Heimvorteil: Regionale Alternativen zu Superfoods

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Seit ein­er Weile püri­eren wir fröh­lich Goji-Beeren und Kale (sprich Grünkohl) oder löf­feln zum Früh­stück Chia-Samen-Pudding als gäbe es kein Mor­gen mehr. Die Stars und Sternchen machen es vor und posten Superfood-Smoothies auf Insta­gram und über Nacht erscheint mal wieder eine neue Kochbuch­serie, die unser bish­eriges Reper­toire an gesun­den Rezepten kom­plett über­wirft und die gesunde Ernährung neu erfind­et.

Tat­säch­lich gibt es einen Hak­en am Superfood-Trend. Nehmen wir die Acai-Beere als Beispiel: Das kleine Wun­der­früchtchen stammt aus Südameri­ka. Bis die Beere in unseren Super­mark­tre­galen lan­det, hat sie tausende Kilo­me­ter zurück­gelegt und einen höheren ökol­o­gis­chen Fußab­druck als eine Tax­i­fahrt durch Ham­burg.

Dabei gibt es genü­gend heimis­che Alter­na­tiv­en, die es mit den exo­tis­chen Vitamin- und Min­er­al­stoff­bomben lock­er aufnehmen kön­nen.

Ein Blick auf den Wochen­markt reicht, um die Super­foods in lokale Pro­duk­te zu über­set­zen, die zudem auch für den kleinen Geld­beu­tel erschwinglich sind. Einziger Nachteil hiesiger Früchte: Der exo­tis­che Flair bleibt lei­der aus.

Heimische Superfoods

Süß und saftig: von Strauchdieben und Rebengold

reife Trauben

Die dunkel­blaue Acai-Beere wächst an ein­er Palme im brasil­ian­is­chen Ama­zonas und wird meis­tens direkt nach der Ernte roh oder als Saft verzehrt. In den USA ist die kleine Ama­zone derzeit ein echter Verkauf­ss­chlager, da sie ange­blich die Pfunde über Nacht purzeln lässt – nach­haltige Belege dieses Effek­ts gibt es aber nicht.

Die Acai-Beere enthält den Pflanzen­farb­stoff Antho­cyan, der für die antiox­ida­tive Wirkung im Kör­p­er ver­ant­wortlich ist und freie Radikale bindet. Dieser Pflanzen­farb­stoff ist allerd­ings eben­falls in unseren heimis­chen roten Beeren enthal­ten. Rote Trauben, Hei­del­beeren oder die schwarze Johan­nis­beere sind zudem reich an Pro­tein und Cal­ci­um und haben somit einen echt­en Heimvorteil.

Goji versus Johannis: das Beerenduell

Auch Bocks­dorn­frucht oder Wolfs­beere genan­nt, ist die Goji-Beere ein fes­ter Bestandteil der tra­di­tionellen Chi­ne­sis­chen Medi­zin. Reich an Antiox­i­dantien gilt sie als regel­rechter Jung­brun­nen und wird außer­dem bei Bluthochdruck verabre­icht.

Lei­der ist die gesund­heits­fördernde Wirkung der Beere nicht bewiesen. Zudem ist sie ger­ade in großen Men­gen mit Vor­sicht zu genießen, nicht nur weil Unter­suchun­gen einen beson­ders hohen Pes­tizid­w­ert ergeben haben, son­dern auch weil eine zu hohe Ein­nahme an Antiox­i­dantien zu Wech­sel­wirkun­gen mit Medika­menten führen kann.

Tat­säch­lich befind­et sich ein äquiv­a­lentes Wun­der­beerchen in unseren Gärten: Es gibt nichts, was die schwarze Johan­nis­beere nicht genau­so gut wie die Goji-Beere kann. Zudem hat die schwarze Johan­nis­beere nur ein Sieb­tel des Kalo­rienge­halts der Goji. Bere­its 100 Gramm der exo­tis­chen Beere haben mehr als 300 Kalo­rien, hinge­gen hat die schwarze Johan­nis­beere bei gle­ich­er Menge nur 40 Kalo­rien.

Kernkraft: kleine Powerbringer Chia-Samen

Sesamsamen

Die ursprünglich aus Mexiko stam­mende Sal­beipflanze gilt als beson­ders gesund und enthält zehn­mal so viel Omega-3-Fettsäuren wie Lachs. Außer­dem sagt man den Samen eine schlankmachende Wirkung nach. Mit Wass­er über­gossen, quellen diese auf und bilden eine gelige Kon­sis­tenz. Die kleinen Sattmach­er sind vor allem als Pud­ding beliebt. Veg­an­er nutzen den Effekt des Aufquel­lens als Eier­ersatz zum Back­en.

Die gesund­heits­fördernde Wirkung der Chia-Samen ist nicht strit­tig, allerd­ings haben sie kaum mehr zu bieten als Lein- oder Sesam­samen, die zudem nur die Hälfte kosten. Lein­samen haben eben­falls eine ver­dau­ungs­fördernde Wirkung und enthal­ten viel Eiweiß und Cal­ci­um. Und auch Lein­samenöl ist wegen des hohen Anteils an Omega-3-Fettsäuren ein echter Geheimtipp gegen graue Zellen.

Trinktreat: Pusteblümchen und Juckpulver

Meis­tens wird das grüne Matcha-Pulver für Smooth­ies oder zum Back­en ver­wen­det. Es beste­ht aus sehr fein gemahlen­em Grün­tee. Der Unter­schied zum nor­malen Grün­tee beste­ht darin, dass Matcha aus dem ganzen Blatt gewon­nen wird. Dem grü­nen Gebräu sagt man nach, Bluthochdruck und Cho­les­ter­in­werte zu senken und den Stof­fwech­sel anzure­gen. Den Stof­fwech­sel anre­gen, das kön­nen genau­so gut Löwenzahn- und Hagebutten-Tee und gegen Bluthochdruck hil­ft Hage­dorn, der zu den Rosen­gewäch­sen gehört und in ganz Nordeu­ropa wächst

Hagebutte

Grund­sät­zlich ist es schön, dass neue Lebens­mit­tel unsere Auswahl an gesun­dem Super­food erweit­ern. Das Grund­prob­lem exo­tis­ch­er Gesund­mach­er beste­ht allerd­ings darin, dass sie sel­ten frisch erhältlich und kost­spielig in der Anschaf­fung sind. In unseren Super­mark­tre­galen lan­den Goji, Acaid Co. meis­tens getrock­net, als Pul­ver oder brei­ige Masse.

Wie viel Super­wirkung dann tat­säch­lich noch in den Lebens­mit­teln steckt, ist für den Ver­brauch­er nicht zu erken­nen. Zum einen haben die Super­früchtchen auf­grund der lan­gen Trans­portwege ein hohe CO2-Bilanz, zum anderen birgt der Superfood-Hype eine Gefährdung des Bestands der Pflanzen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Hoodia-Kaktus, der in den USA als Appetitzü­gler galt und wegen der hohen Nach­frage fast aus­gerot­tet wurde.

Um uns gesund zu ernähren, muss unser Essen gar keinen so weit­en Weg zurück­le­gen. Ein Blick in den eige­nen Vor­garten oder Gang auf den Wochen­markt reicht meis­tens schon aus. Also, 1:0 für unsere Lokalmata­doren Hei­del­beere, Lein­samen und Co.

Das Gramm in Graz: Einkaufen ohne Verpackungsmüll

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Als ich am Freitag Abend gegen 23 Uhr an dem Laden vorbeilaufe, der am nächsten Tag als Das Gramm eröffnet werden soll, wird noch bis drei Uhr fleißig am Feinschliff des ersten Grazer verpackungsfreien Supermarkts gearbeitet. Zu diesem Zeitpunkt haben Sarah und Verena mit der Facebook-Seite zu ihrem Vorhaben bereits an die 9.000 Likes, ihre Crowdfundingkampagne brachte in weniger als einem Monat über 60.000 Euro ein. Solche Zahlen beeindrucken in einer 260.000-Einwohner-Stadt! Es scheint, als gefiele den Grazern die Idee, in einem einzigen Laden alle alltäglichen Lebensmittel einkaufen zu können – völlig ohne sinnlose Verpackungen. Die Räumlichkeiten wurden kleiner als…

Hej, ich bin Jasmin, frische Hamburgerin und Foodie aus Leidenschaft. Ich liebe es neue vegane und nachhaltige Cafés und Restaurants in Hamburg zu entdecken. Für re:BLOG begebe ich mich außerdem...

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