Rezension „Cabin Porn“: Allein auf weiter Flur

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Hinter der großen Eiche links, dann durch das struppige Gras und rechts hoch zur Lichtung. Dort steht es, das Haus. So oder so ähnlich könnte die Wegbeschreibung für Zach Kleins „Hütte fernab der Zivilisation“. Vimeo-Mitbegründer Zach Klein hatte die Nase voll. Er betreute etliche Projekte online, aber wie es sich anfühlt, offline im Leben zu stehen, das hatte er vergessen. Es musste ein Ort her, an dem man einfach nur da sein konnte und alles möglich ist. Ein Ort, an dem man sozusagen auf „Reset“ klicken konnte und Unsicherheiten des Alltags aufgrund der verwirrenden Zahl an Möglichkeiten einfach verschwinden. Und dieser Ort war für Zach Klein nicht in den weiten Sphären des Netzes.

Gemeinsam mit Freunden suchte er sich einen abgelegenen Ort. Nordöstlich des Hudson Rivers in New York wurde Zach fündig und baute dort Beaver Brook. Eine Hütte, mitten im Wald, wo es keine Telefonleitung und Internetverbindung gibt.

So ganz ohne Netz ging es dann aber doch nicht. Zur gleichen Zeit ging das Blog Cabin Porn online, und Menschen aus der ganzen Welt konnten ihre selbstgebauten Offline-Refugien einreichen: solche auf Baumriesen, versteckte Blockhütten inmitten eines dichten Nadelwaldes oder Steinhäuschen, die drohend nah über dem Abgrund wankten. Allesamt Rückzugsorte, an denen die Stille herrschte.

Das Blog Cabin Porn wurde zur Inspirationsquelle für viele Teilzeit-Einsiedler. In den vergangenen sechs Jahren wurde Material zu über 12.000 Häusern eingereicht. Inzwischen ist der Bildsammelband Cabin Porn entstanden, der auf 300 Seiten Entspannung verordnet.

Es ist eine Zusammenstellung ruhiger und besinnlicher Plätze, die Lust darauf machen, einfach mal den Stecker aus dem Alltag zu ziehen. Oder ein Ort, an den man gerne Freunde einlädt, um ein Wochenende fernab von Smartphone, E-Mail und beruflichem Stress zu verbringen.

Diese Inspirationsquelle musste ich mir natürlich besorgen. Das Buch erinnert mich an die Ferien mit meinen Großeltern auf der Alm. Dort gab es nicht einmal fließendes Wasser, die Kühe glotzten mich mit ihren großen Augen an. Mittlerweile steige ich jeden Morgen in die U-Bahn und quetsche mich in volle Abteile. Diese Menschenmengen – der Alltags-Soldat aus der Großstadt lässt grüßen! Zwar habe ich nicht so viel Zeit, um mir ein Haus im Wald zu bauen, aber zumindest genügend, um mich mit dem „Cabin Porn“-Band auf der Couch zurückzulehnen und mal wieder durchzuatmen. Ruhe kann nicht schaden, um einen Bauplan fürs Eigenheim fernab der Zivilisation zu schmieden. Das Gedankenschloss steht zumindest schon.

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