Interview: Was den indischen Masala Chai so besonders macht

| von 

Die kühlere Jahreszeit hat uns längst eingeholt, die Nächte werden länger und länger und die Temperaturen sind an manchen Tagen schon wirklich ungemütlich. Viele von uns quälen sich mittlerweile morgens in der Dunkelheit aus dem Bett und stehen wie ich vor der Entscheidung: Erst den wärmenden Tee oder den Kaffee, der einen wach werden lässt?

Beides – Tee und Kaffee – sind, so überlebensnotwendig sie scheinen, vom Aspekt der Nachhaltigkeit her keine einfachen Themen für mich. Am Maybachufer in Berlin habe ich Anfang des Jahres eine wirklich leckere Alternative entdeckt: Masala Chai. Chai-Tee kennt ihr vielleicht schon aus dem ein oder anderen Café, unter traditionell indischem Chai kann man sich aber tatsächlich eine ganz anderes Getränk auf der Basis von Schwarztee vorstellen, das man sogar zuhause hinbekommen kann. Jakob stellt seine Gewürzmischungen für seine Tees, die er unter CHAIKOB‘S nicht nur auf Märkten, sondern auch als Mischung für Zuhause kocht und dabei nicht nur auf geschmackliche sondern auch nachhaltige Kriterien achtet. Er kennt seine Quellen vor Ort und legt großen Wert auf Bio-Qualität. Weil er selbst all das allerdings viel besser und anschaulicher erklären kann, hab ich ihn einfach mal gefragt:

CHAIKOB's Teeladen

Jakob, du bezeichnest dich als Chaiwallah. Was kann man sich darunter vorstellen?

Jakob: Als Chaiwallah wird in Indien ein Teeverkäufer bezeichnet. Er ist an jeder Straßenecke zu finden und versorgt die Menschen in zeremonieller Art und Weise mit dem indischen Nationalgetränk: Frisch gekochtem Masala Chai. In Indien ist Chai irgendwie mehr als nur Tee. Der Chaiwallah ist ein Treffpunkt, ein Platz zum Runterkommen, zum Unterhalten, zum Lachen – zum Genießen.

Ein Chaiwallah in Indien

Auf meinen Indienreisen hat mich das immer sehr angezogen. Ich finde das einfach cool und sinnvoll, Menschen biologisch authentischen Tee zu kochen, ihnen etwas Gutes zu tun. Traditionell indischer Chai ist in Deutschland sehr rar, deswegen dachte ich mir: „Ich werde Chaiwallah!“

Nach diesem Beschluss reiste ich quer durch Indien, kaufte mir einen indischen Verkaufswagen, die nötigen Kochutensilien und originale Teegläser. „What are you doing?“, fragten mich die Inder lachend. „I will be Chaiwallah in Germany!“

Zurück in Deutschland baute und bemalte ich mein Verkaufswägelchen, mit dem ich nun auf verschiedenen Märkten und Festivals indischen Masala Chai koche. Ich habe drei verschiedene Gewürztees kreiert, dich ich auch in abgepackter Form anbiete.

Chaisorten von CHAIKOB's

Welchen Tee verwendet man am besten für einen möglichst originalen Masala Chai und welche Gewürze sollten auf keinen Fall fehlen?

Als Schwarztee wird meist ein Assam CTC verwendet. Assam liegt im Nordosten Indiens und der Tee zeichnet sich durch eine kräftige und malzige Note aus. CTC (Crushing – Tearing – Curling) ist eine besondere Produktionsmethode, bei der die getrockneten Teeblätter zerkleinert werden, damit die Zellen des Tees schneller und gründlicher aufgerissen werden. Dadurch entsteht eine intensivere Note, die dafür sorgt, dass der Schwarztee in Kombination mit der Milch und den Gewürzen nicht verloren geht.

Für das Masala hat jeder Chaiwallah ein eigenes Geheimrezept. Die Basis bilden für mich Zimt, Kardamom und Ingwer. Gewürze wie z.B. Pfeffer, Nelken, Muskat, Sternanis, Vanille oder auch Chili können die Gewürzmischungen dann abrunden.

Auf Indiens Straßen wird allerdings auch oft ein sehr leckerer Chai getrunken, der nur mit schwarzem Tee und Ingwer gekocht wird. Nicht jeder kann es sich leisten, teure Gewürze wie Kardamom zu verwenden.

Ein Chaiwallah in Delhi hat mir anfangs Chai mit frischem Ingwer gekocht. Nach dem zweiten Besuch hat er eine Kardamomkapsel mitgekocht und mir grinsend mitgeteilt: „Only for good friends I use cardamom!“

Chai-Stand in Indien

Chai Latte und Co. gibt es ja schon seit einiger Zeit in vielen Cafés und im Supermarkt, was macht denn den Unterschied zu einem traditionell indischen Masala Chai?

Wenn ich mit meinem Teewägelchen unterwegs bin und es im Chaitopf köchelt, schäumt und raucht, fragen viele Leute, was ich da mache, sie wollen doch eigentlich nur einen Chai Latte. Das Schäumen, rauchen und köcheln ist genau der Unterschied zwischen einem traditionell indischen Masala Chai und einem Chai Latte in einem Café bei uns. Durch das Aufkochen des Tees und der Gewürze mit Wasser und Milch, brodelt sich ein Zaubertrank zusammen, der die ganze Intensität des Tees und der Gewürze aufnimmt und eine besondere Konsistenz entwickelt. Das Masala meiner Tees wird direkt vor der Produktion sehr fein gemahlen. Ich finde, der Chai wird dadurch intensiver und es werden sogar kleinere Mengen an Gewürzen benötigt.

Wir kennen Chai Latte meistens als Instantpulver, das mit Wasser oder Milch aufgebrüht wird. Oder als herkömmlichen Teebeutel, serviert mit Milchschaum. Ich finde, das schmeckt einfach anders…

Auf deiner Homepage liest man, dass es für dich wichtig ist, den den Produzenten etwas zurückzugeben. Was heißt das für dich konkret?

Konkret heißt das für mich soziale Nachhaltigkeit. Chaiwallahs haben mir gezeigt, wie indischer Tee gekocht wird, Pflückerinnen und Pflücker in Assam ernten und trocknen den Tee, die Gewürzbauern in Kerala ziehen Zimtbäume auf und arbeiten im Ingwerfeld. Diesen einfachen Menschen, die es möglich machen, dass wir Masala Chai trinken dürfen, sollte man etwas zurückgeben, als Anerkennung und Wertschätzung.

Den Grundstein dafür lege ich, indem die Zutaten ausschließlich in hochwertig biologischer Qualität eingekauft werden. Der Tee stammt aus Teegärten, die sich für Schulprojekte in der Region Assam einsetzen, und die Gewürze sind von kleinen Bauern in Kerala, denen es durch einen höheren Verkaufspreis möglich ist, in ihren privaten Gewürzgärten biologisch anzubauen.

Bei sozialen Projekten lege ich Wert darauf, dass Geld sinnvoll eingesetzt wird, indem das Geld der Selbsthilfe der Menschen dient. Schulprojekte vor Ort, höhere Löhne, pestizidfreier Tee- und Gewürzanbau, das sind alles Dinge, für die ich mich einsetzen will. CHAIKOB´S ist noch ein sehr kleines Unternehmen, aber ich arbeite daran und habe viele Ideen in diese Richtung.

Schulprojekt in Assam
Teeernte in Assam

Wie kocht man einen echten indischen Masala Chai?

Du brauchst folgende Zutaten für eine Tasse:

  • 1TL Schwarztee, am besten einen Assam CTC
  • 1 Messerspitze Masala, also die Gewürzmischung
  • 150 ml Wasser
  • 150 ml Milch
  • 1 – 2 TL Zucker
  • 3 Scheiben frischen Ingwer

Tipp für das Masala: Zimt, Kardamom, Ingwer, Pfeffer, Nelken. Zum Zerkleinern nimmst du einen Mörser oder noch besser wäre eine elektrische Gewürzmühle, um das Masala richtig fein zu bekommen.

Zubereitung für eine Tasse:

  • Wasser, Tee und Masala in einem Topf zum Kochen bringen
  • Milch, Zucker und frischen Ingwer hinzugeben
  • Chai ca. 3 – 5 Minuten köcheln lassen
  • Durch ein feines Sieb gießen – fertig!

Bei der Zubereitung ist am Wichtigsten, immer am Ball zu bleiben, wobei ein Chaiwallah mal meinte, indischer Chai muss überkochen, damit er schmeckt.

Frischer Chai-Tee
Chaitee von CHAIKOB's

Danke Jakob, für deine Antworten!

 Wollt ihr euren Chai nicht selbst mischen, gibt es online auf Jakobs Homepage und auf Amazon die Möglichkeit, seine drei verschiedenen Sorten zu kaufen. Auf Facebook könnt ihr euch auch informieren, auf welchen Märkten und Festivals er gerade als Chaiwallah unterwegs ist!

Gehört ihr zu den Tee– oder den Kaffeeliebhabern? Was sind denn eure Tipps, um die kalte Jahreszeit zu genießen?

Beikost und Babybrei – lecker und ökologisch korrekt

| von 
Beikost! Dieses Wort markiert den Start einer langen Futterkarriere. Ab dem Zeitpunkt, an dem das Baby Extrafutter bekommt, ist wieder ein neuer Schritt im Babyleben erreicht. Wobei: Beikost? Breikost muss es doch eigentlich heißen! Dachte ich zumindest, als ich das erste Mal mit dem Thema „Essen fürs Baby“ konfrontiert wurde. Aber der offizielle und in aller Munde verwendete Begriff ist tatsächlich: Beikost. Das hat auch seinen guten Grund, denn Babys werden ja nicht von Null auf Hundert von Milch auf Brei umgestellt, sondern bekommen nach und nach kleine Häppchen in Breiform angeboten. Milch gibt’s weiterhin. Aber ab dem 4.-6. Monat…

Es ist viel nachhaltiger, in das zu investieren, das wir lieben, als diese Leidenschaft durch falsche Ideale und Konsum zu ersetzen. Hi, ich bin Vera und blogge seit 2012 auf...

Zum Autor