Aussortiert: Mit einer Kleiderspende Gutes tun

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Ugan­da, März, 2015

Meine Augen sind wegen der ostafrikanis­chen Hitze etwas angeschwollen. Es herrscht das Ende der Trocken­zeit und der Regen wird sehn­süchtig erwartet. Ich blicke durch die staubige Fen­ster­scheibe unseres alten Toy­otas. Erst vor weni­gen Sekun­den haben wir an ein­er Tankstelle gehal­ten, als eine hell­blaue Train­ings­jacke vor meinen Augen erscheint: Torsten, MTV Diepe­nau. Bish­er habe ich hier in zwei Wochen Ugan­da keinen einzi­gen Deutschen getrof­fen. Torsten, das klingt ziem­lich deutsch. Als ich genauer hin­schaue, merke ich, dass Torsten einen Rock und hochgesteck­te Haare trägt. Ich muss schmun­zeln und freue mich über eine Altk­lei­der­spende, die ankam.

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Doch wie kam Torstens alte Train­ings­jacke nach Ugan­da? Ich mache durch die geschlossene Fen­ster­scheibe heim­lich ein Foto von der Dame und schicke es wenige Minuten später an eine E-Mailadresse des MTV Diepe­nau, die ich ziem­lich schnell im Inter­net gefun­den habe. Eine Antwort blieb bis heute aus.

Der Weg unserer Altkleider

Da ich nicht annehme, dass Torsten selb­st in Ugan­da war, mache ich mich an die Recherche. Ich schaue nach Unternehmen, die alte Klam­ot­ten in Deutsch­land sam­meln und ver­suche her­auszufind­en, wie sie sich ihren Weg nach Afri­ka bah­nen. Dabei stelle ich außer­dem fest, dass in Deutsch­land eine ziem­liche Intrans­parenz herrscht. Nur sehr wenige Spender wis­sen, was mit ihrer Altk­lei­der­spende im Detail passiert.

In Altk­lei­der­con­tain­ern wer­den alte Shirts, Hosen und Schuhe deutsch­landweit gesam­melt. Alleine das DRK hat 25.000 Altk­lei­der­con­tain­er im Land aufgestellt. Pro Jahr wer­den in Deutsch­land ins­ge­samt etwa 1,01 Mil­lio­nen Ton­nen gesam­melt. Und die Ten­denz ist steigend, da wir immer mehr Klam­ot­ten kaufen und fol­glich auch entsor­gen. Doch mit ein­er Altk­lei­der­spende geben wir unseren alten Sachen wenig­stens eine zweite Chance.

Nach der Abgabe in einem Altk­lei­der­con­tain­er erfol­gt die Abhol­ung durch ein Trans­portun­ternehmen. Die Sachen wer­den im Anschluss sortiert. Schmutzige oder abge­tra­gene Klei­dung wird recycelt. Die übri­gen Klei­dungsstücke wer­den nach Qual­ität sortiert und zu Kilo­preisen (etwa zwis­chen 5 und 40 Cent je Kilo­gramm erhält beispiel­sweise das DRK) an Ver­w­er­tung­sun­ternehmen verkauft. Die hochqual­i­ta­tiv­en Klei­dungsstücke gehen nach Osteu­ropa, die restlichen nach Afri­ka. In Deutsch­land gibt es fast gar keinen Bedarf für Altk­lei­der. Daher wer­den fast alle Klei­der­spenden in andere Län­der trans­portiert.

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In riesi­gen Mitum­ba (Kisua­he­li für Klei­der­ballen) erre­ichen 40 bis 60 Kilo­gramm schwere Kugeln voller alter Klei­dung die Häfen Dar es Salaams an der Küste Tansa­nias. Von dort aus geht es auch in andere Län­der. Von Händler zu Händler wer­den die Mitum­ba immer weit­er verkauft, bis sie let­z­tendlich auf riesi­gen Tex­tilmärk­ten lan­den und an die Men­schen vor Ort verkauft wer­den.

Transport und Sortierung von Altkleidern

Vie­len Men­schen ist dieses Prozedere nicht bewusst. Sie denken, dass die Altk­lei­der kosten­los in Entwick­lungslän­der geschifft und dort ver­schenkt wer­den. Doch das ist aus Kosten­grün­den gar nicht möglich. Die Klei­der­spende muss sortiert und trans­portiert wer­den. Dabei entste­hen enorm hohe Kosten. Ende 2015 wollte ich ein Paket nach Ugan­da senden. Der Ver­sand meines Pakets hätte in der benötigten Größe (12 kg) 94,99 Euro gekostet. Ver­ständlich, dass der Trans­port von Altk­lei­dern über Ent­fer­nun­gen von 10.000 Kilo­me­tern nicht kosten­frei sein kann und nicht von Hil­f­sor­gan­i­sa­tio­nen finanziert wer­den kann. Daher verkaufen die Hil­f­sor­gan­i­sa­tio­nen die Altk­lei­der an Ver­w­er­tung­sun­ternehmen und finanzieren mit den Erlösen andere Pro­jek­te.

Vor­sicht ist jedoch bei der Wahl des Altk­lei­der­con­tain­ers geboten. Wie über­all mis­chen sich auch hier schwarze Schafe unter das Volk, die aus rein­er Prof­it­gi­er Altk­lei­der sam­meln. Auf der Suche nach ser­iösen Abgabestellen wirst du hier fündig.

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2011 waren Altk­lei­der­spenden durch die NDR-Dokumentation „Die Altkleider-Lüge“ ziem­lich in Ver­ruf ger­at­en. Jedoch muss man, wie bei allen Diskus­sio­nen, immer bei­de Seit­en der Medaille beleucht­en. Der Frage, welchen Ein­fluss Tex­til­ex­porte in Entwick­lungslän­der haben, disku­tiert Andreas Voget, Geschäfts­führer des Dachver­ban­des Fair­W­er­tung e.V., auf dem Blog nachhaltig-sein.info.

OTTO und die Aktion „Platz schaffen mit Herz“.

Bere­its seit zwei Jahren gibt es nun schon die Aktion „Platz schaf­fen mit Herz“ von OTTO, bei der aus­rang­ierte Klei­der ganz ein­fach per Post­paket gespendet wer­den kön­nen. Dafür müssen sie nur in einen Kar­ton gepackt und mit einem kosten­losen Paketschein bestückt wer­den. Mit der Abhol­ung von Her­mes oder der Abgabe in einem Paket­shop lan­det die Klei­der­spende in kurz­er Zeit im Sortier­be­trieb.

Auch bei OTTO funk­tion­iert das Mod­ell so, dass die Altk­lei­der an Ver­w­er­tungs­ge­sellschaften verkauft wer­den. Die Erlöse wer­den nach Abzug der notwendi­gen Kosten für den Fer­n­trans­port in vollem Umfang an die unten­ste­hen­den drei Pro­jek­t­part­ner gespendet. „Auf­grund der guten Zusam­me­nar­beit von OTTO und dem Logis­tik­part­ner Her­mes, kon­nte der Spende­num­fang im aktuellen Jahr deut­lich gesteigert wer­den“, so Clau­dia Feltkamp, Pro­jek­tlei­t­erin von „Platz schaf­fen mit Herz“.

Die Qual­ität der Ware stimmt. Über 90 Prozent der Klei­der­spenden an OTTO kön­nen weit­ergegeben wer­den und wer­den nicht aus­sortiert. Das ist eine starke Quote, denn für gewöhn­lich liegt der Prozentsatz der Ver­wend­barkeit bei Altk­lei­der­spenden bei nur 30 bis 40 Prozent.

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Das Prozedere bei „Platz schaffen mit Herz“

Auch im Rah­men von „Platz schaf­fen mit Herz“ tauchen Fra­gen über das Prozedere auf, wie zum Beispiel:

  • Warum wird die Klei­dung nicht direkt gespendet, son­dern vorher verkauft und dann der Erlös gespendet?
  • Wer über­prüft den gesamten Prozess der Samm­lung und Spenden­verteilung?

In den FAQ der Aktion wer­den diese und andere Fra­gen aus­führlich beant­wortet.

In diese Projekte fließen die Spenden

Im ersten Jahr der Aktion gin­gen etwa 25.000 Pakete bei der Ini­tia­tive Zukun­ft gGmbH von OTTO ein. Über 25.000 € Spenden wur­den daraufhin an Naturschutzbund Deutsch­land e.V. (NABU), die Welthunger­hil­fe und die Aid by Trade Foun­da­tion aus­geschüt­tet. Nach dem ersten Jahr opti­mierte OTTO das Mod­ell, kom­mu­nizierte sicher­er und opti­mierte den Spenden­prozess. Das Ergeb­nis kann sich sehen lassen: Im zweit­en Aktion­s­jahr bekam der Ver­sand­händler mehr als 70.000 Pakete, kon­nte den durch­schnit­tlichen Spenden­be­trag pro Paket erhöhen und sam­melte so über 100.000 € an Spenden.

Überzeugt? So kannst du bei Platz schaf­fen mit Herz mit­machen

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Wenn auch du Klei­dung und Heim­tex­tilien hast, die noch gut in Schuss sind, aber nicht mehr brauchst, kannst du in drei ein­fachen Schrit­ten bei „Platz schaf­fen mit Herz“ mit­machen:

Schritt 1: Nimm dir einen großen Kar­ton und ver­staue in ihm alle Klam­ot­ten, die du nicht mehr trägst und loswer­den möcht­est. Beson­ders wichtig ist allerd­ings, dass die Klei­dung in einem guten Zus­tand ist und du den Kar­ton möglichst voll­ständig (min­destens fünf bis max­i­mal 30 Kilo­gramm) füllst, damit sich der Ver­sand auch lohnt.

Schritt 2: Auf www.platzschaffenmitherz.de kannst du dir ganz ein­fach und kosten­los einen Pake­taufk­le­ber run­ter­laden, den du auf dein Klei­der­paket kleb­st.

Schritt 3: Das Paket kann nun vom Hermes-Boten mitgenom­men wer­den. Alter­na­tiv bringst du es einem Hermes-Paketshop vor­bei und dein Paket wird kosten­los für dich auf die Reise geschickt. 

Denk dran, je bess­er deine Altk­lei­der sind, desto größer ist der Spenden­be­trag.

Senf? Ja, aber bitte vegan: die Klosterfelder Senfmühle

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Diese Familie gibt überall ihren Senf dazu ...  ... und das auch zu Recht. Denn in ihrem Familienbetrieb Klosterfelder Senfmühle in Brandenburg wird seit 15 Jahren nach traditionellem Herstellungsverfahren Senf produziert. Und hier ist Senf eben nicht gleich Senf. Die Auswahl der Senfmühle reicht von Ananas-Currysenf über Karamellsenf bis hin zu Whiskeysenf. Und spätestens wenn man sich vorgearbeitet hat bis zu einem Senf mit dem ganz nach Prenzlauer Berg anmutenden Namen „Smoothie-Senf“, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ihrem Namen verdankt diese Chutney-ähnliche Kreation ihrem hohen Fruchtanteil und selbstverständlich nicht einem Berliner Szeneviertel. Vor lauter Auswahl weiß…

Ich bin Steven und ich liebe die Natur, verrückte Ideen, Lissabon und den Fahrtwind auf meinem Rennrad. Und ich liebe es, immer wieder meine Grenzen auszutesten. Dafür laufe ich zum...

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Mantha
Dienstag, 8. Mai 2018, 6:38 Uhr

An sich eine sehr gute Sache..Habe für fast zwei Jahren mit­gemacht gehabt und 3 Paketen abgeschickt. Die ver­sproch­enen Gutscheinen habe ich nie erhal­ten.