Mikroplastik: Die unsichtbare Gefahr

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Das Bild von auf der Meere­sober­fläche schwim­men­dem Plas­tik­müll ist mit­tler­weile bekan­nt und es gibt immer wieder Aktio­nen gegen die Ver­schmutzung. Doch genau­so gefährlich und alarmierend wie der offen­sichtliche Plas­tik­ab­fall ist soge­nan­ntes Mikro­plas­tik. Und es ver­bre­it­et sich so schnell, dass es mit­tler­weile schon in unserem Trinkwass­er nachgewiesen wurde. Aber wie gefährlich ist das wirklich?

Ozean Plastik

Was ist Mikroplastik?

Als Mikro­plas­tik wer­den all­ge­mein Kun­st­stoffteilchen mit ein­er Größe von unter fünf Mil­lime­tern beze­ich­net. Mikro­plas­tik zieht Umwelt­gifte an, wird von Meere­sor­gan­is­men gefressen und ist nicht wieder aus der Umwelt zu ent­fer­nen. Mikro­plas­tik wurde in See­hun­den, Fis­chen, Muscheln und kleineren Organ­is­men nachgewiesen, die es mit ihrer Nahrung aufnehmen. Im Magen-Darm-Trakt kön­nen diese Schad­stoffe wieder freige­set­zt wer­den und Ein­fluss auf den Organ­is­mus nehmen.

Muell Plastik Strand Meer

Welche Auswirkungen hat Mikroplastik?

„Jedes kleine Stück Kun­st­stoff, das in den let­zten 50 Jahren hergestellt wurde, und ins Meer gelangte, ist dort immer noch irgendwo.” 
Tony Andrady, amerikanis­ch­er Chemik­er des Research Tri­an­gle Institute 

Ist Mikro­plas­tik erst in den Flüssen und im Meer, kann es nicht wieder ent­nom­men wer­den. Wis­senschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeres­forschung haben ent­deckt, dass sog­ar in der ark­tis­chen Tief­see, die als ein­er der am wenig­sten berührten Leben­sräume gilt, die Menge an Plas­tik­müll in den ver­gan­genen zehn Jahren deut­lich zugenom­men hat. Je klein­er der Plas­tik­par­tikel ist, desto größer das Risiko der Auf­nahme und die Anzahl der Tiere, die es kon­sum­ieren. Und ein­mal in den Organ­is­mus der Meer­estiere aufgenom­men, kön­nen diese Teilchen oft nicht mehr aus­geschieden wer­den. Das kann zu Dar­mver­schlüssen, Ver­let­zun­gen an Schleimhäuten, Entzün­dun­gen und zu Störun­gen des Hor­mon­haushalts führen. Und damit nicht genug: Das nicht abge­baute Plas­tik und die Schad­stoffe, die sich im Gewebe der Tiere ansam­meln, wer­den zum Teil der Nahrungs­kette und gelan­gen let­z­tendlich durch den Verzehr von Meer­estieren auch in den men­schlichen Körper.

Mikroplastik

Welche Auswirkun­gen das Mikro­plas­tik auf den men­schlichen Organ­is­mus hat, ist bis­lang noch nicht ein­schätzbar. Fakt ist aber: Bei der Her­stel­lung von Plas­tik wer­den eine Vielzahl von gifti­gen Chemikalien ver­wen­det. Ob diese Schad­stoffe in unserem Kör­p­er ihre Wirkung ent­fal­ten, ist aber noch nicht bestätigt. Vorstell­bar ist, dass Mikro­plas­tik Allergien oder Entzün­dun­gen aus­lösen kann.

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Welche Arten von Mikroplastik gibt es?

Es gibt zwei unter­schiedliche Arten von Mikro­plas­tik: das primäre und das sekundäre Mikroplastik.

  • Als primäres Mikro­plas­tik wer­den soge­nan­nte Kun­st­stoff­pel­lets beze­ich­net, die von der Indus­trie zur Weit­er­ver­ar­beitung hergestellt wer­den. Feines Plas­tik­gran­u­lat und flüs­siges Plas­tik fin­d­em Anwen­dung in der Kos­metikpro­duk­tion. Derzeit kön­nen die Klär­w­erke die kleinen Par­tikel nicht aus­re­ichend aus dem Abwass­er her­aus­fil­tern. Das Mikro­plas­tik aus den Haushal­ten gelangt unge­hin­dert in Umwelt und Gewässer.
  • Sekundäres Mikro­plas­tik entste­ht wiederum beim Zer­fall größer­er Kun­st­stoffteile durch die Ein­wirkung von Sonne, Wind und Wellen. Das größere Plas­tik zer­fällt in seine Ursprungs­form, in Plas­tikpel­lets, zurück.

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Wo ist Mikroplastik enthalten?

Mikro­plas­tik wurde bere­its in Honig, Trinkwass­er und auch Bier nachgewiesen. Über den Wasserkreis­lauf käme Mikro­plas­tik ins Trinkwass­er, welch­es als Min­er­al­wass­er abge­füllt oder für den Brau­vor­gang von Bier ver­wen­det würde. Bis zu 70 Mikroplastik-Teilchen wur­den in dem Labortest pro Flasche Bier nachgewiesen. Durch den Nach­weis in Trinkwass­er kann es zudem the­o­retisch über­all in Nahrungsmit­teln enthal­ten sein, die aus Wass­er beste­hen oder mit ihm in Berührung kom­men. Dass es auch in den Honig gelangt, sei durch das Aufwirbeln der kle­in­sten Plas­tik­teile in die Luft möglich. Ein Vor­gang, der übri­gens begrün­den würde, warum auch schon in Regen­wass­er Mikro­plas­tik nachgewiesen wer­den konnte.

Der größte Abnehmer von Mikroplastik: Kosmetikhersteller

Kos­metikher­steller sind Haupt­ab­nehmer von primären Mikro­plas­tik­par­tikeln. Das ergab eine Studie für das Umwelt­bun­de­samt (UBA). Danach wer­den ver­mut­lich rund 500 Ton­nen solch­er primär­er Mikropar­tikel aus Poly­ethylen, dem weltweit am häu­fig­sten ver­wen­de­ten Kun­st­stoff, pro Jahr in Deutsch­land in kos­metis­chen Mit­teln verwendet.

Zu find­en sind sie in:

  • Peel­ings für das Gesicht
  • in Duschgels, die kleine Mas­sageperlen besitzen, um Hautschüp­pchen zu entfernen
  • Bis vor kurzem aber auch in Zah­n­pas­ta, die dank der Reini­gungspar­tikel die Zähne von Ablagerun­gen befreien und aufhellen soll. Mit­tler­weile ist dies jedoch in Deutsch­land ver­boten und Zah­n­pas­ta wieder mikroplastikfrei.
  • Make-up, Pud­er, Con­ceal­er, Rouge
  • Augen-make-up, Lip­pen­s­tift
  • Haarpflege
Mikroplastik Seife

Mikroplastik in den Inhaltsstoffen

es lohnt sich das Kleinge­druck­te genau zu lesen. Die winzi­gen Plasik­par­tikel ver­ber­gen sich hin­ter fol­gen­den Kürzel bei den Inhaltsstoffen:

AbkürzungKun­st­stoff
PAPolyamid (Nylon-6, Nylon-12, Nylon-66)
PEPoly­ethylen
PPPolypropy­len
PETPoly­ethy­len­tereph­tha­lat
PIPoly­imid
PURPolyurethan
ANMCopoly­mere von Eth­yl­acry­lat­en oder anderen Acry­lat­en und Acrylnitril
EVAEth­yl­en / Vinylacetat
ACAcry­lates Copolymer
PMMAPoly­methyl­methacry­lat
PESPoly­ether­sul­fon

Mikroplastik in unserer Kleidung

Doch mehr als ein Drit­tel der Mikro­plas­tik­par­tikel im Meer geht, laut Umweltver­band Green­peace, auf syn­thetis­che Tex­tilien zurück. Bis zu 730 000 Mikro­fasern wer­den geschätzt pro Waschgang her­aus­gelöst und gelan­gen so ins Abwass­er und in die Kläran­lan­gen. Da diese Par­tikel so winzig sind, kön­nen sie dort kaum her­aus­ge­filtert wer­den und wan­dern so qua­si unge­hin­dert weit­er in die Flüsse und ins Meer. Doch damit nicht genug: Da auch im Klärschlamm Kun­st­stoff­par­tikel zu find­en sind, gelangt Mikro­plas­tik auch in unsere Böden. Denn der Klärschlamm wird am Ende ein­fach auf Felder gekippt.

Mikroplastik Kleidung

Klei­dungsstücke aus Mikro­fasern soll­ten deswe­gen nicht so häu­fig in der Waschmas­chine lan­den! Denn auch spezielle Wasch­pul­ver oder ver­schiedene Waschte­meper­a­turen kön­nen das Her­aus­lösen der kün­stlichen Tex­til­fasern nicht ver­hin­dern. Die beste Lösung ist es, diese Klei­dung in einem speziellen Waschbeu­tel zu waschen. Das Berlin­er Unternehmen Lang­brett hat genau so einen entwick­elt: Der Guppyfriend-Waschbeutel hält Mikro­fasern zurück, diese kön­nen nach dem Waschgang ein­fach über den Müll ent­fer­nt werden.

Mikroplastik vermeiden – wie geht das?

Die Antwort ist klar: Mit unserem eige­nen Kon­sumver­hal­ten! Näm­lich, indem wir unseren eige­nen Plas­tik­müll so gut reduzieren wie möglich: Sei es durch die Ver­mei­dung von Plas­tik­tüten im Super­markt, mit dem Verzicht von Mikro­plas­tik enthal­tenden Kos­metikpro­duk­ten oder dem Reduzieren von syn­thetis­ch­er Funk­tion­sklei­dung. Doch auch in vie­len All­t­agssi­t­u­a­tio­nen lässt sich Plas­tik ver­mei­den: Braucht man wirk­lich einen Plas­tik­stro­hhalm, um zu trinken? Oder sind in Plas­tik eingeschweißte Tomat­en wirk­lich notwendig, wenn es auch unver­pack­tes Gemüse zu kaufen gibt? Allein 40 Kilo­gramm Kun­st­stoff wirft jede Per­son in Deutsch­land jährlich weg. Obwohl bere­its ein Umdenken stattge­fun­den hat, wird Plas­tik noch immer als bil­liges Ein­weg­pro­dukt betra­chtet. Wür­den wir Plas­tik stattdessen als eine wertvolle Ressource anse­hen, würde damit auch viel sparsamer umge­gan­gen werden.

Mikroplastik

Zudem muss mehr geforscht wer­den: Da anscheinend auf Plas­tik nicht völ­lig verzichtet wer­den kann, sind nach­haltige Alter­na­tiv­en gefragt. Zwar ist Recy­cling ein guter und wichtiger Schritt, doch wir brauchen Kun­st­stoffe, die wirk­lich abbaubar sind und von alleine im Meer ver­rot­ten, ohne die Umwelt zu belasten.

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Gute Alternative: DIY-Peelings ohne Mikroplastik

Indus­triell pro­duziertes Mikro­plas­tik kommt in vie­len Kos­metikar­tikeln vor, zum Beispiel als die kleinen feinen Kügelchen in Peel­ings. Viele Naturkos­metik­marken bieten deswe­gen schon ganz gezielt Peel­ings an, die mikro­plas­tik­frei sind. Eine kostengün­stigere Vari­ante ist, Peel­ings ein­fach sel­ber zu machen. Hier sind der Kreativ­ität keine Gren­zen geset­zt. Ein paar Do-it-yourself-Rezepte zum Aus­pro­bieren haben wir hier für dich zusammengestellt.

1. Last-Minute-Peeling 

Das wohl ein­fach­ste Peel­ing der Welt beste­ht aus Öl und Zuck­er. Das Beste daran: Die Zutat­en haben wir meist Zuhause und das Peel­ing ist super schnell hergestellt.

DIY Peeling

Zutaten

  • 2 EL Zucker
  • 1 – 2 EL Öl

Die Zutat­en wer­den ein­fach ver­mengt und fer­tig ist das Peel­ing. Wer es duf­tend mag, kann das Peel­ing mit Kräutern, Blüten oder ätherischen Ölen ver­fein­ern. Welch­es Öl ver­wen­det wird, ist Geschmackssache. Mit rohem Zuck­er wird das Peel­ing gröber und eignet sich per­fekt für Ellen­bo­gen oder Füße. Weißer und brauner Zuck­er sind feinkörniger und kön­nen daher gut für das Gesicht ver­wen­det wer­den. Brauner Zuck­er enthält zudem Feuchtigkeit und hat eine pfle­gende Wirkung.

2. Coffee-Coconut Scrub 

Prak­tisch: Auch für das Kaffee-Kokos-Ganzkörper-Peeling hat man meis­tens bere­its alle Zutat­en zu Hause.

Kaffee Kokos peeling

Zutaten

  • 5 EL Kaf­feep­ul­ver oder Kaffeesatz
  • 2 EL Kokosöl

Den Kaf­fee mit heißem Wass­er aufgießen und mit dem leicht erwärmten Öl ver­men­gen. Wenn das Peel­ing feucht aber nicht flüs­sig ist, ist das Peel­ing fer­tig. Die Kokos-Kaffee-Mischung mit kreisenden Bewe­gun­gen in die Haut ein­massieren und in Sekun­den fühlt sich die Haut wun­der­bar geschmei­dig an. Das Kokosöl macht die Haut weich und der Kaf­fee wirkt belebend und soll auf­grund sein­er entwässern­den Wirkung sog­ar Cel­lulite vor­beu­gen. Kof­fein aktiviert zudem ein fett-spaltendes Enzym.

3. Heilendes Peeling

Für empfind­liche und/oder unreine Haut ist ein Peel­ing aus Kamil­len­tee und Heil­erde empfehlenswert.

Kamille Antibakterielle Wirkung

Zutaten

  • Kamil­len­tee
  • Heil­erde

Den war­men oder kalten Tee mit der Heil­erde ver­men­gen bis eine glat­te Kon­sis­tenz erre­icht ist. Anschließend die DIY-Maske 15 bis 20 Minuten auf dem Gesicht antrock­nen lassen, mit einem Waschlap­pen ent­fer­nen und danach gut ein­cre­men. Der Tee hat eine beruhi­gende Wirkung und die Heil­erde reinigt die Haut und wirkt antibakteriell.

4. Zitronen-Kokos Peeling

Dieses Peel­ing ist ein wahres Duft- und Frischeerlebnis.

Peeling Kokos Zitrone DIY

Zutaten

  • 135 g Puderzucker
  • 80 g Kokosöl
  • 15 g Kokosraspeln
  • 2-3 EL abgeriebene Zitronenschale
  • 10 Tropfen ätherisches Zitronenöl
  • 26 g Mandelöl

Die Zutat­en ein­fach miteinan­der ver­men­gen und das Peel­ing nach Bedarf ver­wen­den. Wer das Peel­ing etwas gröber mag, kann anstatt Pud­erzuck­er ein­fach feinkörni­gen Zuck­er nehmen. Das Kokosöl pflegt die Haut und macht sie geschmei­dig und die Zitrone sorgt für angenehmen Duft und belebt.

5. Obstsalat-Peeling

Per­fekt für empfind­liche, trock­ene Haut.

Obstsalat peeling Fruchtsaeure

Zutaten

  • Banane
  • Papaya
  • Zuck­er
  • Honig

Ganz ein­fach eine Banane zer­drück­en und mit dem Frucht­fleisch ein­er weichen Papaya ver­men­gen. Dann noch Zuck­er und etwas Honig darunter mis­chen und die Masse san­ft in die Gesicht­shaut ein­massieren. Das natür­liche Enzym Papain sorgt für zarte Haut, ohne Mikro­plas­tik zu verwenden.

6. Lippen-Peeling

Spezielle Pflege für spröde Lippen.

Lippen peeling

Zutaten

  • Honig
  • Zuck­er
  • Oliv­en

Einen Teelöf­fel Honig mit einem Teelöf­fel Zuck­er und zwei Teelöf­feln Olivenöl ver­rühren und mit der zuck­er­süßen Paste vor­sichtig die Lip­pen abrubbeln (Dafür kannst du auch eine Zahn­bürste zur Hil­fe nehmen). Riecht unglaublich leck­er und schmeckt echt gut! Die Kristalle im Zuck­er ent­fer­nen san­ft die Hautschup­pen und der Honig heilt kleine Risse durch seine antibak­terielle Wirkung.

Ab nach draußen

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Die Sonne strahlt, die Temperaturen klettern nach oben, alles grünt, die Vögel zwitschern und überhaupt – alles schmeckt, klingt und riecht nach Frühling. Und das bedeutet: Runter von der Couch, ab nach draußen und die frische Luft genießen. Denn im Freien warten viele tolle Aktivitäten auf uns – vom Angrillen über die erste Fahrradtour bis hin zur Gartenarbeit. Denn ganz ehrlich: Gibt es einen schöneren Ort als den eigenen Garten, um das Frühlingserwachen in vollen Zügen zu genießen? Wohl kaum. Hier findest du Tipps für einen guten Start in die Outdoor- und Gartensaison.

Gartensaison

Ab nach draußen:

Permakultur…

Moin, ich bin Jana und ich möchte nicht in einer Welt leben, in der es bald mehr Plastik im Ozean gibt als Fische. Genau diese schreckliche Prognose hat mich dazu...

Zum Autor

Rafy4ever
Donnerstag, 19. April 2018, 4:33 Uhr

Toller Artikel…sollte Pflicht in Schulen und als Video in der Öffentlichkeit gezeigt wer­den damit jed­er ver­ste­ht was hier passiert

Ingwerkatze
Donnerstag, 14. September 2017, 12:45 Uhr

Das Prob­lem ist nicht nur das Mikro­plas­tik in Kos­metikar­tikeln. Einen sehr großen Teil trägt unsere Klei­dung bei! Jed­er hat wahrschein­lich Klei­dung aus Poly­esther. Und bei jedem Waschgang wer­den winzige Fasern aus­ge­spült und gelan­gen ins Abwass­er und nach dem klären ins Trinkwass­er, denn das Mikro­plas­tik kann ja nicht gefiltert wer­den. Kon­se­quenter wäre es also, alle Klei­dungsstücke aus Syn­thetik­stof­fen in die gelbe Tonne zu werfen.
Quelle: Link verborgen

Redaktion ichtragenatur.de
Dienstag, 16. August 2016, 8:55 Uhr

Schön­er infor­ma­tiv­er Bericht über Mikro­plas­tik danke.

Mit nach­halti­gen Grüßen