Lokales Handeln: Echte Nachhaltigkeit vor der eigenen Haustür

| von 

Ein jed­er hat seine per­sön­lichen Inter­essen, Ideen und Ide­ale. Mein Fokus liegt auf der regionalen Wertschöp­fung. Ich finde es span­nend zu wis­sen, welche Man­u­fak­turen, Handw­erk­er und Betriebe um die Ecke pro­duzieren. Anders als bei Masse­nar­tikeln, die um den hal­ben Globus geschickt wer­den, sind lokale Pro­duk­te indi­vidu­eller und mit ein­er per­sön­lichen Geschichte versehen.

lokales-handeln-silberschmuck

Die Massen­pro­duk­tion z. B. in Asien kann das nicht bieten, dafür jedoch gün­stige Preise. Doch damit die Kosten möglichst ger­ing aus­fall­en, wird geschaut, wo ges­part wer­den kann. Das, was der End­kunde nicht bere­it ist auszugeben, muss an ander­er Stelle bezahlt wer­den. So kann die Her­stel­lung auf Kosten der Umwelt, der Angestell­ten oder der Pro­duk­te selb­st einhergehen.

In unter­schiedlichen Medi­en wer­den die neg­a­tiv­en Kon­se­quen­zen der Aus­beu­tung von Men­sch und Natur beschrieben. Manch ein­er mag durch eine Reportage aufgeschreckt nach Alter­na­tiv­en zum Dis­counter suchen. Das fällt in Städten meist leichter als auf dem Lande. Und manch ein­er find­et sich mit der unbe­friedi­gen­den Lage vor Ort nicht ab und wird selb­st aktiv.

Lokales Handeln

Wer sich von der Indus­trie dis­tanzieren möchte, wird im ersten Schritt gezielt und bewusst einkaufen und auf Pro­duk­te von kleinen Man­u­fak­turen und Fam­i­lien­be­triebe zurück­greifen. Jet­zt ist es nicht nur wichtig, was man sich besorgt, son­dern auch wo. Mag man den Tante-Emma-Laden um die Ecke, dann ist es eine gute Idee, dort einzukaufen. Damit bleibt die Wertschöp­fung in der Region.

lokales-handeln-dicke-linda-markt

Wochen­markt mit lokalem Ange­bot – die Dicke Lin­da in Berlin

Ein weit­er­er Schritt kann sein, den eige­nen Kon­sum zu reduzieren. Manch ein­er ist mit weniger zufrieden, ohne dabei ein Asket zu wer­den, ein­fach weil es vorher zu viel war. Andere begin­nen, sich zum Teil selb­st zu ver­sor­gen. Das ist auf jeden Fall zeitaufwändi­ger und auch schwierig. Früher wur­den Fam­i­lien­rezepte von ein­er Gen­er­a­tion zur näch­sten weit­ergegeben. Heute ziehen erwach­sene Kinder der Arbeit hin­ter­her und die Fam­i­lien wohnen weit entfernt.

Wo bleiben die jahre­lan­gen Erfahrun­gen der alten Leute wie man Tiere hält, Wurst kocht, Fleisch räuchert? Wie baut man welch­es Obst und Gemüse an, wie macht man die Früchte halt­bar? Welche natür­lichen Mit­tel aus dem Garten helfen bei Insek­ten­stichen, unter­stützen bei Erkäl­tun­gen oder eignen sich als Waschmit­tel? Es muss viel recher­chiert und müh­selig aus­pro­biert wer­den. Zum Glück gibt es im Netz viele hil­fre­iche Tipps und Tricks, ein klein­er Großel­tern­er­satz im dig­i­tal­en Zeitalter.

lokales-handeln-kastanienwaschmittel

Kas­tanien­waschmit­tel kann man ganz ein­fach sel­ber her­stellen, man muss bloß wis­sen wie

Was also kann man selbst tun?

Do it yourself

Manche Leute stellen gerne etwas her. Es braucht keine Ide­olo­gie dahin­ter zu steck­en, son­dern ein­fach die Freude an der Han­dar­beit. Basteln, Nähen, Werken wird heute unter dem Kürzel DIY zusam­menge­fasst. Darunter fällt auch das soge­nan­nte Upcy­cling, wenn man bere­its gebrauchte Pro­duk­te weit­er­ver­ar­beit­et und länger nutzt. Es gibt Märk­te und Online-Auftritte, wo sich Inter­essierte viele Anre­gun­gen zum Sel­ber­ma­chen holen kön­nen z.B. bei Hand­made Kul­tur und we upcycle.

Gartenfreuden

Auch der Garten in der Stadt erlebt unter dem Begriff Urban Gar­den­ing eine ungeah­nte Renais­sance. Die Schre­bergärten zur teil­weisen Ver­sorgung sind nichts Neues. Anders als früher entste­hen neue Gärten heute auch auf brach­liegen­den und/oder öffentlichen Flächen. In Nach­barschafts­gärten tre­f­fen sich Inter­essierte und schaf­fen Raum für Gemüse, Kräuter und Blu­men. Mehr Hin­weise find­et man auf der Seite vom Net­zw­erk Stad­tack­er.

lokales-handeln-gemeinschaftsgarten

Anbau auf dem Tem­pel­hofer Feld

Damit sich aus Blüten über­haupt leckere Früchte entwick­eln kön­nen, braucht man Insek­ten zum Bestäuben. Beson­ders die Honig­bi­ene sam­melt fleißig Nek­tar und Pollen. Nicht nur auf Wiesen und Felder, son­dern auch gerne in der Stadt. Die Imk­er ent­deck­ten die Däch­er der Metropolen für ihre Bauten.

Weit­ere Infor­ma­tio­nen gibt es beim Berlin­er Imk­ervere­in und Berlin summt.

lokales-handeln-bienen

Eben­falls unzäh­lige Inter­ne­tauftritte preisen köstliche Rezepte für die Ver­ar­beitung von Obst und Gemüse an, schließlich schmeckt nichts so gut wie die Ernte aus dem eige­nen Garten. Jet­zt im späten Herb­st ste­ht der Kür­bis wie kaum ein anderes Gemüse sym­bol­isch für regionale und saisonale Küche. Diesem Anspruch nehmen manche Restau­rants sehr ernst und sind dabei vor allem eins – kreativ. Hier lohnt sich ein Blick auf die Karte.

lokales-handeln-vanilleextrakt

Selb­st­gemachter Vanille­ex­trakt und mehr

Lokale und soziale Landwirtschaft

Auf dem Land ver­suchen einige Bauern ihre Pro­duk­te direkt an End­kun­den zu vertreiben. Entwed­er teil­weise über einen Hofladen oder über die Organ­i­sa­tion ein­er SoLaWi, ein­er sol­i­darischen Land­wirtschaft. Das funk­tion­iert vor allem in Stadt­nähe: der Bauer ver­sorgt die Städter. Ein Beispiel für eine ambi­tion­ierte, sol­i­darische Land­wirtschaft find­et man in „Speisegut“ aus Berlin. Green Fri­day hat den Speisegut-Landwirt Chris­t­ian Hey­mann bere­its für re:BLOG inter­viewt.

lokales-handeln-solidarische-landwirtschaft-speisegut

Chris­t­ian Hey­mann auf seinem Feld in Berlin Gatow

Bei der Food Assem­bly wer­den, ähn­lich wie auf einem Wochen­markt, Obst, Gemüse und andere regionale Pro­duk­te ange­boten. Der Käufer bestellt über einen Online-Marktplatz seine Ware und bezahlt diese. An dem Stand wird die Ware nur noch abge­holt. Dabei ist ein Plausch mit dem Pro­duzen­ten erwün­scht. Schließlich soll der Kunde erfahren, woher seine Lebens­mit­tel stammen.

Selbst reparieren

Ein ganz anderes The­ma sind tech­nis­che Gerätschaften. Schon mal darü­ber geärg­ert, dass kurz nach Garantieablauf eine Mas­chine den Geist aufgegeben hat? Mit Murks? Nein Danke! beschäftigt sich Ste­fan Schrid­de genau mit diesen Din­gen. Bere­its beim Kauf sollte man darauf schauen, ob ein Gerät über­haupt reparier­bar ist. Das heißt, lässt sich das Gehäuse öff­nen und gibt es Ersatzteile? Bei Offene Werk­stät­ten und Repair­café kann man nach­se­hen, ob es prak­tis­che Hil­fe zur Selbst-Reparatur in der Nähe gibt.

Das Transition-Konzept

Der britis­che Umweltak­tivist Rob Hop­kins fasst alle Maß­nah­men zur Stärkung der Region unter dem Begriff der Tran­si­tion Towns (Stadt im Wan­del) zusam­men. Es geht um Wohl­stand durch eine starke lokale Wirtschaft, die von glob­alen Ein­flüssen, vor allem dem Erdöl, unabhängig(er) agieren und den Her­aus­forderun­gen des Kli­mawan­dels begeg­nen kann.

lokales-handeln-buch

Es begin­nt immer mit den Men­schen im Ort, die eine gemein­same Idee haben. Die Band­bre­ite reicht von Plä­nen für Regionalmärk­te, Klei­der­tausch, über regen­er­a­tive Energiegewin­nung, Obst­baum­plan­ta­gen, Stadt­gärten, Reparatur­cafés und Dorf­bäck­er bis hin zu Region­al­währun­gen. Je nach The­men­schw­er­punkt bilden sich Grup­pen und ver­suchen, die Vorhaben umzuset­zen. Und egal, ob unter dem Begriff Tran­si­tion oder nicht, es bewegt sich einiges. Die Transition-Bewegung bietet diesen Aktiv­en dabei Unter­stützung durch ein Net­zw­erk und Erfahrungen.

Was manch­mal als kleine nach­barschaftliche Aktion begin­nt oder als handw­erk­liche Spiel­erei, kann bei pos­i­tiv­er Res­o­nanz in der Grün­dung ein­er Fir­ma enden. Anre­gun­gen kann man sich bei Tran­si­tion Ini­ta­tiv­en und Tran­si­tion Town Totnes holen.

Natürliche Auszeit: Ferien auf dem Bio-Bauernhof

| von 
Angeblich gibt es wirklich Kinder, die denken, dass es lilafarbene Kühe gibt oder Hühner zu Ostern bunte Eier legen. Mir sind solche Kinder noch nicht begegnet, dennoch ist es eine große Herausforderung, einem Kind mitten in der Großstadt nahezubringen, woher unsere Nahrungsmittel kommen und was dahintersteckt. Wir ziehen ein paar Tomaten und Radieschen auf der Terrasse, aber so viel kann man daran nicht verdeutlichen. Für eine Kuh haben wir bei besten Willen keinen Platz. In den Herbstferien war ich nun das dritte Mal mit meiner Tochter auf einem Bauernhof. Natürlich bio. Meiner Meinung nach ist biologische Landwirtschaft die einzige Landwirtschaftsform,…

Hallo, ich bin Svenda und schreibe über regionale Produkte, die in kleinen Manufakturen hergestellt werden. Genauso wie Handwerker, die wunderbare, köstliche, ungewöhnliche oder einfach praktische Waren anfertigen, sind auch Künstler...

Zum Autor