Wer nachhaltig reisen will, darf nicht fliegen

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Es ist ein echt­es Dilem­ma: Ein­er­seits wollen wir die Welt ent­deck­en und ferne Län­der bereisen, ander­er­seits wollen wir die Erde und das Kli­ma schützen. Doch passen Fliegen und Umweltschutz über­haupt zusam­men? Gibt es Alter­na­tiv­en oder wenig­stens einen Kompromiss?

Flugzeug Abgase

Wir verzicht­en auf Plas­tik­tüten, kaufen Bio­gemüse, benutzen Bam­buszahn­bürsten und beziehen Ökostrom. Fliegen dann aber um die halbe Welt, um in Chile wan­dern zu gehen oder jet­ten ein Woch­enende nach Lon­don, weil der Bil­ligflieger mal wieder gün­stiger war als das Zugtick­et. Schlecht­es Gewis­sen? Manch­mal schon. Aber, wenn es ums Reisen geht, drück­en wir gerne mal ein Auge zu. Jed­er fliegt und fliegt immer mehr – (Fern-)Reisen gehören zu unserem Selb­stver­ständ­nis. Gle­ichzeit­ig wis­sen wir eigentlich ganz genau, dass das Fliegen eine ökol­o­gis­che Sünde ist. Sat­te 75 Prozents des gesamten Treib­haus­ef­fek­ts im Touris­mus sind allein auf den Flugverkehr zurück­zuführen. Aber: Wer ein paar Dinge beachtet, kann seine Reise zumin­d­est nach­haltiger gestalten.

Wie klimaschädlich ist Fliegen?

Umwelt Fliegen Oeko Abgase

Fliegen ist nicht nach­haltig. Punkt. Egal, was man fliegt. Und klein­er Spoil­er: Es wird auf abse­hbare Zeit auch nicht nach­haltig wer­den. Dabei sind nicht nur die vie­len Ton­nen CO2, die pro Flug aus­gestoßen wer­den, das Prob­lem. Viele andere Schad­stoffe, die bei der Ver­bren­nung von Kerosin entste­hen, ver­stärken den Treib­haus­ef­fekt noch ein­mal zusät­zlich. Die Rede ist dabei von Stick­ox­i­den, Fein­par­tikeln, Schwe­fel­diox­id, Kohlen­monox­id oder Wasser­dampf. Flugzeuge erre­ichen in der Regel eine luftige Höhe von über zehn Kilo­me­tern. Hier herrschen Tem­per­a­turen, die zum Teil käl­ter sind als minus 40 Grad, was wiederum dazu führt, dass sich aus den Abgasen kün­stliche Wolken bilden. Und diese soge­nan­nten Kon­densstreifen ste­hen im Ver­dacht, genau­so so zu wirken wie CO2. Man geht also davon aus, dass sie die Erde aufheizen, im Gegen­satz zu natür­lichen Wolken, die unseren Plan­eten abkühlen.

Nachhaltig Fliegen Passagiere

Doch der Ausstoß von Stick­ox­i­den und Co. wirkt sich nicht nur auf das Kli­ma aus, son­dern sorgt auch bei uns unten für dicke Luft. Die Ver­schlechterung der lokalen Luftqual­ität gehört eben­falls zu den Fol­gen des Flugverkehrs. Und mal ganz abge­se­hen von der Luftver­schmutzung, verur­sachen Flugzeuge auch einen enor­men Lärm. Vor allem für die Men­schen, die in Flughafen­nähe wohnen, ergeben sich durch den dauern­den Lärm gesund­heitliche Risiken. Dazu gehören Stress und Konzen­tra­tionss­chwierigkeit­en, aber auch ein erhöht­es Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herz­in­farkt. Und mal ganz abge­se­hen von den zahlre­ichen Fol­gen, die sich sowohl für uns als auch für das Kima ergeben, ergeben sich durch den Bau und Betrieb von Flughäfen auch Kon­se­quen­zen für die Arten­vielfalt. Denn für die Start- und Lan­de­bah­nen, Roll­wege und so weit­er müssen in der Regel große Flächen asphaltiert oder betoniert wer­den. Ergeb­nis: Wertvolle Leben­sräume von Flo­ra und Fau­na wer­den zerstört.

Auswirkungen Vom Fliegen Auf FLora Und Fauna

Welche Alternativen gibt es zum Fliegen?

Regionalverkehr

Wem die eigene Öko­bi­lanz nicht egal ist und gle­ichzeit­ig die Welt ent­deck­en möchte, kommt früher oder später nicht drum herum, das eigene Rei­sev­er­hal­ten zu hin­ter­fra­gen. Welche Auswirkun­gen hat diese eine Flu­greise auf den eige­nen ökol­o­gis­chen Fußab­druck? Muss es ein Urlaub in Südostasien sein oder kön­nte eine Reise inner­halb von Europa nicht eben­so span­nend sein? Muss es nur für ein Woch­enende mit dem Bil­ligflieger wirk­lich nach Mal­lor­ca gehen? Kön­nte eine Ost­seein­sel nicht eine nahe, eben­so schöne Alter­na­tive sein? Let­z­tendlich sind es hier die Ansatzpunk­te im per­sön­lichen Ver­hal­ten, die die eigene Klima­bi­lanz verbessern können.

 Verreisen mit dem Bus

Verreisen Mit Dem Bus

Wenn man nicht mit dem Rad oder zu Fuß ver­reisen möchte, ist ein vollbe­set­zter Bus die kli­mafre­undlich­ste Art, um von A nach B zu kom­men. Warum? Ganz ein­fach, weil der CO2-Ausstoß pro Kopf gerech­net am ger­ing­sten ist. Und mit dem Fern­bus zu fahren, tut nicht nur der Umwelt gut, son­dern auch deinem Geld­beu­tel, denn es ist ver­gle­ich­sweise auch die gün­stig­ste Fort­be­we­gungsart. Einziges Manko: Die Anfahrt bzw. Rück­fahrt­dauer ist natür­lich viel länger als bei anderen Verkehrsmit­teln. Und: Ganz ohne CO2-Ausstoß kommt auch ein Bus nicht aus. Wer noch kli­ma­neu­traler ver­reisen will, kann die eigens verur­sacht­en Emis­sio­nen kom­pen­sieren. Das Unternehmen FlixBus bietet beispiel­sweise den soge­nan­nten Kli­maschutzbeitrag schon bei der Buchung an.

Verreisen mit der Bahn

Mit Dem Zug Verreisen

Um rel­a­tiv kli­mascho­nend und in angemessen­er Zeit ans Urlaub­sziel zu kom­men, sollte mit der Bahn ver­reisen. Auch hier sind ist der Ausstoß an Treib­haus­gasen pro Pas­sagi­er und zurück­gelegten Kilo­me­ter ger­ing – vor allem im Ver­gle­ich zum Flugzeug und Auto. Außer­dem: Die Deutsche Bahn nutzt größ­ten­teils Strom, der aus erneuer­baren Energien gewon­nen wird. Bis 2050 soll der gesamte Zugverkehr zu 100% mit Ökostrom fahren.

Verreisen mit dem Auto

Verkehrsmittel Auto
„Laut der Umwel­tor­gan­i­sa­tion Ger­man­watch ist ein Flug nach Tener­if­fa übri­gens genau­so kli­maschädlich wie ein Jahr Autofahren.” 

Die Anreise mit dem PKW entschei­det let­z­tendlich die Zahl der Mitreisenden. Denn nur, wenn man die Strecke nicht allein zurück­legt, wird die Fahrt so kli­mascho­nend wie möglich. Denn wer bei anderen mit­fährt oder selb­st eine Fahrt anbi­etet, kann die durch das Auto verur­sacht­en CO2-Emissionen hal­bieren oder gar vierteln. Ein Beispiel: Auf ein­er Strecke von 250 Kilo­me­tern entste­hen mit einem rel­a­tiv alten Benziner-Auto rund 64 Kilo­gramm CO2 – mehr als bei ein­er Flu­greise über die gle­iche Dis­tanz anfall­en wür­den. Warum? Weil Flugzeuge in der Regel voll beset­zt sind. Wür­den in dem Auto noch drei weit­ere Per­so­n­en mit­fahren, schrumpft der CO2-Ausstoß pro Kopf auf mick­rige 16 Kilo­gramm. So kann der näch­ste Road­trip guten Gewis­sens losgehen.

Roadtrip
Reisen Mit Dem Auto

Und für alle, die von Mit­fahrgele­gen­heit­en noch immer nicht überzeugt sind: Bei ein­er gemein­samen Aut­o­fahrt ver­ringern sich nicht nur die Emis­sio­nen pro Kopf, son­dern auch das Sprit­geld. Es ist also nicht nur gut für das Kli­ma, son­dern auch für deinen Geldbeutel. 

Checkliste nachhaltiges Reisen

Checkliste Reisen

Um den näch­sten Urlaub so nach­haltig wie möglich zu gestal­ten, gibt es sowohl vor als auch während der Reise ein paar Dinge zu beacht­en. Wer sich ein paar dieser Tipps zu Herzen nimmt, macht die Welt immer­hin ein kleines Stückchen besser.

1. Selten Fliegen

Flugzeug In Den Wolken

Eigentlich müssten wir der Erde und dem Kli­ma zu liebe vor allem eines tun: Endlich mit dem Fliegen aufhören. Ambi­tion­iert und – je weit­er das Reiseziel ent­fer­nt ist – auch recht schwierig umset­zbar. Wer den­noch die Welt ent­deck­en möchte, kann mit etwas Pla­nung den Flug so nach­haltig wie möglich gestal­ten. Beispiel­sweise sollte die Ent­fer­nung zum Ziel und die Dauer des Aufen­thalts in einem vertret­baren Ver­hält­nis stehen.Wer 2.000 Kilo­me­ter mit dem Flugzeug zurück­legt, sollte eine Urlaub­s­dauer von min­destens zwei Wochen ein­pla­nen. Außer­dem soll­ten die dabei entste­hen­den Treibhausgas-Emissionen kom­pen­siert wer­den. Wer beispiel­sweise bei atmos­fair oder MyCli­mate einen frei­willi­gen Beitrag zahlt, unter­stützt damit Kli­maschutzpro­jek­te. Die Höhe des Betrags ist dabei entfernungsabhängig.

2. Regionale Reiseziele

Spaziergang Durch Den Wald

Vor jed­er Reise soll­test du dich fra­gen: Was für eine Art von Urlaub soll es wer­den? Ein Entspan­nung­surlaub? Muss es dafür ans andere Ende der Welt gehen oder tut es nicht auch eine Reise inner­halb von Europa? Denn ver­suche dich immer daran zu erin­nern: Je näher der Urlaub­sort liegt, desto weniger belastest du mit dein­er Anreise die Umwelt.

3. Leichtes Gepäck

Packliste Reisen

Wer durch­dacht packt, kann nach­haltiger reisen. Schreibe dir am besten eine Pack­liste für den näch­sten Urlaub. Ein­er­seits ver­mei­dest du so, dass du wichtige Dinge ver­gisst und ander­er­seits kannst du mit leichtem Gepäck auch den Treib­stof­fver­brauch reduzieren.

4. Vermeide Müll

Kosmetik Ohne Plastik

Reise nicht nur mit leichtem Gepäck, son­dern auch in fein­ster Zero-Waste-Manier. Wer beispiel­sweise mit plas­tik­freier Kos­metik unter­wegs ist, hin­ter­lässt am Urlaub­sort weniger Müll. Außer­dem: Auch bei Papieren oder Doku­menten kannst du Ressourcen sparen, beispiel­sweise indem du diese dig­i­tal bei dir trägst. Ob Reise­plan­er, Karte oder Tick­ets – wenn du dir diese Dinge auf dem Smart­phone abspe­ich­erst, musst du sie nicht extra ausdrucken.

5. Setze auf Umweltsiegel

Reise SIegel TourCert
Bio Hotels Label Umweltsiegel

Statt ins Reise­büro zu gehen, buchen die meis­tens von uns ihren Urlaub im Inter­net. Es ist ein­fach, schnell und meis­tens gün­stiger. Wer dazu auch noch ökol­o­gisch kor­rekt Urlaub machen möchte, sollte bei der Buchung auf Umwelt­siegel acht­en. Eines der bekan­ntesten Kennze­ich­nun­gen für Öko-Tourismus ist beispiel­sweise das TourCert-Siegel. Das Label zeich­net nicht nur nach­haltige Unterkün­fte aus, son­dern auch die Freizei­tange­bote in der Region. Dir ist es wichtig, dass du auch im Urlaub nach­haltige, regionale Lebens­mit­tel zu dir nimmst? Dann set­ze bei der Buchung deines Hotels auf das Reis­esiegel Bio-Hotels.

Fazit

Anzeigetafel AM Flughafen

Wenn es ums Fliegen geht, überkommt uns schnell ein schlecht­es Gewis­sen. Dafür gibt sog­ar ein neues Wort: Flugscham. Und die haben wir aus gutem Grund, denn Fliegen ist und bleibt pro Kopf gerech­net das kli­maschädlich­ste und schmutzig­ste Verkehrsmit­tel. Und auch, wenn wir uns dessen bewusst sind, darauf verzicht­en, wollen die wenig­sten. Es ist kostengün­stig, schnell, bequem und den Tomaten­saft gibt es umson­st oben­drauf. Hinzu kommt, dass oft ver­sucht wird, die Kli­mawirkung des Fliegens zu rel­a­tivieren. Schließlich sei der weltweite Flugverkehr doch „nur“ für rund drei Prozent der gesamten Treibhausgas-Emissionen ver­ant­wortlich.  Was an dieser Stelle nur meis­tens in Vergessen­heit gerät, ist die Tat­sache, dass die Zahl nur so niedrig ist, weil die Zahl der­jeni­gen, die sich Fliegen über­haupt leis­ten kön­nen, so klein ist. Der Großteil der Welt­bevölkerung hat noch nie ein Flugzeug von innen gese­hen. Und wir, die sich eine Flu­greise erlauben kön­nen, fliegen was das Zeug hält. Seit 1990 gab es weltweit einen Zuwachs an Pas­sagieren von 100%.

Flugzeugfenster
Flugzeug Fluegel

Machen wir so weit­er, kön­nte der Flugverkehr bere­its in ein paar Jahren rund ein Vier­tel des weltweit­en CO2-Ausstoßes ver­ant­worten. Auch, weil es immer „nor­maler“ wird, mit dem Back­pack­er durch Aus­tralien zu reisen, ein Woch­enende spon­tan nach Barcelona zu fliegen oder die Ayurvedakur auf Bali zu buchen.

Flugzeug Auf Der Landebahn

Ja, Reisen ist wichtig, Reisen ist schön und auf Reisen soll grund­sät­zlich nicht verzichtet wer­den. Aber Reisen und ins­beson­dere Langstreck­en­flüge müssen wieder das wer­den, was sie ein­mal waren: etwas Beson­deres. Ein Luxus, den man sich manch­mal, aber nicht ständig erlaubt.

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