Juist: Die nachhaltige Insel im ostfriesischen Wattenmeer

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Den Deutschen Nach­haltigkeit­spreis hat Juist bere­its bekom­men. Im März diesen Jahres wurde die Insel zudem auf der Inter­na­tionalen Tourismus-Messe ITB als “Nach­haltige Des­ti­na­tion” aus­geze­ich­net – als erste Gemeinde Nord­deutsch­lands. Grund genug, um endlich ein­mal eine mein­er Liebling­sost­friesin­nen vorzustellen.

Schon bei der Anreise komme ich runter. Wenn Möwen im ele­gan­ten Flug die Fähre umkreisen, wenn die salzige Brise mit ihrem Geruch nach Meer zum Dur­chat­men ein­lädt. Und dann ste­hen Last­fahrräder und Pfer­dekutschen am Anleger. Sie warten auf die Gäste, um das Gepäck zu trans­portieren. Alles läuft langsamer hier. Sog­ar den Müll holt der Kutsch­er mit vier­beini­gen Pfer­destärken ab. Unsere Kinder genießen es, mit ihren Fahrrädern mit­ten auf der Straße fahren zu kön­nen, ohne Angst vor Rasern. Kein Autolärm weit und bre­it, stattdessen Kinder­lachen und Spie­len auf der Straße bis zum Son­nenun­ter­gang – die aut­ofreie Insel hat was von Bullerbü.

Bedrohte Idylle

Aber natür­lich gibt es auch hier Wer­mut­stropfen: Die Arten­vielfalt im Wat­ten­meer wird immer klein­er, Sturm­fluten wer­den dank Kli­mawan­del häu­figer, das merken beson­ders die Insel­be­wohn­er. Und das war auch ein­er der Gründe, warum sich der Gemein­der­at von Juist vor eini­gen Jahren entschlossen hat, als erste deutsche Urlaub­s­des­ti­na­tion bis 2030 kli­ma­neu­tral zu sein. „Kli­maIn­sel“ nen­nt sie sich seit­dem. Das zeigt sich nicht nur daran, dass keine Autos fahren dür­fen. Rund 100 Betriebe vor Ort unter­stützen das Pro­jekt „Kli­maIn­sel Juist“. Sie bauen die Insel um – nicht im ganz großen Wurf, son­dern in tausenden kleinen Schrit­ten. Dazu gehören zum Beispiel mehr regionale Pro­duk­te. Die sollen dafür sor­gen, dass die Trans­portwege klein­er wer­den und sich der CO2-Fußabdruck eben­falls reduziert. Mikrokraftwerke in Pri­vathäusern und Betrieben erzeu­gen umweltverträglich Strom und Wärme. Intel­li­gente Strom­net­ze helfen, über­schüs­sige Energie der All­ge­mein­heit zur Ver­fü­gung zu stellen. Viele Pri­vathaushalte, Ver­mi­eter und Betriebe haben damit begonnen, ihre Häuser ener­getisch zu sanieren. Doch das Rin­gen um Nach­haltigkeit ist natür­lich nicht das einzige, was Juist ausmacht.

Längster Sandstrand auf den Ostfrieseninseln

Wie eine Per­len­schnur liegen die Inseln aufgerei­ht an der Nord­seeküste, Juist ist die zweite von links und am ungewöhn­lich­sten geformt, wie eine lange Bohnen­schote. Deshalb liegt eigentlich jedes Frem­den­bett in Strand­nähe, denn nir­gends ist die Insel bre­it­er als 900 Meter. Dafür ist der in sein­er Länge schi­er end­los – an der Meer­seite sind es tat­säch­lich 17 Kilo­me­ter fein­sandi­ger Traum­strand. Über­füllt, das gibt es bei so viel Strand schlicht nicht, auch nicht in der heißesten Hoch­sai­son. Dazu trägt bei, dass die Fähre nur bei Flut über­set­zen kann. Reisende gelan­gen nur ein­mal täglich zur Insel, die Folge: Es gibt keine Tages­touris­ten, die den Strand über­schwem­men könnten.

Die Wunder des Wattenmeeres

An der gegenüber­liegen­den, zum Fes­t­land zeigen­den Seite Insel lockt der Nation­al­park Wat­ten­meer. Nie­mand kann die Natur hier bess­er erk­lären als Wat­tführer Heino Behring. Ein echt­es ost­friesis­ches Orig­i­nal: Ein bäriger Typ mit rauher Stimme und wet­tergegerbtem Gesicht – der oben­drein noch den tra­di­tionellen, gold­e­nen „Piratenohrring“ der ost­friesis­chen Seemän­ner trägt. Mit Humor und viel Herzblut erk­lärt der See­bär den Leben­sraum. Und regt sich darü­ber auf, wie sehr das Wat­ten­meer seit sein­er Kind­heit ver­armt ist. Die aus­ge­bag­gerte Fahrrinne für die Fähre ver­gle­icht er erbost mit dem „Suezkanal“, für ihn ist sie eine Umwelt­sünde. Einen glühen­deren Für­sprech­er für die einzi­gar­tige Natur rund um die Insel wird man kaum finden.

Naturschutzgebiete

Und nicht nur das Wat­ten­meer drum­rum ist sehenswert, son­dern auch die Naturschutzge­bi­ete auf der Insel. Wir lieben zum Beispiel die Fahrradaus­flüge zum Ham­mersee, dem größten Bin­nensee der ost­friesis­chen Inseln. Im Som­mer bildet das dichte Blat­twerk einen Tun­nel über dem Tram­pelp­fad rund um das Gewäss­er. Eine wind­stille Schat­ten­welt, ganz anders als der Rest der Insel. Wer weit­er in Rich­tung West­en radelt, kommt an der Domäne Bill nicht vor­bei: Die Rosi­nen­stuten mit But­ter und Tee in diesem Aus­flugslokal sind längst Kult. Und in dem Naturschutzge­bi­et hier am Bill­riff wim­melt es ger­ade beim Vogelzug im Früh­jahr und Herb­st nur so vor gefiederten Gästen. Am genau östlichen Ende von Juist liegt der Kalfamer, ein wichtiges Brut­ge­bi­et für Vögel. Deshalb darf man hier von Früh­ling bis Herb­st nur auf dem dafür zuge­lasse­nen Weg ent­lang wan­dern. Doch auch diese Schutzge­bi­ete sind durch den Kli­mawan­del bedro­ht: Bei jed­er Sturm­flut reißt beson­ders im West­en der Insel das wilde Meer Land­ab­schnitte mit sich. Da bleibt zu hof­fen, dass nicht nur Juist, son­dern auch der Rest der Welt schnell den Umstieg auf eine kli­mafre­undliche und nach­haltige Zukun­ft schafft.

Mehr zum Pro­jekt Kli­maIn­sel Juist.

Faces of OTTO: Energiesparen im Haushalt – Tipps vom Experten

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Was bedeuten eigentlich Energieeffizienzklassen, wann lohnt es sich in einen neuen Kühlschrank zu investieren und wie kann ich beim Waschen eigentlich Energie sparen? Wir haben mit einem echten Experten von OTTO gesprochen, der uns all diese Fragen beantworten kann ... Wer bist Du und was genau machst Du bei Otto? Mein Name ist Sven von Saenger und ich bin hier bei OTTO Category Manager für den Bereich Haushaltsgeräte. Ich bin jetzt seit zehn Jahren im Unternehmen. Angefangen habe ich als Controller in der Außendienststeuerung, nach fünf Jahren bin ich dann in den Einkauf gegangen. In meinem Aufgabenbereich „Category Management“ geht…

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet das Redaktionsteam Reisefeder unter anderem für Magazine wie Brigitte, Onlineportale wie Spiegel Online oder Reisebücher wie Merian. Seit ihrer Kindheit auf dem Bauernhof fühlt...

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