­d­ingt besitzen müssen, um zufrieden zu sein, entwick­elt sich das Bewusst­sein viel­er Men­schen zunehmend in eine andere Rich­tung. Zumin­d­est wenn ich meinem näheren Umfeld Glauben schenken darf: Autos, Marken­bek­lei­dung, teure Elek­tron­ikgeräte. Heutzu­tage muss man kaum mehr etwas besitzen und kann schein­bar doch alles haben.

Das Zauberwort: Sharing!

Vor Kurzem waren Bekan­nte in mein­er neuen Woh­nung zu Besuch und musterten mein Schlafz­im­mer, als hätte ich etwas ver­brochen. „Geschmack hast du ja eigentlich schon“, ließen sie mich wis­sen, um mich ver­mut­lich nicht kränken zu wollen. „Aber ein biss­chen unper­sön­lich ist dein Zim­mer ja schon. Aber du bist ja erst einge­zo­gen, stimmts?“ 

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© David Mao

In ein­er Sache hat­ten meine Bekan­nten völ­lig recht. Ja, ich bin erst vor kurzem einge­zo­gen, aber kom­plett ein­gerichtet bin ich schon lange: ein Bett, ein Schreibtisch, zwei Regale, ein paar Zim­merpflanzen, wenige Büch­er und eine Klei­der­stange, die an der Decke befes­tigt ist. Und ein ger­ahmter Foto­druck, von dem ich mich nicht tren­nen kann. Mein Lebensstil hat nichts mit Askese oder über­trieben­er Kon­sumkri­tik zu tun. Ganz im Gegen­teil: ich liebe teure Arm­ban­duhren, Design­er­mö­bel von Charles und Ray Eames, alte Porsche 911er, teure Design­erk­lam­ot­ten und sünd­haft teure, sowie lim­i­tierte Turn­schuhe. Doch im Ernst: besitzen muss ich das alles nicht. Denn mein­er Mei­n­ung nach kann Besitz emo­tion­al ganz schön überfordern.

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© Matthew Wiebe

Teilen und leihen statt kaufen

Wenn ich ein Auto brauche, lei­he ich es mir für wenige Stunden. Um von A nach B zu kom­men, fahre ich regelmäßig mit der Mit­fahrgele­gen­heit oder teile mir ein Län­dertick­et mit anderen Reisenden. Anstatt ein teures Hotelz­im­mer zu buchen, wohne ich gerne für ein paar Tage in ein­er frem­den Woh­nung, die ich mir bei Airbnb aus­ge­sucht habe. Sog­ar Design­erk­lam­ot­ten kann man sich mit­tler­weile gegen eine Gebühren­pauschale prob­lem­los für ein paar Wochen lei­hen. Und einen Porsche kann man sich prob­lem­los über ein Woch­enende mieten, wenn man will.

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© Buzac Marius

Von allen Seit­en ist momen­tan die Rede von der „Sharing- Econ­o­my“: teilen statt besitzen.

„Der Begriff der Shar­ing Econ­o­my meint das sys­tem­a­tis­che Auslei­hen von Gegen­stän­den und gegen­seit­ige Bere­it­stellen von Räu­men und Flächen, ins­beson­dere durch Pri­vat­per­so­n­en und Inter­es­sen­grup­pen. Im Mit­telpunkt ste­ht die Col­lab­o­ra­tive Con­sump­tion, der Gemein­schaft­skon­sum.“ ¹

Vor­ab: Natür­lich weiß ich, dass Unternehmen wie zum Beispiel UBER, Klei­derkreisel, Car2go und Airbnb keine Wohltätigkeitsvere­ine sind, die den Kap­i­tal­is­mus abschaf­fen wollen. Doch sie passen (zumin­d­est aktuell) wun­der­bar zu meinem min­i­mal­is­tis­chem Lebensstil. Es geht auch nicht darum, dass ich geizig bin oder zu wenig Geld ver­di­ene. Ich investiere nur lieber in Dinge, die mich im besten Fall mein Leben lang begleit­en wer­den oder mein Leben für den Moment bess­er machen: schöne Erin­nerun­gen und Momente, aufre­gende Fes­ti­valbe­suche mit Fre­un­den, tolle Reisen, gutes Essen. Und wir wis­sen doch sowieso: die schön­sten Dinge im Leben sind sowieso unbezahlbar.

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Grund­sät­zlich betra­chtet ist das Phänomen auch nicht neu. Men­schen haben schon immer Dinge miteinan­der geteilt. Wer in Dör­fern, Vororten oder Kle­in­städten lebt, fragt eben beim Nach­barn nach, wenn er eine Bohrmas­chine oder einen Püri­er­stab braucht. Nun macht man das eben in großer Form in der Regel über Apps oder das Inter­net und nen­nt das Ganze „Shar­ing Economy“.

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© William Iven

Man darf nur nicht vergessen, dass die „Shar­ing Econ­o­my“ auch dun­kle Seit­en hat. Während alles mit viel Ide­al­is­mus begonnen hat, muss man heute auf­passen, dass diese neue Art zu leben nicht zu ein­er riesi­gen Kom­merzver­anstal­tung wird. Und die Idee des Teilens neben wirtschaftlichen Zie­len nicht in den Hin­ter­grund gerät.

Titel­bild © Foto­lia – ellisia

Quelle:

Ben­del, Oliv­er. Shar­ing Econ­o­my. Beitrag für das Gabler Wirtschaft­slexikon. Gabler/Springer, Wies­baden 2013. Über http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/sharing-economy.html

Ärmel hochkrempeln und los: Wwoofing in Neuseeland

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Wir sind im Auenland. Neuseeland. Auf der Nordinsel. Hier werden wir in dunkler Erde wühlen und biologisches Gemüse ernten, wir werden Schafen begegnen und mit Pferden tanzen. Und wir werden wwoofen. Wwoofen, was bitte? Ein merkwürdiges Wort. Es ist ganz einfach und es ist eine Möglichkeit, weltweit nachhaltig Urlaub zu machen, kostenlos. Es kostet nur ein bisschen Arbeit und Zeit. Was dahinter steckt, verrate ich gleich. Aber erst einmal erzähle ich etwas über Neuseeland. Neuseeland ist nicht nur das Land der grünen Hügel, der Hobbits, Orks und Legenden. Es ist ein Land, das Wert auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz legt. Neuseeland…

Hallo, mein Name ist Michael, ich komme aus dem wunderschönen Bayern und arbeite als freier Journalist, Blogger und DJ. Am liebsten schreibe ich über Reisen, Kultur, Lifestyle, Musik und Mode,...

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