Internationale Nachhaltigkeit – Vergleich Umweltbewusstsein Deutschland und Großbritannien

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Nach­haltigkeit und Umwelt­be­wusst­sein unter­schei­den sich von Land zu Land. Wir wagen den Blick über den Ärmelka­nal und zeigen, welche ver­schiede­nen Ansätze es in Deutsch­land und Eng­land gibt.

Nachhaltigkeit fuer eine saubere Umwelt

Ich bin vor Kurzem mit meinem Mann aus beru­flichen Grün­den von Deutsch­land nach Eng­land gezo­gen. Wir leben nun erst ein­mal auf unbe­fris­tete Zeit im Süd­west­en der Insel. Auch wenn wir hier erst seit ein paar Monat­en wohnen, haben wir im Umgang mit Müll und Plas­tikver­pack­un­gen einige span­nende Unter­schiede fest­gestellt. Die möchte ich gerne mit dir teilen.

Fakten zu Recycling, Mülltrennung und Emissionen

Unterschiedliche Muelltonnen zur Muelltrennung

Bevor wir auf unsere sub­jek­tiv­en Ein­drücke einge­hen, hier ein paar kurze Fak­ten zum Ver­gle­ich Deutsch­land und Großbri­tan­nien im Bere­ich Umwelt­be­wusst­sein: 

Recy­cling: Im Jahr 2018 wur­den laut Euro­stat 44,1 Prozent der kom­mu­nalen Abfälle im Vere­inigten Kön­i­gre­ich recycelt. Eine Quote, die unter dem EU-Durchschnitt von 47 Prozent liegt. In Deutsch­land liegt die Quote laut Euro­stat bei 56,1 Prozent. Jedoch pro­duziert Deutsch­land pro Kopf auch ins­ge­samt mehr Müll. Je Ein­wohn­er wur­den in Deutsch­land im Jahr 2017 zum Beispiel rund 38,5 Kilo­gramm Plas­tikver­pack­ungsmüll verur­sacht. Im Ver­gle­ich dazu nur rund 34 Kilo­gramm pro Ein­wohn­er im UK. Das Vere­inigte Kön­i­gre­ich stand auch anfänglich an der Spitze der Recycling-Welle, doch ist in den let­zten Jahren hin­ter den Zielvor­gaben zurück­ge­fall­en und hat sog­ar einen Rück­gang sein­er Recycling-Bemühungen erlebt. Das UK kann jedoch auch eine Rei­he neuer, erfol­gre­ich­er Recy­clingsys­teme verze­ich­nen. Die Steuer auf Plas­tik­tüten wurde bere­its 2015 einge­führt und sei­ther haben die Einzel­händler jedes Jahr rund 83 Prozent weniger Tüten aus­gegeben. Das ist eine Reduzierung um mehr als 6 Mil­liar­den Tüten jährlich. 2018 wurde auch der Plastikstrohhalm-Boykott eingeführt.

Trennung von Haushaltsmuell in Grossbritannien

Müll­tren­nung: Müll­tren­nung ste­ht in Deutsch­land ganz oben auf der Tage­sor­d­nung. Es gibt eine blaue Tonne für Papi­er, eine braune oder grüne Tonne für Bioab­fall, eine gelbe für Plas­tik und eine schwarze für andere Mate­ri­alien. Darü­ber hin­aus ist es in Deutsch­land auch üblich, Pfand­flaschen in Super­märk­ten und Glas­flaschen an öffentlichen Sam­mel­stellen abzugeben. Ein­er der erfol­gre­ich­sten Schritte hin zu einem grüneren Deutsch­land ist die Ein­führung des Grü­nen Punk­tes im Jahr 1990. Er ist ein Finanzierungsze­ichen für die Teil­nahme an dualen Sammel- und Ver­w­er­tungssys­te­men, also ein Label für recycel­bare Wert­stoffe. Jedoch gibt es hier auch immer wieder Kri­tik an der Umset­zung. Auch in Großbri­tan­nien ist Müll­tren­nung beliebt. Doch je nach Bezirk gibt es viele ver­schiedene Sys­teme. Viele argu­men­tieren, dass dies zu Ver­wirrung führt und bedeutet, dass viele Gegen­stände unnötiger­weise nicht recycelt werden.

CO2 Emissionen durch Industrie

CO2-Emissionen: Wenn man sich die CO2-Emissionen pro Kopf anschaut, ste­ht Großbri­tan­nien im Ver­gle­ich zu Deutsch­land bess­er da: 9,65 Ton­nen CO2 Emis­sio­nen fie­len in Deutsch­land pro Kopf im Jahr 2017 an. Im UK waren es 5,81 Ton­nen pro Kopf. Dazu hat Großbri­tan­nien sein Emis­sion­sziel für 2020 übertrof­fen. Die derzeit­ige Poli­tik wird jedoch dazu führen, dass Großbri­tan­nien das Ziel für 2030, 57 Prozent unter dem CO2-Level von 1990 zu sein, nicht oder nur knapp erre­ichen wird. Großbri­tan­niens CO2-Reduktionsrate bis 2030 wird voraus­sichtlich drastisch langsamer sein als in den bei­den vor­ange­gan­genen Jahrzehn­ten. Deutsch­land ist auf einem guten Weg, das Ziel für 2020 ger­ade noch zu erre­ichen. Pro­jek­tio­nen zeigen jedoch, dass Deutsch­land bei der derzeit­i­gen Poli­tik im wahrschein­lich­sten Fall sein Ziel für 2030 (eine Reduk­tion von 55 Prozent im Ver­gle­ich zu 1990) deut­lich unter­schre­it­en und im besten Fall das Ziel für 2030 knapp erre­ichen wird. Die Möglichkeit, das 2040-Ziel und das Ziel der Null-Emissionen im Jahr 2050 zu erre­ichen, erscheint unwahrschein­lich, da es derzeit keine klare Poli­tik zur Erre­ichung dieser Ziele gibt. Bei­de Län­der zeigen also gute erste Bemühun­gen, den Kli­mawan­del aufzuhal­ten, ver­sagen aber an der derzeit­i­gen langfristi­gen Pla­nung, die CO2-Emissionen drastisch zu reduzieren.

2038 als Datum für den Kohleausstieg ist zum Beispiel fast ein Jahrzehnt zu langsam, um die Ziele des Paris­er Abkom­mens zu erre­ichen, und im Mai 2020 ging ein neues Kohlekraftwerk ans Netz. Hinzu kommt, dass zwar Deutsch­land zuvor führend bei der Bere­it­stel­lung neuer Kapaz­itäten für erneuer­bare Energien im Strombere­ich war. Mit­tler­weile hat sich der Kapaz­ität­szuwachs bei Wind- und Solaren­ergie aber deut­lich ver­langsamt, was die gesamte Branche gefährdet. In den let­zten zehn Jahren gin­gen in diesem Sek­tor mehr Arbeit­splätze ver­loren, als derzeit im Kohle­sek­tor beschäftigt sind. Alle oben genan­nten Ziele sind Teil des Paris­er Kli­maabkom­mens. Wenn alle Regierun­gen ihre Netto-Null-Emissionsziele für 2050 erre­ichen, kön­nte die Erwär­mung bis 2100 bei 2,1 °C liegen, im Ver­gle­ich zum 1,5 °C-Ziel des Paris­er Abkommens.

Umweltbewusstesein in England: Die ersten Eindrücke

Recyclingcentre in Grossbritannien

So viel zu den offiziellen Zahlen und Fak­ten. Nun zu unser­er per­sön­lichen Erfahrung, die wir bish­er gemacht haben. 

Haushaltsmüll: Zunächst ein­mal ist uns die unter­schiedliche Art der Müll­tren­nung aufge­fall­en. Hier in der Graf­schaft Devon tren­nen wir im Haushalt laut Stadtverord­nung Exeter mit der grü­nen, schwarzen und der braunen Tonne. In die grüne Müll­tonne kom­men Getränke­dosen, Kon­ser­ven­dosen, Aerosole, Keks­dosen und -deck­el, Alu­mini­um­folie, Plas­tik­flaschen, ein­schließlich Flaschen für Haushalt­sreini­gung­spro­duk­te, Plas­tik­folie, Luft­pol­ster­folie, Lebens­mit­tel­be­häl­ter aus Kun­st­stoff, Plas­tik­tüten, Zeitun­gen und Zeitschriften, Pappe und Kat­a­loge. In die braune Tonne kom­men Garten­abfälle, also Blu­men und Pflanzen, Grass­chnitt, Blät­ter und Rinde, Baum­schnitt, Heck­en­schnitt und kleine Äste. In die schwarze Tonne kommt der Rest­müll. Diese Art der Müll­tren­nung hat mich am Anfang oft ver­wirrt. Glas soll am besten an offiziellen Sam­mel­stellen abgegeben wer­den, doch ent­decke ich diese nur sel­ten in der Stadt. Dazu fehlt mir die Biotonne für Gemüse- und Obstreste, weshalb wir nun einen Wurmkom­poster im Garten haben.Was mich jedoch sehr pos­i­tiv über­rascht hat, war die große Recy­clingsta­tion nahe der Innen­stadt. Hier wird von alten Her­den über Tex­tilien bis hin zu Garten­abfällen und Kar­tons eine Vielzahl an Haushaltsabfällen akzep­tiert. Die Abgabe ist umson­st und der Müll wird fein säu­ber­lich getren­nt, entsorgt und laut Devon City Coun­cil kor­rekt recycelt. Da die Mitar­beit­er vor Ort genau prüfen, dass die Müll­tren­nung kor­rekt erfol­gt, sollte die Sortier­treue hier sehr hoch liegen.

Recycling von Muell

Umwelt­be­wusst­sein und Mül­lver­mei­dung im All­t­ag: Mit Freude kon­nte ich fest­stellen, dass Exeter über zwei Zero Waste-Läden ver­fügt sowie über einige Zero Waste-Stationen in ein paar aus­gewählten Super­märk­ten oder Farmshops. Für eine kleine Stadt mit nur knapp unter 130.000 Ein­wohn­ern ist das eine sehr gute Rate. Dazu kommt ein Zero Waste-Shop im Nach­barort Top­sham und ein neuer Zero Waste-Laden, der in Kürze öffnet, im Nach­barort Exmouth. Die Möglichkeit, ein­fach nach­haltiger und unver­packt einzukaufen, ist hier defin­i­tiv gegeben. Dazu kann ich von eini­gen sehr gut bestück­ten Vintage-Läden bericht­en sowie einem Fair Fash­ion-Laden. Dazu gibt es in der Stadt einen 100 Prozent veg­a­nen Friseur und zahlre­iche veg­ane oder sehr veg­an­fre­undliche Cafés. Auch auf dem Land, in kleineren Ortschaften oder auch in den kle­in­sten Pubs habe ich kaum Prob­leme, auswärts veg­an zu essen, da oft min­destens ein veg­anes Gericht auf der Speisekarte ste­ht. So fällt es mir sehr leicht, weit­er­hin meinen All­t­ag so nach­haltig wie möglich zu gestal­ten. Was ich aber lei­der fest­stellen musste: In den großen Super­mark­tket­ten war bish­er fast alles an Gemüse und Obst unnötig in Plas­tik ver­packt, wie zum Beispiel Bana­nen, Äpfel, Kartof­feln etc.

To-Go-Verpackungen: Mein sub­jek­tiv­er Ein­druck ist auch, dass es hier ein­fach­er ist, in Cafés oder bei Delikatessen­händlern den eige­nen, wiederver­wend­baren To-Go-Becher oder eine Brotzeit­box mitzubrin­gen, um Ver­pack­ungsmüll bei Essen oder Trinken zu sparen. Sehr sel­ten wurde dies bish­er nicht akzep­tiert und wenn dann nur auf­grund der aktuellen pan­demis­chen Lage.

Beach Clean ups

Meeresver­schmutzung: Laut ein­er Umfrage von ORANGE OCEAN und YouGov ste­ht in Deutsch­land und in Großbri­tan­nien gle­icher­maßen der Schutz der Welt­meere an Platz 1 der wichtig­sten Umwelt­the­men. Für ein Land wie Großbri­tan­nien, das kom­plett vom Meer umgeben ist, wun­dert mich dies nicht. Außer­dem merkt man schnell im All­t­ag, wie wichtig dieses The­ma bei vie­len ver­schiede­nen lokalen Grup­pen ist. Es gibt regelmäßige Beach Clean-ups. Nation­al Trust, eine gemein­nützige Organ­i­sa­tion, die Objek­te aus dem Bere­ich der Denkmalpflege und des Naturschutzes in Eng­land, Wales und Nordir­land betreut, informiert regelmäßig auf ihren reich­weit­en­starken Social Media-Accounts über die näch­sten Beach Clean-ups. Für gefühlt fast jeden Strand gibt es einen fes­ten Ter­min, um sich um die Sauberkeit am Ufer zu küm­mern. Jedes Jahr gibt es außer­dem den Great British Beach Clean, ein Tag, an dem in ganz Großbri­tan­nien an den Strän­den für mehr Sauberkeit gesorgt wird. Den­noch sieht man lei­der in den Wäldern, Feldern und auch an den Strän­den regelmäßig Plas­tik­müll, wie fast über­all auf der Welt. In den Nation­al­parks wird aber regelmäßig darauf aufmerk­sam gemacht, zum Beispiel mit humor­vollen, aber auch infor­ma­tiv­en Schildern wie “Don’t Be Rub­bish”. Außer­dem sind die Strände generell sehr sauber.

Fahrrad­wege: Am meis­ten fehlen mir mehr Fahrrad­wege. Es gibt einige Fahrradrouten in Devon, die auch an der schö­nen Nord- und Süd­küste ent­lang führen. Doch in der Stadt Exeter sel­ber füh­le ich mich im Ver­gle­ich zu Berlin, wo es ja bere­its einige prob­lema­tis­che Stellen für Fahrrad­fahrer gibt, weniger sich­er im Straßen­verkehr. Ich ent­decke weniger Fahrrad­wege als zum Beispiel in Berlin und auch in den zahlre­ichen Kreisverkehren gibt es keine Spuren oder Hin­weiss­childer für Fahrrad­fahrer. Fahrradampeln kon­nte ich bish­er keine ent­deck­en. Glück­licher­weise wur­den diesen Som­mer einige Pop-up-Fahrradwege in der Stadt instal­liert, um neue Streck­en und Verkehrs­führun­gen zu testen.

Fazit: Was fehlt mir am meisten bezüglich Umweltbewusstsein?

Hinweis zur illegalen Muellentsorgung

Die Ver­füg­barkeit an veg­a­nen Cafés, Zero Waste-Läden und umwelt­be­wussten Aktio­nen sowie Aktion­s­grup­pen empfinde ich als sehr hoch in unser­er neuen Heimat­stadt. Da sich Devon das Ziel geset­zt hat, bis 2030 zur CO2-neutralen Graf­schaft zu wer­den, hoffe ich, dass diese Pop-up-Fahrradwege per­ma­nent wer­den und noch weit­ere instal­liert wer­den, um mehr Leute dazu zu motivieren, vom Auto auf zwei Räder umzusteigen.

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