Schottland: Mit Muskelkraft um die Isle of Skye

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Hoch im Nordwesten der britischen Inseln liegt die zerklüftete Isle of Skye: „Eilean a‘ Cheó“ – Insel des Nebels. Der Nebel hält sich aber nie lange auf diesem 80 Kilometer langen Stück Natur, denn es ragt direkt in den windigen Atlantik hinein. Aber mit tief eingeschnittenen Buchten und geschützten Küstenstreifen ist dieses Fleckchen Erde ideal fürs Seekajaken. Zwei Wochen unterwegs mit purer Muskelkraft, mit Robben und Kormoranen, Schweinswalen und sehr viel Wildnis gar nicht weit weg von der Zivilisation. Und nach der Reise die vielen Bilder und Eindrücke langsam verblassen lassen? Nein – diese Tour wurde anschließend zu meinem ersten Fotobuch.

Hinkommen gehört zum Abenteuer

Schottland_Faehrfahrt

Stürmisch sollte es werden, und regnerisch. Und auch im Sommer kalt. Aber von wegen: Schottland straft alle Klischees Lügen und bietet uns strahlenden Sonnenschein! Meistens jedenfalls. Ein Erlebnis ist schon die Anreise: per Bahn nach Amsterdam, mit der Nase in der Brise auf der Übernacht-Fähre nach Newcastle und dann morgens mit Porridge im Bauch quer durch die schottischen Highlands. Man könnte Kajaks auch auf der Insel leihen, wir haben unsere als Tourpaket gleich dabei. Und gondeln mit Anhänger und Guide direkt ins Örtchen Dornie kurz vor der Isle of Skye.

Highlander-Country

Schottland_Eilean_Donan_Castle

Hier steht Eilean Donan Castle, die Highlander-Burg. Trutzige Mauern ragen aus einem See malerisch in die Höhe – eines von Schottlands meistfotografierten Motiven und obendrein Kultfilm-Drehort, weiß Guide Andreas. Während sich drinnen Touristen drängen, kreisen wir die Trutzburg auf dem Wasser ein: Unsere leuchtend gelben Boote setzen den Kontrapunkt zum Grün und Braun der Landschaft. Konkurrieren mit gelbem, üppig blühendem Ginster. Zwischen langen Bergketten treffen hier Loch Duich, Loch Long und Loch Alsh zusammen – heißen eigentlich alle schottischen Gewässer „Loch“?

Schottland_Aussicht_Eilean_Donan_Castle

Paddel geradeaus

Und dann geht’s los, Richtung Westen: Die „Skye Bridge“ ragt hoch in die Wolken, verbindet die zerklüftete Isle of Skye mit dem Rest von Schottland. Weit oben fahren Auto-Winzlinge, unten paddeln wir, ganz nah an der Natur. Mittendrin. Gleich um die Ecke tummeln sich die Otter der Region. Ein paar Robben sonnen sich auf Felsen. Und plötzlich tauchen glänzend schwarze Rundköpfe überall in den Wellen auf, ganz nah an unseren Kajaks: Sie wollen auch spielen, die Robben, und begleiten uns eine Weile.

Ständig wechselt hier das Licht, weil dramatische Wolken über den Himmel ziehen – über weißgekalkte Häuschen in den Hügeln, weidende Schafe und Pferde, zwischen Ginster, blauen Glockenblumen und blühenden Rhododendren. Wir campen in der Wildnis, bauen unsere Zelte im Gras über dem Strand auf, wo heller Sand und klare Wasser in der Nachmittagssonne einen Hauch von Südsee zaubern. Es gibt Abendessen vom Campingkocher und ein Lagerfeuerchen – in Schottland gilt das Jedermannsrecht. Damit das Abendessen auch schmeckt, haben unsere Kollegen von „Von Leben und Limonen“ ein paar raffinierte und vor allem frische Rezepte für den Campingkocher für euch zusammen gestellt.

Schottland_Camp

Streng nach Reinheitsgebot

Und so weit ist die Zivilisation gar nicht entfernt: Auf dem richtigen Schleichweg – und unser Guide Andreas kennt viele – führt ein Fußmarsch direkt zum urigen Pub ins nächste Dorf. Wo die Locals den Abend beenden und versuchen, uns Gälisch beizubringen. Heimisches Bier lockert die Zungen. Die diversen Whisky-Sorten sowieso, schließlich sind wir in Schottland.

Schottland_Pub

Und da muss man natürlich auch eine Destille besucht haben. Tallisker gehört zu den ältesten Whisky-Marken. Zwischen Kupferkesseln und Fasslagern hören wir Tage später alles, was das schottische „Lebenswasser“ bedeutend macht. Vor allem Gerste, Torfrauch und das hiesige Wasser. Wenn es mal länger nicht regnet, muss das Brennen pausieren, erzählt der Fachmann. Und wie bestellt bringt uns der nächste Tag auch mal graues Nieselwetter.

Schottland_Tallisker

Macht nix – im Boot spritzt es sowieso dauernd und man wird nass. Wir paddeln mal wieder über einen breiten Meeresarm, ganz nah an Vogelfelsen vorbei, wo Möwen und Kormorane nisten. Neben Flut-Höhlen, groß genug für Kajaks. Und dann mitten hinein in den Hafen des Bilderbuch-Örtchens Portree. Nächtigen diesmal im gemütlichen Familienhotel, Möwen klauen uns die Fish & Chips aus der Tüte.

Schottland_Oertchen

Nachklapp: Auf Papier gebannt

Als der Alltag wieder Einzug gehalten hat, meine Bilder von der Isle of Skye schlummern auf der Festplatte, flattert die Einladung zu einem Fotobuch-Workshop in den Hamburger Deichtorhallen ins Haus. Warum eigentlich nicht? Also wieder mal in die Bahn gesetzt und ich lerne, Bücher am Bildschirm zu basteln. Quer- oder Hochformat, XXL oder kompakt? Gebunden oder geheftet? Neuerdings gibt es Fotobücher statt mit Kunststoffbeschichtung sogar auf echtem Fotopapier belichtet.

Und dann ran ans Bilder-Jonglieren. Welche kommen mit, welches aufs Cover, welches wirkt besser in Schwarz-Weiß? Dazu passende Schriftarten – wohin gehört Hintergrundinfo und wo spricht das Motiv allein? Die Tourkarte basteln und einbinden. Und gefühlte zehntausend Entscheidungen später bin ich fertig – und stolz, dass ich meine Schottlandtour endlich auch zum Blättern und Schmökern herumreichen kann.

Lassen sich Luxus und Nachhaltigkeit vereinen? | re:BLOG

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In den 80ern und 90ern waren es die Vegetarier – sie standen für Reformhäuser und ökologisches Gleichgewicht. Heute sind es die Veganer – sie stehen für Verzicht und Nachhaltigkeit. Aber, was ist eigentlich Nachhaltigkeit im Ernährungs-Kontext? Ist es regionales Einkaufen, sind Bio-Nahrungsmittel nachhaltig? Wie weit geht die Ressourcen-Nutzung, wie weit das sich Zurücknehmen? Wir hatten die Chance mit Johannes King über genau diese Themen sprechen zu können. Der 51-jährige Zweisternekoch fungiert als Gastgeber des Fünfsternehotels Söl’ring Hof auf Sylt. Besonders spannend: Im Restaurant des Fünfsternehotels in Dünenlage gibt es nicht nur edles und leckeres Essen, King bereitet seine Köstlichkeiten…

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet das Redaktionsteam Reisefeder unter anderem für Magazine wie Brigitte, Onlineportale wie Spiegel Online oder Reisebücher wie Merian. Dörte hat Physik in Frankfurt und Journalistik...

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