Nachhaltig reisen: Auf der Parenzana zu Fuß durch Istrien

| von 

Ist es eine gute Idee, im Hochsommer vier Tage lang auf einem Radweg durch Istrien zu wandern? Das wollte ich herausfinden, als ich im Juli diesen Jahres in Triest weilte. An der Fitness sollte es nicht scheitern. Ich war gerade in sechseinhalb Wochen von meiner Haustüre in Nürnberg nach Salzburg und weiter auf der Alpenüberquerung Salzburg – Triest bis ans Mittelmeer gegangen.

Auf der gut 120 km langen Parenzana zwischen Triest und Poreč transportierte von 1902 bis 1935 eine Schmalspurbahn Passagiere und Güter wie Obst und Gemüse, Salz, Olivenöl, Wein, Steine und Hölzer. Heute wird die ehemalige Bahntrasse durch Italien, Slowenien und Kroatien von Radlern genutzt – und von Fernwanderern, so versicherte mir der Triestiner Buchhändler, bei dem ich noch schnell das Buch „Radwandern auf der Parenzana“ kaufte.

Kein Auftakt nach Maß

Fernwanderer sah ich an den vier Tagen keinen einzigen! Fahrradfahrer hingegen umso mehr – zumindest zu Beginn. Auf Anraten des Buchhändlers nahm ich die Fähre nach Muggia, um die elf Kilometer auf stark befahrenen Straßen durch Triest zu überspringen.

Die erste Etappe war trotzdem eine Enttäuschung. Es ging durch eine dicht besiedelte und landwirtschaftlich stark genutzte Gegend. Der Untergrund war durchgehend asphaltiert. Ständig bretterten Radler an mir vorbei. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Immerhin sorgte Piran für einen versöhnlichen Tagesabschluss. Die Altstadt mit ihren Gassen und den Baudenkmalen im venezianischen Stil gilt als der schönste Ort an der slowenischen Riviera, die allerdings auch nur 47 Kilometer lang ist.

Ein Kleinod umgeben von Olivenhainen, Weingärten und Wäldern

Der zweite Wandertag gestaltete sich erfreulicher. Die Route führte mich zunächst an den interessanten Salinen von Sečovlje vorbei und über die slowenisch-kroatische Grenze. Ab hier ist die Parenzana 65 Kilometer lang ungeteert. Schotter, Kies und Erde wechseln sich ab. Darauf scheinen Radler keine Lust zu haben. Plötzlich hatte ich den „Weg der Gesundheit und Freundschaft“ fast für mich allein. Damit konnte ich leben, zumal es auch um mich herum immer grüner und naturnaher wurde. Der Blick zurück auf Piran, Portorož, die Salinen und die slowenische Riviera wird mir unvergessen bleiben (siehe Foto ganz oben).

Nach 33 Kilometern erreichte ich Grožnjan. Welch Kleinod! Das autofreie Örtchen liegt auf einem Hügel und ist umgeben von Olivenhainen, Weingärten und Wäldern. Vom Platz vor der Kirche blickt man über das Umland bis zum Mittelmeer. Das Überleben und den Status als Künstlerdorf verdankt Grožnjan dem Bildhauer Aleksandar Rukavina. Der setzte 1965 durch, dass die verlassenen und dem Verfall geweihten Gebäude unentgeltlich von rund 30 Künstlern bewohnt werden durften. Mittlerweile kann man in über 60 Ateliers und Galerien Kunstwerke unterschiedlichster Art erwerben. Grožnjan ist auch bekannt für das Festival „Jazz is Back!“. Nach Sonnenuntergang finden im Juli kostenlose Freiluftkonzerte unter Beteiligung internationaler Musiker statt. Ich lauschte ein Stündchen und plauschte ein wenig mit einem Pärchen aus Ljubljana.

Veganes Trüffelrisotto bei Sonnenuntergang

Die Etappe nach Motovun ist die einsamste und landschaftlich reizvollste. Ich marschierte durch Wälder und Olivenhaine. Immer wieder ergaben sich prächtige Ausblicke auf das hügelige Hinterland Istriens. Wanderherz, was brauchst Du mehr? Auf diesem Abschnitt ist besonders gut die Meisterleistung der Streckenplaner und -bauer zu erkennen. Die vielen Tunnel, Brücken, Viadukte und Bahnstationen waren Anfang des 20. Jahrhunderts spektakuläre Bauwerke und sind heute noch Hingucker.

Der mittelalterliche Stadtkern von Motovun thront auf einem kleinen Berg etwas abseits der Parenzana. Der Ort wurde von drei Mauerringen geschützt, die noch heute erhalten sind. Zwei Dinge sollte man in Motovun nicht verpassen: Erstens zum Sonnenuntergang die im 17. Jahrhundert errichtete Stadtloggia aufsuchen. Und zweitens in einem der Lokale nebenan ein Trüffelgericht essen. Die Trüffel der Region zählen zu den besten der Welt. Ich ließ mir ein Risotto – das mir vegan zubereitet wurde – auf der Zunge zergehen. Nur beim Preis musste ich schlucken.

Gepolter in Poreč

Der Rest ist schnell erzählt. Auf den zehn Kilometern bis Vižinada ändert sich wenig am beruhigenden Landschaftsbild. Dann führt die Parenzana durch stärker bebautes und landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Irgendwo an der Peripherie von Poreč endet der Radweg abrupt im Gestrüpp. Mit Hilfe von Smartphone und GPS brauchte ich noch zwei Stunden auf viel befahrenen Straßen bis in die Altstadt von Poreč. Die ist auf einer 400 m langen und 200 m breiten, ins Meer hinausragenden Halbinsel erbaut und erzählt Geschichten aus über 2000 Jahren. Nur schade, dass Charme und Charakter im Gepolter der Touristenmassen während der Hochsaison unter gingen.

Fazit: „Wer richtig reisen will, soll zu Fuß gehen.“

Die zweieinhalb Etappen vom slowenischen Küstenschmuckstück Piran durch das oft einsame, bewaldete Hinterland bis Vižinada in Kroatien fand ich sehr reizvoll. Nachhaltiger als mit dem Velo oder per pedes kann man Istrien nicht bereisen. Gerade die langsamste aller Fortbewegungsarten kann ich empfehlen. Der französisch-schweizerische Schriftsteller und Philosoph Jean-Jacques Rousseau sah das schon im 18. Jahrhundert ähnlich: „Wer ans Ziel kommen will, kann mit der Postkutsche fahren, aber wer richtig reisen will, soll zu Fuß gehen.“

Hallo, ich heiße Christof und schreibe auf meinem Blog über Minimalismus und Nachhaltigkeit. Ohne materiellen Überfluss, negative Beziehungen und unnötige Verpflichtungen zu leben, führt zu persönlichem Glück und gesellschaftlichem Gewinn. Ich konnte das in den vergangenen Jahren selbst erfahren. Nach und nach habe ich mein Leben umgekrempelt und mich dabei immer pudelwohler gefühlt. Heute besitze ich nur noch wenige, aber hochwertige Dinge; habe mein Auto gegen Fahrrad und Bahncard eingetauscht; ernähre mich vegan; wandere wochenlang mit einem 35-Liter-Rucksack über die Alpen oder durch deutsche Mittelgebirge … Ich freue mich, meine Inspirationen hier mit euch zu teilen.

Keine Kommentare vorhanden

Kommentar schreiben: Werde aktiv und rede mit!