Meine letzte Passage auf dem Jakobsweg

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Pas­sage­Nach 108 Tagen und 2875 Kilo­me­tern habe ich Fin­is­terre am Atlantik erre­icht. Im ersten Bericht habe ich über meinen Jakob­sweg von mein­er Haustüre in Nürn­berg bis Genf geschrieben, im zweit­en Teil über den Abschnitt durch Frankre­ich nach St-Jean-Pied-de-Port. Heute geht es um den finalen Teil durch Spanien.

880 km sind es auf dem berühmten Camino Frances nach San­ti­a­go de Com­postela und weit­er zum Kap von Fin­is­terre. Einen Monat habe ich dafür gebraucht, was einem Tagess­chnitt von gut 28 Kilo­me­tern entspricht. Nach so vie­len Wochen auf Achse fiel mir das tägliche Gehen leicht. Die schnelle Regen­er­a­tion durch die veg­ane, möglichst voll­w­er­tige Ernährung und der leichte Ruck­sack mit einem Vol­u­men von nur 32 Litern steigerte mein Lau­flaune noch mal.

Schön geht es sich woanders

Doch lei­der hat mich der Camino Frances in viel­er Hin­sicht ent­täuscht. Zu viel Asphalt und Lärm, zu viele Städte, Dör­fer, Indus­trie und Stromk­a­bel, zu viel Müll und Toi­let­ten­pa­pi­er am Jakob­sweges­rand, zu viel Kom­merz und Massen­abfer­ti­gung, zu viele Pil­ger und Pil­gerin­nen, zu wenig Natur und Wan­derp­fade, zu wenig Ruhe und Ein­samkeit, zu wenig Her­zlichkeit und Natür­lichkeit unter den Spaniern. Wie muss es hier erst im Hochsom­mer zuge­hen, wenn noch mehr Men­schen unter­wegs sind? Oft kam mir der Gedanke, dass ich mich auf dem wohl hässlich­sten Fer­n­wan­der­weg der Welt befinde.

Es sind die Begegnungen, die zählen

Ein paar schöne Abschnitte gab es natür­lich schon. Die Über­querung der Pyrenäen etwa, die karge Mese­ta, die bewaldete Hügel­land­schaft in Gal­izien. Wegen des Natur­erleb­niss­es ist man kaum auf dem Camino Frances unter­wegs. Es sind die Begeg­nun­gen mit Men­schen aus aller Her­ren Län­der, die diese Route wertvoll machen. So unkom­pliziert und schnell lernt man son­st nir­gends jeman­den ken­nen. Von den Pil­gern aus den englis­chsprachi­gen Län­dern und den größeren Grup­pen hielt ich mich nach Möglichkeit fern. Erstere gin­gen mir mit dem stets gle­ichen Fra­genkat­a­log („Where are you from?“, „Where did you start?“, „How many kilo­me­ters do you walk a day?“) auf den Keks, let­ztere mit dem abendlichen Geschwätz bei zu viel Rotwein.

So lief ich oft allein oder hielt mich an andere allein­reisende Außen­seit­er. Ich führte inter­es­sante, vielle­icht gar inspiri­erende Gespräche mit Valerie aus Bel­gien, Rinor aus den USA, Tina aus Deutsch­land und Chris­tine, ein­er Malerin und Yogalehrerin aus Let­t­land. Mit Chris­tine ver­brachte ich mehrere Tage und bald auch die Nächte. Es war mein zweit­er Flirt auf dem Jakob­sweg, was als Sin­gle auf langer Wan­der­schaft ein­fach dazuge­hört.

kathedrale santiago de compostela

Die Ankun­ft in San­ti­a­go de Com­postela hätte ich mir anders vorgestellt. Zunächst erre­icht man den Monte do Gozo. Die Türme der Kathe­drale, die Mil­lio­nen Men­schen hier oben in den let­zten Jahrhun­derten schon erblickt haben, waren nicht auszu­machen. Nebel und Smog lagen über der großen Stadt. Das mon­ströse Denkmal ist auch keine Augen­wei­de. Es erin­nert seit 1993 an die Pap­st­be­suche und ros­tet vor sich hin.

Nach ein paar Kilo­me­tern durch unat­trak­tives Stadt­ge­bi­et war es endlich soweit: Die Kathe­drale von San­ti­a­go de Com­postela tauchte auf. Schließlich stand ich auf der Praza de Obradoiro und blick­te auf die mon­u­men­tale barocke Fas­sade des Kirchen­baus. Ich war froh, angekom­men zu sein. Ich war stolz auf meine Leis­tung. Ergrif­f­en oder zu Trä­nen gerührt war ich nicht. Dazu hat es mir der Jakob­sweg zu oft zu schw­er gemacht. Mir war in dem Moment klar, dass ich mich andern­tags noch auf den 85 km lan­gen Weg nach Fin­is­terre machen werde.

Endlich: der Atlantik am Horizont

Chris­tine begleit­ete mich auf diesem let­zten Abschnitt. Am drit­ten Tag wan­derten wir lange durch Wald und Hei­de­land­schaft. Dann war plöt­zlich am Hor­i­zont der Atlantik zu sehen. Es war für mich ein­er der Höhep­unk­te der Tour, bewegte mich mehr als der Anblick der Kathe­drale in San­ti­a­go de Com­postela und erin­nerte mich an meine Alpenüber­querung Salzburg – Tri­est, bei der man auf dem let­zten Alpen­pass am Hor­i­zont das Mit­telmeer schim­mern sieht.

Zum Atlantik war es dann nicht mehr weit. Wir kon­nten kaum glauben, dass wir die weiße Sand­bucht von Estorde ganz für uns alleine hat­ten. Ich ging in mein­er Sportshorts über den war­men Sand ins Meer und schwamm eine kurze Runde. Das Wass­er war gar nicht so kalt, schmeck­te sehr salzig. Chris­tine ran­nte nackt ins Meer. So macht sie es auch in Let­t­land.

ziel jakobsweg atlantik

Bis ans Ende der Welt

Zum Son­nenun­ter­gang waren Chris­tine und ich am Kap von Fin­is­terre. Im Alter­tum galt dies als das Ende der Welt. Der Ort hat noch immer etwas Magis­ches. Es war für mich das per­fek­te Finale meines Jakob­sweges. Hin­ter uns der Leucht­turm, unter uns die Steilküste, vor uns nichts als das rauschende Meer. Wir hat­ten Rotwein und ein Pick­nick dabei, um den Moment gebührend zu feiern.

Ab dem näch­sten Tag war schlecht­es Wet­ter mit viel Regen ange­sagt. Eines von zwei Wun­dern der let­zten 108 Tage war das grandiose Wet­ter. Ich hat­te ins­ge­samt kaum mehr als fünf Stunden Regen erlebt. Oft schien tage­lang die Sonne. Das zweite Wun­der ist, dass ich die let­zten fünf Tage ohne Tape und Pflaster gehen kon­nte, nach­dem ich am Bodensee auf­grund von Blasen an den Füßen fast aufgeben musste und danach lange mit schmerzhaften offe­nen Wun­den herum­lief.

Und was habe ich mitgenommen?

Dass der Jakob­sweg ein Weg ist, auf dem richtige Wun­der geschehen und sich jed­er verän­dert, halte ich größ­ten­teils für einen Mythos. Natür­lich habe ich inter­es­sante Men­schen ken­nen­gel­ernt und kehre mit einem Haufen an Ideen und Inspi­ra­tio­nen nach Franken zurück. Das kenne ich aber auch von meinen Alpenüber­querun­gen, Fer­n­wan­derun­gen und Radreisen. Die eine oder andere Idee und Inspi­ra­tion möchte ich auf meinem Blog einfachbewusst.de auf­greifen. Dort werde ich in den näch­sten Monat­en auch auf meinen Jakob­sweg zurück­blick­en.

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Nachhaltigkeit? Einen Schritt weiter denken!

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Hey, mein Name ist Laura, ich bin 22 Jahre alt und befinde mich gerade auf der Zielgeraden meiner Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau bei OTTO. Als ich meine Ausbilung anfing, hatte ich, um ehrlich zu sein, mit dem Thema Nachhaltigkeit noch nicht viel am Hut. Aber ich hatte eine Vorstellung davon, was nachhaltiges Leben bedeuten könnte. In dieser Vorstellung kamen (seltsamerweise, wie ich nun finde) vor allem die Farbe grün, biozertifiziertes Gemüse und der Verzicht auf Plastiktüten vor – ein Bild eines so vielfältigen Themas, das mir jetzt absolut ungenügend erscheint. Zum Glück sollte sich das relativ schnell ändern!

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Hallo, ich heiße Christof und schreibe auf meinem Blog über Minimalismus und Nachhaltigkeit. Ohne materiellen Überfluss, negative Beziehungen und unnötige Verpflichtungen zu leben, führt zu persönlichem Glück und gesellschaftlichem Gewinn....

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